Zeugenaussage eines Zeugen Jehovas für das Gericht gegen die falsche Religion

Veröffentlicht: 01.01.2023

Blick auf das Bethel in Selters, wo ich 19 Jahre gelebt habe.
Bethel 2001, wo ich 19 Jahre wohnte und arbeitete
Im Jahr 2006 verbreiteten Zeugen Jehovas ein Traktat mit dem Titel: Das Ende der falschen Religion ist nahe! Schon vor gut achtzig Jahren gaben sie ein öffentliches Zeugnis, indem sie Plakate trugen mit der Aufschrift: „Religion ist eine Schlinge und ein Gimpelfang.“ Auf der Rückseite stand: „Dienet Gott und Christus, dem König“. Denn viele hielten sie für Atheisten. Das war aber nicht der Fall. Denn sie glaubten an das göttliche Strafgericht.

Gerichtsprozesse dauern oft lange. Aber es gibt ein Gerichtsverfahren, das sich sogar über Jahrtausende erstreckt und nun in eine entscheidende Schlussphase kommt. Das Gericht befindet sich allerdings nicht hier auf der Erde, sondern im unsichtbaren Bereich. Es ist ein göttliches Gericht, von dem die Bibel handelt. Es geht um das Verhältnis der Menschen zu ihrem Schöpfer und die Frage, wie sie ihn in rechter Weise anbeten sollen. In der Christenheit sind viele üble Dinge getan worden, die Gott entehren. Wie kommt es, dass ausgerechnet in den Gemeinschaften, in denen man Gott anbeten möchte, viel Böses geschieht? Diese Frage muss das Gericht klären.

Das Gericht ist zwar im Himmel, aber es hat Zeugen hier auf der Erde, die aussagen sollen, damit das Gericht schließlich zum Urteil kommt. Ich gebe deshalb in diesem Artikel Zeugnis darüber, was ich gesehen, erlebt und gehört habe. Denn ich bin ein Zeuge des Gerichts, ein Zeuge Jehovas und kann berichten, was ich mit Gott erfahren habe, aber auch, was ich in der Glaubensgemeinschaft erlebt habe. Zunächst werde ich folgende Fragen beantworten:

Wie kam es, dass ich ein Zeuge Jehovas wurde? Zu welcher Zeugenaussage bin ich gekommen? Was ist der Grund für meinen unveränderlichen Glauben und meine Hoffnung? Was ist meine Erwartung für die nahe Zukunft? Was habe ich in der Glaubensgemeinschaft erlebt? Ich erkläre, dass hier nichts und auch nichts Enttäuschendes geschehen ist, das ich nicht erwartet hatte oder das ich nicht hätte erwarten können. Ein Bericht von mir ist bereits im Erwachet-Artikel veröffentlicht worden. Außerdem erläutert der Beitrag „Ein Landarzt“ als Kafka-Auslegung meine Erlebnisse, die ich in Verbindung mit der Glaubensgemeinschaft gehabt habe.

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Wo der Schatz ist, da sind auch die Diebe

Wie schon in dem Beitrag „Ein Landarzt“ erklärt, hatte ich ein besonderes Erlebnis, bevor ich Zeugen Jehovas kennenlernte. Eigentlich wollte ich Wissenschaftler werden. Mit meiner Doktorarbeit war ich fast fertig und ich fragte mich, auf welchem Gebiet ich weiterforschen sollte. Bereits zehn Jahre zuvor hatte ich mir selbst ein Versprechen gegeben, mein Leben lang beweisbare Erkenntnisse zu finden und zu erforschen. Deshalb studierte ich auch Physik, die grundlegendste exakte Wissenschaft. Doch mein Gelübde musste sich nicht auf die rein naturwissenschaftliche Erkenntnis beschränken, obgleich es dort um beweisbare Dinge geht. Aber es muss um Dinge gehen, die man mit klaren Beweisen untermauern kann, statt nur einen Standpunkt zu vertreten.

In dieser Phase hatte ich einige Zweifel, ob es nach meiner Doktorandenzeit eine fruchtbare Fortsetzung auf dem eingeschlagenen wissenschaftlichen Weg geben würde. Ich lernte einen Professor kennen, der sichtlich frustriert über den Mangel grundlegend neuer Forschungsergebnisse auf seinem Forschungsgebiet war. Alles Wichtige schien schon erforscht zu sein.

Zum Nachdenken angeregt

In dieser Zeit, im Januar 1993, besuchte ich einen einwöchigen Englischkurs im Tagungs- und Bildungszentrum Irsee, um mein schlechtes Englisch aufzubessern. An diesem Tagungs- und Bildungszentrum war auch eine Klosterkirche angegliedert. Normalerweise gehört ein solches Gebäude einer Kirche und es finden dort von Geistlichen gehaltene Gottesdienste statt. Besichtigt man ein altes Kirchengebäude, hat man dies stets im Sinn. Über all die mühsame Arbeit, ein solches Gebäude künstlerisch und wahrscheinlich mit viel Liebe zu gestalten und auszuschmücken, macht man sich kaum Gedanken, da man über das Eigentum anderer Leute oder hier der Geistlichen und ihrer Kirche nicht so richtig nachdenkt.

Doch hier bei dieser Klosterkirche war es anders. Denn es hatte den Anschein, als ob uns für diese Tage das Kloster gehören würde. Es war einfach ein Teil des Bildungszentrums und seine Besichtigung wie ein Teil eines Lehrgangs. Durch diese besondere Stimmung, die dadurch entstand, dachte ich tief über die Geschichte der Religion nach. Ich merkte, dass die Menschen früher viel Eifer in Verbindung mit ihrem Glauben gehabt hatten, sodass sie sehr viel taten, Kirchen und prunkvolle Kloster bauten und ein Gott hingegebenes Leben führten. Warum taten sie das? Sie hatten bestimmt einen Schatz gefunden und für diesen Schatz taten sie das alles. Was ist aber aus der Religion und ihrem Glauben geworden, wenn ich an die ganze Heuchelei der Kirchen denke. Ein Irrenhaus? Immerhin wurde es in der Vergangenheit zu einem Sanatorium umfunktioniert und heute finden in dem Gebäudekomplex eben solche Kurse statt.

Meine Erklärung war:

Da wo der Schatz ist, da sind auch die Diebe. Und dort, wo die Diebe sind, gibt es auch einen Schatz.

Diejenigen, die so viel Eifer und Liebe gezeigt haben, sind der Beweis, dass es den Schatz gibt. Aus ihrer fleißigen Tätigkeit haben die Diebe erst ihren Gewinn gezogen. Eine Glaubensgemeinschaft kann nur so gedeihen, weil es den Schatz gibt und diejenigen, die fleißig tätig sind, weil sie den Schatz vor Augen haben. Am Ende werden ihre Werke jedoch als Eigentum der Diebe betrachtet. Sie sind die Vermarkter des Glaubens. Und das Vorhandensein der Diebe, all das Übel, was in Religionsgemeinschaften getan wird, ist ebenfalls ein Beweis, dass es den Schatz geben muss.

Doch diejenigen, die echten Glauben haben, denen der Schatz rechtmäßig zusteht, werden von den habsüchtigen Dieben ausgebeutet und umringt, damit sie alles verlieren.

Das darf nicht länger so weitergehen. Was man für seinen Schöpfer tut, gehört ihm. Und er wird bestimmt auch den Lohn geben. Erst dann, wenn der wahre Gott wirklich die Sache in die Hand nimmt und zu herrschen beginnt, wird ihnen ihr Lohn zuteilwerden. Weil sie ihm aus Liebe gedient haben, fühlt sich ihr Schöpfer motiviert, etwas zur Rettung der Menschheit zu tun.

Das Geschick der Menschenherrschaft ist der Tod. Kriege, Atomkrieg und Umweltkatastrophen sind die Folgen. Die Welt schlittert gerade in Richtung Klimakatastrophe oder sogar in Richtung eines Atomkriegs. Doch wegen ihrer Liebe zu Jehova Gott lässt er Menschen am Leben und sorgt für das verheißene Paradies. Doch zuvor sind auch die Diebe am Werk und sie tun alles, um zu ihre Besitzer zu werden.

Zu dieser Zeit kannte ich mich nicht in der Bibel aus. Ich kannte nicht, dass Jesus selbst von Dieben gesprochen hat, die in seinem Namen kommen, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten (Johannes 10:1-15). Doch die Bibel sollte ich bald kennenlernen.

Glaubensschwestern der Zeugen Jehovas halfen mir, den Schatz zu finden

Für mich war dieses Erlebnis während des Englischkurses die Grundlage für meine zukünftige Tätigkeit, wie sich noch herausstellte. Da ich mir sicher war, dass es den Schatz gibt, ungeachtet der Heuchelei in den Kirchen, war ich aufgeschlossen, als Zeugen Jehovas an meine Tür kamen. Und ich wurde von den Ungereimtheiten, die ich dort erleben sollte, nicht gehindert, mich der Glaubensgemeinschaft anzuschließen, da ich das Vorhandensein von Dieben ja erwartet hatte. Es galt einfach, diese Dinge zu erforschen. Sowohl inspirierte Schriften als auch diese Glaubensgemeinschaft wollte ich erforschen.

Der Titel meines Erwachet-Artikels „Wissenschaft und Bibel haben mir geholfen, den Sinn des Lebens zu finden“ ist so zu verstehen: Der Sinn meines Lebens besteht darin, das zu tun, was ich mir schon vor vielen Jahren versprochen hatte: Zu forschen und Erkenntnis zu gewinnen. Die Wissenschaft wurde hierbei mein Beruf. Die Bibel ist nun Gegenstand und Grundlage meiner weiteren Forschungsarbeit.

Wie die Glaubensschwestern mich überzeugen konnten, steht zum Teil schon in dem Artikel. Nach den Gesprächen mit den Zeuginnen machte ich einen längeren Spaziergang und verglich das, worüber ich bereits überzeugt war mit dem, was sie mir aus der Bibel zeigten. Mir war schon vorher klar, dass es mit der Menschheit so nicht weitergehen kann, dass wir uns in einer äußerst kritischen Phase der Menschheitsgeschichte befinden. Nun erklärten sie mir, dass aus der Bibel das Gleiche hervorgeht. Diese kritische Phase der Menschheitsgeschichte wurde genau vorausgesagt. Ich konnte die Dinge also abgleichen, machte mir über die logische Schlüssigkeit ihrer Argumente Gedanken und kam zu dem Ergebnis, dass es stimmen musste. Seit 1914 erfüllen sich die Zeichen des Abschlusses des Weltsystems, wie sie auch in der Bibel beschrieben werden (siehe Beitrag Das Jahr 1914: Beginn der letzten Tage?).

Der Schatz

Der Schatz besteht im Wesentlichen aus Rechtsgrundlagen, die unser Schöpfer festgelegt hat, um uns eine Gewissheit dafür zu geben, dass alle Ungerechtigkeit dieser gegenwärtigen Welt vollständig beseitigt wird. Er bildet die Grundlage für die Hoffnung, einmal unter vollkommen gerechten Verhältnissen in der von Gott geschaffenen neuen Welt leben zu dürfen.

Rechtsgrundlage 1 Die verheißene neue Welt und Gottes Gerechtigkeit

Sie bildet die Grundlage für die Zukunftshoffnung. Sonst gäbe es nur Untergang als Zukunftsvision. Die Aussicht auf ein künftiges Leben und die Auferstehung ist Grundlage dafür, dass Ungerechtigkeit wieder gut gemacht werden kann. Denn viele Menschen sterben im Leid und unter völlig ungerechten Verhältnissen. Manche haben ein kurzes gottergebenes Leben geführt, bevor sie dann verfolgt und umgebracht oder ausgebeutet zurückgelassen wurden. Gäbe es keine Hoffnung auf künftiges Leben, dann gäbe es auch nicht die Hoffnung, von Gott entschädigt oder belohnt zu werden (siehe 1. Korinther 15:30-32).

Rechtsgrundlage 2 Die Sintflut und das Verhältnis Noahs zu Gott

Man kann sich gegen die Forderung nach Beliebtheitswerten als Maßstab für Erfolg zur Wehr setzen.

Denn ganze acht Menschen waren bereit, in die Arche zu gehen. Das waren nur Noahs engste Familienangehörige. Alle anderen Menschen ignorierten die Botschaft Noahs, obwohl er auch sein Tun erklärte. Nach dem heutigen Maßstab, bei dem Beliebtheitswerte eine große Rolle spielen (Ranking, „Likes“, gewählt werden, zitiert werden bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen usw.), hätte Noah zu den erfolglosesten Menschen gehört.

Er war aber der einzig erfolgreiche Mensch. Denn alle anderen sind untergegangen. Und die Menschen, die heute Leben, sind die Nachkommen Noahs (siehe den Beitrag Die Sintflut zeigt, was wir vor Gott sind.).

Jesus sagte: Genauso wird es wieder sein (Matthäus 24:37-39).

Wenn die Botschaft nicht gut ankommt und ignoriert wird, ist es nicht die Verantwortung dessen, der die Botschaft verkündet, sondern es ist die Verantwortung dessen, der die Botschaft ignoriert.

Rechtsgrundlage 3 Die heuchlerischen Religionsorganisationen von Gott verurteilt

Man kann sich gegen den Trug der Religionen wehren, ohne Atheist werden zu müssen.

Eines der Aha-Erlebnisse, die mich besonders faszinierten, war das Verständnis von Offenbarung Kapitel 18. Hier ist von „Babylon die Große“ die Rede, eine große Hure, die von Gott gerichtet wird. Man zeigte mir, dass es sich um das weltweite Religionssystem handelt und dass die Kirchen der Christenheit die Hauptvertreter sind. Mir wurde dieses Verständnis klar, als ich in Offenbarung 18:23 las: Keine Stimme eines Bräutigams und einer Braut wird je wieder in dir gehört werden. Wo ertönt denn die Stimme von Paaren, die heiraten? Das ist bei vielen in einer Kirche. Das Standesamt kann nicht gemeint sein. Das hat mich überzeugt, dass diese Interpretation richtig sein muss.

In der Literatur der Zeugen Jehovas wird eine andere Textstelle aus Off 18:23 angeführt als Beweis. Es heißt: Durch deine spiritistischen Bräuche wurden alle Nationen irregeführt. Spiritistische Bräuche kommen in den Religionsorganisationen vor.

Ich fand es außerordentlich bemerkenswert, dass ausgerechnet diejenigen, die mit der Bibel in der Hand kommen und sich als Vertreter des christlichen Glaubens und der Bibel ausgeben, von ihr selbst gerichtet und verurteilt werden. Ich sagte mir, wenn auch die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas wieder so ungerecht wird wie die Kirchen der Christenheit, dann wird auch diese als „Babylon die Große“ von ihrem Gott Jehova gerichtet und verurteilt werden.

Um wieder zu dem Erlebnis in Irsee zurückzukommen: Babylon die Große ist also die Organisation der Diebe, durch die der Schatz umringt wird.

Erst später habe ich erfahren, wie Hochzeitsfeiern bei Jehovas Zeugen ablaufen. Auch hier kommen sie in den sogenannten Königreichssaal, wo ein Ältester eine feierliche Ansprache hält. Vielleicht sah man es deshalb als passender an, spiritistische Bräuche als Erkennungsmerkmal zu verwenden, damit man nicht argumentiert, auch bei Jehovas Zeugen geht das Paar in die Anbetungsstätte.
Spiritistische Bräuche gibt es ja bei Jehovas Zeugen nicht, oder? Wir werden sehen!

Rechtsgrundlage 4 Glaube beruht auf beweisbare Erkenntnis

Wissenschaft und Bibel widersprechen sich nicht! Die Schöpfungsgeschichte der Bibel – richtig interpretiert – ist plausibel, aber steht im klaren Widerspruch zu pseudowissenschaftlichen Aussagen und der Evolutionstheorie. Man kann Beweise anführen, dass die Bibel glaubwürdig ist (siehe das Buch „Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?„, herausgegeben von Jehovas Zeugen).

Man kann sich erfolgreich gegen die falschen Lehren der Scheinwissenschaft mithilfe klarer Gegenbeweise wehren (siehe dazu den Beitrag Universum und Demut).

Die wissenschaftliche Beweisführung setzt sich folgendermaßen zusammen:
  1. Logische Prüfung auf Selbstkonsistenz. Eine Theorie oder Lehre kann nicht stimmen, wenn sie sich selbst widerspricht. Die logische Beweisführung ist das erste Kriterium, denn sie braucht nur logisches Denkvermögen.
  2. Die Theorie oder Lehre muss mit der Realität übereinstimmen. In der Physik wird dies durch Experimente oder astronomischen Beobachtungen geprüft.
  3. Die Theorie oder Lehre muss sich bewähren, indem mit ihrer Hilfe Voraussagen gemacht werden können, deren Richtigkeit danach bestätigt wird. In der Physik werden Dinge oder Gesetzmäßigkeiten vorausgesagt (z. B. die Existenz Schwarzer Löcher oder das Neutrino) und danach durch Beobachtung (astronomisch und messtechnisch z. B. Neutrinodetektoren) nachgewiesen.

Bei Experimenten und Beobachtungen muss stets der Grundsatz der Unparteilichkeit beachtet werden. Sie müssen von verschiedenen Forschern unabhängig voneinander bestätigt werden können. Experimente müssen wiederholbar sein.

All diese Kriterien können auch hier in Verbindung mit dem Glauben an die Bibel angewendet werden:
  1. Die Bibel kann man durch eine logische Beweisführung überprüfen. Man kommt zum Ergebnis, dass sie sich nicht widerspricht, wenn man sie richtig versteht. Die logische Beweisführung bildet auch die Grundlage für das richtige Verständnis. Es ist wie bei einem Kreuzworträtsel. Nur wenn ich die richtigen Worte einfüge, stimmen die vorgegebenen Wortlängen und die über Kreuz liegenden Buchstaben überein. So kann man die Bibel nicht beliebig auslegen, wenn sie sich nicht selbst widersprechen darf.
  2. Man kann erkennen, dass Aussagen der Bibel in geschichtswissenschaftlicher Hinsicht und auch in Verbindung mit der heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnis wahr sind. Die heutigen Weltverhältnisse und die Geschichte der Menschheit werden verständlicher.
  3. Man kann erkennen, dass Worte, die vor Tausenden von Jahren niedergeschrieben wurden, sich heute vor unseren Augen erfüllen.

Dies alles kann man natürlich nur bei korrekter und unparteilicher Auslegung inspirierter Schriften erkennen. Durch die Diebe kam viel Verwirrung ins Spiel, mit absurden Auslegungen (siehe auch Ausmaß der Sintflut). Aber davon später.

Rechtsgrundlage 5 Die Schmach des Christus

Gegen Christus wurde Gericht gehalten (damals war es der jüdische Sanhedrin, heute sind es z. B. bei Jehovas Zeugen die sogenannten Rechtskomitees), und er wurde als der schlimmste Gotteslästerer verurteilt. Der Christus ist aber in Wirklichkeit Gottes Werkmeister. Er ist der Erste, den Jehova erschaffen hat und wird als Gottes Sohn bezeichnet. Sein Verhältnis zu Gott ist das Beste, das ein Geschöpf haben kann. Er und Jehova Gott sind sich völlig einig.

Da ein von den religiösen Führern aufgestelltes Gericht sogar den Christus verurteilt hat, ist klar bewiesen, dass solche Gerichtsurteile null und nichtig sind.

Dies befreit uns von der Wirksamkeit unverschämter Gerichtsurteile. Wer eine ähnliche Schmach wie der Christus erleidet, kann sich freuen, da er von Gott belohnt wird.

Dies bildet die Grundlage für den „Umkehrprozess“ (siehe den Beitrag) und durch diese Befreiung erst ist ewiges Leben möglich (zur Vertiefung, siehe auch den Beitrag „Die Himmelsleiter„).

Rechtsgrundlage 6 Der Name Jehovas

Der Name „Jehova“ oder hebräisch „JHWH“ ist ein Gedenkname, den sich Gott selbst gegeben hat.

Dieser Name wurde Moses mitgeteilt, unmittelbar bevor die Israeliten aus Ägypten befreit wurden (2. Mose 3:15). Moses sollte zu dem Volk gehen, um ihm die Befreiung anzukündigen und Anleitung zu geben. Durch diese völlig unerwartete Befreiung eines Volkes, das völlig wehrlos dem Pharao ausgeliefert war, erfüllte sich zu genau dem richtigen Zeitpunkt eine Prophezeiung (siehe 1. Mose 15:13, 14; Apostelgeschichte 7:1-7).

Der Gedenkname sollte sie stets daran erinnern, dass Gottes Prophezeiungen sicher und zum richtigen Zeitpunkt in Erfüllung gehen, egal, wie unwahrscheinlich dies einem Menschen erscheinen mag.

Dies befreit uns von den listigen Anschlägen der Diebe. Denn auch die Diebe versuchen immer wieder, auf die Erfüllung von Prophezeiungen hinzuweisen, aber mit wenig Erfolg. Denn sie wollen über die Menschen, die Glauben haben, herrschen. Aber Gottes Prophezeiungen gehen immer so in Erfüllung, dass die Menschenherrscher am Ende verspottet dastehen (siehe den Beitrag „Wie wird man Glied der leitenden Körperschaft?„).

Darum heißt es in Jesaja 30:27 nach der nicht revidierten NWÜ (von 1986): Der Name Jehovas kommt von fern her, brennend mit seinem Zorn und mit schweren Wolken.

Für die Diebe kommt er von fern her, da sie selbst den Namen immer in den Mund genommen haben, er aber dann aus unerwarteter Richtung kommt, weil alles anders läuft, als sie gedacht haben. Sie selbst werden durch das prophetische Wort mit großem Zorn verurteilt.

Der Name Jehovas ist darum auch ein starker Turm gegen die Diebe. Er fällt auf ihre Organisation, um sie zu zertrümmern (siehe Jesaja 25:1, 2; Jeremia 45:4).

