Wir leben heute in spannenden Zeiten. Jesus erklärte seinen Jüngern, was die Zeichen des Endes des heutigen Weltsystems sein werden. Und wie werden sich seine Jünger in dieser Zeit verhalten? Wer wird von Gott als gerecht anerkannt? Wer wird gerettet werden? Darum geht es in den Bibelkapiteln, die hier versweise besprochen werden.

Die Worte Jesu zum Thema Abschluss des Weltsystems verstehen lernen

Matthäus Kapitel 24
Eine Vers-für-Vers-Betrachtung
aufgeschrieben ab dem Jahr 2015

Wir befinden uns im Jahr 33 u. Z., nur zwei Tage, bevor Jesus überliefert und an den Pfahl gebracht werden sollte (Matthäus 26:2). Danach würde Jesus weggehen (in den Himmel), aber Israel würde verödet überlassen werden (Matthäus 23:37-39; 26:24). Nun standen sie vor dem prachtvollen Tempel und die Jünger Jesu waren von der Größe und Erhabenheit des Tempels sichtlich angetan. Aufgrund seiner Worte, die Jesus vorher zu ihnen geredet hatte, hätten sie sich schon fragen müssen, was wohl mit diesem Tempel in Zukunft geschieht. Nun machte Jesus eine für sie schockierende Bemerkung:

Matthäus 24:1-3

Die Israeliten warteten darauf, dass der Messias kommen würde, um sie vom römischen Joch zu befreien. Jesus selbst lehrte in ihren Synagogen und auch im Tempel. Der Tempel wurde nach der Rückkehr der Israeliten aus dem babylonischen Exil gebaut, da der ursprüngliche von Salomo erbaute Tempel von den Babyloniern zerstört wurde. Die wahre Anbetung wurde damals wiederhergestellt. Und nun kommt diese schockierende Bemerkung, dass auch dieser Tempel vollständig zerstört werden würde. Deshalb hatten Jesu Jünger nun Fragen.

Eigentlich stellten sie Jesus gleich zwei Fragen auf einmal. Zum einen ging es um das Ende des Tempels und somit um das Ende des jüdischen Systems. Aus der Geschichte wissen wir, dass dieses Ende im Jahr 70 u. Z. kam, als die Römer unter Titus Jerusalem zerstörten. Dies waren also etwa 37 Jahre, nachdem Jesus diese Worte äußerte und anschließend an den Pfahl gebracht wurde. Doch Jesu Jünger wollten auch wissen, was das Zeichen seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein wird, also die Dinge, die sich in der heutigen Zeit und der nahen Zukunft ereignen. Sie wussten natürlich nicht, dass noch zweitausend Jahre zwischen diesen beiden Ereignissen vergehen sollten.

Jesus beantwortete beide Teilfragen in einer Rede. Nun könnten wir uns Fragen, warum Jesus nicht beide Fragen getrennt beantwortete. Weshalb sagte er nicht seinen Jüngern: „Zuerst beantworte ich euch die Frage, wie das Ende des jüdischen Systems mit seinem Tempel sein wird und beim nächsten Mal die Frage, wie es im Schlussteil der Tage sein wird“? Warum wird beides in einer Rede gleichzeitig beantwortet?

Mehrfachbedeutung des prophetischen Wortes

Es ist nichts Neues, dass ein prophetisches Wort von Jehova eine Mehrfacherfüllung hat. Auch Prophezeiungen aus den hebräischen Schriften haben oft eine Mehrfacherfüllung. Denn es geht ja um die Lehre, das, was wir lernen sollten. Es ist gut, die Geschichte, unsere Vergangenheit, genau zu betrachten. Denn man kann klar erkennen, welche katastrophalen Fehler die Menschen früher gemacht haben und wie es entsprechend ausging. Wenn wir aber nicht aus der Geschichte und den katastrophalen Fehlern unserer Vorväter lernen, dann wiederholt sich die Geschichte.

Jehova ändert sich nicht. Jehova musste in der Vergangenheit wiederholt ein Gericht über sein Volk bringen, weil sie vom rechten Weg abgekommen waren und gegen Jehova rebelliert hatten. Die prophetischen Worte sollen uns helfen, uns zu korrigieren und zu Jehova umzukehren. Doch wenn wir die Fehler unserer Vorväter wiederholen, muss sich auch das Gericht Jehovas wiederholen. Und so erhält eine Prophezeiung eine Mehrfacherfüllung. Und da es immer das Gleiche ist, was diejenigen falsch machen, die vorgeben, Jehova zu dienen, gelten Jesu mahnende Worte und vor allem die Lehre daraus für beide Zeiten.

Nun betrachten wir die Antwort Jesu, um daraus eine Lehre für uns zu ziehen:

Matthäus 24:4-5

Ein besonderes Anliegen war es Jesus, seine Jünger zu warnen. Wie leicht könnten sie irregeführt werden. Das muss wirklich eine reale Gefahr für uns alle sein. Selbst wenn niemand direkt behauptet, er sei der Christus, so mag es Menschen geben, die vorgeben, ein Vertreter von ihm zu sein. Man soll auf diesen hören, weil er als sichtbarer Mensch angeblich den Unsichtbaren vertritt. Aber wir wissen doch, dass es nur einen Führer und Lehrer gibt und nur einen Vater (Matthäus 23:8-12). Darum sollte auch niemand in der Christenversammlung mehr sein wollen als ein Glaubensbruder.

Matthäus 24:6-8

Das nächste Problem könnte darin bestehen, dass man wegen der Kriegsberichte erschreckt und denkt, das Ende wäre schon da. Es ist aber ein Zeichen der letzten Tage als Anfang der Bedrängniswehen. Als 1914 die „Zeiten der Nationen“ (Lukas 21:24) zu Ende waren, sind wirklich noch nie da gewesene Kriege globalen Ausmaßes über die Erde hereingebrochen. Damit waren auch riesige politische Umwälzungen (Erdbeben) verbunden und es gab Lebensmittelknappheit.

Im Jahr 1945, also nur 31 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges war nun der Zweite Weltkrieg zu Ende. Viele glaubten wohl schon beim Ersten Weltkrieg, dass dieser das Ende der Weltordnung herbeiführen würde und der Zweite Weltkrieg hätte nach Meinung einiger direkt in den Krieg von Harmagedon übergehen sollen. Doch es kam, wie Jesus es voraussagte. Es war der Anfang der Bedrängniswehen. Einige von ihnen sind auch tatsächlich nach 1945 aus dem geistigen Gleichgewicht geraten, wie man aus Berichten erfährt.

Matthäus 24:9

Auch dies hat sich in dieser Zeit bewahrheitet. Besonders in den Diktaturen und später in den Ländern des Ostblocks aber auch in einigen anderen Ländern gab es viel Verfolgung.

