aufgeschrieben im Jahr 2017
Jeder Zeuge Jehovas hat bei seiner Taufe ein feierliches Versprechen abgegeben. Was müssen wir heute tun, um es zu halten? Welchem von Jesus vorausgesagten Irrtum sollten wir nicht erliegen?
Tauffrage
Wenn wir uns als Zeugen Jehovas taufen lassen, lautet die erste Tauffrage, die man uns stellt:
Hast du auf der Grundlage des Opfers Jesu Christi deine Sünden bereut und dich Jehova hingegeben um seinen Willen zu tun?
Damit man diese Frage mit „Ja“ beantworten kann, muss man wissen, welche Sünden gemeint sind, ja was in Jehovas Augen überhaupt Sünde ist.
Darum hat der Taufbewerber vorher die Bibel gründlich studiert. Er nahm Erkenntnis in sich auf über Jehova mit seinen Eigenschaften und seinem Willen. Er lernte, was in seinen Augen Sünde ist (Johannes 17:3; 1. Timotheus 2:4; Kolosser 3:10). Diese Erkenntnis hat ihn mit großer Freude erfüllt (Johannes 4:24; 8:32).
Dadurch ist es ihm möglich, all das, was er vorher in Unwissenheit dieser Dinge falsch gemacht hat, zu bereuen und zu korrigieren. Sie ist auch die Grundlage für unsere glanzvolle Zukunftshoffnung. Wegen der Erkenntnis Jehovas werden alle Kriege aufhören und es wird, gemäß Jesaja 11:9, auf der ganzen Erde Frieden geben. Es ist die Erkenntnis, die zu ewigem Leben führt gemäß Johannes 17:3.
Aber was schließt diese Erkenntnis alles ein? Welche Sünden müssen wir unbedingt bereuen oder schon bereut haben?
Welche Sünde beging man an Jesus
Betrachten wir dazu den folgenden Bericht über Jesus:
Markus Kapitel 11
Betrachte Markus 11:7-11
Es war kurz vor der letzten Passahfeier. Jesus zog auf einem Füllen, einem jungen Esel reitend nach Jerusalem ein. Wie reagierten die Menschen? Sie waren voller Freude! Jesus, der künftige König in Gottes Königreich, zieht in die Hauptstadt, dem Ort, an dem sich Jehovas Tempel befindet, ein. Voller Begeisterung riefen sie: „Rette bitte, den Sohn Davids!“ (Matthäus 21:9). Das war am 9. Nisan des jüdischen Kalenders.
Lesen wir, was nur fünf Tage später geschah:
Markus Kapitel 15
Betrachte Markus 15:13-15
Was ist passiert? Warum schreien sie jetzt „an den Pfahl mit ihm“?
Jesus wurde von seinem Jünger Judas Iskariot verraten, ausgeliefert. Er wurde vor das jüdische Gericht, den Sanhedrin, gebracht und von den Richtern verurteilt. Nun sollte er an den römischen Stadthalter Pilatus übergeben werden, damit er an einen Pfahl genagelt wird und einen qualvollen Tod erleidet. Und obwohl Pilatus ihn für unschuldig hält, schreit nun das ganze dabeistehende Volk diese schrecklichen Worte (siehe auch Matthäus 27:15-26; Lukas 23:18-25; Johannes 19:5-7, 14-16). Der Grund dafür erfahren wir in Vers 11:
Beachte Markus 15:11
Es waren die Oberpriester, die das Volk dazu aufwiegelten, nun Jesus für so böse zu erklären, dass er sterben sollte.
Erfüllt es uns nicht mit Schaudern, wenn wir sehen, wie krass der Gesinnungswandel des Volkes ausfiel, nur weil einige Männer, die damals die geistliche Führung übernahmen, sie so beeinflussten? Und welche Folgen dies hatte, dass sie den Tod ihres Königs forderten?