Wenn wir als Einzelpersonen gegen die Diebe die richtige Einstellung zum Namen Jehovas haben und darauf vertrauen, führt dies zur Rettung und zur Befreiung. Gemäß Joel 2:32 werden die gerettet, die den Namen Jehovas anrufen. Den Namen Jehovas anzurufen bedeutet, sich im Gericht auf die Erfüllung der Prophezeiungen zu berufen. Das tun nicht die Diebe, da sie durch das prophetische Wort verurteilt werden.

Rechtsgrundlage 7 Mein persönliches Verhältnis zu Jehova

Nachdem ich verstanden hatte, dass das, was diese Glaubensschwestern sagten, wahr sein muss, wollte ich auch etwas tun: Gott näherkommen. Doch ich merkte, dass es da ein Hindernis gab. Ich kam nicht weiter. Dann las ich in dem kleinen Büchlein, das sie mir zuvor dagelassen hatten, über das Thema Spiritismus. Ich wusste, dass ich einige zweifelhafte Bücher hatte, dann die Glocke aus Indien und auch ein Horoskop, mit dem ich mich mal beschäftigt hatte. Deshalb beschloss ich, diese Dinge noch am selben Tag zu beseitigen. Ich wollte keinen Tag damit warten (siehe meinen Artikel im Erwachet!). Danach war das Hindernis plötzlich weg. Ich hatte Zugang zu Jehova, er gab mir seinen Geist. Da freute ich mich sehr, hatte Herzklopfen und wusste, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnen würde.

Jehova kann auch zurechtweisen:

Doch einige Wochen später merkte ich, dass Jehova plötzlich etwas gegen mich hat. Er verlangte eine Korrektur von mir. Es machte einen ziemlich bedrohlichen Eindruck, wie wenn er sich von mir dauerhaft zurückziehen wollte. Ich überlegte, was es war. Dann wusste ich es.

Da mein Doktorandenstipendium auslief und ich noch nicht fertig war, hatte ich vom Professor für ein Jahr zur Überbrückung eine wissenschaftliche Hilfskraftstelle angeboten bekommen. Ich wollte von dem Professor nichts und lehnte ab. Das hat Jehova sehr missfallen, da ich es auch aus einer gewissen Trotzhaltung heraus abgelehnt hatte. Wahrscheinlich hat Jehova dafür gesorgt, dass ich dieses Angebot erhalten habe, denn durch mein Bibelstudium und das Bemühen, Jehova näher zu kommen, verzögerte sich auch der Abschluss meiner Doktorarbeit.

Ich habe mich dann sofort korrigiert und bin zur Sekretärin hingegangen, um ihr zu sagen, dass ich die Stelle doch annehmen möchte. Dies hat mir Überwindung gekostet, da es wie Gesichtsverlust für mich war. Aber ich erhielt sie ohne Probleme und danach war mein Verhältnis zu Jehova wieder im Reinen. Jehova ist gerne bereit zu vergeben, wenn man sich bereitwillig korrigiert.

Durch mein persönliches Verhältnis zu Jehova entstand auch ein neues Lebensgefühl. Es war, wie wenn meine Farbe nun weiß ist und nicht bunt. Denn weiß enthält alle Farben. Unser Schöpfer hat alles gemacht.

Der stille und unaufdringliche Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge wahr und ist mir wichtig! Machtausübung und Wahrheit passen nicht zusammen.

Die Diebe

Wenn man ein persönliches Verhältnis zu Jehova hat und man direkt von ihm zurechtgewiesen wird, braucht man da noch Menschen, die sich als Vertreter Jehovas ausgeben und die mit ihren eigenen Regeln und Strafmaßnahmen kommen? Das jedenfalls wurde mir von denen, die sich Älteste nennen, von Anfang an weisgemacht. Ich wunderte mich ständig über die Anmaßung dieser Leute.

Aber sie behaupteten ja, von Jehova eingesetzt worden zu sein. Man würde die Autorität Jehovas missachten, wenn man ihre Autorität missachten würde. Ist das wirklich der Fall? Wenn das nicht stimmt, wird Jehova sie dann nicht bestrafen? Wäre das nicht die größte Hochstapelei, die man sich je vorstellen könnte. Mancher Atheist tritt vielleicht sehr stolz auf. Aber er kann sich doch nicht als ein Vertreter des Schöpfers des ganzen Universums ausgeben, da er an ihn gar nicht glaubt.

Unschuldsvermutung

Ich fürchtete mich nicht vor diesen Leuten, sondern für diese Leute. Wenn es nicht stimmt, wird Jehova sie mit Sicherheit für immer verwerfen, denn sie sind die Anmaßung in Person. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es doch stimmen könnte, will ich ihnen gegenüber aus meiner eigenen Gottesfurcht heraus gehorsam sein.

Aufgrund der vielen Ungereimtheiten konnte ich zwar klar erkennen, dass da was nicht stimmt. Aber ich bemühte mich bei diesem Anfangsverdacht um die Unschuldsvermutung. Ich brauche sichere Beweise. Zu Beginn der Beweisaufnahme gilt die Unschuldsvermutung. Wenn ich dann aber sichere Beweise für ihre Schuld habe, werde ich mich nicht mehr zurückhalten, sie öffentlich zu verurteilen. Denn dann gebietet mir meine Gottesfurcht, die Urteile Jehovas zu verkünden.

Somit blieb ich gehorsam ihnen gegenüber, wurde ein Zeuge Jehovas und arbeitete auch 19 Jahre lang im Zweigbüro (Bethel genannt). Doch genauso klar war von Anfang an, dass mein Gehorsam gegenüber diesen Leuten zu einer von Jehova bestimmten Zeit in völlige Verurteilung dieser Leute umschlagen würde. Ihre Anmaßung duldete ich nur unter dem Vorbehalt, dass es eine vorübergehende Zeit ist und ich danach, wenn ich zum Endergebnis meiner Forschungsarbeit gekommen bin, alles richtigstellen kann.

Nun kommen wir zu den konkreten Erfahrungen mit den Personen, die sich Älteste nennen:

Meine ersten Erfahrungen mit dem Pferdeknecht

Noch bevor ich das erste Mal mit einem Ältesten der Zeugen Jehovas Kontakt hatte oder eine Zusammenkunft besuchte, machte ich bereits die oben angeführten Erfahrungen mit Jehova und es war mir bereits klar, dass ich Jehova dienen wollte. Ich hatte mich ihm schon hingegeben.

Nun wusste ich auch, dass ich Kontakt mit Ältesten aufnehmen musste, um weiterzukommen und innerhalb der Glaubensgemeinschaft tätig werden zu können. Dies kommt in der Geschichte „Ein Landarzt“ gut zum Ausdruck. Ich brauchte sozusagen ein Pferd und der Älteste, der sich um mich kümmern sollte, ist sozusagen der Pferdeknecht aus dem niedrigen Schweinestall in Kafkas Geschichte.

Die Glaubensschwester brachte ihn mit und er fing nach ein paar Vorgesprächen an, mit mir das kleine Büchlein („Paradies-Buch„) Abschnitt für Abschnitt durchzugehen und die Fragen zu stellen, die zu jedem Abschnitt angegeben sind. Das war sehr langwierig und total langweilig und man kam nur langsam voran. Natürlich hatte ich das kleine Büchlein schon lange gelesen und kannte den Inhalt sehr genau.

Erkläre meine Überzeugung

Gleich zu Beginn erklärte ich dem Ältesten meine Überzeugung, dass ich schon früher Erlebnisse mit Gott gehabt hatte und dass Gott mich bestimmt kennt und meinem Leben eine Richtung gibt, weil er vielleicht etwas mit mir vor hat. Das sagte ich, weil ich schon einige interessante Erlebnisse hatte:

Als ich im Teenageralter einmal einen Film über den Leidensweg Jesu ansah (nicht von Jehovas Zeugen), überkam mich für vielleicht einer Minute ein sehr starkes Gefühl mit dem Gedanken: „Das ist die Wahrheit.“ Es war wie eine kurze Vision, total überwältigend. Dann war wieder alles normal.

Gott war für mich damals so etwas wie eine Kraft, die es offenkundig geben muss, weil die wunderbare Natur oder Schöpfung nicht einfach durch Nichts ins Dasein kommen kann. Er war für mich aber keine Person. Doch wenn ich zurückgezogen im Wald spazieren ging und die Schönheit der Schöpfung betrachtete und dass die Menschen das missachten, weil sie es mit ihren eigenen Werken so wichtig haben, wurde er plötzlich zu einer Person. Denn es tat mir leid, dass derjenige, der diesen Wald und alles darin geschaffen hatte, von Menschen völlig ignoriert wird. Die Menschen wollen ständig für ihre eigenen Werke gelobt werden. Da ist kein Lob für den Schöpfer. Ich nahm mir vor, in meinem Leben dem Schöpfer die Ehre zu geben.

„Jehova kennt nur Zeugen Jehovas.“

Doch wie reagierte der Älteste auf meine Bemerkung? Er glaubte mir nicht! Er erklärte, dass Jehova nur mit seinen Zeugen handelt. Die anderen, die ihm nicht als seine Zeugen dienen, beachte er gar nicht.

Seine Bemerkung hat mich schon sehr gewundert. Wie arrogant oder hochmütig sind Zeugen Jehovas eigentlich? In der Bibel ist davon die Rede, dass Gott alle Sterne zählt und sie mit Namen ruft (Psalm 147:4), warum dann nicht alle Menschen auf der Erde? Und wenn er nur seine Zeugen kennt, wo ist die Grenze? Ab wann wird man zu den Zeugen, mit denen Gott handelt, hinzugezählt? Das sollte ich im weiteren Verlauf von diesen Leuten erfahren, die sich Älteste nennen.

Jedenfalls machte ich geduldig mit, auch wenn diese Art „Studium“ in meinen Augen ein Witz war. Immerhin ist es eine Übung, geduldig zu werden, dachte ich. Ich muss den Unsinn über mich ergehen lassen und freundlich, ja unterwürfig gegenüber dem Ältesten sein oder besser gesagt den Unterwürfigen spielen, damit dieser mir gegenüber freundlich wird und ich mich dann auch taufen lassen darf, so dachte ich.

Da ich mich ja zuvor schon Jehova hingegeben hatte, hätte ich mich nach meinen Vorstellungen auch gleich taufen lassen können.

Diese unsinnigen Dinge fingen im Mai 1993 an und sollten eine gefühlte Ewigkeit dauern. Meine Hingabe an Jehova war Ende April oder Anfang Mai 1993.

Mahnende Worte des Ältesten

Kurz nachdem diese Art „Studium“ begonnen hatte, sollte es einmal nicht bei mir in der Wohnung, sondern bei einer anderen Wohnung stattfinden. Wir vereinbarten einen Termin und ich erhielt die Adresse. Da ich ein wenig suchen musste, kam ich ein paar Minuten zu spät. Der Älteste nahm mir das übel. Er unterstellte mir, zu wenig Wertschätzung zu haben. Schließlich würde er ja seine Zeit für mich opfern.

Was will der eigentlich von mir? Die Schwestern kamen immer zu mir. Sie versuchten es anfangs immer wieder, auch wenn ich manchmal nicht zu Hause war. Sie erwarteten von mir nicht viel. Schließlich ist es ja schon etwas Besonderes, wenn jemand überhaupt bereit ist, zuzuhören.
Aber dieser freche Älteste zwingt mir zuerst dieses merkwürdige „Studium“ auf und stellt sich gleichzeitig als Wohltäter dar, der seine Zeit opfert.

Während die Glaubensschwestern mir geholfen hatten, Erkenntnis aus der Bibel zu gewinnen, eben den Schatz zu sehen und Änderungen vorzunehmen, sodass ich ein persönliches Verhältnis zu Jehova bekommen konnte, kam aus dem Mund dieses Ältesten überhaupt nie irgendetwas Vernünftiges. Es gab nichts, was mir ein Aha-Erlebnis einbrachte. Nur geistige Niedertracht.

Das war gleich zu Beginn so, als es um die Sintflut ging. Ich fragte, wie es sein kann, dass die hohen Berge vollständig unter Wasser gestanden hätten. Das geht doch nicht! Dazu wäre viel zu viel Wasser notwendig! Er meinte, die Berge hätten damals eben enger nebeneinandergestanden und deshalb gäbe es nicht so viel Platz dazwischen. Nach dieser unsinnigen Antwort habe ich ihm keine Fragen mehr gestellt (siehe zum Thema den Beitrag „Ausmaß der Sintflut“).

Gottes Königreich herrscht seit 1914?

Später, als es um das Jahr 1914 ging, betonte er, dass Gottes Königreich 1914 aufgerichtet worden sei. Ich sagte, 1914 begann der Erste Weltkrieg. Ich habe das so verstanden, dass zu dieser Zeit die letzten Tage begonnen haben und das äußert sich nicht unbedingt durch gute Dinge. Denn der Teufel hat große Wut, da er nur noch eine kurze Frist hat. Die hat er allerdings noch.

Der Älteste war mit meiner Antwort nicht zufrieden. Nein, Gottes Königreich herrscht bereits seit 1914! Und natürlich ist diese Organisation, in der Jehovas Zeugen organisiert sind, ein klares Zeichen dafür. Denn der König in Gottes Königreich herrscht bereits in Verbindung mit dieser Organisation.

Ich war ziemlich verdutzt. Habe ich nicht von den Glaubensschwestern das erklärt bekommen, was ich dem Ältesten zur Antwort gab? Steht das nicht so in der Literatur? Aber da steht auch, dass Gottes Reich schon 1914 unsichtbar im Himmel aufgerichtet wurde. Ich sagte mir, das könnte ja sein, der Himmel ist nicht die Erde. Was im unsichtbaren Bereich passiert, weiß ich ja nicht. Und so akzeptierte ich das als eine Möglichkeit. Dem Ältesten musste ich irgendeine diplomatische Antwort geben.

Später erkannte ich, dass genau diese Lehre die Grundlage bildet, dass die Diebe ihren Fuß in die Tür bekommen. Denn darauf gründet sich wieder die Vorstellung, dass Älteste ihre Autorität von Gott haben, da die Organisation Gottes Königreich vertritt und sie von der Organisation eingesetzt wurden.

Aus der Sicht Jehovas allerdings mag Gottes Königreich schon aufgerichtet sein, denn er ist der König der Ewigkeit und die Zukunft hat für ihn schon begonnen (siehe dazu die Erklärung zu Jehovas Sichtweise in dem Beitrag „Die Dickichte des Jordan„)

Kleine Fehler

Natürlich mussten auch die Schwestern mit der Literatur der Zeugen Jehovas vorliebnehmen. Ich erkannte auch sogleich einige Fehler. So war mir klar, dass die in Matthäus 24 erwähnten Erdbeben nicht buchstäblich gemeint sein können. Das wäre unlogisch, denn die buchstäbliche Erde hat ja nichts mit dem Werdegang der Menschheit zu tun. Hier laufen immer gleich bleibende physikalische Gesetze ab. Auch gibt es keinen Beweis, dass diese tatsächlich mehr geworden sind.

Aber sinnbildlich betrachtet stimmt alles wieder. Wenn Erdbeben für politische und gesellschaftliche Umwälzungen stehen, kann man wirklich sagen, dass es davon seit 1914 mehr als genug gab. Die Welt ist extrem schnelllebig und wird immer schnelllebiger.
Oder dass der buchstäbliche Löwe Stroh frisst und dass man ihn in der neuen Welt problemlos streicheln kann, hielt ich auch für Blödsinn. Ich habe ehrlich gesagt kein Bedürfnis, einen Löwen zu streicheln. Aber sinnbildlich verstanden macht es Sinn.

Oder Jesaja 11:8, 9: Ein Säugling könnte auf dem Loch der Kobra spielen, ohne in Gefahr zu sein. In Vers 9 wird die Begründung gegeben, nämlich die Erkenntnis Jehovas. Das kann natürlich nur sinnbildlich zu verstehen sein, denn eine buchstäbliche Kobra hat keine Erkenntnis Jehovas. Vielmehr wird man dann keine Angst mehr vor Kindesmissbrauch haben müssen. Die Kobra kann hier in sinnbildlicher Hinsicht für einen Missbrauchstäter stehen.

Ich hielt damals diese Fehler nicht für sehr schlimm (von Kindesmissbrauch wusste ich noch nichts). Wenn man sie einfach in Gedanken korrigiert und durch das richtige Verständnis ersetzt, dann ist der Aufschluss äußerst wertvoll und ist auch das, was Jehovas Zeugen gerne dazu sagen: „Die Wahrheit“. Denn ein inhaltlich wertvoller Artikel wird ja auch nicht wegen ein paar kleine Rechtschreibfehler unbrauchbar (das hoffe ich jedenfalls).

Warum nicht den ganzen Bibeltext erklären?

Wenn man den Aufschluss noch verbessern kann, wird er ja noch wertvoller. So beispielsweise die erstaunliche Feststellung Hiobs in Hiob 26:7. Wie konnte er vor fast 4000 Jahren schon wissen, dass die Erde im leeren Raum schwebt? Das wird in der Literatur der Zeugen Jehovas oft verwendet, um zu erklären, dass Hiob das nur gewusst haben konnte, weil es ihm von Gott mitgeteilt wurde und die Bibel somit von Gott inspiriert ist.

Das ist doch ein gutes Argument! Ich fragte mich nur, warum sie nur die Hälfte seiner Worte erklären, nämlich dass er (Gott) die Erde an nichts aufhängt. Hiob hat auch gesagt: Er spannt den Norden aus über dem leeren Raum. Begreifen sie das nicht, was Hiob hier erklärt? Die Erde schwebt nicht einfach nur im leeren Raum. Sie dreht sich auch um eine Achse, die durch Nord- und Südpol geht. Dadurch entstehen Tag und Nacht. Aber diese Drehachse ist auch nur eine gedachte Linie. Da ist keine Stange, die aus dem Nordpol kommt und sich in einem Lager dreht. Das hätte man doch in der Literatur auch erwähnen können.

Ich dachte, diese Dinge kann man leicht verbessern. Doch es wurde nie verbessert! Warum nicht? Das können wohl nur die Diebe erklären.

Ein nützliches Buch auf dem Kongress erhalten

Im Juli war der Bezirkskongress und ich besuchte ihn an allen vier Tagen. Das Buch „Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes“ wurde veröffentlich und ich bekam ein Exemplar kostenlos ausgehändigt. Das fand ich außergewöhnlich, dass man als Interessierter einfach so ein dickes Buch bekommt, ohne etwas bezahlen zu müssen.

Ich las aber gleich die ersten Kapitel, besonders Kapitel 4 „Der große Abfall beginnt“ und merkte mir genau, was da steht. Es geht um die Frage, wie aus dem intakten Christentum des ersten Jahrhunderts eine abtrünnige Christenheit wurde. Ein Punkt: Das Reich wurde vom Himmel auf die Erde verlegt. Man zitierte die Worte von Augustinus von Hippo: „So ist die Kirche auch jetzt das Reich Christi und das Himmelreich“.

Ich fragte mich: Ist das nicht genauso, wenn man sagt, Gottes Königreich herrscht schon seit 1914, und dies kommt durch diese irdische Organisation zum Ausdruck?

Ich wollte von Haus zu Haus gehen

Im August 1993 wollte ich unbedingt auch mal von Haus zu Haus gehen, wie es die Zeugen Jehovas tun. Ich hatte mich Jehova doch schon hingegeben und es wäre nun die Zeit, auch diese Form des Dienstes einmal zu beginnen. Ein anderer Ältester, der das sogenannte Versammlungsbuchstudium leitete, meinte, ich könnte mal mitgehen. Doch der Älteste, der mit mir „studierte“, erklärte mir mit größtem Nachdruck, dass das nicht geht. Ich müsste zuerst ungetaufter Verkündiger werden und dazu müsste man das kleine Büchlein erst mal durchstudieren.

Um den Nachdruck zu vergrößern, nahmen sie (der Älteste und sein Begleiter) mich regelrecht in ein Kreuzverhör. Ich musste schnell die schwierigsten Fragen so beantworten, wie sie es wünschten. Wenn es mir nicht gelingt, ist bewiesen, dass ich noch nicht so weit bin, von Haus zu Haus zu gehen. So versuchten sie mich einzuschüchtern.

Außerdem musste ich noch formal aus der Kirche (evangelisch), in die ich ursprünglich sozusagen hineingeboren wurde, austreten. Der Älteste meinte, das sei ja sowieso die Voraussetzung. Ich hatte es damit nicht ganz so eilig, da ich nichts für die Kirche tat und im Herzen schon lange draußen war. Wichtiger war für mich die Frage, ob ich mich dann der neuen Glaubensgemeinschaft anschließen kann, ohne dadurch wieder einzutreten, also sozusagen nur den Klub zu wechseln. Denn schließlich gehören ja alle Kirchen zu Babylon der Großen. Ich hätte austreten müssen, ob ich nun vorher der evangelischen, katholischen oder einer Freikirche usw. angehört hätte.

Doch man versicherte mir, dass man als Zeuge Jehovas überhaupt keiner Kirchenorganisation angehört. Das, was hier organisiert wird, ist das weltweite Werk des Zeugnisgebens. Zeugen Jehovas werden nicht als Mitglieder gezählt. Die einzige Art Mitglieder sind die Ältesten in einem eingetragenen Verein, der den weltlich rechtlichen Rahmenbau für die Versammlung bildet. Denn zu dieser Zeit waren die Versammlungen als Vereine eingetragen.

Biblische Grundlage für die Glaubensgemeinschaft

Außerdem gibt es eine biblische Grundlage, an die Besonderheit der Glaubensgemeinschaft zu glauben und zwar in Verbindung mit dem Zeugnis der ernsten Bibelforscher über die letzten Tage des Weltsystems. In Matthäus 24:45, 46 ist von einem treuen und verständigen Sklaven die Rede, der bei der Ankunft des Herrn [geistige] Speise zur rechten Zeit austeilt. Das haben die ernsten Bibelforscher getan, indem sie auf die Gegenwart des Herrn und des Abschlusses des Weltsystems hingewiesen haben (Matthäus 24:3).