Matthäus 24:10-12

Wir sollten beachten, dass Jesus stets die Situation der Diener Jehovas beleuchtet und weniger der Menschen im Allgemeinen. Das geht schon aus Vers 4, 5 und 9 hervor. Hier ist immer von Dienern Jehovas die Rede. Es sind nun Dinge, die sich innerhalb der Christenversammlung zutragen. Hier geht es tatsächlich immer gesetzloser zu. Manche wenden sich beispielsweise an Älteste, wenn sie etwas von ihrem Mitbruder wissen, was er Unerlaubtes getan hat und verraten ihn auf diese Weise. Denn es wird gelehrt, dass die Reinheit der Versammlung das Wichtigste ist und dazu müssen die Ältesten alles wissen, um nötigenfalls gegen jemanden vorgehen zu können. Der wird vielleicht zurechtgewiesen oder gar ausgeschlossen.

In vielen Familien gibt es Ausgeschlossene und man wird aufgefordert, überhaupt keinen Umgang mehr mit ihnen zu haben, sie sogar wie Tote zu betrachten (Markus 13:12). So meiden sogar Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder. Es entsteht ein verurteilender Geist, bei dem die Liebe, die es unter Brüdern geben sollte, oft verloren geht. Auch wurden falsche Hoffnungen geweckt, dass das Ende ganz nahe sei und z. B. 1975 kommt. Es wurden immer wieder Zeichen gesehen, die das baldige Ende ankündigen würden.

Matthäus 24:13

Mit Ausharren ist nicht gemeint, dass man Probleme einfach aussitzt oder ignorant wird. Es geht darum, weiterhin so gesinnt zu sein, wie Jesus. Was Jesus uns vorgelebt hat, war geprägt von Liebe und Barmherzigkeit und war frei von Heuchelei (wie es in Jesaja 33:15, 16 beschrieben wird). Ausharren ist auch mit der festen und unerschütterlichen Überzeugung verbunden, dass Jehova ein gerechter Gott ist und dass er niemals auf der Seite der Bösen steht, auch wenn diese noch so viel Macht haben und sich sogar als Vertreter Jehovas, der Christenversammlung oder als Geistgesalbte (Christusse) ausgeben (Psalm 52:1, 8).

Matthäus 24:14

Charakteristisch an diesem Predigtwerk ist, dass es auf der ganzen bewohnten Erde durchgeführt wird und in allen Nationen, also völlig unparteiisch für alle Menschen. Wir können bestätigen, dass dies wirklich der Fall ist. An dieser Stelle wird nicht besonders erwähnt, wie es organisiert wird und wer welchen Anteil daran hat. Nur dass es stattfindet in dieser Zeit des Endes, wird ausgesagt. Offenkundig sollten die an diesem Werk Beteiligten und die organisatorischen Einrichtungen nicht besonders im Mittelpunkt der Betrachtung stehen (Lukas 17:10). Aber auf dieses Zeugnis folgt unmittelbar das Ende.

Matthäus 24:15-22

Diese Worte erfüllten sich schon im ersten Jahrhundert in Verbindung mit der Zerstörung Jerusalems und dem Ende des jüdischen Systems. Die Jünger Jesu hatten schon über 30 Jahre vorher genaue Anweisungen erhalten, was sie tun sollten, wenn das abscheuliche Ding, die römischen Heere, an heiliger Stätte, Jerusalem, stehen würde. Durch einen vorübergehenden Rückzug der Römer konnten auch diejenigen, die in Jerusalem waren, in die Berge fliehen. Etwa 3 ½ Jahre später wurde dann Jerusalem zerstört (Daniel 12:11). Das musste wirklich eine schreckliche Drangsal besonders für die Bewohner Jerusalems gewesen sein. Nur für die Christen war sie „verkürzt“.

Doch wie soll es nach der Zerstörung Jerusalems weitergehen? Das erfahren wir durch den Parallelbericht aus dem Bibelbuch Lukas. In Lukas 21:24 ist davon die Rede, dass Jerusalem von den Nationen zertreten wird, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind und die Bewohner sollen als Gefangene zu allen Nationen geführt werden.

Lies Lukas 21:24

Und tatsächlich wurden die Juden über die ganze Welt verstreut und konnten fast 2000 Jahre lang nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Erst in jüngster Zeit änderte sich das. Im Jahre 1948 wurde schließlich ein neuer Staat Israel gegründet. Ein wichtiger Meilenstein zur Anbahnung dieser Staatsgründung gilt die Balfour-Deklaration im Jahre 1917, durch die England seine Unterstützung zugesagt hatte. Die „Zeiten der Nationen“ waren nun offensichtlich zu Ende. Dies zeigte sich auch, als im Jahre 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Zeichen der letzten Tage gemäß Matthäus 24:7, 8 sichtbar wurden.

Jetzt sollte auch das in Erfüllung gehen, was in Offenbarung Kapitel 17 beschrieben wird. Wieder gibt es ein abscheuliches Ding. Im Bibelbuch Offenbarung wird es als scharlachfarbenes wildes Tier beschrieben, auf der eine Frau reitet (Offenbarung 17:3-5, 8). Die Frau ist Babylon die Große. In der damaligen großen Drangsal wurde das jüdische System gerichtet, jetzt ist es die falsche bzw. organisierte Religion. Und echte Diener Jehovas müssen wieder eine Flucht ergreifen. Sie müssen sich von der organisierten Religion distanzieren und auch aus ihr flüchten, denn „Babylon“ ist nicht geheilt worden (Offenbarung 18:4; Jeremia 51:9; Offenbarung 11:7)! Wird bei dieser Flucht ein „Notfallrucksack“ von Nutzen sein?

Es folgen nun noch weitere mahnende Worte, auf die wir heute achtgeben müssen:

Matthäus 24:23-28

Schon in Vers 5 wurde eine ähnliche Warnung gegeben. Menschen mögen vorgeben, den Christus zu vertreten, ja Anleitung im Namen des Christus zu geben. Wir sollen auf diese Menschen hören. Man könnte eine Anweisung erhalten, in bestimmte innere Gemächer zu gehen, um gerettet zu werden, da es ja dafür sogar einen Bibeltext gibt, den man dann entsprechend auslegt (Jesaja 26:20). Aber wir müssen aufpassen.

Der Christus wird hier mit einem Blitz verglichen. Ein Blitz kann sehr lang und weit verzweigt sein und leuchtet letztendlich sogar den ganzen Himmel aus und das, obwohl er ursprünglich an einer Stelle begann. Genauso begann das Predigtwerk der ernsten Bibelforscher und später Zeugen Jehovas an einem Ort in den USA, wo man auch eine Zentrale, ein „Bethel“ gründete. Aber dann wurde das Predigtwerk auf der ganzen Erde durchgeführt, um alle Menschen mit dem geistigen Licht zu erreichen. Dann ist es nicht mehr wichtig, wo alles angefangen hat und man sollte nicht mehr auf eine „Weltzentrale“ fixiert sein.