Der Irrtum
Was ist eigentlich passiert? Offensichtlich glaubten die Juden an die Autorität ihrer geistlichen Führer. Sie glaubten, dass ihre Gerichtsentscheidungen von Jehova kommen und dass sie aus Loyalität zu ihnen halten müssten. Wenn ihre geistlichen Führer, die ja das Gesetz Jehovas handhaben und eine heilige Stellung in der Einrichtung Jehovas haben, so überzeugt sind, dass Jesus ein Abtrünniger ist, müssen sie das unbedingt unterstützen. Sie hatten geglaubt, dass sie damit Gott einen heiligen Dienst erweisen.
Wie würde es in der Zukunft Jesu Jünger ergehen? Das deutet Jesus durch folgende Worte an:
Betrachte Johannes 16:2:
Man wird euch aus der Synagoge ausschließen. Ja die Stunde kommt, da jeder, der euch tötet, meinen wird, er habe Gott einen heiligen Dienst erwiesen.
Die Christenversammlung wurde gleich nach Jesu Hinrichtung und Auferstehung gegründet. Jesu Nachfolger wurden dann in die Christenversammlung gebracht und hatten mit der jüdischen Synagoge nicht mehr viel zu tun. Darum bezieht sich Johannes 16:2 nicht auf die Juden und nicht nur auf das, was die jüdischen Vorsteher und Oberpriester auch Jesu Jünger antun würden. Es heißt ja: „die Stunde kommt“. Es wird also eine Zeitperiode geben, in der diese Dinge unter den Nachfolgern Jesu, also in der Christenversammlung geschehen.
Wie ist es heute bei Jehovas Zeugen?
Heute gibt es in der Christenversammlung ebenso Gerichte, durch die einzelne Glieder der Versammlung geladen und verurteilt werden können. Man nennt sie „Rechtskomitees“. Denen, die von einer kleinen Gruppe Ältester, die das Rechtskomitee bilden, verurteilt werden, wird die Gemeinschaft entzogen. Das bedeutet, dass keiner mehr mit ihnen spricht, noch nicht einmal nahe Verwandte. Sie werden wie Tote betrachtet.
Alle in der Christenversammlung halten sich daran, weil sie denken, die Ältesten hätten ihre Autorität von Jehova. So kann es sein, dass man einen Mitbruder (oder Schwester) gestern noch für vorbildlich gehalten hat und man sogar enge Gemeinschaft mit ihm gepflegt hat. Man war miteinander befreundet. Plötzlich redet man kein Wort mehr mit ihm, weil man durch eine kurze Mitteilung durch die Ältesten erfahren hatte, dass er ausgeschlossen wurde. Man weiß wahrscheinlich noch nicht einmal, warum er ausgeschlossen wurde. Denn das wird nicht mitgeteilt. Die Rechtskomiteesitzungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und man bewahrt stillschweigen über das, was dort geschehen ist. Übrigens war es bei Jesus genauso, als er nach einer Gerichtsverhandlung mitten in der Nacht durch die Oberpriester verurteilt wurde, sodass die Volksmenge am nächsten Morgen nur noch den bereits verurteilten Jesus vorfand (Matthäus 26:31-75).
Ächtung sogar in der eigenen Familie
Sogar Eltern meiden dann ihre eigenen Kinder, selbst wenn diese noch jung oder sogar minderjährig sind. Und Kinder meiden ihre ausgeschlossenen Eltern völlig, obwohl in der Bibel steht, dass man Vater und Mutter ehren sollte (2. Mose 20:12; 5. Mose 5:16; Matthäus 15:4-6; Epheser 6:2). Selbst den Enkeln wird untersagt, Kontakt zu den ausgeschlossenen Großeltern zu haben. Viele sind deshalb psychisch krank geworden. Manche wollten nicht mehr leben. Und dies alles geschieht auf der Grundlage einer Entscheidung durch Älteste, nicht auf der Grundlage eines eigenen Urteils, obwohl Christen aufgefordert sind, ihr eigenes, gerechtes Urteil zu fällen in Übereinstimmung mit ihrem biblisch geschulten Gewissen (Johannes 7:21-24; Galater 6:5).