Die Glaubensschwestern hatten mir zuvor ja gezeigt, wie sich die Prophezeiungen aus Matthäus 24 und andere Teile der Bibel heute erfüllen und dass wir eben seit 1914 in dieser besonderen Zeit leben. Die ernsten Bibelforscher hatten schon vor 1914 auf diese besondere Zeit hingewiesen und öffentlich gepredigt. Sie hatten Gottes Plan der Zeitalter erklärt, während die Kirchen schliefen. Dadurch hatten sie das Auswahlkriterium aus Matthäus 24:45 erfüllt und hatten dadurch sozusagen bei dieser Art „Ausschreibung“ den Zuschlag bekommen. Darum erfüllt sich auch Matthäus 24:14, dass die Gute Botschaft in diesen letzten Tagen auf der ganzen Erde verkündigt wird, durch die weltweite Zeugnistätigkeit der Zeugen Jehovas.

Eine Glaubensschwester hat mich dann noch auf den Bibeltext aus Apostelgeschichte 15:14 aufmerksam gemacht. Hier ist davon die Rede, dass Gott aus den Nationen ein Volk für seinen Namen herausnimmt. Und nur Zeugen Jehovas tragen sozusagen den Gottesnamen. Also ein weiteres Argument.

Allerdings passte nicht so recht, dass man zuerst formal ungetaufter Verkündiger werden muss, um sich dann nach Zulassung durch die Ältesten formal taufen lassen zu können. In der Bibel haben wir das Beispiel eines äthiopischen Eunuchen, der noch am selben Tag, an dem er die Botschaft über Jesus Christus erfahren hat, getauft wurde (Apostelgeschichte 18:26-39). Später erfuhr ich von älteren Glaubensbrüdern, dass es früher auch bei Jehovas Zeugen sehr schnell gehen konnte. Nach einem überzeugenden Vortrag wurde der begeisterte Interessierte schon zum Predigtdienst eingeladen. Die Verhältnisse bei Jehovas Zeugen haben sich also wohl im Laufe der Zeit geändert.

Auch geht die Veranschaulichung über den treuen und verständigen Sklaven weiter. Im zweiten Teil (Matthäus 24:48-51) ist er dann übel gesinnt und schlägt seine Mitsklaven. Dafür wird er dann sogar mit der größten Strenge bestraft. Was hat das zu bedeuten? Ich fand keine befriedigende Erklärung in der Literatur der Zeugen Jehovas. Das wird man noch klären müssen, dachte ich.

Ich trat im September aus der Kirche aus. Aber ungetaufter Verkündiger durfte ich noch lange nicht werden. Dann ist es bei Jehovas Zeugen aus damals für mich unerklärlichen Gründen unerwünscht, einen Vollbart zu tragen. Das brachte ich auch noch „in Ordnung“. Jesus wurde immer mit Vollbart dargestellt und man sollte ihm doch nachfolgen. Aber die äußere Erscheinung war mir ohnehin nicht wichtig. Ich wollte hier vorankommen. Und als Zeichen eines Neuanfangs waren mir solche Änderungen der äußeren Erscheinung willkommen.

Die Sache mit dem Blut

Als sie mir mit ihrer Art Kreuzverhör erklären wollten, dass ich noch nicht auf die kritischen Äußerungen der Wohnungsinhaber vorbereitet bin, ging es um die Blutfrage. Jehovas Zeugen lehnen Bluttransfusionen ab. Natürlich wird dies ausführlich mit Aussagen aus der Bibel logisch begründet. Ich schaute mir die Begründungen genau an und sie schienen korrekt zu sein. Die logische Beweisführung schien eindeutig.

Allerdings ging ich bei meiner Prüfung nicht unvoreingenommen vor. Ich ging davon aus, dass sie recht haben. Ich hätte korrekterweise mit der Unschuldsvermutung beginnen sollen, dass diejenigen, die eine Bluttransfusion annehmen, nicht gegen die Lehren aus der Bibel handeln. Nur wenn ich dann lückenlos beweisen konnte, dass es doch anders ist, hätte ich der Lehre zustimmen sollen. Doch ich wusste, dass ich mich nicht taufen lassen konnte, wenn ich die Lehre ablehne. Das hat mich hier voreingenommen gemacht (siehe die Abhandlung „Enthaltet euch des Blutes„).

Es fiel mir nicht schwer, diese Lehre anzunehmen. Ich war schon überzeugt, dass die Ärzte oft falsch handeln und dass sie auch zumindest zu oft eine Bluttransfusion verabreichen, an der man auch sterben kann. Dass man hier einen Punkt hat, mit dem man sein Selbstbestimmungsrecht gegenüber Ärzten fordern und dafür kämpfen kann, war mir willkommen. Ärzte waren für mich gefährliche Götter in Weiß. Sie hätten mich schon fast vor meiner Geburt abgetrieben mit der Begründung, meine Mutter könnte bei meiner Geburt verbluten. Dies traf aber nicht ein.

Gottes Gebote nur für Verkündiger?

Ich machte mir ein eigenes Dokument, in dem ich meinen Willen zum Ausdruck brachte, Blut abzulehnen. Die offizielle Vorlage durfte ich nicht verwenden, da ich noch kein Verkündiger war. Das hat mich auch gewundert. Wenn das ein wichtiges biblisches Gebot ist, warum hilft man dann nicht einem Interessierten, das zu erfüllen? Wo zieht man denn die Grenze?

Es gibt bei Jehovas Zeugen sogenannte Krankenhausverbindungskomitees. Sie kümmern sich darum, dass der Zeuge Jehovas an einen Arzt kommt, der ihn auch ohne Bluttransfusion operieren würde. Aber natürlich gibt es diesen Service nur für Zeugen Jehovas und auch nicht für Interessierte. Muss man dann also doch Mitglied werden? Wird es dann nicht doch zu einer babylonischen Kirche, aus der man ja austreten sollte? Und ich war doch nur deshalb noch kein getaufter Zeuge Jehovas, weil die Ältesten nicht wollten und es hinauszögerten. Beruht es nicht auf den eigenen freien Entschluss, wenn man Blut ablehnt?

Ich wusste auf jeden Fall, dass es da noch viele Dinge gibt, die geklärt werden mussten. Aber dafür bin ich hier, um die Dinge zu erforschen und später als Zeuge zu dienen.

Jedenfalls dauerte es weitere Monate, und im Februar 1994 war es dann so weit, dass ich ungetaufter Verkündiger werden konnte. Dazu besprachen die Ältesten ein paar Fragen mit mir, ob ich denn nun dazu geeignet bin. Die Fragen hätten sie mir auch schon im August stellen können, denn durch das unsinnige „Studium“ durch den Ältesten bin ich ja nicht weitergekommen.

Doch erst jetzt erfuhr ich von einer formalen Kleinigkeit, die man beachten muss, wenn man Verkündiger ist: das Ritual der monatlichen Berichterstattung.

Der Predigtdienstbericht

Die Sache schien harmlos zu sein. Am Ende eines Monats gibt man auf einem Zettel an, wie viele Stunden man im Monat im Predigtdienst stand und wie viel Literatur man abgegeben hat und wie oft man jemanden zum wiederholten Mal besucht, weil ein gewisses Interesse da war. Man muss oben seinen Namen angeben und den Monat. Und dann die Zahlen. Es sind nur ganze Zahlen. Man gab die vollen Stunden an. Ich rundete später immer ab und nahm den Stundenbruchteil in den nächsten Monat mit.

Dann wirft man diesen Zettel durch einen Schlitz in einen Kasten, der im Königreichssaal steht oder man gibt ihn beim Sekretär der Versammlung ab. Der Sekretär ist ein Ältester, der die Zettel einsammelt und einen zusammengefassten monatlichen Gesamtbericht erstellt und an das Zweigbüro sendet. Daraus wird dann der im Jahrbuch veröffentlichte Bericht über die weltweite Predigttätigkeit erstellt. Der Älteste weiß natürlich auch, was man angegeben hat.

Manche argumentieren, Jehova weiß doch, was wir tun. Wozu der Bericht? Für mich war es kein Problem. Schließlich dient er ja der Berichterstattung für das weltweite Werk. Daraus kann man erkennen, welche Fortschritte das Werk macht.

Man gibt im jährlich veröffentlichten Jahrbuch das Wachstum als Zunahme der Zahl der Verkündiger in % gegenüber dem Vorjahr an. Ich muss zugeben, dass ich die Tragweite dieses Rituals bis vor Kurzem nicht richtig verstanden habe und wie damit die ganze Bruderschaft in die Irre geführt wird.

Jedenfalls berichtete ich gern. Ich dachte, die Ältesten merken dann wenigstens, dass es mir ernst ist, sodass sie mir nicht weiter Schwierigkeiten machen und ich mich auch taufen lassen kann. Schon ab März ging ich mehr in den Predigtdienst als der Versammlungsdurchschnitt von knapp 10 Stunden im Monat.

Ich fragte mich nicht, wie viele Jahre ich wohl jeden Monat einen Bericht abgeben würde und ob dieses monatliche Ritual überhaupt je enden würde. Ich fragte mich nicht, warum man das Wachstum des weltweiten Werkes durch die Zunahme der Zahl der Verkündiger bemisst. Als Verkündiger wird in der Regel jemand gezählt, der jeden Monat einen Predigtdienstbericht abgibt. Wer ihn nicht jeden Monat abgibt, manchmal aber schon, gilt als unregelmäßiger Verkündiger. Erst nach vielen Jahren des treuen, lückenlosen monatlichen Berichtens fing ich an, mich zu wundern. Aber davon später.

Eine Prophezeiung, deren Erfüllung man sich kaum vorstellen kann

In dieser Zeit, als ich ungetaufter Verkündiger war, nahm man mich mit zu einer interessierten Person, mit der man die Bibel studierte. Es ging gerade um den Bibeltext aus 1. Thessalonicher 5:3: Wann immer sie sagen: „Frieden und Sicherheit!“, dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen wie die Geburtswehe eine Schwangere; und sie werden keinesfalls entrinnen.

Der Glaubensbruder, der das Studium leitete, erläuterte: Sie werden von Frieden und Sicherheit reden. Man ist aber in Wirklichkeit so weit von Frieden und Sicherheit entfernt, dass der langmütige Gott Jehova, der so lange zugeschaut hat, nun endgültig die Reißleine ziehen muss, um einzugreifen und sein Strafgericht zu vollstrecken, sagte der Bruder (man glaubt ja als Zeuge Jehovas an das Eingreifen Jehovas. Er greift ein, wenn die Vergehung der Menschen das vollste Maß erreicht hat, wenn sie es bis zum Exzess getrieben haben).

Der Interessierte konnte das nicht verstehen. Wie könnten Menschen oder die Vertreter der Weltreligionen oder der Regierungen von Frieden und Sicherheit reden, wenn das Gegenteil der Fall ist? „Das glaube ich nicht, dass das möglich ist, dass sie so dreist werden können und die Menschen ihnen das auch noch abnehmen“, meinte er. Wenn sie offenkundigen Unsinn vertreten, würden die Menschen ja das zurückweisen und ablehnen. Wie sollten sie damit Gehör finden?

Das war also ein Stoff, der für den Interessierten schwer zu vermitteln war. Er ist dann aber doch ein Zeuge Jehovas geworden. Aber wie kann diese Prophezeiung nur in Erfüllung gehen?
Ist es wirklich möglich, dass Vertreter von Frieden und Sicherheit reden, ihre Anhänger in die Hände klatschen und ihnen beipflichten, obwohl in ihren eigenen Reihen überall Unfrieden vorherrscht und es keinerlei Sicherheit gibt?

Die Taufe

Nachdem ich ungetaufter Verkündiger geworden war, wartete ich kurz, bevor ich meinen Wunsch äußerte, mich taufen lassen zu wollen. Sonst hätten sie meinen Wunsch vielleicht wieder als übereilt dargestellt. Ich wollte mich aber zum nächsten Kongress taufen lassen und der fand im Juni statt.

Sie gaben mir das Buch „Organisiert, unseren Dienst durchzuführen“. Im Anhang stehen zahlreiche Fragen und zu jeder Frage sind einige Bibeltexte angegeben. Diese Fragen besprechen dann drei Älteste in einer Sitzung mit dem Taufbewerber. Wenn er sie „richtig“ beantworten kann, darf er sich taufen lassen. Ob das der Fall ist, entscheiden natürlich die drei Ältesten.

Mir gefiel, dass es keine fertigen Antworten gab, sondern nur Bibeltexte. Dahinter steht der Gedanke, dass die Bibel selbst reden soll. Das war ja auch der ursprüngliche Gedanke der ernsten Bibelforscher. Nicht Menschen legen fest, was richtig oder falsch ist, sondern Jehova legt es fest und das kann man in der von ihm inspirierten Bibel finden.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass man durch die Art der Fragestellung und durch die Auswahl der Bibeltexte auch schon manipulieren kann. Und dann sitzen da drei Älteste. Da sie entscheiden, ob du dich überhaupt taufen lassen darfst, muss deine Antwort doch mit der Auslegung durch Menschen, nämlich mit ihrer Auslegung übereinstimmen. Da man diese schon kennt, ist dies zwar nicht schwer. Aber stimmt die Antwort, die man gibt, dann wirklich mit der eigenen Überzeugung überein?

Als diese Besprechung stattfand, wunderte ich mich schon sehr über die Arroganz der drei Ältesten. Sie schienen alles immer viel besser zu wissen, ohne dass ich verstanden hätte, wo sie ihre Überzeugung hernehmen. Und wo nehmen sie ihre Autorität her? Haben sie denn ein solch großes Hintergrundwissen, das ich nicht kenne? Als Neuer muss man ja in Betracht ziehen, dass man vieles noch nicht versteht. Ich war überzeugt, dass ich aber später alles verstehen würde, auch das Geheimnis hinter ihrem Großtun.

Soll ich meinen Mitbruder verraten?

Bei einer Frage war mir nicht wohl. Es ging darum, den Ältesten mitzuteilen, wenn man von irgendeiner Sünde eines Mitbruders weiß. Ich kann mich doch nicht zum Verräter machen! Man sollte zuerst mit der Person sprechen und ihr nahelegen, dass sie zu den Ältesten gehen soll, um ihnen alles mitzuteilen. Nur wenn sie es nicht tut, müsste man selbst zu den Ältesten gehen. Denn es geht um die Reinerhaltung der Versammlung.

Dazu der Bibeltext aus 3. Mose 5:1. Ich verstand diese Auslegung des Bibeltextes nicht. Wenn nur ich private Informationen habe, ist es doch nicht öffentlich, wie in dem Bibeltext gesagt. Außerdem stehen wir doch nicht unter dem Gesetzesbund, sodass diese Worte so zu behandeln wären, wie wenn sie uns Gesetz sind. Die Ältesten versicherten mir, dass es ja darum geht, dem Missetäter zu helfen. Er ist geistig krank und braucht Hilfe. Die Ältesten kümmern sich liebevoll um ihn. Ausgeschlossen wird doch nur jemand, der eine schwere Sünde gar nicht bereut. Darum sei es doch nur liebevoll, die Sache bei den Ältesten zu melden. Durch solche Worte beruhigten sie mich etwas.

Es wurde ja kein konkreter Fall genannt. Natürlich kann es Fälle geben, bei denen es angebracht ist, etwas zu melden. Und ich sollte glauben, dass die Ältesten zuständig sind und dass die Sache bei ihnen in besten Händen ist. Erst später wurde mir völlig klar, dass dies nicht der Fall ist. Die Gesetzlosigkeit der Ältesten lernte ich erst nach und nach immer besser kennen.

Die meisten kennen sicher den Spruch: „Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Das trifft zu, wenn es eine strenge Regel gibt, diese aber nicht immer durchgesetzt wird, sondern man stattdessen Milde und Vernunft walten lässt. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ist die Tatsache, dass es bei Jehovas Zeugen heißen müsste: „Es wird viel heißer gegessen, als es gekocht wird“. Zeugen Jehovas haben Eifer, um mit vorauseilendem Gehorsam alle Richtlinien noch viel strenger zu befolgen, als es je in schriftlicher Form erklärt wurde.

Die Fragen zur Taufe

Die Fragen lauteten:

  1. Frage: Hast du auf der Grundlage des Opfers Jesu Christi deine Sünden bereut und dich Jehova hingegeben, um seinen Willen zu tun?
  2. Frage: Bist du dir darüber im Klaren, dass du dich durch deine Hingabe und Taufe als ein Zeuge Jehovas zu erkennen gibst, der mit der vom Geist geleiteten Organisation Gottes verbunden ist?

Ich kannte die zwei Fragen natürlich schon vorher, denn ich hatte doch zuvor bereits solche Taufen auf anderen Kongressen beobachten können. Und ich machte mir sorgfältig Gedanken, ob ich diese Fragen wirklich mit „Ja“ beantworten kann. Denn es war ein Versprechen, das für immer gelten sollte. Die erste Frage bezieht sich auf die Hingabe. Natürlich hatte ich keine Bedenken, diese Frage positiv zu beantworten, da ich mich ja schon ein Jahr früher Jehova hingegeben hatte (siehe „Unser Hingabegelübde„).

Bei der zweiten Frage überlegte ich: Bedeutet mein „Ja“, dass ich dieser Organisation mit den Ältesten, die ich kennengelernt hatte, immer ergeben sein muss? Würde ich sozusagen einen Vertrag unterschreiben, der von der leitenden Körperschaft oder von den Ältesten beliebig geändert oder ausgelegt werden kann und ich trotzdem ihre Anweisungen immer befolgen müsste?

Ich vergewisserte mich. In dem kleinen Büchlein („Paradies-Buch“), das man mit mir durchging, stand eindeutig, dass man sich nicht einer Organisation oder einem Werk, sondern ausschließlich Jehova hingibt. Auch kann man nicht zwei Herren gleichzeitig ergeben sein: Jehova und den Menschen, die in der Organisation die Führung übernehmen, wenn diese sich widersprechen.

Dann schaute ich mir die Frage genau an: Es ist eine Verständnis- oder Bewusstseinsfrage, denn sie beginnt mit „Bist du dir darüber im Klaren“. Es geht also nicht darum, Anweisungen zu befolgen, sondern eine Tatsache zu erkennen. Dann ist von der „vom Geist geleiteten Organisation“ die Rede. Was ist das? Es kann keine Organisation sein, die von Menschen geleitet wird, denn sonst wäre sie ja nicht vom Geist geleitet.

Als Physiker ist man sehr an einer genauen Definition interessiert. Also überlegte ich, wie sie definiert werden kann. Wir glauben, dass die Bibel, die ja aus vielen einzelnen Büchern besteht, von Gott inspiriert ist. Er hat bewirkt, dass sie erhalten blieb, über viele Jahrhunderte zu einem Werk zusammengetragen wurde und schließlich in viele Sprachen übersetzt wurde. Wer hat das organisiert? Kein einzelner Mensch, denn er lebt nicht so lange. Keine von Menschen geleiteten Organisationen, denn sie bestehen nicht so lange. Zwar waren Menschen aktiv. Sie waren Mitarbeiter, aber bestimmt meist, ohne es zu wissen (siehe den Beitrag „Prophetie oder Wissenschaft?„).

Wenn wir als Zeugen Jehovas predigen gehen, erfüllt sich Matthäus 24:14. Die vom Geist geleitete Organisation hat kein Mensch gesehen und kein Mensch hat sie im Griff. Aber sie bewirkt, dass Gottes Vorsatz über Jahrhunderte hinweg in Erfüllung geht und dass sich das prophetische Wort zu der vorgesehenen Zeit bewahrheitet. Sie bewirkt auch, dass es überhaupt Prophetie gibt.

Sich im Klaren zu sein bedeutet, zu verstehen, dass man mit seinem Beitrag zum Mitarbeiter dieser unbegreiflichen Organisation wird. Die zweite Tauffrage ist – so gestellt und verstanden – wirklich gut. Die Frage ist nur, ob auch die anderen sie so verstehen!

Auch heute ist es immer noch gut, „sich im Klaren zu sein“. Viele Aussteiger und Ausgeschlossene berichten von ihren Erlebnissen. Aus ihren Berichten geht hervor, dass es wirklich kein geistiges Paradies war, sondern eine „öde Wüstenei“ oder wie eine „verlassene Wildnis“, gemäß Joel 2:3. Durch ihre Tätigkeit geht die Prophezeiung aus Joel Kapitel 2 über ein zahlreiches und mächtiges Volk in Erfüllung, die wie Krieger durch ihre Berichte die heile Welt der Zeugen Jehovas angreifen. Dadurch werden sie zu Mitarbeitern in der vom Geist geleiteten Organisation, weil durch sie biblische Prophezeiungen in Erfüllung gehen. Es wäre gut, wenn sie sich darüber im Klaren wären!

Eine Veranstaltung, die einer Show gleicht

Nach dem Jawort sprach der Redner noch folgende Schlussformel:

Eure deutlichen (oder TSK 2014: eindeutig) zustimmenden Antworten auf diese Fragen lassen erkennen, dass ihr die Voraussetzungen erfüllt getauft und dadurch zu Dienern Jehovas ordiniert zu werden.

Danach wurde ein Gebet gesprochen und ein besonderes für die Taufe vorgesehenes Lied aus dem Liederbuch gesungen.

Dann ging man in eine Umkleidekabine und schließlich zum Taufbecken, um von dem Täufer untergetaucht zu werden. Danach zog man wieder Anzug und Krawatte an und wurde nun mit Freuden von den Brüdern aus der Versammlung empfangen. Es war eine sehr emotionale Angelegenheit. Besonders das Lied ging einem zu Herzen. Und doch war es auch eine Show, die von den Dieben veranstaltet wurde.

Denn eigentlich hatte ich mich schon vor über einem Jahr Jehova hingegeben und meinen Glauben zum Ausdruck gebracht. Sie stellten den Tag der Taufe als der wichtigste im Leben eines Zeugen Jehovas hin. Er war aber nichts, den er wurde ja von den Ältesten und dem Veranstalter zeitlich festgelegt und hat mit meinem persönlichen Verhältnis zu Jehova nichts zu tun.

Glaubensbrüder machten Fotos von der Taufe und ich erhielt sie als Andenken.