Auf der anderen Seite hat Jehova mit dieser Organisation zusammengearbeitet und er möchte seine Diener „auf diesem Berg“ (Jesaja 25:6, 7) lehren und zurechtweisen. Denn diejenigen, die als Diener Jehovas durch ihr Bibelverständnis wie weitsichtige Adler sein sollten, sind um einen Leib (Lukas 17:37), die leitende Körperschaft, versammelt, der am Ende wegen ihrer Abtrünnigkeit sogar ein toter Leib (Kadaver) wird.

Matthäus 24:29

Aus Vers 21 erfuhren wir schon, dass es wirklich eine nie da gewesene große Drangsal geben wird. Im ersten Jahrhundert war es das Ende des jüdischen Systems. Wir sollten aber beachten, dass es in dieser Zeit in Juda und besonders in Jerusalem eine große Drangsal gab und nicht in anderen Ländern der Erde. Diese Worte galten also denen, die vorgaben, Jehova zu dienen. Die Drangsal war nicht nur wegen des militärischen Angriffs der Römer so schlimm, sondern wegen des vollständigen und endgültigen Verlustes ihres Tempels und ihrer Anbetungsstätte und dass Jehova dies zugelassen hat und nicht für sie kämpfte. Diejenigen, die sich für gerecht hielten und geglaubt hatten, sie stünden auf Jehovas Seite, wurden von Jehova verurteilt.

Dann stellt sich uns die Frage, auf welche Weise die schlimmen Zeiten, die es in der Menschheitsgeschichte schon gab, noch irgendwie überboten werden könnten. Mehr als an einem qualvollen Tod zu sterben kann man doch nicht. In einigen Bibelübersetzungen steht an dieser Stelle statt Drangsal „schreckliche Zeit“ bzw. „Schreckenszeit“ oder „Trübsal“. Es ist also in erster Linie eine Zeit tiefster Frustration oder Schrecknisses wegen des unerwarteten Gerichts gegen diejenigen, die sich für gerecht halten, wie das ja für die Israeliten im ersten Jahrhundert auch der Fall war.

Weil in dieser Zeit Michael, der verherrlichte Jesus, aufsteht, um das Gericht an der organisierten Religion zu vollstrecken (Daniel 12:1), werden viele, die geglaubt haben, die Ersten unter den Anbetern Jehovas zu sein, dann plötzlich als Feinde Jehovas dastehen und sie stehen sogar als die schlimmsten Vertreter der falschen Religion da. Welch große Desillusionierung das sein wird! Jehova fängt die Bösen, die sich völlig verrechnet haben, da sie sich als Gerechte präsentierten. Es ist Jehovas befremdende Tat, sein ungewöhnliches Werk, von dem die Propheten geredet haben (Jesaja 22:3; 28:21; 29:14; Psalm 45:4; Joel 2:1-3; Zephanja 1:14-16).

Paralleltexte zu Himmelsphänomenen

Die Himmelsphänomene, die es im Anschluss an diese Drangsal geben wird, werden in der Bibel an vielen Stellen mit einem Tag Jehovas in Verbindung gebracht, an dem eine Nation oder ein Herrschaftssystem durch Jehovas Strafgericht untergeht (Jesaja 13:9, 10; Joel 2:31; 3:14, 15). Es ist ein anschauliches Bild. Der Himmel steht für das ganze Herrschaftssystem. Von den Himmelsphänomenen, von denen Jesus hier spricht, ist auch im Bibelbuch Offenbarung in Verbindung mit dem Öffnen des sechsten Siegels die Rede:

Lies Offenbarung 6:12-14

Die Sonne steht für diejenigen, die primär die Führung übernehmen, die Regierung, der König oder Diktator. Der Mond ist ein großer Himmelskörper am Himmel, der aber nur leuchtet, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Es sind die loyalen Regierungsbeamten, die unbedingte Loyalität zur Regierung als ihre größte Pflicht ansehen. Dann sind die Sterne, die zwar klein sind, aber ein Eigenleuchten haben, Menschen, die einen Platz in der Organisation haben und mit ihrem Talent oder Fachwissen zum Gelingen der Organisation oder des Herrschaftssystems beitragen.
Als die Hitler-Diktatur zu Ende ging, beging Hitler Selbstmord (die Sonne wurde schwarz), seine Regierungsbeamten mussten sich vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal wegen Blutschuld verantworten (der Mond wurde wie Blut). Wer im Nazideutschland eine angesehene Stellung hatte, war jetzt nicht mehr angesehen und hatte wahrscheinlich keine Stellung mehr (Sterne vielen zur Erde). Doch das ist hier nur ein Beispiel, um die Symbolik zu verstehen. Nach der großen Drangsal ist es die organisierte Religion, der dieses Geschick widerfahren wird. Lukas erwähnt für diese Zeit noch eine Begleiterscheinung:

Betrachte Lukas 21:25, 26

Man beachte, dass dies nun auf Menschen im Allgemeinen zutrifft, besonders, wenn sie in der Welt gut verwurzelt waren. Sie werden das Gericht an der organisierten Religion sehen und sich fürchten, da sie wissen, dass es von Jehova ausging und dass sie als Nächstes dran sind. Denn auch hier sind mit „Kräfte der Himmel“ die menschlichen Regierungen gemeint.

Matthäus 24:30, 31

Das Zeichen des Menschensohnes erscheint, wenn die Prophezeiung aus Daniel 7:13, 14 in Erfüllung geht. Unmittelbar vorher wurde das vierte Tier aus Eisen, das Daniel in einer Vision sah, wegen des kleinen Horns, das großtönende Dinge redet, vernichtet. Diese Ereignisse kennzeichnen das Ende des Königs des Nordens (Daniel 11:45) und das Ende von Babylon der Großen (siehe die Abhandlung „Nationen, was steckt dahinter?“). Und nun, nach all diesen Ereignissen kommt der Menschensohn „mit den Wolken des Himmels“ gemäß Daniel 7:13, um Herrschaft zu erlangen (Vers 14). In Offenbarung 1:7 ist ebenfalls von diesem dramatischen Höhepunkt der Ereignisse die Rede. Alle werden ihn „sehen“, indem sie verstehen, was hier vor sich geht! Auch die Gegner, die zu der Gruppe von Menschen gehören, die Jesus umgebracht haben, werden ihre Niederlage nun endgültig erkennen.

Das ist auch die Zeit, in der Jesaja 25:7 in Erfüllung geht, indem das Lügengewebe, das Satan über die Menschen gebracht hat, für immer verschlungen wird.