Wenn Eltern sogar ihre eigenen ausgeschlossenen Kinder meiden, ist das nicht nur für die Kinder schlimm. Die Eltern leiden selbst sehr darunter (wenn Kinder ihre ausgeschlossenen Eltern oder Großeltern meiden, ist es ähnlich). Es ist für sie wie der Verlust eines Kindes, das gestorben ist.
Opfer für Jehova
Aber warum tun sie das denn nur? Sie betrachten es als ein Opfer für Jehova. Ja, sie glauben wirklich, dass sie dadurch Gott einen heiligen Dienst erweisen! Eine Mutter, die ihr ausgeschlossenes Kind mied, hat sich auf dem Kongress einmal so geäußert, dass es für sie schlimm gewesen sei. Sie tröstete sich aber mit dem Gedanken, dass Abraham und Sara ja auch viele ihrer Angehörigen zurücklassen mussten, als sie im Glauben an Jehova aus ihrer Heimatstadt Ur auszogen, um in das Land der Verheißung zu reisen! Sie glaubte also, mit ihrem Verhalten Gott einen heiligen Dienst zu erweisen. Hieran sieht man, wie sich Johannes 16:2 erfüllt!
Wer aber so handelt, bringt in Wirklichkeit den Christus erneut an den Pfahl. Denn in gleicher Weise, durch den Einfluss einer Priesterschaft, heute sind es die Ältesten, kam das böse Urteil und Verhalten der Volksmenge zustande, die den Christus zum Tode überlieferte.
Welche Sünden müssen wir bereuen?
Wie ging es nun mit den Juden weiter? Nachdem Jesus auferstanden war und zu Pfingsten 33 u. Z. zu seinem Vater in den Himmel auffuhr, waren die Jünger Jesu alle am gleichen Ort versammelt. Der heilige Geist wurde nun auf sie ausgegossen, sodass sie in verschiedenen Zungen (Sprachen) reden konnten. Da durch die Ausgießung des heiligen Geistes auch ein Geräusch entstand, kamen nun viele aus Jerusalem herbei, um zu sehen und zu hören, was hier im Gange ist (Apostelgeschichte 2:1-13). Nun ergriff Petrus das Wort und sprach zum Volk (Apostelgeschichte 2:14-42). In einer ausführlichen biblischen Ansprache zeigte er, wie diese Dinge, die hier geschehen, mit dem Christus in Verbindung stehen, den sie an den Pfahl gebracht haben. Lesen wir diese Worte in der Bibel:
Apostelgeschichte Kapitel 2
Betrachte Apostelgeschichte 2:36, 37
Offensichtlich erkannten sie nun ihren Irrtum, da sie durch die Ereignisse und die Ansprache des Petrus verstanden hatten, dass Jesus wirklich der in der Bibel verheißene Christus ist. Jetzt waren sie sich plötzlich bewusst, wie schlimm sie gehandelt hatten und es ging ihnen deshalb wie ein Stich durchs Herz. Aber was könnten sie jetzt tun?
Petrus gibt die Antwort:
(Apostelgeschichte 2:38) … „Bereut, und jeder von euch lasse sich im Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden taufen, und ihr werdet als freie Gabe den heiligen Geist empfangen. …
Nun sehen wir, welche Bedeutung die Taufe tatsächlich hat und welche Sünden bereut werden sollten.
Die erste Frage, die Jehovas Zeugen zu ihrer Taufe gestellt bekommen, lautet:
Hast du auf der Grundlage des Opfers Jesu Christi deine Sünden bereut und dich Jehova hingegeben um seinen Willen zu tun?
Diese Frage hat jeder getaufte Zeuge Jehovas mit „Ja“ beantwortet. Was müssen wir also unbedingt bereuen? Nur, wenn wir es bereuen, dass wir aufgrund der Entscheidungen durch Älteste einen Menschen völlig gemieden haben, ihn wie ein Toter behandelt haben, erfüllen wir das Versprechen, das wir vor den Ohren Jehovas abgegeben haben! Jehova wird die Christenversammlung richten, wie er das jüdische System gerichtet hat (Jesaja 47:8-11).
Autor: Bernd Oelschlägel, aufgeschrieben 2017
CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)
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