Als ich später mal meine alten Fotos durchsah und dabei zufällig auch auf diese von meiner Taufe stieß, schüttelte ich als spontane Reaktion den Kopf. Was mach ich den hier? In Badehose vor einem Wasserbecken und im Vordergrund Leute mit Anzug und Krawatte, die in die Hände klatschen? Das ist doch unmöglich. Wo bin ich denn hier gelandet. Ah, das war ja meine Taufe! Aber wie entwürdigend!

Es ist etwas ganz Persönliches, wenn man Erkenntnis gewinnt und ein persönliches Verhältnis zu Gott haben kann. Vor ihm stehen wir wirklich ohne Kleidung da. Er hat uns nackt im Mutterleib gebildet. Anzug und Krawatte bedeuten ihm nichts. Nur die Diebe haben Gefallen daran. Ob alle Täuflinge begriffen haben, was die zwei Fragen, zu denen sie „ja“ gesagt haben, bedeuten? Und wie ist es mit dem Beifall klatschenden Publikum? Haben sie begriffen, dass die erste Frage bedeutet, Ausgeschlossene nicht zu meiden (siehe Unser Hingabegelübde)? Oder dass die zweite Frage bedeutet, dass auch die Aussteiger weiterhin oder sogar erst Recht zu der vom Geist geleiteten Organisation gehören?

Oder steht die klatschende Menge auf der Seite der Diebe? Die Taufe wurde zwar von den Dieben veranstaltet, aber sie ist selbst gegen die Diebe. Die Diebe verurteilen sich selbst wie bei vielem, was sie tun! Damals (1994) waren noch bessere Zeiten als heute. Aber wie wird es weitergehen? Würde die klatschende Menge, die sich auf die Seite der Diebe schlägt, zur Menge Gogs werden, um Jehova Widerstand zu leisten? Das ist der Fall, wenn sie mit ihrem Beifall auch der Ächtung von Ausgeschlossenen zustimmen.

Aber bin ich jetzt frei oder muss ich mich weiterhin von den Ältesten rumkommandieren lassen?
Brüder bzw. Schwestern (Schwestern sind auch Brüder, das Gendern gibt es hier nicht) aus der Versammlung luden mich danach in ein besonderes Restaurant in Augsburg ein. Dort wurden die mittelalterlichen Sitten nachgestellt. Wenn man nicht ganz artig ist, muss man die schmutzige Magd küssen oder die Hände wurden in den Stock getan. Wie ich später feststellte, war das eine passende Veranschaulichung für das, was man in der Versammlung als getaufter Glaubensbruder erleben kann.

Wie ging es nach meiner Taufe weiter?

Ich war auch mit meiner Doktorarbeit fertig und sollte mich mit voller Kraft auf eine Stelle bewerben. Da ich aber vor allem Jehova dienen wollte, tat ich das nur halbherzig und nahm einige Gelegenheitsarbeiten an und begann Nachhilfe zu geben. So hatte ich noch viel Zeit für Aktivitäten in Verbindung mit meinem Glauben. Ich wollte ganzherzig Jehova dienen. Es musste eine Form des Vollzeitdienstes sein.

Natürlich hatte ich wenig Geld. Ich zog in eine ziemlich kleine Wohnung. Dem Ältesten gefiel das nicht sehr. Er meinte, man kann doch nicht in Deutschland wie in afrikanischen Verhältnissen leben. Was will der bloß? Was ist das für eine Aussage? Hat das etwas mit dem zu tun, was in der Bibel steht? Jesus wurde als Baby in eine Futterkrippe gelegt, weil es nichts anderes gab. Ich wunderte mich ständig über die Ältesten. Was wollen sie noch alles vorschreiben? Aber auch in allen Lebensfragen versuchten sie mir Vorschriften zu machen. Das war sehr lästig.

In dieser Zeit bat ich Jehova um Weisheit und dass er mich führt, um dort hinzukommen, wo er mich hinhaben wollte. Ich dachte daran, mich für den Betheldienst (Zweigbüro der Zeugen Jehovas) zu bewerben. Auf dem Kongress im Sommer 1995 war ich in der Pause bei einer Besprechung für Bethelbewerber. Man sagte mir, es sei gut, vorher in den Pionierdienst zu gehen. Also begann ich im September 1995 den Pionierdienst und bewarb mich dann für das Bethel (ein Pionier ging damals 1000 Stunden im Jahr predigen).

Bei allen Bewerbungen, ob zum Pionierdienst oder zum Betheldienst, mussten die Ältesten zustimmen und unterschreiben. Darüber wunderte ich mich. Ist es nicht eine Sache zwischen mir und Jehova? Ich bete doch zu Jehova, er möge mich leiten. Ich bete doch nicht zu den Ältesten! Was habe ich nur mit ihnen zu schaffen? Ich dachte daran, dass Jehova sich nicht durch die anmaßenden Ältesten beugen lässt und dass er sie schon dazu bringen wird, die nötige Unterschrift zu geben.

Ein Pionier aus Ältesten Gnaden?

Als ich dann etwa ein Jahr im Pionierdienst stand mit 1000 Stunden Predigtdienst im Jahr, war ich einmal nicht gleicher Meinung wie die Ältesten. Sie wollten ein Gebiet an einem See formal mit Gebietskarten einteilen, wie man es für den Haus-zu-Haus Dienst gewohnt ist. Jemand, der das Gebiet hat, hat dort die Erlaubnis, mit den Leuten in Verbindung mit dem Glauben ins Gespräch zu kommen.

Das fand ich absurd, da man immer das Recht hat, auf informelle Weise mit einem Passanten zu reden. Man kann die Verkündiger doch schulen, dass sie dies wirklich taktvoll, liebevoll und völlig informell tun, damit sich niemand beschwert, belästigt zu werden.

Als ich nun ganz vorsichtig versuchte, einen Gegenvorschlag zu machen, drohte der Älteste schon, mir den Pionierdienst wegzunehmen, bzw. die offizielle Ernennung, denn wie viel Zeit ich im Predigtdienst verbringe entscheide ja ich.

Da wunderte ich mich wieder sehr. Eigentlich ist doch Jehova mein Arbeitgeber und für ihn bemühe ich mich, alles mit der richtigen Einstellung zu tun. Nun maßen sie sich an, Dinge, die normalerweise jedem Einzelnen überlassen sind, zu reglementieren und sich als meine Arbeitgeber darzustellen, die mich jederzeit aus dem Dienstverhältnis entlassen könnten.

Dabei bedeutet doch die richtige Einstellung, dass man seine Tätigkeit ernst nimmt, da man sie ja für die höchste und mächtigste Person im Universum tut. Man tut es nicht, um Menschen zu belästigen, sondern um ihnen eine Botschaft zu bringen, die doch von größter Wichtigkeit ist. Sie sollen davon profitieren und Jehova kennenlernen, so wie ich Jehova zuvor mithilfe des Zeugnisses der Glaubensschwestern kennengelernt hatte.

Wie könnten die Ältesten daraus nur eine bürokratische Sache machen? Wie könnten sie die persönliche Freiheit eines jeden Bürgers, mit Freimut ein Gespräch mit einem Mitmenschen zu beginnen, einschränken? Wie könnten sie mich daran hindern, in Übereinstimmung mit meinem Glauben zu wandeln? So etwas kam ja auch nicht von der Organisation als Vorgabe. Auch der Kreisaufseher, der kurz vorher noch da war, fand alles gut. Das haben sich nur diese Älteste in dieser einen Versammlung angemaßt. Was sind das für Leute? Was bilden sie sich ein? Meinen sie wirklich, über dem Gott zu stehen, dem man doch eigentlich ergeben sein möchte?

Man hat das dann einfach so, wie sie es beschlossen haben, umgesetzt. Das blieb dann auch auf Dauer so, möglicherweise bis zum heutigen Tag, dass es dort für eine öffentliche Gegend Gebietskarten gibt, die man erwerben muss, um dort mit den Leuten in Verbindung mit seinem Glauben reden zu dürfen.

Ich war und bin überzeugt, dass die Ältesten schon allein dafür von Gott gerichtet werden, denn sie sind bestimmt keine Freunde, sondern Feinde des Glaubens. Trotzdem blieb ich gelassen und machte weiter. Zu einem späteren Zeitpunkt wird man solche Dinge richtigstellen können, dachte ich. Sie behaupten, die Vertreter von Jehova zu sein und zu Recht Gehorsam erwarten zu dürfen. Die Beweise, dass dies nicht der Fall ist, werden später auf dem Tisch liegen. Jeder wird wissen, dass sie gelogen haben.

Ich blieb bis zum Dezember 1996 im Pionierdienst und ab Januar 1997 war ich dann im Bethel neunzehn Jahre lang. Es würde wohl den Rahmen sprengen, wenn ich alles, was ich erlebt habe, hier erzählen wollte. Also beschränke ich es auf wenige, aber wichtige Dinge:

Erfahrungen mit den Geistgesalbten

Ein Grund, weshalb ich ins Bethel wollte: Ich wollte die Leute kennenlernen, die in einer Diktatur unter Verfolgung ihrem Gott treu geblieben sind. Außerdem wollte ich auch wissen, wie die sogenannten Geistgesalbten eingestellt sind. Das sind Personen, die beim Gedächtnismahl von den Symbolen Brot und Wein nehmen und von denen man davon ausgeht, dass sie ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Gott Jehova haben. Sie haben die Hoffnung, in Christus zu sterben und als Geistgeschöpfe aufzuerstehen, um mit Christus die neue Regierung für 1000 Jahre zu bilden.

Sind das wirklich besondere Leute? Vor denen, die es gewagt haben, den Hitlergruß zu verweigern und die bereit waren, die harten Konsequenzen wie Folter und Hinrichtung für die Treue zu ihrem Gott auf sich zu nehmen, hatte und habe ich großen Respekt. Nun wollte ich sie auch näher kennenlernen.

Erste Begegnungen

Im Sommer 1996, als ich noch im Pionierdienst stand, konnte ich kurz (1 Woche) als Ferienmitarbeiter ins Bethel kommen. Dort lernte ich die Schwester Gertrud Pötzinger kennen. Sie wurde von anderen Ferienmitarbeiterinnen eingeladen und ich durfte mit dabei sein. Sie erzählte von ihrer Zeit, als sie als Kolporteur (frühere Bezeichnung für einen Pionier) anfing und erst mal von ihren eigenen Mitbrüdern abgelehnt wurde. Dann erzählte sie, was sie und ihr Mann Martin Pötzinger erlebt hatten, als die Verfolgung unter der Naziherrschaft begann. Sie erzählte von ihren Erlebnissen im Konzentrationslager.

Bei Verhören sollten sie ihre Mitbrüder verraten. Sie machten Falschangaben. Das war kein Lügen. Denn nur wenn man jemandem die Wahrheit vorenthält, der ein Recht darauf hat, sie zu erfahren, ist es lügen. Und das hatten die Nazis, die selbst Verbrecher waren und logen, nicht. So haben sie also niemanden verraten.

Ich war tief beeindruckt von ihren Worten und habe ihr sehr gerne zugehört. Am Ende des Gespräches wollte sie, dass noch ein Gebet gesprochen wird. Ich war die einzige männliche Person in dem Raum. Deshalb sollte ich beten, obwohl ich erst zwei Jahre getauft war. Da war ich total aufgeregt, vor ihren Ohren zu beten.

Später, als ich dann fester Bethelmitarbeiter war, lernte ich auch die Schwester Löhr kennen. Mein Zimmerpartner hatte sie eingeladen und auch sie erzählte aus der Nazizeit. Sie erklärte, dass diese Herrschaft wirklich dämonisch war und dass sie wirklich vor nichts zurückschreckten, um jemanden zu demütigen und von seinem Glauben abzubringen. Aber auch sie blieb treu.

Was gibt es Besseres als die Anerkennung unseres Lebengebers?

Einige Jahre später brauchte Schwester Pötzinger noch eine Mitfahrmöglichkeit zum Kongress. Der Fahrer, mit dem auch ich mitfahren konnte, bot ihr einen Platz im Auto an. Und so hatte ich wieder Gemeinschaft mit Schwester Pötzinger während der Fahrt zum Kongress.

Sie stellte uns die Frage, ob wir schon mal eine Erfahrung gehabt hatten, bei der wir dem Tod ganz nahe waren. Mir fiel gleich eine Erfahrung ein, als ich in Indien in einem Fluss badete und die Strömung unterschätzte. Ich wusste nicht, wie ich es bis zum Ufer schaffen sollte. Aber ich hatte es dann doch geschafft. Sie wollte uns klarmachen, dass es gar nicht selbstverständlich ist, dass wir noch leben. Wenn wir das berücksichtigen, dann können wir mutiger sein, auf der Seite unseres Schöpfers zu bleiben und unseren Glauben zu verteidigen, auch wenn sie uns sogar nach dem Leben trachten. Denn was gibt es Besseres als die Anerkennung unseres Lebengebers?

Ein Motto von ihr lautet:

Mut haben ist das beste Guthaben!

Schwester Pötzinger zeigte sich auch besorgt in Bezug auf die Entwicklungen innerhalb der Bruderschaft. Besonders junge Menschen seien sehr in Gefahr. Aber sie war zuversichtlich, dass Jehova etwas unternehmen wird, um ihnen zu helfen. In diesem Zusammenhang fragte sie auch, wie die Prophezeiung aus Offenbarung 16:17 zu verstehen sei. Das wollte sie unbedingt wissen. Und das liegt ja noch in der Zukunft.

Später lernte ich noch einen männlichen Geistgesalbten kennen. Er war kein Ältester. Er machte Chiropraktik und verdiente mit 85 Jahren damit noch sein Geld. Ich hatte ein gesundheitliches Problem und kam so zu ihm in Behandlung. Bethelmitarbeiter mussten nichts bezahlen.

Auch das war ein Erlebnis. Man kann nicht sagen, dass er die Anerkennung aller Glaubensbrüder hatte. Einige hielten ihn für einen „Knochenbrecher“ wegen seiner Praxis. Mir tat es nicht nur gesundheitlich gut. Es war auch sehr interessant, ihm zuzuhören. Er gab seiner Kundschaft stets Zeugnis, das aber auf originelle Art.

Diese Menschen sind wirklich anders!

Einmal erzählte er von einem Bethelmitarbeiter im italienischen Bethel, dessen Aufgabe es war, Texte Korrektur zu lesen. Die Beleuchtung in seinem Büro war aber sehr unzureichend. Und so übersah er viel. Aus Befangenheit sagte er aber nichts. Vielleicht wollte es Jehova so. Wenn man etwas kritisiert, ist es, wie wenn man Jehova kritisiert. Diese Geschichte erzählte der Geistgesalbte, weil er sich fragte, wie Jehova dieses Problem der Befangenheit lösen möchte. Für ihn war das völlig verkehrt und musste richtiggestellt werden.

Er starb dann im Winter 2008/2009. Ob er dann kurze Zeit später auferstanden ist und schon als unsichtbares Geistwesen aktiv geworden ist? Mir kam das im Sommer 2009 jedenfalls so vor. Aber davon später.

Ich merkte, dass diese Menschen wirklich anders waren. Vor allem waren sie völlig anders als die Ältesten. Die meisten Glaubensbrüder sind wie Marionetten. Die Geistgesalbten habe ich als echt erlebt. Sie sind wie Personen, die Gewalt haben, wie das Original, auch wenn sie verfolgt und gedemütigt werden. Im Gegensatz zu den Ältesten fühlte ich mich bei ihnen immer wohl, da sie mein Gewissen absolut respektierten. Sie waren demütig und gaben mir sogar Macht, ihnen zu schaden.

Was mir bis heute Leid tut

Einmal ist mir ein Missgeschick passiert, das mir heute noch sehr leidtut. Ich war nach dem Mittagessen mit Spüldienst eingeteilt und gerade beim Abräumen. Da kam die Schwester Pötzinger und wollte noch etwas zum Essen. Ich war verlegen, da das meiste schon abgeräumt war. Trotzdem wollte ich sie zufriedenstellen und gab ihr eine Schüssel. Hinter mir hörte ich sie dann rufen: „Das sind ja Knochen“. Was war geschehen? Ich hatte ihr die Schüssel mit den Essensresten gegeben. Später fragte ich mich, wie mir das passieren konnte. Irgendwie war mein Denken blockiert. Ich konnte es mir nur so erklären, dass die unsichtbaren Dämonen hinter ihr her sein mussten, um sie zu demütigen. Und sie haben dann mich benutzt.

Bei den Geistgesalbten merkte ich immer wieder, dass sie unter Anfechtung stehen. Sie hatten immer irgendwie zu kämpfen, waren aber sehr demütig und liebevoll. Ich war für sie kein Untergebener, sondern eine ernst zu nehmende Person, dessen Gewissen sie als absolut unantastbar betrachteten.

Die Ältesten und die Aufseher und Bethelredner waren ganz anders. Sie haben mein Gewissen nicht respektiert. Im Folgenden möchte ich berichten, welche Erfahrungen ich mit ihnen gemacht habe.

Die Diebe im Bethel

Es ist schon merkwürdig. Man ist sich bewusst, dass man nur ein ganz kleiner neuer Bethelmitarbeiter ist. Da man das Bethel als heiliger Ort betrachtet, das den Schöpfer des ganzen Universums ehren soll, fühlt man sich besonders klein und hat Furcht, sich nicht würdig zu benehmen.

In diesem Bewusstsein setzt man sich morgens gut gekleidet mit Anzug und Krawatte an einen Tisch im Speisesaal, während ein besonderer Glaubensbruder sich an die Stirnseite eines besonderen Tisches setzt und schließlich anfängt, in ein Mikrofon zu sprechen. Ein Kameramann sorgt dafür, dass sein Gesicht an die vielen Monitore übertragen wird, die im ganzen Speisesaal verteilt sind.

Nun schauen alle aufmerksam auf den Monitor, der ihnen am nächsten ist und hören deutlich durch die vielen Lautsprecher übertragen, was der besondere Glaubensbruder hier Wichtiges zu sagen hat. Es geht meist um geistige Dinge: die Erklärung von Bibeltexten im Rahmen der sogenannten Tagestextbesprechung. Manchmal werden auch Dinge bekannt gegeben oder er spricht über ein aktuelles Thema. Am Schluss spricht er auch ein Gebet.

Was sind das für Leute?

Nein, er ist kein Geistgesalbter. Er musste nicht unter Verfolgung in einer Diktatur Gott treu bleiben. Er gehört satt dessen zum Zweigkomitee oder ist ein Bethelredner. Was sind das für Leute? Haben sie etwas Besonderes an sich, das sie so auszeichnet? Anfangs fand ich ihre Worte noch tiefgründig und ich dachte, dass sie eben die Bibel sehr gut kennen und sehr geistig gesinnt sind. Doch als dann die Jahre vergingen, fing ich an, mich sehr zu wundern.

Es sind immer die gleichen Leute. Sie sagen auch immer das Gleiche. Ich kannte ihre Reden schon fast auswendig. Aber warum sitzen sie ständig auf ihrem besonderen Stuhl an dem besonderen Tisch? Warum muss ich ihnen jahrelang zuhören, während sie nicht hören wollen, was ich zu sagen hätte? Ich sitze jahrelang stumm da und sie sprechen jahrelang in ein Mikrofon und verlangen, dass man ihnen jahrelang zuhört.

Wundern sie sich denn nicht darüber? Manchmal scheint es sogar so zu sein, dass ihnen ihre stummen Mitbrüder nicht unterwürfig genug sind. Dann ermahnen sie alle, doch im gottesfürchtigem Gehorsam das zu tun, was sie und die anderen Aufseher sagen. Diese Appelle werden dann mit Bibeltexten untermauert. Jehova möchte, dass wir alle sehr viel Respekt vor diesen Leuten haben. Denn Jehova persönlich hat sie in ihr heiliges Amt eingesetzt. Wer gar Kritik übt, der kritisiert Jehova.

Einbahnstraße und Nachhilfe

In meiner Arbeitszuteilung in der Maschinenplanung wunderte ich mich noch mehr. Es wird ja so viel über Demut geredet. Bevor ich ins Bethel kam, hatte ich Nachhilfeschüler, die mir gut zugehört hatten, weil sie wussten, dass ich von dem Fach etwas verstehe. Nun mache ich die Erfahrung mit diesen Leuten, dass sie überhaupt nicht bereit sind, zuzuhören, auch wenn sie selbst dringend Nachhilfe bräuchten. Die Kommunikation war eine Einbahnstraße. Sie redeten und die anderen mussten das tun, was sie vorgaben. In umgekehrter Richtung gab es keine Kommunikation. So scheiterten viele Projekte und man arbeitete oft für den Papierkorb.

Welche Folgen das letztendlich hatte, wird in dem Beitrag „Gehorsam und explodierende Gasflaschen“ erklärt. Denn es gab auch dann keine Möglichkeit, etwas zu sagen, wenn das Gewissen ins Spiel kommt, wenn es darum ging, Gefahren abzuwenden. Sie betonten aber ständig, dass man ihnen und den anderen Aufsehern gehorsam und unterwürfig sein müsste.

Für mich war die Situation unfassbar. Wie kann es sein, dass sie nicht mal bereit sind, die Fachkenntnis anderer zu respektieren? In allen Lebensfragen hatten sie das Sagen. Andere hatten nichts zu sagen. Man war schon äußerst bescheiden, wenn man das alles so hingenommen hat. Aber ihre Anmaßung war einfach grenzenlos. Hat man sich schon damit abgefunden, dass sie in Verbindung mit der Anbetung die Herren sind, die die Bibel handhaben, so ließen sie auch auf anderen Fachgebieten nichts übrig, worin sie ihren Mitbruder hätten anerkennen können.
Man wurde auf diese Weise so bescheiden wie der Hungerkünstler in Kafkas Geschichte (siehe den Beitrag).