Die erste Amtshandlung des inthronisierten Menschensohnes ist das Sammeln seiner Auserwählten. Später, in Matthäus 25:31, 32 wird wieder darauf Bezug genommen, indem von einer Trennung der Menschen in Schafe und Böcke die Rede ist. Mit den Auserwählten sind nicht die Geistgesalbten gemeint, die ein Erbe im Himmel haben, denn sie befinden sich zu diesem Zeitpunkt schon alle (oder fast alle) im Himmel. Auf der Erde sind diejenigen, die aus der großen Drangsal kommen (Offenbarung 7:14) und sie sind in alle Länder verstreut. Sie müssen gesammelt werden (Jesaja 27:12, 13).

Als Nächstes geht Jesus näher darauf ein, woran man erkennen kann, wann diese Dinge geschehen oder wie nahe man schon dem Zeitpunkt gekommen ist, wann das Zeichen des Menschensohnes im Himmel erscheint und die endgültige Entscheidung getroffen wird, wer Jehovas Anerkennung hat.

Matthäus 24:32-34

Mit einer Veranschaulichung aus der Pflanzenwelt zeigt Jesus, dass wir aufmerksame Beobachter sein sollten. Die Entwicklungen, die zum Höhepunkt der Ereignisse, die große Drangsal, führen, sind schon vorher klar zu erkennen, wie man durch das Hervortreiben von Blättern erkennt, dass der Sommer nahe ist. Wenn wir aufmerksam sind, können wir die Dinge schon im Voraus verstehen und alles, was wir erleben, richtig deuten.

Zu diesen Dingen, die vorher geschehen sollen, gehören vor allem die Begebenheiten, die Jesus vorher in Vers 23 bis 28 und auch 10 bis 12 erwähnt hat. Auf diese Dinge, die die Anbahnung der großen Drangsal zeigen, bezieht sich auch die Generation, die dann erwähnt wird. Menschen, die das Gericht Jehovas unvermeidlich gemacht haben wegen ihres ungerechten Handelns, gehören zu der Generation. Eine genauere Erklärung wird in einer eigenen Abhandlung gegeben (siehe die Abhandlung „Die Generation, die nicht vergeht, was ist damit gemeint?“).

Um die Qualität der Ereignisse aufzuzeigen, fügt er noch einen sehr bedeutenden Satz hinzu:

Matthäus 24:35

Mit Himmel und Erde sind nicht der buchstäbliche Himmel und die buchstäbliche Erde gemeint, sondern die zur Menschenherrschaft gehörenden Elemente. Wir sind es gewohnt, dass Menschen über uns stehen, die uns etwas vorschreiben können, die Gehorsam fordern und die uns sogar sagen, was wir zu Glauben haben. Dies sind die Himmel, die vergehen werden. Es gibt auch Einrichtungen, an die wir uns wenden können und auf die wir bis zu einem gewissen Grad vertrauen. Zum Beispiel, wenn es brennt, rufen wir die Feuerwehr, oder wenn wir eine Autopanne haben, rufen wir einen entsprechenden Dienst, der uns da weiterhilft. Bei Problemen in Rechtsangelegenheiten wenden wir uns an den Rechtsanwalt oder an die Polizei. In der Christenversammlung wendet man sich an die Ältesten. All diese Dinge gehören zur Erde.

Jesus macht nun deutlich, dass wir nicht allzu sehr auf diese Dinge vertrauen sollen, da sie alle vergehen werden. Wenn wir darauf vertrauen, dass uns Menschen richtig führen und belehren, um in die verheißene neue Welt zu kommen, oder dass wir durch Menschen und der von ihnen verwalteten Organisation gerettet werden, sind wir völlig im Irrtum. All diese Dinge werden Jehovas Gericht zum Opfer fallen. Dennoch gibt es etwas, das nicht vergeht und das ist Gottes Wort. Ja alles, was in der Bibel steht, was Jesus und auch die Propheten geredet haben, wird sich absolut sicher erfüllen (Jesaja 25:1, 2). Von all den Dingen, die geschehen und das Ende der Menschenherrschaft herbeiführen werden, handelt Jehovas prophetisches Wort! Wie sehr sich die Menschen dann über sich selbst ärgern werden, weil sie auf andere Menschen vertraut haben!

Ein weiterer passender Vergleich führt Jesus nun als Nächstes auf:

Matthäus 24:36-39

In den Tagen Noahs haben die Menschen ein ganz normales Leben geführt und sicher geglaubt, dass alles immer so weitergehen wird. Sie haben überhaupt nicht gemerkt, was auf sie zukommt, obwohl doch Noah die Arche baute und auch Zeugnis gab (2. Petrus 2:5). Aber sie haben darüber nicht weiter nachgedacht, sondern waren mit ihrem eigenen Leben und ihren Interessen beschäftigt. Denn die Welt um sie herum hatte sie so eingelullt. Und das wiederholt sich nun kurz vor dem Gericht an diesem System der Dinge.

Dazu trägt bei, dass niemand im Voraus ein genaues Datum oder die Verhältnisse kennt, wenn sich der Tag Jehovas anbahnt. Denn Jehova hält diese Dinge genauso geheim, wie die Polizei etwa den Zeitpunkt einer Razzia und ihr Vorgehen geheim hält, um eine Verbrecherbande zu schnappen. Denn wenn man alles im Voraus wüsste, würden auch die Bösen so handeln, dass sie nicht verurteilt werden könnten. Nun aber zeigt sich, wer zum Überleben die richtige Einstellung hat:

Matthäus 24:40-42

Zwei Personen innerhalb der Christenversammlung mögen vorher scheinbar das Gleiche getan haben und man konnte nicht unterscheiden, wer nun richtig und wer verkehrt ist. Nun aber zeigt es sich. Jehova entscheidet keineswegs willkürlich, wer mitgenommen wird, sondern wer sich in der Prüfung als jemand erweist, der das richtige Verständnis hat, um auf Jehovas Seite und nicht auf Satans Seite zu stehen (Jeremia 51:1, 2). Er muss geistig wach geblieben sein. Dies geht aus den weiteren Worten hervor:

Matthäus 24:43, 44

Jesus redet zu Personen, die vorgeben, ihm zu dienen, denn es heißt „da ihr es nicht denkt“. Sein Kommen wäre also eine völlige Überraschung, obwohl seine Jünger ja sogar die Bibel sorgfältig studieren. Warum ist das so? In 1. Thessalonicher 5:3 heißt es:

Wann immer sie sagen: „Frieden und Sicherheit!“, dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen wie die Geburtswehe eine Schwangere; und sie werden keinesfalls entrinnen.