Meine eigene Aufgabe

Obwohl es natürlich unbefriedigend war, wegen der einseitigen Kommunikation nicht viel Vernünftiges zum Erfolg verhelfen zu können, freute ich mich. Denn ich wusste, dass ich richtig bin wegen des Umkehrprozesses. Es ist Punkt 5 des Schatzes: Die Schmach des Christus. Wer so niedergedrückt wird, ist auf der Siegerseite. Warum sind diese Leute so dumm? Mit ihrer Anmaßung sind sie ganz sicher auf der Verliererseite, denn Gott widersteht dem Hochmütigen.

Am Dreischneider glücklich

Meine erste Zuteilung für das erste halbe Jahr im Bethel war am sogenannten Dreischneider in der Abteilung Zeitschriftenexport. Der Dreischneider war eine Maschine, an der die Zeitschriften und Broschüren in 50er-Päckchen eingelegt wurden, um sie an den drei offenen Seiten zu schneiden. Danach wurden sie für die Versammlungen in den bestellten Mengen verpackt und versandbereit auf Paletten gestapelt. Das alles war damals noch manuelle Arbeit. Obwohl diese Arbeit rein mechanisch war und nicht gerade meiner Ausbildung zum Physiker entsprach, war ich glücklich.

Zum einen herrschte dort eine freudige Stimmung vor. Aber der Hauptgrund für meine Freude war, dass ich einen Anteil haben durfte an der Verbreitung so wertvoller Literatur. Da die vielen Zeitschriften und Broschüren buchstäblich durch meine Hände gingen, konnte ich mir vorstellen, wie viele Menschen damit ausgerüstet werden, um wertvolle Erkenntnis zu gewinnen, die ihnen hilft, dem Trug der Welt und der falschen Religion zu entgehen.

Mein Ziel: Menschen von Irreführung zu befreien

In dieser Literatur wird erklärt, wie falsch die Evolutionstheorie ist und dass es gute Beweise für die Existenz eines Schöpfers gibt. Sie erklärt, wie echte Christen sein sollten und was Jesus dazu gelehrt und uns vorgelebt hat. Sie erklärt, was an den Kirchen der Christenheit so verkehrt ist und wie die Geistlichen die Menschen nur irregeführt haben. Sie erklärt, wo wir uns heute im Strome der Zeit befinden und dass wir wirklich auf die Befreiung aus dieser Bösen und verlogenen Welt hoffen können, denn es wird in der Bibel vorausgesagt. Die falsche Bibelauslegung durch die Kirchen der Christenheit wird entlarvt und man lernt, dass es gar nicht schwer ist, zu verstehen, was uns durch dieses Buch wirklich gesagt werden soll. Man lernt die Argumente kennen, weshalb die Aussagen aus der Bibel wirklich vertrauenswürdig sind.

Um es kurz zu sagen: Der Leser dieser Literatur wird ausgerüstet, um die Irreführung der Welt, in die er unfreiwillig hineingeboren wurde, zu entlarven, damit er auch künftig nicht mehr auf ihre Lügen hereinfällt. Die größte Ehre war es für mich, durch meine Tätigkeit am Dreischneider einen Beitrag dazu zu leisten. Ich schrieb einen Brief an die Glaubensbrüder der Heimatversammlung in Augsburg, und sie wunderten sich, dass ich über eine so primitive Arbeit mit Begeisterung berichten konnte.

Ich tat meine Arbeit mit einem gewissen Dringlichkeitsbewusstsein. Das war nicht nur deshalb, weil einige dachten, es könnte bis zum Tag Jehovas nur noch fünf Jahre dauern. Ich wusste auch, dass die günstige Zeit schnell zu Ende gehen kann, indem entweder das Verbreiten der Literatur erschwert oder verboten wird oder durch Unterwanderung der Organisation die Literatur verdorben wird. Im letzteren Fall würden die Zeitschriften immer mehr zur Irreführung statt zu Richtigstellung beitragen. Und so kam es dann auch.

Meine heutige Verwunderung über die Glaubensbrüder

Heute sind die Zeitschriften überwiegend irreführende Indoktrination. Vergleicht man den Inhalt neuester Ausgaben mit denen der 90er-Jahre, dann stellt man einen himmelweiten Unterschied fest. Die Aufgabe der Leser hätte darin bestehen sollen, den wertvollen Inhalt der früheren Ausgaben zu bergen, zu verstehen und daran festzuhalten (Lukas 8:18). Dann wären sie auch vor der Irreführung der heutigen Belehrung von der unterwanderten Organisation geschützt! Leider muss ich heute feststellen, dass die meisten, die sich meine Mitbrüder nennen, alles, was sie früher gelernt haben, sogleich vergessen und immer nur das Neueste von der Organisation als gültig ansehen. So laufen sie blind der Führung hinterher, ohne irgendetwas gelernt zu haben. Wie traurig! Sie sind so, wie es Paulus ausdrückt:

… die allezeit lernen und doch niemals imstande sind, zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit zu kommen

2. Timotheus 3:7; NWÜ 1986

Neue Aufgabe

Dann kam ich in eine Abteilung für Maschinenplanung, in der ich die längste Zeit verbracht habe. Obwohl diese Arbeit eher meinem gelernten Fachwissen als Physiker entgegenkam, machte ich hier keine guten Erfahrungen, da viel Planungsarbeit wegen der schon genannten Kommunikationsprobleme Makulatur wurde. Da fragte ich mich oft, was ich hier soll und wie ich hier meinem Wunsch, ein sinnvolles Ziel zu verfolgen, gerecht werden kann.

Doch dann merkte ich, was Jehova von mir erwartete. Ich betrachtete es als meine Hauptaufgabe, gerade von hier aus in der Maschinenplanung alles genau zu beobachten und zu analysieren, damit ich später dem göttlichen Gericht als Zeuge dienen kann. Denn man bekommt in dieser Abteilung ja vieles darüber mit, was im Bethel läuft und wie die „Führungsstrukturen“ im Bethel sind und dass sie nicht mal bereit sind, auf Fachleute zu hören.

Darum wartete ich auf Jehova, bis er mir eine Aufgabe gibt und zeigt, wie es weitergehen soll. Natürlich würde ich diese Aufgabe nicht von den Dieben über eine sogenannte Zuteilung erhalten. Jehova selbst wird mich führen, wie er es ja schon zu Beginn getan hatte. Auch während der ganzen Bethelzeit hatte ich mein persönliches Verhältnis zu Jehova und es gab immer wieder Situationen, in denen ich Jehovas Führung und seinen Geist besonders deutlich spürte.

Wenn verkehrte Entwicklungen durch Fehlentscheidungen zu beobachten sind, fragt man sich, wie Jehova wohl darauf reagieren wird. Diese Frage hatte ja auch Schwester Pötzinger gestellt. Da Jehova langmütig ist, mag er vieles ertragen. Vielleicht vergibt er. Wenn das der Fall ist, dann müssten die verkehrten Dinge auch irgendwann korrigiert werden. Werden sie aber nicht korrigiert und die Dinge eskalieren immer weiter, dann ist klar, dass Jehova nicht vergibt. Es bahnt sich die Kundgabe seines Gerichtsurteils an.

Deshalb beobachtete ich die weiteren Entwicklungen in der Glaubensgemeinschaft und im Bethel genau, um zu erkennen, dass der Zeitpunkt zur Richtigstellung der Dinge und die Bekanntgabe des Gerichtsurteils und der Tag Jehovas immer näher rücken.

Warum ich kein Ältester wurde

Kurz nachdem ich ins Bethel gekommen war, wurde ich in der Versammlung, der ich zugeteilt war, zum Dienstamtgehilfen ernannt. Ich dachte, bestimmt werden sie mich bald zum Ältesten ernennen. Das war naheliegend, denn man wird immer zuerst ein Dienstamtgehilfe. Da es mehr Älteste gibt als Dienstamtgehilfen, ist klar, dass die meisten nur für eine Übergangszeit Dienstamtgehilfen sind. Ich hatte ja Eifer, hatte eine Karriere in der Welt ausgeschlagen, war im Vollzeitdienst. Warum also nicht bald Ältester sein? Natürlich lehnte ich das anmaßende Verhalten der Ältesten, mit denen ich es schon zu tun hatte, völlig ab. Ich wollte es besser machen, ein echter geistig gesinnter und demütiger Hirte sein.

Dann vergingen die Jahre und ich blieb Dienstamtgehilfe. Nach vielen Jahren durfte ich einmal einen Vortrag halten, aber eine Ernennung zum Ältesten kam auch danach nicht. Was mögen die Gründe gewesen sein?

Ich war am Tisch für die Zeitschriften eingeteilt, als der andere Zeitschriftendiener (ebenfalls Dienstamtgehilfe) mir erklärte, dass die Ältesten ihm gesagt hätten, man dürfe Bruder Einsam seine bestellten Zeitschriften nicht geben. Ich war entsetzt! Warum nur darf er seine bestellten Zeitschriften nicht erhalten? Es hieß: Ein Rechtskomitee würde sich gerade mit ihm befassen! Er sei zurechtgewiesen worden. Das verstehe ich nicht! Wenn er doch die Zeitschriften möchte, dann will er ja weiterhin Jehova treu bleiben. Warum sie ihm vorenthalten? Soll das eine Strafe sein? Andere Menschen, die keine Zeugen Jehovas sind, würden sich gar nicht für die Zeitschriften interessieren. Soll denn sein Glaube bestraft werden?

Wenn man ihn damit empfindlich trifft, dann nur deshalb, weil er Glauben hat und denkt, Jehova würde das Interesse an den Zeitschriften segnen und ihm helfen, wenn er sie liest. Und wenn sie ihm vorenthalten werden, soll er das Gefühl bekommen, Jehova würde ihm nicht mehr helfen, ihn im Stich lassen, weil er gesündigt hat. Wie schlimm! Ich erkannte klar, dass die Ältesten den Glauben nutzen, um einen noch dazu verzweifelten Menschen (der einige Jahre zuvor von seiner Frau verlassen wurde) auszubeuten, um dann über ihn zu herrschen. Für mich war es undenkbar, das zu tun! Ich hätte ihm sofort die Zeitschriften gegeben, wenn er gekommen wäre. Leider kam er gerade nicht in die Zusammenkunft.

Die Ältesten sprachen ja mit dem anderen Dienstamtgehilfen. Wahrscheinlich wussten sie schon, dass ich nicht bereit bin, ihr böses Spiel mitzumachen. Sie kannten mich schon. Jedenfalls wurde der andere Dienstamtgehilfe bald darauf zum Ältesten ernannt.

Ungefähr zu der Zeit, als ich den Vortrag halten durfte, kam der vorsitzführende Aufseher auf mich zu und lud mich zu einem Hirtenbesuch bei einem anderen Ältesten ein. Dieser würde Kontakt zu einem Ausgeschlossenen haben und das sei doch gegen biblische Grundsätze, meinte er. Man müsste mit ihm reden, ihn ermahnen. Zu diesem Gespräch wollte er mich mitnehmen, um als eifriger Glaubensbruder, der sich für das Festhalten an biblischen Grundsätzen einsetzt, auf seiner Seite Stellung zu beziehen.

Obwohl ich damals noch nicht so weit war, das Meiden von Ausgeschlossenen als unbiblisch und böse oder bockartig einzustufen, machte ich mich ganz klein. Ich zuckte mit den Schultern, als ob ich sagen wollte: „Ich hab’ keine Ahnung“. Und das war die Wahrheit. Denn ich kannte weder den Ausgeschlossenen noch die Gründe für das Verhalten des anderen Ältesten. Wie sollte ich mir hier ein Urteil erlauben und mich blind der Meinung des vorsitzführenden Aufsehers anschließen können? Außerdem fragte ich mich, wie ich mir unter der Unterstützung eines Ältesten als Dienstamtgehilfe ein Urteil über einen anderen Ältesten erlauben kann. Der Älteste verstand meine Geste wohl und ließ von mir ab.

Später, als ich in der Versammlung Selters West war, kam ein Ältester, der im Bethel auch in derselben Abteilung arbeitete, auf mich zu. Er fragte mich, ob ich das Amt eines Aufsehers anstrebe. Er bezog sich wohl auf 1. Timotheus 3:1. Dort wird erklärt, dass jemand vortreffliche Arbeit begehrt, wenn er nach dem Amt eines Aufsehers strebt. Ich war zögerlich. Wenn er zu mir gesagt hätte: „Begehrst du vortreffliche Arbeit?“, dann hätte ich „Ja“ gesagt. Aber sicher ist, dass ich nicht über andere herrschen möchte. Er machte mir noch ein paar Vorschläge, wie ich mich verbessern könnte. Dabei blieb es.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon so viel Schlechtes mit Ältesten erlebt, dass ich eigentlich keiner mehr werden wollte. Es wäre für mich undenkbar, in Rechtskomitees zu sitzen und dort vernichtende Urteile zu sprechen oder zu unterstützen. Dafür bin ich einfach zu klein. Wie könnte ich je an Jehovas statt stehen?

Die Schmach des Christus vor Augen

Ich war nie strebsam um Ansehen bemüht und es war Recht in meinen Augen und sogar Triumph, nicht für geeignet gehalten zu werden. Denn wie ging es denn Christus? Er war kein „Ältester“, kein Synagogenvorsteher und kein Mitglied des jüdischen Sanhedrin. Man hielt ihn für nichts und er wurde schließlich zu einem Verfluchten, der am Pfahl genagelt endete. Bei seiner Taufe jedoch kam eine Stimme vom Himmel, die sprach: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Später, bei der Umgestaltung, fügte die Stimme noch hinzu: „… hört auf ihn!“ (Matthäus 3:17; 17:5; NWÜ 1986).

Die Hierarchie in der Versammlung, die Machtausübung der Ältesten, kann doch niemals von Gott ausgehen. Für den wahren Gott gibt es einen völlig anderen Maßstab für Größe und echte Autorität. Und das hatte ich stets vor Augen. Wenn sie mich als ein Geringerer betrachteten, war ich glücklich, da ich wusste, dass es bei Jehova andersherum ist, denn der Christus ist unser Vorbild!

In der Abteilung „Schlosserei“, in der ich als Planer arbeitete, erlebte ich eine lustige Sache zu dem Thema, wer als groß gilt. Da ich mit Vornamen „Bernd“ heiße und der Abteilungsaufseher der Schlosserei ebenfalls den Vornamen „Bernd“ hatte, wurde er oft der „große Bernd“ genannt, während ich dann der „kleine Bernd“ war. Auch das hatte mir gefallen, weil ich wusste, dass die Hierarchievorstellungen bei Jehova völlig anders sind. Ich konnte mich hier nur auf der heimlichen Siegerseite fühlen.

Ich wusste auch, dass es gut ist, ein Wissenschaftler zu sein. Denn das macht mich unbesiegbar. Als Jesus am Pfahl hing und Jehova ihm am Ende seines irdischen Lebens seinen Geist wegnahm, sodass er sterben konnte, konnte Jesus noch eine letzte wissenschaftliche Bemerkung machen: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30; NWÜ 1986). Damit gab er an, dass gerade eine Prophezeiung in Erfüllung geht, dass Gott seinen Sohn einem Opfertod übergibt. Obwohl er nichts mehr für sich selbst hatte, nicht mal Jehovas Geist, konnte er diese wissenschaftliche Tatsachenfeststellung machen. Das ist die völlige Selbstlosigkeit zugunsten der Erkenntnis.

Änderungen

Schon von Anfang an merkte ich, dass es im Denken und Handeln der Glaubensbrüder nicht besser, sondern schlechter wurde.

Dazu muss ich sagen: Es gab ja gute Dinge. Es gab auch so etwas wie eine freudige Zusammenarbeit. Wann immer Glaubensbrüder in Übereinstimmung mit ihrem Gewissen zusammenarbeiteten, war es so, wie wenn wir schon im Paradies wären und es keine Menschenherrschaft mehr bräuchte. Es war so, wie wenn einem das Paradies und die Kräfte der neuen Welt, in der es keine Hierarchie mehr gibt, vor Augen geführt werden.

Schließlich wollte ich ja auch mein Bestes geben, um gute Arbeit für Jehova zu tun. Und ich spürte Jehovas Geist und handelte gemäß dem von ihm verliehenen Gewissen. Ich betete oft um das Gelingen. Wenn alle auf diese Weise zusammenarbeiten, kommt etwas sehr Gutes zustande. Das führt zu besseren Ergebnissen, als es in jeder Firma möglich wäre. Die beste Organisation ist die, die keinen menschlichen Führer braucht (Prediger 8:9). Und es sollte ja gelten: Alle sind Brüder, während der Christus der alleinige Führer ist (Matthäus 23:10).

Unterstützten sie das Bemühen, gute Arbeit für Jehova zu tun?

Doch es war anders. Die menschlichen Herren im Bethel verlangten immer Gehorsam und Unterwürfigkeit. Man arbeitete an einer Sache, aber sie konnte nicht funktionieren, weil die Rahmenbedingungen, die die Aufseher festlegten, zu ungünstig waren. Oder man arbeitete, bis das Projekt auf „Eis“ gelegt oder verworfen wurde, weil die Aufseher eine andere Entscheidung getroffen hatten. Und so wurde es dann zur Makulatur. Die Kommunikation zu den Aufsehern war immer gestört, denn es war eine Einbahnstraße, wie schon erwähnt. Deshalb betete ich oft, Jehova möge doch den Aufsehern helfen, ihren Irrtum einzusehen.

Aber im Laufe der Jahre wurde es immer schlimmer. Selbst nachdem man aufgrund seiner Eigeninitiative ein Projekt zum Erfolg verholfen hatte, gab es nur Kritik. Man hätte überhaupt keine Eigeninitiative haben dürfen, sondern hätte nur gehorsam und unterwürfig sein sollen. Man handelte ja aufgrund der eigenen Erkenntnis und des Gewissens. Sie aber trugen nur zum Misserfolg bei. Dass ein Aufseher oder gar ein Zweigkomiteemitglied eigene Fehler einräumt, gab es nicht. Sie stellten sich stattdessen als heilige Vertreter Jehovas dar (einige Einzelheiten in dem Beitrag Gehorsam und explodierende Gasflaschen).

Sie berauben Jehova

Ich habe sie als Diebe bezeichnet, nicht nur wegen meines Erlebnisses und meiner Gedanken in Irsee. Denn sie sind wirklich Diebe. Sie berauben nicht nur Menschen, sie berauben Jehova. Denn man kam hierher, um seine Arbeitskraft und alles, was man hat, Jehova zu geben. Von der Organisation bekommt man ja als Bethelmitarbeiter nur das Notwendigste zum Leben (Kost und Logis). Seine Arbeitskraft gibt man aber Jehova. Die Aufseher hingegen berauben Jehova, weil sie die Erzeugnisse der Arbeit zu Makulatur werden lassen. Darum sind sie Diebe.

Später sicherte ich mir mein erarbeitetes geistiges Eigentum auf eigene Datenträger ab, denn zeitweise nahmen sie mir sogar den Zugang zu den eigenen Werken weg. Sie machten, was sie wollten und man durfte sich niemals beklagen, denn sie betrachteten sich wie Stellvertreter Jehovas. Ich fragte mich dann: Habe ich für diese Leute über viele Jahre meine ganze Arbeitskraft als promovierter Physiker gegeben? Natürlich nicht! Ich war hier, weil ich meinem Schöpfer und Lebengeber die Ehre geben wollte. Für Ihn tätig sein zu dürfen, ist das Beste, was es gibt.

Frühjahr 2004

Der Geist im Bethel änderte sich, sodass es mir richtig gruselig wurde. Das war besonders schlimm ab Frühjahr 2004. Ich hatte das Gefühl, als ob die Dämonen scharenweise eingedrungen wären und den ganzen Himmel bedecken würden. Mir fiel spontan Hesekiel 38:9 ein, wo der sogenannte Schlussangriff auf Jehovas Volk beschrieben wird. „Wie Wolken, um das Land zu bedecken“, soll Gog mit seinen Scharen heraufziehen. Mir wurde klar, dass in der Bibel hier ein dämonischer Angriff beschrieben wird. Und genauso, wie es hier steht, habe ich es erlebt.

Viele Glaubensbrüder hatten von diesem Zeitpunkt an nur noch verdrehte Gedanken. Manche fingen an, mit Verschwörungstheorien zu kommen, wie den Behauptungen „Das World Trade Center wurde von den Amerikanern gesprengt“ oder „Der Mensch war nie auf dem Mond“. Vernünftige logische wissenschaftliche Argumente kamen nicht mehr an. Respekt hatte bald niemand mehr. Die ganze Bruderschaft schien verwünscht zu sein.

Diese Situation erinnerte mich auch an den Bibeltext aus Offenbarung 16:17. Der Engel gießt die Schale des Grimmes Jehovas auf die Luft aus. Dadurch wird die Geisteshaltung der Menschen, die sich von Dämonen beeinflussen lassen, verurteilt. So schien nun auch dieser Bibeltext, für den sich Schwester Pötzinger besonders interessiert hat, in Erfüllung zu gehen. Also muss auch das Ende von Babylon der Großen nun ganz nahe sein, schlussfolgerte ich, denn gemäß Offenbarung 17:9 soll dies gleich danach geschehen.

Einige beunruhigende Nachrichten

Auf dem Kongress erfuhr ich, wie es der Glaubensschwester erging, die mich auf diesen Lebensweg gebracht hatte (Rosa in der Geschichte Ein Landarzt). Sie ging in der Zeit, als ich ins Bethel kam, in die Dominikanische Republik, um dort als Pionier zu predigen. In den Sommermonaten war sie in Deutschland und verdiente Geld. In der übrigen Zeit war sie dort und lebte von den Ersparnissen. Das ging viele Jahre so. Nun erfuhr ich, dass man dort aus unverständlichen Gründen ein Rechtskomitee gegen sie gebildet hatte. Sie wurde zurechtgewiesen. Ein weiteres halbes Jahr später gab es noch ein bösartiges Gespräch mit den Ältesten, worauf sie fluchtartig das Land verließ.

Ihr Vater, der vorsitzführender Aufseher in ihrer Versammlung in Deutschland war, fragte einmal in der Dienstabteilung nach, was die Gründe für die Zurechtweisung waren. Er bekam keine Antwort und man gab ihm zu verstehen, dass man besser nicht nachhakt, weil das nur Ärger gibt.

Zuerst Vorbild, dann ausgeschlossen: Wie kann das sein?

Ein Glaubensbruder war schon sehr jung Kreisaufseher und arbeitete danach in der sogenannten Dienstabteilung im Bethel. Er kam ungefähr zur selben Zeit wie ich ins Bethel und wir besuchten dieselbe Betheleinführungsschule. Dort durfte ich mit ihm gemeinsam eine Aufgabe vorbereiten. Ich empfand es damals als ein Vorrecht, mit einem so reifen Bruder hier zusammenarbeiten zu dürfen.

Doch nun, also viele Jahre später, erfuhr ich, dass es ein Problem gibt. Es hieß nur, er hätte Depressionen. Kurze Zeit später hieß es in einer offiziellen Bekanntmachung, ein Rechtskomitee hätte sich mit ihm befasst und er sei nun kein Zeuge Jehovas mehr. Das war für mich ein Schock. Das Problem: Mehr konnte ich nicht in Erfahrung bringen, denn danach sah ich ihn nie wieder und ich hatte auch keine Kontaktdaten. Und die Herren, die ihn ausgeschlossen hatten, schwiegen.

Was war nur geschehen? Wenn es eine Meinungsverschiedenheit oder ein Konflikt war, hätte man ja prüfen müssen, wie man das Problem löst. Ich sollte jetzt glauben, dass dieser Glaubensbruder nun böse ist und dem Teufel gehört, da er ja ausgeschlossen wurde, aber ich hatte keinerlei Beweise. Es könnte doch auch sein, dass er recht hat und seine Widersacher im Unrecht sind. Wer kann das kontrollieren? Woher soll ich wissen, ob in dieser Organisation überhaupt noch irgendetwas mit rechten Dingen zugeht? Ich kann doch nicht ins Blaue hinein weiterhin für die Organisation arbeiten, wenn ich nichts erfahren darf. Transparenz ist doch absolut notwendig, damit ich selbst zu einem gerechten Urteil kommen kann und ob ich denn weiterhin diese Organisation unterstützen kann.

Ignoranz

Dann erklärte mir ein Bruder vom Bethelbüro, mit dem ich befreundet war, was er erlebte. Er sagte mir, er bekomme immer wieder Anrufe zugestellt von Glaubensbrüdern aus Versammlungen, die völlig beunruhigt ins Bethel telefonieren, da sie Augenzeugen oder Betroffene großer Ungerechtigkeiten in ihren Versammlungen seien.

Das heißt, sie hielten es für nötig, anzurufen, mit der Hoffnung, jemand, der zuständig ist und etwas tun kann, ans Telefon zu bekommen. Die Dinge sind so schlimm und mussten unbedingt geklärt werden. Natürlich war der Bruder vom Bethelbüro nicht zuständig. Seine Aufgabe bestand lediglich darin, sie zu beruhigen und mit einem Bibeltext zu „trösten“. Er zitierte dann Prediger 5:8, dass man sich nicht wundern sollte, wenn das Recht gewaltsam entzogen wird. Jehova würde wachen und zu einer gegebenen Zeit die Dinge richtigstellen. Das war alles. Ihr Problem wurde also vollständig ignoriert.

Ich sagte mir, dass eine Organisation, die Probleme so völlig ignoriert, nicht bestehen kann. Sie ist wie ein vollkommen reueloser Sünder. Ein solcher Zustand kann doch nur eskalieren und Jehova kann niemals Segen geben. Für die Organisation kann das zum Schluss nur in einer Katastrophe enden. Doch was soll ich tun? Ich möchte mit Jehova zusammenarbeiten, nicht mit dieser Organisation, von der man sich doch nur distanzieren kann.

In dieser Zeit kam auch die sogenannte Wachsamkeits-Broschüre heraus. Es gab also offensichtlich in der Organisation verantwortliche Glaubensbrüder, die den kritischen Zustand irgendwie bemerkt haben. Bestimmt war hier Jehovas Hand im Spiel. Er lässt alle durch eine solche Broschüre warnen.

Ich beobachtete sorgfältig die Entwicklungen. Es gab immer mehr Änderungen auch in organisatorischer Hinsicht und sogar, was die Lehre betrifft.
Ab 2006 gab es nur noch ein Erwachet! im Monat. Im Jahr 2008 wurde das sogenannte Versammlungsbuchstudium abgeschafft. Da es zuvor kaum Änderungen gab, war schon dies bemerkenswert.

Zusammenhänge

Ich merkte, dass die Zunahme der Probleme, der merkwürdige Geist und die Zunahme an organisatorischen Änderungen mit dem Wechsel in der leitenden Körperschaft in Zusammenhang steht.

Es gab einen Generationenwechsel. Die Gruppe von zwölf Glaubensbrüdern, die noch 1992 die leitende Körperschaft bildete, waren ab 04.12.2010 alle im Tod entschlafen und wurden vollständig durch eine neue Gruppe ersetzt. Und in dieser neuen Gruppe sind nur Personen, die man ursprünglich für Ersatz abgefallener Geistgesalbter betrachtet hatte. Denn man glaubte, dass mit dem Aufkommen der großen Volksmenge im Jahr 1935 die Einsammlung der Geistgesalbten abgeschlossen gewesen sein musste (siehe dazu den Beitrag zur Kafka-Deutung: Unser neuer Rechtsanwalt).

Ab dem Jahr 2003/2004 war die neue Gruppe schon in der Mehrzahl. Gerade in dieser Zeit änderte sich der Geist völlig.

Aber was Änderungen betrifft, gab es besonders nach dem Tod von Bruder Barr am 04.10.2010, dem letzten Glied der leitenden Körperschaft, der zur alten Gruppe gehört, kein halten mehr. Überall gab es organisatorische Umstrukturierungen. Einige Zweigbüros wurden aufgelöst, die Globalisierung innerhalb der Organisation vorangetrieben (siehe Bibelstudium Harmagedon).

Was haben diese Änderungen zu bedeuten?

Mir fielen besonders einige eher unscheinbare Dinge auf.

Man wollte ja ursprünglich kein Teil Babylons der Großen sein, da es von Gott verurteilt wurde. Da die Kirchen der Christenheit alle ohne Ausnahme zu Babylon der Großen gezählt wurden, wollte man keine Religionsorganisation werden, die irgendwelchen Kirchen oder auch einer Freikirche gleicht. Deshalb wurde das Bethel nicht als Orden, sondern als ordensähnliche Gemeinschaft bezeichnet.

Die Organisation sollte sich auf das Werk des Predigens beschränken. Deshalb nannte man den früheren Leitfaden für die Organisation „Organisiert, unseren Dienst durchzuführen“. Wer im Zweigbüro der Gesellschaft arbeitete, wurde als „Bethelmitarbeiter“ bezeichnet. Man verstand, dass es nur um die für den Auftrag erforderliche Arbeit geht. Man hatte von Jehova den Auftrag erhalten, die gute Botschaft weltweit zu verkündigen. Da man das Ende sehr bald erwartete, war dazu Eile geboten. Und das Ziel konnte nur durch organisiertes Vorgehen erreicht werden.

Diese Dinge wurden nun abgeändert. Der Leitfaden zur Organisation hieß dann: „Organisiert, Jehovas Willen zu tun“. Also kein Bezug mehr zu dem, was ursprünglich organisiert werden sollte. Statt von „ordensähnlicher Gemeinschaft“ sprach man dann von „Orden“. Der Bethelmitarbeiter wurde als Betheldiener bezeichnet. Ich bin als Bethelmitarbeiter ins Bethel gekommen. Zum Schluss galt ich als Betheldiener.

Körperschaft des öffentlichen Rechts

In Deutschland waren die Versammlungen früher in Bezug zur weltlichen Gesetzgebung einfach Vereine. Dann wurden sie Teil einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Damit hatten sie die gleiche Stellung gegenüber dem Staat wie die Kirchen der Christenheit (siehe dazu Jesaja 30:6, 7 mit Erklärung).

Es war also deutlich zu erkennen: Das Bemühen, in der organisatorischen Struktur nicht einer Kirche zu gleichen, wurde aufgegeben. Damit war mir klar, dass diese Organisation genauso zu Babylon der Großen zu zählen ist wie die Kirchen der Christenheit. Und die Gerichtsbotschaft, die wir verkünden, dass die „falsche Religion“ von Gott verurteilt und gerichtet wird, betrifft uns selbst (siehe die Kafka-Deutung „ein Traum„). Ich hab Werner Rudtke nur angeschaut, nachdem er die Anerkennung der Körperschaftsrechte der Bethelfamilie (Zweigbüro) bekannt gegeben hatte. Er hätte mein großes Fragezeichen ja in meinem Ausdruck erkennen können. Aber solche Leute sind weit davon entfernt, ihren Irrtum einzusehen. Ich wollte Jehova die Ehre geben und fragte Jehova, was ich tun kann.

Erfahrungen mit dem unsichtbaren Gott Jehova

Unter Gebet wechselte ich die Versammlung und ging nach Selters West (man ist auch als Bethelmitarbeiter separat einer Versammlung angegliedert). Das war Ende 2003. Dort wollte ich das englische Buchstudium besuchen. Als ich das letzte Mal die alte Versammlung besuchte, kam der Koordinator der Versammlung für Bekanntmachungen auf die Bühne und hatte ein paar Abschiedsworte. Weil ich in der Versammlung lange und auch unter Schwierigkeiten gedient hatte, ohne mich zu beklagen, wünschte er mir einen vollkommenen Lohn von Jehova und zitierte hierbei Ruth 2:12.

Man hätte dies als belanglose Abschiedsworte werten können. Der Älteste konnte sich später selbst nicht mehr an seine Worte erinnern. Aber ich war überzeugt, dass diese Worte wahr werden müssten, da ich zuvor intensiv zu Jehova gebetet hatte und der Versammlungswechsel von ihm irgendwie unterstützt wurde. Ruths vollkommener Lohn bestand darin, eine Vorfahrin des Christus zu werde. Ihr Sohn, den sie gebären sollte, wurde der Vater Davids.

Also war ich in Bereitschaft, eine neue Aufgabe und eine neue Rolle anzunehmen. Im englischen Buchstudium waren dann zwei Zweigkomiteemitglieder (Werner Rudtke und Eberhard Fabian), die ich so etwas besser aus der Nähe kennenlernen konnte. Ein Bruder aus der Schreibabteilung, der ebenfalls in Selters West war, fing an, mit mir wegen eines Artikels über meine Lebensgeschichte zusammenzuarbeiten. Daraus wurde dann der Artikel Wissenschaft und Bibel haben mir geholfen, den Sinn des Lebens zu finden.

Als ich im Herbst 2005 meine Heimatversammlung in Augsburg besuchte und diesen Artikel mitbrachte, erzählte mir Rosa (siehe die Kafka-Deutung Ein Landarzt) noch einige Einzelheiten, wie es ihr in der Versammlung dort in der Dominikanischen Republik erging. Man hat sie den ganzen Tag verhört und sie bekam noch nicht einmal etwas zu essen, erzählte sie. Und nun wird die Sache hier in Augsburg weiter behandelt. Man hat sie vom Pionierdienst für drei Jahre gesperrt. Sie litt offenkundig unter Depressionen, da auch hier ihr niemand wirklich die Ehre geben wollte, die sie verdient hat, obwohl kein Mensch die Anschuldigungen verstand.

So hatte ich viel zum Nachdenken, aber ich wusste nicht, was ich tun konnte.

Von jetzt an war alles irgendwie anders

Es vergingen dann noch einige Jahre bis zum Sommer 2009. An diesem Sommer besuchte ich wie jedes Jahr meine Heimatversammlung in Augsburg, um dann von dort aus den Bezirkskongress in München zu besuchen. Dieses Mal war ich einige Tage länger dort, besuchte die Zusammenkünfte und beteiligte mich an einer Predigtdienstaktion. So hatte ich wieder Kontakt zu der Glaubensschwester Rosa. Der Kongress hatte das Motto „Wacht beständig“.

Dieses Mal war irgendwie alles anders, ohne dass es dafür eine äußere Ursache gegeben hätte. Ich spürte den Geist Jehovas in mir wie nie zuvor und es war, wie wenn ich diese Versammlung in Augsburg zum letzten Mal besichtigen würde. Ich beobachtete die Glaubensbrüder genau und merkte, dass einiges nicht stimmte. Ein Glaubensbruder sagte, dass es sein Wunsch und einziges Ziel sei, Ältester zu werden. Ich fragte mich: Weiß er nicht, dass er dafür von Jehova nur verurteilt werden kann? Will er denn über andere herrschen?

Nach dem Besuch und dem Kongress war ich wie in einem Trancezustand. Im Bethel in Selters waren viele ausländische Delegierte, die zuvor den Kongress besucht hatten. Man sang gemeinsam Königreichslieder. In der Versammlung war auch eine Predigtdienstaktion, an der ich mich mit Eifer beteiligt habe, wie wenn sie die Allerletzte gewesen sein sollte. Jehovas Geist hat mir unmissverständlich mitgeteilt, dass dies der letzte Kongress war, der noch von Jehova gesegnet und unterstützt würde. Jehovas Langmut würde zu Ende gehen und das Böse in der Christenversammlung würde danach überhandnehmen.

Handlungsbedarf, um eine klare Entscheidung herbeizuführen

Jetzt gab es auch Handlungsbedarf. Ich überlegte nun, was Jehova von mir genau getan haben möchte. Mein bisheriges Verhältnis zu den Personen, die in der Organisation die Führung übernehmen, war geprägt durch den Gedanken: Am Anfang steht die Unschuldsvermutung und im Zweifelsfall für den Angeklagten. Darum habe ich all das Übel ausgehalten, das bisher schon von diesen Personen ausging. Ich hatte mir aufgrund meiner Gottesfurcht nicht getraut, sie zu richten.

Nun musste aber eine Entscheidung kommen. Was sie der Rosa angetan haben, ist doch mit nichts zu entschuldigen. Denn sie hat treu gedient bis heute. Und trotzdem hat man sie regelrecht überfallen mit vielen bösen Beschuldigungen. Und es waren völlig verleumderische Behauptungen und Lügen, die man gegen sie vorbrachte. Doch weil es sich im Ausland zutrug, wurde in die Sache zwei Ältestenschaften und drei Dienstabteilungen verwickelt. Außerdem wurde sie für drei Jahre vom Pionierdienst gesperrt. Dadurch behandelte man sie weiterhin als die Schuldige, was ihr Depressionen einbrachte, da sie ja völlig ergeben Jehova diente.

Ich sagte mir: Entweder sie bereuen und Rosa wird vollständig rehabilitiert oder Jehova wird die Organisation vollständig verwerfen. Er wird der Organisation nicht vergeben und daran brauch ich dann keine Zweifel mehr haben. Ich betete zu Jehova, mir zu helfen, damit ich einen Beitrag leisten kann, dass sie vollständig rehabilitiert wird. Während dieses Bemühens wollte ich noch positiv eingestellt sein zur Organisation und zu den Ältesten. Wenn nichts daraus wird, hat Jehova die Versammlung verworfen.

Wieder ein Rechtskomitee für Rosa

Während ich noch nachdachte, was ich tun kann, teilte mir Rosa mit, dass man erneut ein Rechtskomitee gegen sie gebildet und sie zurechtgewiesen hatte. Die Zurechtweisung würde in der nächsten Zusammenkunft öffentlich bekannt gegeben. „Warum?“, fragte ich. Sie hat in der Zeit, als sie depressiv war, etwas getan, was ihr ein schlechtes Gewissen eintrug. Das war nun schon Jahre her. Aber auf dem Kongress wurde sie durch das Drama über den verlorenen Sohn ermuntert, zu den Ältesten zu gehen und ihnen alles zu „beichten“. Das tat sie dann. Die Ältesten, zu denen sie hinging, behielten es offenkundig nicht für sich, sondern redeten mit den anderen Ältesten, und es wurde ein Rechtskomitee gebildet.

Dann erklärte sie mir, dass sie als Auflage keine Kommentare mehr in der Versammlung geben darf und natürlich verliert sie den Pionierstatus erneut (sie war in der Zwischenzeit wieder im Pionierdienst). Sie wollte mir aber nicht genauer sagen, was der Grund für die Zurechtweisung war.

Acht Rätsel

Ich wunderte mich sehr darüber. Zuerst fragte ich mich, warum die Zurechtweisung öffentlich bekannt gegeben wurde. In dem Buch „Organisiert Jehovas Willen zu tun“ wird gesagt, dass man es nur dann öffentlich machen soll, wenn die Sache, um die es geht, in der ganzen Versammlung bekannt geworden ist. In diesem Fall wusste niemand etwas davon.

Dann fragte ich mich, warum überhaupt eine Zurechtweisung. In der Literatur wird gesagt, dass man bei einer Zurechtweisung jemandem helfen soll, zu erkennen, dass er etwas Schwerwiegendes falsch gemacht hat. In diesem Fall hat sie es schon erkannt und ging deshalb zu den Ältesten, um eine Sache den Ältesten zu „beichten“. Also fehlt es doch gar nicht an Einsicht, etwas falsch gemacht zu haben.

Dann zum Thema Beichte: In der Literatur der Zeugen Jehovas wird klar gesagt, dass eine Beichte unbiblisch ist. Menschen können keine Absolution erteilen. Nur Jehova Gott kann vergeben. Wie könnte man dann sagen, dass sie eine Sünde gebeichtet hat?

Dann fragte ich mich, wo sie den zweiten Zeugen herhaben. Die Sache, um die es ging, lag lange zurück und niemand wusste etwas davon, bis sie zu den Ältesten ging. Aber dann ist es doch nur die Aussage einer Person, wenn sonst niemand etwas weiß. Woher haben sie dann den zweiten Zeugen? Denn normalerweise wird doch nur ein Rechtskomitee gebildet, wenn zwei Zeugen da sind. Ich könnte ja auch zu den Ältesten gehen und eine erfundene Geschichte erzählen, wie ich schwer gesündigt hätte. Deshalb wäre ein weiterer Zeuge nötig, um das zu prüfen, ob die Sache stimmt.

Dann verstand ich nicht, wie sie auf die Idee kommen können, das Kommentargeben in der Versammlung zu verbieten. Ein Vortragsredner zitierte einmal Psalm 22:22 und erklärte dazu, dass es ein Gebot von Jehova sei, sich am Kommentargeben zu beteiligen. Wenn es aber ein Gebot ist und man nach Apostelgeschichte 5:29 Gott und nicht Menschen gehorchen sollte, dann können Menschen das auch nicht verbieten. Sie hätte auf jeden Fall trotzdem die Hand heben dürfen. Ob man aufgerufen wird, entscheidet dann ohnehin der Leiter des Programmpunktes.

Besonders schmerzlich und befremdend war es für mich, dass sie den Ältesten alles erzählte. Ihren Freunden und auch mir wollte sie den Grund ihrer Zurechtweisung nicht mitteilen. Natürlich gibt es Dinge, die man nicht mitteilen will, weil man seine Privatsphäre schützen möchte. Ich wollte von ihr nicht verlangen, dass sie mir alles erzählt. Nur, warum erzählt sie es den Ältesten, die eigentlich fremde Männer sind? Diese bilden ein Rechtskomitee und drohen sogar mit Ausschluss. In diesem Fall hätten sie mich angewiesen, keinen Kontakt mehr zu ihr zu haben. Und ich darf nichts wissen? Was sind die Ältesten? Ist sie mit ihnen verheiratet?

Deshalb ergab sich dann die Frage, warum sie überhaupt zu den Ältesten ging. Ein Bibeltext besagt, dass man zu den älteren Männern gehen soll, wenn man (im geistigen Sinne) „krank“ ist. Aber in demselben Bibeltext steht auch, dass in dem Fall, wenn er (sie) eine Sünde begangen hat, ihm (ihr) vergeben wird (Jakobus 5:14, 15). Da ist nicht von vielleicht vergeben oder von Prüfen, ob man ihm vergeben kann, die Rede. Warum also ein Rechtskomitee?

In dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, das sie ja inspiriert hat, zu den Ältesten zu gehen, vergab der Vater sofort seinem Sohn, freute sich und feierte ein Fest für ihn. Warum haben die Ältesten also ein Rechtskomitee gebildet und Strafen verhängt, statt sich zu freuen und ein Fest für sie zu feiern?

Acht Fragen, acht Rätsel. Was sie tun, ist doch absolut unbiblisch und gesetzlos! Für mich war das eine Offenbarung. Erst jetzt sah ich das volle Ausmaß ihrer Gesetzlosigkeit. Und sie war einen Tag vor ihrer „Beichte“ noch im Pionierdienst und niemand hat irgendetwas bemerkt. Niemand ahnte etwas. In der Bibel ist von Begebenheiten die Rede, in denen Jehova seinem Propheten verborgene Dinge mitteilte. Aber die vom Geist ernannten Ältesten wissen nichts (siehe 1. Könige 14:1-6; 2. Könige 6:8-12). Erst nachdem sie aus eigenem freien Entschluss die Sache mitgeteilt hatte, um zu verstehen zu geben, dass sie es wie der verlorene Sohn tief bereut, reagieren sie bitterböse. Sie hatte danach Panikattacken und Selbstmordgedanken, zumal Monate später nochmals weitere Auflagen verhängt wurden. Erst ein Jahr später durfte sie wieder Kommentare geben.

Ein Fotoalbum für Rosa

An meinem Vorhaben änderte sich nichts. Zusammen mit ihrer Interessierten und weiteren Glaubensschwestern besuchte sie mich im Oktober 2009 im Bethel. Dort blieb sie zwei Tage, denn ich hatte sie als Gast eingeladen. In diesen Tagen machte ich Fotos von ihr mit verschiedenen Motiven, wie technischen Anlagen für das Drucken der Literatur im Hintergrund. Daraus machte ich dann ein Fotoalbum mit je einer Erklärung zu der Maschine im Hintergrund und einem Bibeltext, der sich auf ihre Situation bezieht. Diesem Fotoalbum gab ich unter Gebet den Titel „Wer wird Jehova ehren?“ Er stützt sich auf den Bibeltext in 1. Samuel 2:30. Jehova erklärt hier: „… denn die mich ehren, werde ich ehren“.