Dies ist eine einschläfernde Propaganda derjenigen, die unter uns die Führung übernehmen. Darum erwartet man nicht das Gericht Jehovas (Jesaja 24:13-16). Wie kam es dazu? Um diese Frage zu klären, wendet sich Jesus nun durch eine Veranschaulichung der Organisation zu, durch die seine Jünger in den letzten Tagen organisiert werden:

Matthäus 24:45-51

Gemäß Lukas 12:41-48 erzählte Jesus diese Veranschaulichung, nachdem Petrus gefragt hatte, ob Jesus diese Dinge speziell für seine Jünger oder auch für andere redet. Die Problematik, die Schwierigkeit, wach zu bleiben, betrifft wirklich seine Jünger.

Fassen wir den Inhalt der Veranschaulichung kurz zusammen. Es geht um einen von seinem Herrn ausgesandten Sklaven, der zunächst von seinem Herrn sehr gelobt wird, da er bei der Ankunft des Herrn das Rechte tat, nämlich Speise zur rechten Zeit auszuteilen. Darum wird er als treuer und verständiger Sklave bezeichnet und er wird über vieles, über die ganze Habe des Herrn gesetzt. Doch später wird er übelgesinnt, weil er denkt, sein Herr säumt zu kommen und er deshalb anfängt, seine Mitsklaven zu schlagen und trunken zu werden. Sein Herr kommt nun überraschend und bestraft ihn sogar mit der größten Strenge.

Nun mag sich der Zuhörer fragen, warum er so streng bestraft wird, obwohl er doch früher so vortrefflich gehandelt hat. Der Grund hierfür wird in Lukas 12:47, 48 genauer erklärt:

Lies Lukas 12:47, 48

Ihm wurde viel gegeben und deshalb hätte sein Herr auch viel verlangt. Wem man über vieles setzt, von dem erwartet man eben mehr als das Übliche. Er verstand den Willen seines Herrn und hat doch nicht danach gehandelt, das war unentschuldbar.

Und genau das ist die tragische Situation, die sich ergeben hat. Die ernsten Bibelforscher haben wirklich lobenswert gehandelt, da sie geistige Speise zur rechten Zeit ausgeteilt haben. Lange vor 1914 haben sie auf dieses bedeutsame Jahr hingewiesen und dass der Herr Jesus unsichtbar wiederkommen würde. Und sie gingen eifrig voran, dies allen Menschen bekannt zu machen. Sie wurden über die ganze Habe gesetzt, indem diese kleine Gruppe, die 1914 aus etwa 5000 Personen bestand, den Auftrag erhielt, in den letzten Tagen die gute Botschaft gemäß Matthäus 24:14 weltweit zu verkündigen. Sie gingen weiterhin eifrig ans Werk und es gibt mittlerweile über 8 Millionen Zeugen Jehovas.

Doch leider blieb es nicht bei dieser lobenswerten Handlungsweise. Sie fingen an, ihre Mitbrüder zu schlagen, indem viele ausgeschlossen wurden und das oft ohne faires Verfahren mit Rechtsbeistand. Viele Familien sind gespalten, weil Familienmitglieder ausgeschlossen sind und es verlangt wird, dass man sie sogar innerhalb der Familie meidet. Der Frieden in den Versammlungen ist nur oberflächlich, da die schlechten Dinge einfach ignoriert und zum Tabuthema erklärt werden. Aber man redet immer mehr über Frieden und Sicherheit in Verbindung mit der Versammlung und der Organisation (siehe auch Jesaja 24:13-20). So muss Jehovas Tag überraschend kommen mit einem verheerenden Gericht von Jehova. Doch die Problematik für die einzelnen Glieder der Versammlung besteht darin, dass sie bis zum Schluss zu Glauben veranlasst werden, dies sei immer noch der treue und verständige Sklave und Rettung kommt von dieser Organisation. Deshalb ist das Wachbleiben so schwierig!

In den beiden folgenden Gleichnissen geht es darum wieder um das Thema Wachsamkeit.

Das Gleichnis von den Jungfrauen

Matthäus Kapitel 25

Die beiden Gleichnisse führte Jesus an, nachdem er vom treuen und verständigen Sklaven und dann vom übelgesinnten Sklaven gesprochen hatte. Es ist deshalb naheliegend, dass es um den Tag Jehovas geht, auf den wir warten. Mit ihnen wollte er offenkundig zeigen, was es bedeutet, beharrlich zu wachen, gerade weil wir Tag und Stunde nicht kennen.

Matthäus 25:13

Da es sich um Gleichnisse handelt, müssen die einzelnen Symbole nicht allzu buchstäblich zu verstehen sein. Es sind Bilder. Wir sollten vielmehr den Grundsatz und die Problematik verstehen und den praktischen Nutzen daraus ziehen. Der Ausdruck „Tag und Stunde“ aus Matthäus 25:13 nimmt darauf Bezug, dass es nicht nur eine Sache ist, etwa einen Zeitpunkt, den wir nicht kennen, sondern es wird noch mehr Überraschungen geben. In der Zeit, in der Jesus auf der Erde war, gab es keine Uhren (außer einfache Sonnen- und Wasseruhren), aber einen Kalender. Den Tag konnte man durch den Kalender und Zählen der Tage bestimmen. Einen bestimmten Tag zu kennen, bedeutet, einen Termin im Kalender zu kennen.

Die Stunde am Tag hingegen schätzt man, wenn es keine Uhr gibt, gefühlsmäßig. Denn wir haben ja unsere innere Uhr und haben es einfach im Gefühl, ob es früh oder spät am Morgen, kurz vor oder schon nach Mittag ist. Demgemäß bedeutet die Stunde nicht zu kennen, dass wir auch nicht wissen, welche Verhältnisse unter Gottes Volk dann vorherrschen und wie die geistige Gesinnung oder Einstellung oder Geisteshaltung der meisten sein wird (zum Vergleich Johannes 16:2,25; Lukas 22:53). Und genau das führt uns zu der Tragik, die in den beiden Gleichnissen zum Ausdruck kommt.

Wenn wir wirklich verstehen wollen, wie wir persönlich wach bleiben können, wäre es von keinem Nutzen, wenn wir die Gleichnisse auf Zeiten beziehen würden, an denen wir noch gar nicht gelebt haben und deshalb auch nichts besser machen konnten. Auch wäre es von keinem Nutzen für alle, die sich zu den anderen Schafen zählen, wenn wir sie nur auf Geistgesalbte anwenden.

Gleichnisse heben ein allgemeines Prinzip hervor. So konnten sich auch Personen, die noch lange vor dem Tag Jehovas und vor der heutigen Zeit gelebt haben, vom Geist dieser Gleichnisse anspornen lassen. Wir werden aber sehen, dass sie für uns heute von größtem Nutzen sind.
Lesen wir Matthäus 25:1-5. Stellen wir uns vor, wir wären eine solche Jungfrau, die mit einer brennenden Lampe in der Hand dem Bräutigam entgegenläuft.