Danach bin ich nach Augsburg gefahren. Ich besuchte die Zusammenkunft in meiner Heimatversammlung und reichte das Fotoalbum unter den Anwesenden herum mit der Bitte, auf einem Unterschriftenblatt ihre Unterschrift zu geben. Das war am 22.01.2010. Einige, die nicht in der Zusammenkunft waren, besuchte ich zu Hause und bat um eine Unterschrift.
Später überreichte ich es Rosa zusammen mit den Unterschriften.

Mit dieser Aktion wollte ich die Glaubensbrüder in der Versammlung daran erinnern, dass ihre Glaubensschwester Rosa Jehova doch durch ihren treuen Dienst über viele Jahre hinweg geehrt hat. In den einleitenden Worten wies ich darauf hin, dass sie mir geholfen hat, ebenfalls Jehova näherzukommen, um ihn zu ehren. Durch die Erklärungen zu den Maschinen gab ich zu bedenken, dass sie nur wegen der Zuverlässigkeit Jehovas überhaupt funktionieren, denn er hat die Naturgesetze gemacht.

Und durch die Bibeltexte zeigte ich, dass das, was Rosa gegenwärtig erlebt, einer Verfolgungssituation entspricht. Denn wer Jehova ehren möchte, wird auch verfolgt, so wie auch König David verfolgt wurde. Die Bibeltexte, die ich verwendet habe, sind: Psalm 121:1, 2; 2. Korinther 6:4, 8-10; Jesaja 54:17; Psalm 18:40; Psalm 69:20; Jesaja 52:7; Psalm 25:2; Psalm 68:11. Und zum Schluss über dem Bild, auf dem auch ihre Interessierte fröhlich auf dem Kongress 2009 zu sehen ist: Der ganze Psalm 150.

Die Botschaft

Und das ist die wichtigste Botschaft, die vermittelt werden soll: Wer von Ältesten schlecht behandelt wird, obwohl er doch Jehova zu ehren gedenkt, der wird von ihnen verfolgt. In diesem Sinne gibt es keinen Unterschied zwischen Regierungsbeamte und Geistliche, die Christen verfolgen oder den Ältesten der Organisation, der man selbst angehört, wenn sie ihre Mitverbundenen schlecht behandeln oder sie verurteilen.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn ein Zeuge Jehovas ist sich bewusst, dass er etwa wegen Wehrdienstverweigerung oder anderer Dinge politisch verfolgt werden kann. Er rechnet mit Verfolgung und denkt dabei an die Worte Jesu aus Matthäus 5:10-12, dass man sogar vor Freude springen sollte, wenn dies passiert. Denn der Lohn bei Jehova ist sehr groß. So hält man die schlechte Behandlung mit Freuden aus, weil man die Zuversicht hat, dass Jehova das reichlich belohnt.

Völlig anders ist die Reaktion, wenn man von Ältesten schlecht behandelt wird, denn sie gelten sozusagen als die Vertreter Jehovas. Man fühlt sich von Jehova gedemütigt. Und wenn man von den Ältesten verurteilt wird, dann denkt man, Jehova hat einen verurteilt. So erwartet man nicht Lohn, sondern eher den Verlust der Freundschaft mit Jehova. Das ist aber völlig unbegründet.

Älteste als Vertreter Jehovas zu sehen, bringt einen Zeugen Jehovas zu Fall

Das richtigzustellen war mein wichtigstes Anliegen. Es ist auch das Wichtigste, was es in der Glaubensgemeinschaft richtigzustellen gab und gibt. Wenn man tiefen Glauben hat, sagt man sich: Was kann ein Mensch mir antun? Wenn Jehova auf meiner Seite ist, wer kann gegen mich sein? Selbst wenn ich hingerichtet werde, würde Jehova mich zu Auferstehung bringen. Doch wenn man Älteste nicht als potenzielle Verfolger sieht, sondern als Vertreter Jehovas, erleidet man Schiffbruch im Glauben und man wird von diesen Leuten, die doch nur Menschen sind, überwunden.

Natürlich könnte man sich fragen, was so ein Fotoalbum schon bewirken kann. Die Glaubensbrüder in der Versammlung haben die Botschaft wahrscheinlich nicht wirklich verstanden und auch schnell vergessen und es ist ja auch nur eine Versammlung. Trotzdem war ich davon überzeugt, dass diese Aktion eine sehr große Bedeutung und Wirkung im geistigen Sinne haben wird. Der Grund hierfür war, dass ich bei der Vorbereitung dieser Aktion ständig die Führung Jehovas verspürt hatte. Es muss Jehova sehr wichtig gewesen sein, sonst hätte er das nicht so unterstützt. Wie ich es machen soll und das genaue Datum der Unterschriftensammlung schien Jehova festgelegt zu haben. Dazu könnte ich weitere Einzelheiten berichten. Dies würde aber den Rahmen dieses Berichts sprengen.

Aber was habe ich erreicht? Zum einen haben diejenigen, die die Unterschrift gegeben hatten, die Möglichkeit, ihre eigene Einstellung zu überdenken. Schließlich könnte es ja ein Beitrag sein, dass man sich korrigiert, die ungerechte Verfolgung bereut und Rosa schließlich doch wieder völlig anerkennt und das Unrecht, das man ihr angetan hatte, wieder gut machen möchte. Dann würde Jehova der Versammlung und den Ältesten vielleicht vergeben. Wenn ich aber in der nächsten Zeit klar erkennen sollte, dass dies nicht der Fall ist, dann hat Jehova die Versammlung verworfen. Da auch andere Ältestenschaften und Dienstabteilungen darin verwickelt sind, hat Jehova dann die ganze Organisation verworfen.

Zum anderen hat die Aktion eine geistige Wirkung; wenn nicht auf die anderen, dann auf mich. Denn ich habe mich selbst vom falschen Denken befreit. Dies führte dann im weiteren Verlauf zu einem tieferen Bibelverständnis. Falls Engel zugeschaut haben, dann haben auch sie ein Zeugnis bekommen, dass der Same zur Korrektur gesät wurde.

Der Killesbergturm

Im August 2010 ging ich einmal auf einen Aussichtsturm in Stuttgart, den sogenannten „Killesbergturm“. Der Turm ist ungefähr 40 Meter hoch und die tragenden Teile bestehen nur aus einem Mast, der auf der Grundplatte aufliegt und von Stahlseilen aufgespannt wird. Das ist eine sehr elastische Konstruktion. Ich dachte über meine Aktion mit dem Fotoalbum nach und welche Wirkung ich in geistiger Hinsicht mit dem Segen Jehovas erreichen kann. Um diese Wirkung zu veranschaulichen, ergriff ich, als ich auf der oberen Plattform Stand, den Mast mit den Händen und versuchte ihn durch Verlagerung meines Körpergewichts hin und her zu bewegen. Hierbei versuchte ich, so genau wie möglich die Resonanzfrequenz zu erwischen. So wollte ich den Turm zum Schwanken bringen.

Eigentlich ist der Turm viel zu groß, um ihn auf diese Weise nennenswert zum Schwanken zu bringen. Auf der anderen Seite kann man durch das genaue Treffen der Resonanzfrequenz vielleicht doch einiges erreichen. So verglich ich es mit meiner Aktion, die im Vergleich zu der Größe der Glaubensgemeinschaft unbedeutend erscheint, aber wegen der Genauigkeit, mit der ich mich von Jehovas Geist habe leiten lassen, doch bedeutend sein müsste.

Nach einiger Zeit schaute ich auf das Geländer außen. Es schwankte ungefähr einen Meter auf und ab. Mein erster Gedanke war, jetzt ahmen mich alle nach und machen das Gleiche wie ich. Ich konnte mir unmöglich vorstellen, dass ich das mit meiner schwachen Kraft allein bewirkt haben konnte.

Die Kinder, die bei mir waren, fragten mich, ob das an der unteren Blattform auch funktionieren würde. Als ich unten war, sprach mich eine Frau an. Sie erzählte mir, dass der Turm auch bei starkem Wind so stark und stärker schwanken würde und erzählte mir etwas über die Entstehungsgeschichte des Turmes und seiner Konstruktion. Er sei auch ein Studienprojekt für Studenten.

Später habe ich es dann wieder versucht, den Turm zum Schwanken zu bringen, aber mit wenig Erfolg. Wie konnte es mir zuvor so gelingen? Waren meine Gedanken so stark, dass sie den Turm so stark bewegen konnten oder haben unsichtbare Geistgeschöpfe, die Engel, mitgeholfen? Ich weiß es nicht. Aber die Sache war real, keine Einbildung, denn sonst hätte die Frau nicht so gestaunt. Auch die Kinder waren ja offensichtlich beeindruckt.
Aber wird nicht in gleicher Weise die ganze Organisation der Zeugen Jehovas ins Wanken gebracht werden?

Als man im September 2010 die Strafmaßnahmen, die man der Rosa verhängt hatte, wieder aufhob, schien die Sache zwar überstanden zu sein. Doch sah man sie immer noch eher argwöhnisch an. In dieser Zeit gab es interessante Tagestextbesprechungen im Bethel, mit denen mir Jehova nochmals vor Augen geführt hat, dass er die Organisation richten und verurteilen wird. Die Sache war also entschieden. Sie würden nicht bereuen und Jehova wird ihnen so auch nicht vergeben (siehe Bibelstudium Jesaja 22:14).

Veranschaulichungen von Jehova als Antwort auf meine Fragen

Aber ich hatte noch weitere Fragen. Wie konnte Jehova mit dieser ungerechten Organisation überhaupt in irgendeiner Art und Weise zusammenarbeiten? Was wird Jehova in Zukunft unternehmen? Schließlich glaubt man ja immer noch, Jehova stünde hinter dieser Organisation und das glaubte auch Rosa. Wie geht Jehova damit um?

Ich betete intensiv mit der Bitte, mir auf meine Fragen eine Antwort zu geben. Dann gab Jehova mir eine Antwort durch die Dinge, die ich nun erleben sollte.

Meine Dienstpartnerin, ein Interessierter und Rosa

Jehova versetzte mich in seine Lage. Lange Zeit bemühte ich mich, jemanden zu finden, mit dem ich die Bibel studieren und ihm meinen Glauben erklären kann, aber mit wenig Erfolg. Denn in der Regel sagen die Menschen: „Nein danke!“ Sie wollen nichts wissen. Dann brachte mir eine Glaubensschwester jede Woche einen Interessierten ins Bethel mit. Dort konnte ich mit ihm die Bibel studieren und meinen Glauben erklären. Er hatte schließlich Interesse, besuchte die Versammlungszusammenkünfte und wollte schließlich Verkündiger werden.

Ich hatte harmonisch mit der Glaubensschwester zusammengearbeitet und ging auch weiterhin oft mit ihr in den Predigtdienst. Sie war meine Dienstpartnerin und ich unterhielt mich auch oft mit ihr und erwähnte Rosa und was sie durchgemacht hat und was meine Sicht und meine Gefühle sind. Daraufhin schrieb sie einen Brief an Rosa und gab ihn mir, um ihn der Rosa zu bringen. Ich wollte zunächst nicht, denn sie hat ja nichts damit zu tun. Aber dann übergab ich diesen Brief doch der Rosa, als sie mich im Oktober 2009 besuchte.

Sie las ihn, hatte Tränen in den Augen und schrieb ein Dankschreiben zurück. Später wollte sie die Kontaktdaten und ich gab sie ihr. Dann befreundete sie sich mit ihr an.

Was aber das Verhältnis zwischen dem Bibelschüler und der Glaubensschwester betrifft, wurde es immer schlechter. Sie unterstellte ihm viele böse Dinge und sprach offen in den Zusammenkünften nachteilig über ihn. Ich bemühte mich, herauszufinden, ob an den Anschuldigungen etwas dran ist, kam aber zu dem Ergebnis, dass er unschuldig ist und dass sie ihn verleumdet. Dann im Herbst 2010 merkte ich beim Kreiskongress, dass sie ihm völlig aus dem Weg ging und kein einziges Wort mehr mit ihm redete.

Darüber hinaus merkte ich, dass Jehova ihn irgendwie gebrauchte, damit ich meinen Auftrag für Jehova erfüllen kann. So hatte ich zum Beispiel die Digitalkamera, die ich für die Bilder im Fotoalbum verwendet habe, von ihm geschenkt bekommen. Sonst hätte ich keine Kamera gehabt, denn ich war sehr zurückhaltend mit dem Erwerb moderner Technik.

In der Versammlung kam er auf keinen grünen Zweig, denn die Unterstellungen der Glaubensschwester hatten ihre Wirkung. Erst viel später, nach den hier erwähnten Ereignissen, wurde er in einer anderen Versammlung Verkündiger und ließ sich taufen.

Der plötzliche Rückzug

Da fragte ich mich, ob ich wirklich weiterhin mit ihr in den Predigtdienst gehen soll. Mit einer Person, die einen anderen Menschen verleumdet, will ich normalerweise nichts zu tun haben. Ich wunderte mich sehr über die Art und Weise, wie sich die Dinge entwickelten. Dann sprach sie auch mit Rosa nachteilig über ihn, und das hinter meinem und seinem Rücken. Als schließlich Rosa mit mir Streit anfing und mich aufforderte, das Bibelstudium wegen eines Regelverstoßes des Bibelschülers einzustellen (er hatte an seinem Geburtstag den Arbeitskollegen etwas spendiert), ertönten in mir sämtliche Alarmglocken.

Ich reagierte schlagartig oder geradezu fluchtartig, indem ich sofort aufhörte, mit der Glaubensschwester weiter in den Predigtdienst zu gehen und distanzierte mich völlig von ihr. Mir war das Dreiergespann Rosa, die Glaubensschwester und ich unheimlich, ja gruselig. Ich hatte regelrecht Panik. Da ich mit der Glaubensschwester über viele Jahre regelmäßig in den Predigtdienst ging, war diese Beendigung gemeinsamen Dienstes sehr plötzlich. Dementsprechend war meine Stimmung. Es war, wie wenn ich panikartig von einem sehr gefährlichen Ort fliehen musste.

Der Unfall bei Wetten, dass …?

Anfang Dezember besuchte ich wie üblich meine Eltern in Stuttgart. Ich hatte selbst keinen Fernseher, aber bei meinen Eltern war es üblich, dort abends den Fernseher einzuschalten. Es war der 04.12.2010 und es kam gerade „Wetten, dass ..?“.

Als ich vor dem Fernseher saß, hatte ich die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl, das sich immer noch mit meinen Erlebnissen der letzten Wochen verband. Dann kam der Wettkandidat Samuel Koch an die Reihe, der mit Sprungfedern über fahrende Autos springen sollte. Ich dachte sofort: Das geht schief! Das ist zu gefährlich! Denn wenn er die Wette nicht schafft, hat er nicht einfach die Wette verloren, sondern hat einen schweren Unfall mit schlimmen Folgen gehabt. Das waren wirklich meine Gedanken, bevor etwas geschah. Dann kam es zu dem Unfall.

Ich dachte sofort an meine Gebete zu Jehova und an die Erlebnisse, die ich vorher hatte. Warum sitze ich hier und schaue gerade diese Sendung an? Warum habe ich solche Gedanken? Wie möchte Jehova meine Fragen, die ich ihm gestellt habe, beantworten?

Im Februar 2011 fand wieder eine „Wetten, dass ..?“ Sendung statt. In dieser Sendung erklärte Thomas Gottschalk, dass er aufhört, sich aber nicht im Schock aus dem Staub macht, sondern die Staffel abschließt.

Was wollte Jehova mir sagen?

Mir wurde durch diese Erlebnisse schließlich klar, was Jehova mir sagen wollte. Die Glaubensschwester steht für die Organisation und Jehova hat mit der Organisation sozusagen so zusammengearbeitet wie ich mit der Glaubensschwester. Die Organisation hat Vermittlungsdienste geleistet, damit die Menschen eine Möglichkeit haben, die biblische Wahrheit kennenzulernen. So hatte ich ja auch die biblische Wahrheit mithilfe der Glaubensschwester Rosa, die durch die Organisation ausgesandt wurde, kennengelernt.

Nun aber verhalten sich die Vertreter der Organisation genauso wie die Glaubensschwester, die den Bibelschüler verleumdet. Und Jehova sagt mir gewissermaßen, dass es ihm so geht wie mir in der jetzt entstandenen Situation. Rosa hat sich mit der Glaubensschwester befreundet, nachdem sie den Brief von ihr gelesen hatte. Aber in dem Brief stand doch eigentlich nur das drin, was ich der Glaubensschwester mitgeteilt hatte, denn nur von mir wusste sie, was Rosa erlitten hatte und wie meine Gedanken und Gefühle darüber sind.

Ich war ganz schön deprimiert, als ich merkte, dass Rosa mit mir nicht viel zu tun haben möchte, sondern lieber mit der Glaubensschwester. Und so ergeht es auch Jehova mit seinen Zeugen. Sie suchen eher die Freundschaft mit der Organisation und ihren Vertretern als mit Jehova, obwohl diese Vertreter verurteilend und verleumderisch sind und viele Regeln aufstellen, Jehova hingegen es gut meint. Durch meine plötzliche Abkehr von der Glaubensschwester machte Jehova mir deutlich, dass er ebenfalls ganz plötzlich und unerwartet reagieren wird, um die Organisation zu richten und sich völlig von ihr zu distanzieren.

Der Grund hierfür sind die schlimmen Dinge, die man beispielsweise der Rosa angetan hat. Sie musste sozusagen genauso ums Überleben kämpfen wie Samuel Koch nach dem Unfall.
Aber warum reagiert Jehova nicht schneller? Auch er macht sich nicht im Schock aus dem Staub. Doch das Ende der Organisation ist beschlossene Sache.

Danach hatte ich noch weitere Erlebnisse dieser Art, über die zu berichten den Rahmen dieser Abhandlung sprengen würde.

Globalisierung und Änderungen in der Lehre

Wie schon erwähnt, kam es zu einem Generationenwechsel in der leitenden Körperschaft (siehe in dem Beitrag Unser neuer Rechtsanwalt: Wechsel in der leitenden Körperschaft). Der letzte von der ursprünglichen Gruppe, die 1992 die leitende Körperschaft bildete, John Barr beendete sein Leben auf der Erde am 04.12.2010, genau an dem Tag, an dem Samuel Koch verunglückte. Damit war der Generationenwechsel vollständig abgeschlossen. Dies hatte weitreichende Folgen.

Von diesem Zeitpunkt an gab es kein Halten mehr: Die ganze Organisation wurde umstrukturiert. Einige Zweigbüros wurden geschlossen, andere umbenannt. Im Bethel gab es Umstrukturierungen der Abteilungen. Die bisherigen Aufseher von Schlosserei, Installation, Elektrotechnik wurden plötzlich abgesetzt. Neue Aufseher wurden bestimmt. Die Änderungen liefen auf ein Ziel hinaus. Man strebte offensichtlich Globalisierung an. Diese gliedert sich in drei Punkten:

Ausbau der Medientechnik

Im März 2012 wurde angekündigt, dass es künftig nur noch 16-seitige Zeitschriften für die Öffentlichkeit gäbe. Stattdessen würde auf der Website jw.org viele Artikel veröffentlicht. Im Bethel wurde ein weltweites Kommunikationsnetz aufgebaut. Die Namensliste im Outlook wurde global erweitert. Man hatte alle Namen aus allen Zweigen. Die Korrespondenz mit den Versammlungen lief zunehmend über das Internet. Schließlich wurde die Medientechnik zunächst in den Kongresssälen und dann in allen Versammlungsstätten ausgebaut. In jeder Versammlung konnten so bei den Zusammenkünften Videos der Gesellschaft gezeigt werden. Man kam mit Tablets in die Zusammenkünfte.

Globales Wirtschaften

Der globale Einkauf wurde eingerichtet. Im Bethel gab es das global purchasing. Betriebsmittel und Maschinen wurden global eingekauft. Für die Versammlungen wurde im Zweigbüro eine neue Abteilung, das LDC eingerichtet. Planung, Bau und Erhalt von Sälen wurde von dort aus gesteuert. Ersatzteile sollten auch über den globalen Einkauf beschafft werden. Die Versammlungsstätten (Königreichssäle) wurden vereinheitlicht. Alle Säle erhielten dieselbe Ausstattung.

Globale Organisation

Das Zweigbüro (Bethel) wurde so strukturiert, dass wesentliche Belange global organisiert werden konnten. Dazu hat man die verschiedenen Zweigbüros vereinheitlicht und an ein globales Kommunikationsnetz angeschlossen. In der Planungsabteilung gab es auch öfter Videokonferenzen nach Brooklyn. Die verschiedenen Versammlungen organisierten immer weniger selbstständig, sondern waren Teil der globalen Organisation.

Wachsamkeit notwendig

Die Globalisierung ist ein Prozess, der in der ganzen menschlichen Gesellschaft auf diesen drei Gebieten stattfindet. Der Ursprung dieser Ideen wird uns in Offenbarung 16:13, 14 erklärt. Diese Ideen sind gemäß den Worten aus der Bibel ursprünglich drei unreine inspirierte Äußerungen von Dämonen (Vers 13)! Satan versammelt seine Diener, um gegen Jehova in den Krieg zu ziehen (Vers 14). Und nun findet diese Globalisierung auch unter denen statt, die eigentlich Gottes Volk bilden wollten!

Darum heißt es nun aufgepasst! Denn dadurch ist klar, dass diese Veränderungen nicht von Jehova, sondern von Satan angeordnet wurden. Wer sie also gut heißt, steht in Wirklichkeit auf Satans Seite im Krieg gegen Jehova! Nur wer sie verabscheut, steht auf Jehovas Seite.

Deshalb warnt uns Jehova mit den Worten aus Offenbarung 16:15. Er kommt wie ein Dieb, also nicht im Interesse der Glaubensgemeinschaft und stellt die Dinge richtig. Dann ist glücklich, wer das verstanden hat und nicht für die Globalisierung eintrat!