Matthäus 25:1-5

Ist dieses Bild passend? Wir haben doch die Wahrheit kennengelernt, haben uns als Zeuge Jehovas taufen lassen und laufen dem Ziel, das Ende dieses Systems entgegen, indem wir Zeugnis geben für das Königreich und dass das heutige bedrückende System beseitigt wird am Tag Jehovas, um es durch das messianische Königreich zu ersetzen. Viele von uns taten das schon vor Jahrzehnten und mit großem Dringlichkeitsbewusstsein. Man erwartete das Ende dieses Systems schon lange und dass es in kürzester Zeit kommt.

Es gab eine Zeit, in der es unter uns verpönt war, zu heiraten, weil man doch so kurz vor dem Ende nicht noch eine Familie gründen sollte. Doch heute hat man sich damit abgefunden, dass das Ende nicht ganz so schnell kommt. Der Bräutigam bleibt noch aus. Das Dringlichkeitsbewusstsein lässt nach. Wir schlafen in geistiger Hinsicht. In dem Gleichnis begannen sogar alle Jungfrauen zu schlafen. Wenn man schläft, merkt man das gar nicht, sondern erst, wenn man aufgeweckt wird (Hohes Lied 5:2; 8:5). Aber warum sind denn die einen töricht, die anderen verständig? Was unterscheidet denn beide Gruppen? Lesen wir erst mal, wie es weitergeht:

Matthäus 25:6-8

Es entstand ein Geschrei! Offenkundig brach nun der Tag Jehovas mit dem Gericht an der falschen bzw. fehlgeleiteten organisierten Religion herein (Offenbarung Kapitel 18). Alle waren nun wach und wollten natürlich als Freunde des Bräutigams leuchten, also jetzt erst recht Zeugnis geben und die Erkenntnis Jehovas vermitteln und Jehovas Gerechtigkeit widerspiegeln (Johannes 17:3). Doch erst jetzt unterschieden sich die beiden Gruppen voneinander.

Die Törichten hatten nun ein Problem, da ihre Lampen nun daran waren, zu erlöschen. Vorher hatten offenkundig alle geleuchtet. Das konnten sie natürlich nur, weil sich Öl in ihren Lampen befand. Das Öl ist ja das eigentliche Leuchtmittel. Die Lampe ist nur die Vorkehrung, um das Leuchtmittel, Öl, zum kontrollierten Abbrennen und dadurch zum Leuchten zu bringen. Unsere Organisation, in der wir ja Jehova gedient haben, hat uns stets alles geliefert. Sie hat uns ausgerüstet mit jedem Werkzeug, um unseren Predigtdienst richtig durchführen zu können. Auch Anleitung für die richtige Lebensweise hat sie geboten. Auch die Erkenntnis Jehovas, die geistige Speise, das „Öl“, hat sie mitgeliefert.

Wie haben wir reagiert? Scheinbar haben ja alle das Gleiche getan, wir waren Königreichsverkündiger. Doch wie hat sich die Wertschätzung für die Erkenntnis der Wahrheit ausgewirkt?

Einige hatten eifrig studiert, um Jehova immer besser verstehen zu können (Johannes 17:3). Sie waren darum bemüht, selbst den Sinn zu erfassen, um sich die Wahrheit wirklich zu eigen zu machen. Andere hingegen waren Mitläufer. Auch sie konnten gute Königreichsverkündiger werden, weil sie ja von der Organisation ausgerüstet wurden. Sie waren vielleicht sogar der Organisation besonders ergeben, der sie dann einfach gefolgt sind.

Doch nun kam es zu einer folgenschweren Veränderung. Die Organisation wurde von Jehova gerichtet! Für die Mitläufer wurde das zur Katastrophe. Sie wussten nicht mehr weiter. Aber die Verständigen hatten die Vorgehensweise Jehovas verstanden und konnten nun heller leuchten als je zuvor. Nun aber tun die Mitläufer das, was sie ja schon immer taten. Sie wollen sich von den Verständigen führen lassen, mit ihnen mitlaufen. Doch ihre Rechnung geht diesmal nicht auf:

Matthäus 25:9-12

Da die Organisation gerichtet wurde, konnten es sich die Verständigen nicht erlauben, wieder eine Organisation für Mitläufer aufzubauen (Hohes Lied 8:13, 14). Sie sollten vielmehr nun selbst das richtige Verständnis erwerben, um sich die Wahrheit zu eigen zu machen, damit sie sich von niemandem mehr irreführen lassen würden. Als Folge ihres Unverständnisses kamen sie nun zu spät. „Ich kenne euch nicht“, wird die schockierende Antwort des Christus und Jehovas sein. Jehova kann mit den stolzen Mitläufern und den verlogenen und heuchlerischen Nachahmern echter Christen nichts anfangen!

Das Gleichnis von den Talenten

Das nächste Gleichnis von den Talenten behandelt wieder das gleiche Thema. Es bringt aber einen weiteren Aspekt ins Spiel und beleuchtet einen Grund, weshalb es sein kann, dass jemand lieber ein Mitläufer ist, als persönlich zu studieren und Fortschritte im genauen Verständnis der Wahrheit zu machen:

Matthäus 25:14, 15

Hier stellt sich zunächst die Frage, was die Talente symbolisieren. Um dies klar zu erkennen, betrachten wir zuerst den Ausgang des Gleichnisses:

Matthäus 25:29, 30

Zu diesen Worten gibt es ein Paralleltext, wo Jesus offenkundig von gleichen Dingen sprach:

Betrachte Matthäus 13:10-12

Es geht also um das richtige Verständnis. Wer „hat“, der hat also ein Maß an Verständnis über die Lehren Jesu und kann weiteres Verständnis hinzugewinnen. Wer kein Verständnis hat, dem wird das eingebildete oder oberflächliche scheinbare Verständnis auch noch weggenommen werden.

Als wir anfingen, die Bibel zu studieren, um schließlich ein Zeuge Jehovas zu werden, hatten wir ein gewisses Verständnis der Wahrheit erlangt. Wir hatten verstanden, was die Bibel wirklich lehrt und dass sie von Gott inspiriert ist. Wir hatten auch verstanden, dass viele Lehren, die in der Christenheit gelehrt werden, wie die Dreieinigkeitslehre, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, falsch sind. Wie die Geistlichen der Christenheit ihre Gläubige irregeführt haben wegen ihrer Machtinteressen und die Machtinteressen ihrer Kirche. Die Gottesfurcht der Menschen wurde ausgenutzt, z. B. durch die Lehre von der ewigen Qual in einer Feuerhölle und die Lehre vom Fegefeuer, um sie gegenüber der Kirchenleitung gefügig zu machen.

Wir haben gelernt, dass wir seit 1914 in der Zeit des Endes leben und noch vieles mehr. Wir sagen interessierten Personen, mit denen wir die Bibel studieren, dass es wichtig ist, Fragen zu stellen und auch die Lehren ihrer Kirche einmal zu hinterfragen (siehe das Buch: Was lehrt die Bibel wirklich Kapitel 1) [27]. Aber wie reagieren wir auf diese Erkenntnis? Studieren wir eifrig die Bibel, um noch mehr verstehen zu dürfen oder lassen wir uns wieder erneut irreführen?

Matthäus 25:16-23

In dem Gleichnis haben zwei Sklaven richtig gehandelt, indem sie ihre Erkenntnis gemehrt haben. Dass der Herr in dem Gleichnis außer Landes reiste und erst nach langer Zeit zurückkommt, sollte uns vor Augen führen, dass wir genügend Zeit haben, uns um mehr Erkenntnis aus der Bibel zu bemühen. Jehova greift in dieser in unseren Augen langen Zeit nicht ein, wenn uns jemand etwas Verkehrtes lehrt oder wenn Dinge verkehrt laufen. Erst am Tag Jehovas, wenn der Herr zurückkommt, um die organisierte Religion zu richten, werden die Dinge richtiggestellt.

Dass beide Sklaven in gleicher Weise gelobt und belohnt wurden, obwohl sie unterschiedliche Anzahl Talente bekamen und mehrten, sollte zeigen, dass wir uns bei unserem Bemühen, die Wahrheit genau zu verstehen, nicht miteinander vergleichen sollten (Galater 6:4, 5). Wie viele treu oder untreu sind, soll damit nicht ausgesagt werden.

Doch nun kommen wir zu dem dritten Sklaven, der sein Talent in der Erde verbarg. Warum tat er das?

Matthäus 25:24-28

Interessant ist nun, wie sich der Sklave rechtfertigt und sein Verhalten begründet. Er wusste, dass sein Herr streng ist. Dann hätte er sich doch eigentlich erst recht anstrengen müssen, die Habe seines Herrn zu mehren. Doch was er dann anführt, das zeigt, dass er seinen Herrn nicht nur für streng hält, sondern auch für ungerecht! Denn wer erntet, ohne zu säen und sammelt, ohne zu worfeln, also ohne zu arbeiten, ist doch eigentlich ein Dieb! Wie soll man das verstehen. Ist Jehova oder Jesus Christus denn ungerecht oder gar ein Dieb? Warum fürchtete er sich nun?

Dies ist die Situation, die wir tatsächlich erleben. Diejenigen, die in der Organisation die Führung übernehmen, geben ja vor, dass ihre richterlichen Entscheidungen mit Jehovas Denkweise übereinstimmen. Jehova würde durch sie seine Organisation leiten. Aber man erlebt immer mehr Ungerechtigkeit innerhalb der Organisation. Und wenn jemand zu viel nachdenkt und zu eigener Erkenntnis über das richtige Bibelverständnis kommt, dann sagt man, er würde der Organisation vorauseilen und das ist gemäß 2. Johannes 9 böse. Man betrachtet ihn zu guter Letzt vielleicht sogar als einen Abtrünnigen und schließt ihn womöglich aus der Christenversammlung aus. Viele fürchten sich da und werden lieber zu willige Mitläufer, statt in der Bibel gründlich zu forschen und sich völlig im Klaren zu sein, dass Jehova niemals ungerecht handelt (5. Mose 32:4, 5).

Selbst wenn andere gründlich forschen, mögen sie das nicht und achten nicht auf ihre Ergebnisse, um mehr Verständnis zu gewinnen (durch die „Bankleute“), da sie so erzogen wurden, dass jede Erkenntnis nur durch einen bestimmten Mitteilungskanal kommen darf. Wie werden sie dastehen, wenn ihr Herr kommt, um diese ungerechte Organisation zu richten?

Das Gleichnis von den Schafen und Böcken

Nun kommen wir zu einer weiteren Veranschaulichung, die uns zeigt, wer die Königreichsverheißungen erben darf und wer nicht. Hier werden Grundsätze aufgezeigt, die alle Menschen einschließen, auch solche, die lange Zeit nicht die Gelegenheit hatten, eine genaue Erkenntnis der Wahrheit zu erwerben (Lukas 12:48). Es ist das Gleichnis von den Schafen und den Böcken. Es gehört zu den am meisten missverstandenen und falsch ausgelegten Bibeltexten. Das leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass es schließlich um die Frage geht, wer gerettet wird und die Gunst des Schöpfers hat. Gehen wir zunächst das Gleichnis durch:

Matthäus 25:31-33

Diese Dinge ereignen sich nach der großen Drangsal, also zu der Zeit, in der Matthäus 24:31 in Erfüllung geht. Jesus hat offenkundig kein Problem, die Schafe von den Böcken zu unterscheiden.

Matthäus 25:34

Jeder, der positiv beurteilt wird, erhält nun die feste Zusicherung, im Paradies auf der Erde leben zu dürfen (Psalm 37:29). Die Geistgesalbten befinden sich dann schon im Himmel.

Matthäus 25:46

Und solche, die ungünstig beurteilt werden, werden nun ihr Todesurteil empfangen.
Doch jetzt würden wir uns doch brennend dafür interessieren, nach welchen Kriterien die Menschen beurteilt werden, denn von diesem Urteil hängt ja alles ab. Jesus gibt nun eine Erklärung:

Matthäus 25:35, 36

Die Gerechten verstehen die Antwort zunächst nicht, da sie ja Jesus nicht persönlich begegnet sind. Jesus befindet sich doch als Geistgeschöpf im Himmel und in der Zeit, in der er auf der Erde war, haben sie noch nicht gelebt. Und vielleicht haben sie noch nicht einmal die Gelegenheit gehabt, die Bibel zu studieren, um den Christus auf diese Weise kennenzulernen:

Matthäus 25:37-39

Jesus fährt fort, dieses Rätsel zu klären, indem er darauf hinweist, dass er heute Brüder auf der Erde hat, die an seiner Stelle stehen:

Matthäus 25:40

Manche heben hervor, dass in dem Gleichnis von Armen und Schwachen die Rede ist, denen man Gutes tun sollte. Wenn man sich also für die Armen dieser Welt aufopfert, ob sie nun überhaupt Christen sind oder nicht, dann würde man vortrefflich handeln. Sie übersehen natürlich, dass hier von „Brüder Christi“ die Rede ist. Aber es gibt auch andere, die gerade dies betonen. So ist es für sie eine heilige Gruppe Auserwählter, denen man Gutes tun müsste, indem man ihnen gehorsam ergeben ist. Das Problem bei diesem Verständnis besteht darin, dass auf diese Weise eine Gruppe von Menschen verherrlicht wird, die dann eine ungeheure Macht ausüben kann. Woher weiß man denn, dass diese vor Jehova so heilig sind? Das richtige Verständnis dieses Gleichnisses ist erst möglich, wenn man beides betrachtet.

Die Brüder Christi befinden sich in einem erniedrigten Zustand, nackt, im Gefängnis, hungernd. Warum sollte das so sein? Wer sind die Brüder Christi?

Dazu müssen wir verstehen, welche Erfahrungen der Christus gemacht hat, als er auf der Erde war. Schon über Moses wurde gesagt, dass er „die Schmach des Christus für größeren Reichtum achtete als die Schätze Ägyptens“:

Lies Hebräer 11:24-26

Moses hatte sich also entschieden, eher mit dem Volk Gottes schlecht behandelt zu werden. Warum? Weil er die Schmach des Christus so sehr schätzte. Der Christus war nicht nur bereit, als Mensch auf die Erde zu kommen, sondern sich dort auch noch schlecht behandeln zu lassen. In Johannes 1:11 lesen wir:

Er kam in sein eigenes Heim, aber sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf.

Schließlich war er bereit, einem Opfertod zu sterben und dies an einem Marterpfahl. Welche Erfahrungen er gemacht hat, geht aus Jesaja 53 hervor:

Lies Jesaja 53:2-9

Und wegen seiner Bereitschaft, sich so zu erniedrigen, ist er von Jehova auch über alle Geschöpfe erhöht worden (Philipper 2:5-11). Jesus ist das genaue Gegenteil von Satan. Das Geistgeschöpf, das zum Satan wurde, war ursprünglich ein herrlicher Engel. Aber wegen all seiner Herrlichkeit wurde er stolz und begann zu sündigen (Hesekiel 28:13-17). Doch nun ist er der eigentliche Herrscher der Welt und der Herrscher der Gewalt der Luft, durch die die allgemeine Geisteshaltung der Menschen beeinflusst wird (Johannes 14:30; Epheser 2:2). Darum haben viele Menschen von Jesus nicht viel gehalten und sie haben ihn geschmäht. Doch die Jünger Jesu wussten, dass er der verheißene Messias ist und sie hatten ihn geschätzt.

Deshalb sollten wir uns fragen, zu welcher Gruppe wir gehören. Würden wir Jesu Jünger sein, ihn anerkennen oder würden wir uns durch den Geist der Welt dazu bringen lassen, ihn zu verachten? Durch die Art und Weise, wie wir zu dem Christus eingestellt gewesen wären, verraten wir, auf welcher Seite wir stehen. Doch nun mögen wir einwenden, dass wir Christus ja nie persönlich begegnet sind. Darum müssen wir verstehen, dass es auch heute Menschen gibt, die genauso in Schmach geraten sind, wie der Christus, weil sie Jehova dienen und Christi Jünger sind. Denn Jesus sagte seinen Jüngern voraus, dass sie verfolgt würden:

Lies Johannes 15:20

Wie reagieren wir, wenn ein Diener Jehovas, der Jehova loyal gedient hat, nun in Unehre geraten ist? Wenn er sich in einem schwachen Zustand befindet? Und man merkt, dass die Anklagen, die man gegen ihn vorbringt, sehr hart oder sogar verleumderisch sind. Stehen wir dann auf der Seite der mächtigen Ankläger oder getrauen wir uns, dem übervorteilten Anbeter Jehovas Gutes zu tun? Paulus kam ins Gefängnis und er lobte solche Glaubensbrüder, die sich seiner Fesseln nicht geschämt haben (Hebräer 10:34; 2. Timotheus 1:16-18). Er zeigte einmal einen interessanten Gegensatz auf:

Lies 1. Korinther 4:10-13

Wer ist denn hier christusähnlich? Wer in gutem Ruf steht und stark ist oder wer in Unehre und schwach ist? Und wem würden wir Gutes tun wollen? Dem Abschaum aller Dinge? Das wäre gut, denn dann würden wir von Jehova und dem Christus günstig beurteilt werden! Denn was wir dem Geringsten seiner Brüder getan haben, also solchen, die vom menschlichen Standpunkt aus gering, sündig und schwach und in Schmach erscheinen, das nimmt er persönlich, so als ob wir es ihm getan hätten! Denn Jesus ist ja in dieser Hinsicht selbst der Geringste und wurde von Jehova als König eingesetzt (Daniel 4:17).

Und nun sollten wir verstehen, wer die Brüder Christi sind, sonst ergeht es uns so, wie die zu Jesu Linken versammelten:

Matthäus 25:41-45

Wer Jehovas Maßstab für Gerechtigkeit annimmt, handelt so wie die zuvor beschriebenen Gerechten. Wer den Maßstab der Welt für Gerechtigkeit annimmt, handelt so, wie es hier beschrieben wird. Er schmäht diejenigen, die in der Schmach des Christus wandeln, und er erkennt nur solche an, die nach weltlichem Maßstab zu ehren sind! Solche werden nicht Gottes Königreich erben, weil sie auf der Seite Satans, Jesu Widersacher stehen.
Wir werden dann später noch sehen, wie diese beiden Maßstäbe mit dem Angebot Satans, das er Eva im Garten Eden machte, zusammenhängt (siehe „Die Himmelsleiter“)!

Frage zum Verständnis:

Anlässlich eines Besuchs eines Vertreters der „Weltzentrale“ der Zeugen Jehovas erzählte ein Glied der leitenden Körperschaft über eine Erfahrung, die er vorher als Missionar in Südkorea gemacht hatte (natürlich kann man davon ausgehen, dass er zu dieser Zeit schon zu den Geistgesalbten zählte, da er ja kurz danach ein Glied der leitenden Körperschaft wurde). Dort besuchte er einige Junge Männer im Gefängnis. Sie waren im Gefängnis, weil sie den Wehrdienst verweigerten. Sie sind offensichtlich ins Gefängnis gekommen, weil sie dem biblischen Gebot für Christen, kein Teil der Welt zu sein und seine Mitmenschen zu lieben, nachkommen wollten.

Er hielt eine Versammlungszusammenkunft mit ihnen ab. Er erzählte, dass sie am Anfang verängstigt und schlecht oder fertig aussahen. Am Ende der Zusammenkunft ging es ihnen dann viel besser und sie stellten Fragen, nachdem er sie dazu aufgefordert hatte. Ob sie vor der Zusammenkunft die Gelegenheit gehabt hatten, sich zu waschen und wie ihre Kleidung aussah, das hat er uns nicht gesagt. Aber es ist anzunehmen, dass er bestimmt dem Anlass entsprechend gekleidet war und bestimmt auch frisch gewaschen war.

Aber nun die Frage: Wer sind hier am ehesten die Brüder Christi?

Autor: Bernd Oelschlägel, niedergeschrieben 2015-2016

CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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