Dieser Prozess der Globalisierung innerhalb der Glaubensgemeinschaft, den wir in den Versammlungen und im Bethel erlebt haben, ist nichts anderes als das Versammeln an dem Ort, der auf Hebräisch Harmagedon (oder Armageddon) genannt wird. Das ist die Globalisierung auf Hebräisch, also unter Jehovas Volk, da Hebräisch ursprünglich die Sprache von Jehovas Volk ist. Siehe hierzu Offenbarung 16:16 mit Erklärung oder den Artikel: Harmagedon verschlafen! Wie kann das sein?

Wie aus Daniel 11:45 hervorgeht, ist die leitende Körperschaft unter den Einfluss eines Dämons, des Königs des Nordens (ursprünglich Fürst von Griechenland) gekommen (siehe die Abhandlung Nationen und die Kafka-Deutung: Unser neuer Rechtsanwalt).

Änderungen grundlegender Lehren

In der Jahresversammlung 2012 wurde ein neues Verständnis zu der Frage gegeben, wer denn nun der „treue und verständige Sklave“ aus Matthäus 24:45 wirklich ist und wann er eingesetzt wurde. Dieses neue Verständnis wurde im Studienwachturm vom Juli 2013 veröffentlicht und im September 2013 in den Versammlungen studiert.

Diese Lehränderungen sind keine Kleinigkeit gewesen. Satt dass alle sogenannten Geistgesalbten, die noch auf der Erde leben, den treuen und verständigen Sklaven bilden, wie es bisher gelehrt wurde, ist es jetzt nur noch die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas.

Man ging ursprünglich davon aus, dass Jesus bei seiner unsichtbaren Gegenwart im Jahr 1914 einen treuen und verständigen Sklaven vorgefunden hatte. Er wurde dann 1919 über die ganze Habe Christi gesetzt. Diese Lehre bildete die Grundlage dafür, dass Jesus wirklich diese Glaubensgemeinschaft beauftragt hat (siehe oben und den Beitrag Gibt es Karneval bei Jehovas Zeugen?). Man hat diese Lehre nun geändert. Der „Sklave“ wurde nach der neuen Lehre erst 1919 von Jesus eingesetzt. Vorher gab es ihn nicht. Und erst in Zukunft in der „großen Drangsal“ wird er über die ganze Habe gesetzt. Man hat auf diese Weise Zeiten und Gesetze zu ändern versucht, gemäß Daniel 7:25.

In der Jahresversammlung 2014 hat man noch eine weitere Lehre geändert. Man erklärte, dass der in Hesekiel Kapitel 38 und 39 erwähnte Gog von Magog nicht für Satan steht, sondern für einen Zusammenschluss von Nationen.

In dieser Zeit hatte ich viel nachgedacht und Jehova gab mir Verständnis. Ich wollte einfach wissen, was diese Dinge zu bedeuten haben. Die Zustände im Bethel verschlechterten sich ständig auf überwältigende Art und Weise. Selbst die Handwerke waren oft ratlos, weil ständig die Aufträge geändert wurden. Im Planungsbereich gab es nur noch Irrsinn. Ich studierte intensiv die Bibel und dachte oft den ganzen Tag darüber nach. Dabei viel mir auf, dass es mir möglich ist, ganze Bibelpassagen versweise zu betrachten, da ich jede Einzelheit verstand.

Briefe an Rosa

Ich schrieb eine Vers-für-Vers-Betrachtung von Hesekiel Kapitel 38 und 39 und schickte sie Rosa. Später kamen dann die vielen anderen Vers-für-Vers-Betrachtungen hinzu, die ich im PDF-Format veröffentlicht habe.

Rosa schrieb ich viele E-Mails, um ihr meine neuesten Erkenntnisse zu erklären. Ich hoffte natürlich, dass sie die Erklärungen versteht und im gesunden Glauben gestärkt wird. Schließlich wollte ich ihr helfen, das Erlebte auf vernünftige Weise zu verarbeiten und Jehova zu verteidigen.

Denn sie hat so viel getan und ging weiterhin viel in den Predigtdienst. Und mir hat sie schließlich zu Beginn geholfen, die biblische Wahrheit kennenzulernen. Deshalb wird der gerechte Gott Jehova sie bestimmt segnen. Er ist doch der beste Arbeitgeber, den es gibt! Wenn das Üble, das die Ältesten über sie gebracht haben, von Jehova ausgehen würde, dann wäre Jehova ja völlig ungerecht. Das kann aber nicht sein! Ich musste also auch Jehova gegen die Ältesten verteidigen, da diese so tun, als wären sie Stellvertreter Jehovas.

Darum schrieb ich in meinen Briefen immer wieder, dass Jehova sie schließlich sogar in besonderer Weise segnen wird. Im Mai 2011 schrieb ich ihr auch folgende Worte:

Der prophetische Spruch

Eine Glaubensschwester ist als würdige Vertreterin einer Organisation tätig, die Jehova eingesetzt hat, damit Menschen ihn kennenlernen könnten, so dass auch sie Glauben an Jehova und seine Verheißungen ausüben würden. Daraufhin beginnt einer der Personen, denen sie verkündet hat, an Jehova zu glauben und ihm zu dienen und wird so ein Glaubensbruder. Außerdem verlässt er eine andere Organisation, die in der Welt für geistiges Licht steht und Erkenntnisse aus Jehovas Schöpfung vermittelt und schließt sich der Organisation an, die durch die Schwester vertreten wird.

Die Organisation freut sich deshalb über den Bruder, der durch das Zeugnis der Schwester ebenfalls Jehova und der Organisation loyal dient und die andere Organisation verlassen hat und bringt diese Freude öffentlich zum Ausdruck. Und obwohl die Schwester loyal zu Jehova und zu der Organisation steht, wendet sich die Organisation schließlich gegen die Schwester und bringt Verurteilung gegen die Schwester zum Ausdruck. Während die Organisation den Bruder als ein Beweismittel betrachtet, die vortreffliche, von Jehova gesegnete Organisation für geistiges Licht zu sein, schaut sie aber argwöhnisch auf die Schwester, die weiterhin loyal zu Jehova und zu der Organisation steht.

Da die Organisation auf diese Weise sich selbst widerspricht, wird sie schließlich unglaubwürdig und verliert so die Gunst Jehovas. Durch Liebe zu der Schwester und seinen loyalen Dienern motiviert, reagiert Jehova darauf und richtet die Organisation. Dies leitet das Gericht an der gesamten falschen Religion ein, da das Gericht am Hause Jehovas beginnt. Auf diese Weise wird die große Drangsal eingeleitet, an deren Ende die Befreiung von aller Bedrückung erfolgt, wie es Jehova verheißen hat.

Zur Erläuterung:

In dem Erwachet-Artikel wird doch beschrieben, wie ich statt eine Laufbahn als Wissenschaftler anzustreben, lieber als Zeuge Jehovas tätig wurde, nachdem ich Zeugnis von den Glaubensschwestern erhielt. Ich strebte auch keine Laufbahn als Physiker auf der Universität oder in einem Forschungsinstitut mehr an, sondern ging ins Bethel (Zweigbüro), um dort für Kost und Logis zu arbeiten. Weil ich auf diese Weise anscheinend die Organisation der Glaubensschwester mehr geehrt habe als die wissenschaftlichen Organisationen, freuten sich die Vertreter der Organisation der Glaubensschwester sozusagen. Sie konnten es werbewirksam als Beweis für ihre Vortrefflichkeit einsetzen. Und deshalb gab es dann überhaupt diesen öffentlichen Erwachet-Artikel. Und ich diente ja tatsächlich auch dieser Organisation, indem ich gehorsam blieb und die Anweisungen der Ältesten und Aufseher befolgte.

Doch die Glaubensschwester wurde zu einer zweifelhaften, sündigen Person erklärt und man hat sie zweimal zurechtgewiesen. Das ist natürlich ein Widerspruch, da meine Entscheidungen, die sie so positiv dargestellt haben, mit ihr in Verbindung standen. Eigentlich bestand und besteht ein guter Teil meiner Motivation für meine Tätigkeit in dem Wunsch, ihr helfen zu wollen. Denn ich hatte von Anfang an bemerkt, dass sie es irgendwie schwer hat und nicht wirklich frei ist. Deshalb bin ich bis heute weiter motiviert, sie und andere von der geistigen Gefangenschaft befreien zu wollen. Darum schreibe ich auch diese Website.

Da das Verhalten der Vertreter der Organisation hierzu in völligem Widerspruch steht, sind sie gegen Jehova. Denn Jehova ist als Schöpfer auch der Erschaffer der Logik. In seiner Schöpfung gibt es keine Widersprüche. Somit haben sie mit Jehova nichts tu tun und sind nur eine Gruppe von Heuchlern oder Untoten. Natürlich bin ich davon überzeugt, dass Jehova uns von der geistigen Gefangenschaft, in die wir durch Satan und seine Dämonen geraten sind, befreien möchte. Das zeigen mir schon seine ehrfurchtgebietenden Eigenschaften, die ich in seiner Schöpfung beobachten kann, wie seine Unparteilichkeit. Außerdem ist deshalb Jesus für uns gestorben. Darum möchte ich so gern sein Mitarbeiter sein.

Leider musste ich feststellen, dass Rosa meine Worte zurückwies. Sie bekundete keinen Glauben darin, dass Jehova mich gebraucht. Doch meine Erkenntnis wurde immer größer, denn Jehova half mir zu verstehen, was hier im Gange ist. Und ich konnte viele Bibelpassagen immer besser verstehen, zu denen ich dann Vers-für-Vers-Betrachtungen niederschrieb.

Dann kam ein junger Glaubensbruder, den ich erst kurze Zeit kannte, auf mich zu. Er wollte einen Hirtenbesuch mit mir vereinbaren.

Hirtenbesuche

Der Bruder ging in dieselbe Versammlung wie ich. Ich war in der Zwischenzeit wieder in der alten Versammlung vor dem Wechsel nach Selters West, die auch mein Interessierter besuchte und in der die Glaubensschwester war, mit der sich Rosa befreundet hatte.

Nun fragte ich mich, weshalb ausgerechnet so ein unerfahrener Glaubensbruder, der bisher Dienstamtgehilfe war, bei mir einen Hirtenbesuch machen möchte. Vom Alter her hätte er mein Sohn sein können. Seine Einstellung und Denkweise gefiel mir überhaupt nicht, denn da war keine Spur von Glauben. Stattdessen schien er mir eher damit beschäftigt zu sein, die zweifelhaftesten Glaubensbrüder und Schwestern zu ehren.

Er war, ohne dass ich es bis dahin mitbekommen hatte, zum Ältesten ernannt worden. Zusammen mit einem Ältesten, den ich schon lange kannte, machten sie dann am 9. Mai 2013 einen Hirtenbesuch bei mir.

Hirtenbesuche scheinen doch etwas ganz Normales zu sein. Jeder Glaubensbruder bekommt von Zeit zu Zeit einen solchen Besuch von Ältesten. Allein wegen dieses Gewohnheitsrechts würde man kaum einen solchen Besuch zurückweisen können. Er ist einfach fester Bestandteil des Glaubenslebens eines Zeugen Jehovas. Es ist wie beim Predigtdienst. Die Ältesten kommen zu zweit, wie man auch meist zu zweit von Haus zu Haus geht. Dann ist es, wie in der Versammlung auch. Die Ältesten sprechen, und man muss nur dasitzen und aufmerksam zuhören, um ihre mahnenden Worte zu beachten.

Manchmal kommt es vor, dass man auch etwas sagen darf. Doch die Kommunikation ist wieder eine Einbahnstraße. Wenn man etwas sagt, wird dies meist ignoriert oder man wird eben überstimmt. Sie sind ja zu zweit und bilden die Mehrheit. Einzig ihre Ansichten zählen. Der Besuchte wird wieder zum Zuhören verdonnert, wie im Bethel bei der Tagestextbesprechung, wie in der Versammlung, ja wie eigentlich immer.

Nur jetzt kam mir das besonders sonderbar vor. Eigentlich hätte ich ihr Lehrer sein können, da Jehova mir so viel Erkenntnis gab. Ich hätte lange von meinen Erfahrungen mit Jehova erzählen können, statt ihnen zuzuhören. Dann hätte ich ihnen erklärt, was Jehova mir über seine Sichtweise erklärt hatte. Sie hingegen wissen überhaupt nichts. Was wollen sie mir denn erzählen? Was will der unerfahrene junge Mann, der sich als Ältester zu verstehen gibt, mir sagen?

Ich werde das auch dieses Mal überstehen. Aber irgendetwas möchte ich doch tun. Ich formulierte sieben Fragen, die ich aufgrund meiner gewonnenen Erkenntnis alle beantworten konnte, sie aber wahrscheinlich nicht, da darüber nichts oder nichts Befriedigendes in der Wachturmliteratur zu finden ist. Zu Beginn des Hirtenbesuchs bekam jeder von mir ein Blatt Papier mit sieben Fragen zu Bibeltexten:

Sie steckten das Blatt ein und meinten, ich könnte ja im Bethel jemanden fragen, der zuständig ist. Ich erklärte ihnen noch kurz, was die Rosa mit Ältesten erlebt hatte und dass Jehova nicht ungerecht ist und deshalb unmöglich seine Diener im Stich lassen kann. Nach ein paar kurze nette und beruhigende Bemerkungen dazu wechselten sie das Thema und spulten ihr vorbereitetes Programm ab.

Ein Punkt, der dem jungen Ältesten ja so am Herzen lag: Ich sollte unbedingt den Sporttreff der Versammlung besuchen, der jeden Sonntag stattfand. In der Versammlung wurde ein sogenannter Sporttreff organisiert, um sich einmal in der Woche auf einem Sportplatz zu treffen und Sport zu treiben. Dadurch sollen auch junge Familienmitglieder ermuntert werden, mit der Versammlung verbunden zu bleiben. Doch wurde dieses Treffen hauptsächlich von der Dienerschaft (Dienstamtgehilfen und Ältesten) organisiert oder initiiert. Da ich selbst Dienstamtgehilfe war, sollte ich wenigstens anwesend sein. Doch das kam für mich nicht infrage. Warum?

Geburtstag und Weihnachten

Jehovas Zeugen feiern bekanntlich keine Geburtstage und auch kein Weihnachten. Aber was ist der Grund? Es gab eine Zeit, in der die ernsten Bibelforscher, aus denen die Zeugen Jehovas hervorgingen, ausgiebig Geburtstag gefeiert haben. Die Geburtstage prominenter Glaubensbrüder waren dabei besonders wichtig. Man erkannte, dass dies verkehrt ist, da unser Schöpfer und Lebengeber geehrt werden sollte und nicht Menschen. Von da an feierte man keine Geburtstage mehr, bis heute.

Eigentlich wäre gegen eine ganz private Geburtstagsfeier nicht unbedingt etwas einzuwenden. Aber das Vermischen einer solchen Feier mit der Anbetung ist nicht akzeptabel, und das hatten die ernsten Bibelforscher früher eben eine Zeit lang getan und dann bereut.

Bei Weihnachtsfeiern muss man bedenken, dass es sich ursprünglich um ein heidnisches Fest handelte. Nichtchristen feierten die Zeit rund um die winterliche Sonnenwende. Damit man diese Leute zum Christentum bekehren könnte, hat man dieses Fest in ein christliches Gewand getan und gesagt, es wäre der Geburtstag des Christus. Das ist es aber nicht, zumal Jesus nicht im Dezember von der Maria geboren wurde. Diese heuchlerische Verdrehung von Tatsachen, um Leute zum Christentum zu bekehren, wollen Zeugen Jehovas nicht unterstützen.

Ich feiere aus solchen Gründen keinen Geburtstag und kein Weihnachten. Das darf ich ja nach der Meinung der Ältesten nicht, und auch Rosa hätte da etwas dagegen. Sie hatte es noch nicht mal meinem ungetauften Interessierten erlauben wollen, auf seinem Arbeitsplatz an seinem Geburtstag eine Runde auszugeben. Nun soll ich aber zum Sporttreff der Versammlung gehen, damit ich ein vorbildlicher Diener sei. Hier wird offenkundig eine reine Freizeitaktivität, wie das Sporttreiben, mit der Anbetung verknüpft. Aber zu welchem Zweck? Es sollte helfen, dass die jungen Familienmitglieder gewonnen werden, um später Zeugen Jehovas zu werden oder zu bleiben.

In meinen Augen war die Sache klar. Der Sporttreff war eine Geburtstagsfeier und eine Weihnachtsfeier, da die Beweggründe und das Wesen übereinstimmten! Folglich war es für mich ausgeschlossen, da mitzumachen. Ich wollte meine kostbare Zeit auch lieber für mein Bibelstudium nutzen!

Ja, während sie noch nicht einmal den Versuch machten, die Fragen zu beantworten, die ich ihnen stellte, verlangten die Ältesten, die als Hirten und Lehrer zu mir gekommen sind, von mir Dinge, die ich mit meinem logischen Denkvermögen als Geburtstags- und Weihnachtsfeier einstufen muss, die sie selbst nicht erlauben.

Ein halbes Jahr später

Ungefähr ein halbes Jahr später, es war Anfang Oktober 2013, vereinbarte der junge Älteste wieder einen Hirtenbesuch bei mir. Dieses Mal nahm er einen anderen jungen „Ältesten“ mit. So waren es diesmal zwei junge Männer, die vom Alter her meine Söhne hätten sein können, die mich belehren wollten. Ich fragte gleich zu Beginn, ob er sich über die Fragen Gedanken gemacht hätte, die ich ihm beim letzten Besuch gestellt hatte. Er sagte abschätzig: Nein! Er hatte den Zettel offensichtlich gleich weggeworfen. Biblische Fragen interessieren ihn doch nicht. Dann wollte er mich noch mal und noch eindringlicher für den Sporttreff gewinnen.

Was soll ich mit solchen Leuten anfangen? Was wollen die von mir? Sie nötigen mich höchstens, gegen mein Gewissen zu handeln, was ich natürlich niemals tat. Aber für geistige Dinge, für Jehova und den Glauben an den unsichtbaren Gott haben sie nicht das geringste Interesse. Und große Ungerechtigkeiten innerhalb der Organisation ignorieren sie einfach. Ich schrieb der Rosa dementsprechend.

Rosas Verrat

Rosa fasste meine „respektlose“ Haltung zu den „Ältesten“ aber sehr negativ auf. Für sie waren die Ältesten vom Geist ernannte Glaubensbrüder, die im Auftrag Jehovas einen Hirtenbesuch bei mir durchführen, um mich wieder auf den rechten Pfad zu bringen. Und das hatte ich in ihren Augen bitter nötig, da ich nicht auf Linie war, wie sie all meinen Briefen entnehmen konnte. Sie erklärte mir deutlich, dass sie keinen Kontakt mehr zu mir möchte.

Als ich dann nach längerer Zeit doch noch einmal eine E-Mail an sie schrieb, forderte sie mich auf, zu einem Ältesten zu gehen und meine „Sünde“, nicht auf Linie zu sein, zu beichten und ihm meine Briefe zu zeigen. Wenn ich das nicht täte (sie setzte mir eine Frist), dann würde sie meine Briefe, die ich ihr geschrieben hatte, an die Ältesten senden.

Ich war absolut entsetzt und traurig. Mein erster Gedanke war, dass Jehova ihr dieses Verhalten nicht vergibt und ich sie dadurch verliere. Ich wollte sie doch nicht verlieren. Mein Wunsch war von Anfang an, ihr zu helfen, damit sie glücklich und im Glauben gesund sein kann. Und nun diese schreckliche Androhung, mich zu verraten. Ich hatte die Briefe ja im Vertrauen zu ihr geschrieben.

Ich schwieg in dieser Situation, schrieb ihr nicht zurück und tat natürlich nichts. Denn schließlich ist der unsichtbare Gott Jehova auf meiner Seite. Was ich ihr in meinen Briefen schrieb, war vom Geist Jehovas getrieben. Aber sie hatte keinen Glauben. Ich hoffte, dass sie noch zur Besinnung kommt, wenn ich nicht reagiere. Das hoffte ich für sie, nicht für mich. Denn sie war ja im Begriff, das Gleiche zu tun wie das, was Judas Iskariot gegen Jesus getan hatte. Jesus behielt sein gutes Verhältnis zu seinem himmlischen Vater, Judas Iskariot nicht!

Ich wollte das am liebsten vergessen und achtete gar nicht auf irgendeine Frist, die sie genannt hatte. Das Datum habe ich mir nicht gemerkt. Jedenfalls kam ein junger Ältester der Versammlung auf mich zu und sagte, dass ich bald Gespräche bekommen würde, denn sie hatten von Rosa einige meiner Briefe erhalten. Da sie sich als kleine Versammlungsälteste nicht in der Lage fühlten, die Gespräche zu führen, wurden sie an Älteste im Bethel weitergeleitet.

Gespräche

Die Gespräche führten dann der Aufseher der Abteilung, in der ich arbeitete mit einem Ältesten aus meiner Versammlung, der im Bethel in der Dienstabteilung arbeitete. Sie zeigten mir die Ausdrucke meiner E-Mails, die sie erhalten hatten. Es war wirklich fürchterlich. Die vertraulichsten Dinge, auch Dinge, die zu meiner Privatsphäre gehörten und die ich nur der Rosa als Vertrauensperson schreiben wollte, waren dabei. Die Aussagen, die sie als besonders verwerflich betrachtete, hat sie dabei noch rot unterstrichen, damit die Ältesten auch wissen, dass sie das nicht gut finden sollten.

Die Ältesten haben sich, so schien es mir, wohl auch gewundert. Die Dinge, die zu meiner Privatsphäre gehören, erwähnten sie nicht. Die Hervorhebungen von ihr ignorierten sie. Ja will sie den Ältesten vorschreiben, wie sie hierüber zu denken haben? Nach den Gesprächen bekam ich die Blätter ausgehändigt. Sie behielten, soweit ich weiß, keine Kopie.

Ich habe die Gespräche so über mich ergehen lassen. Meistens redeten sie, wie das ja immer üblich ist. Heute kann ich mich nicht mehr an alles erinnern. Nur fragten sie mich wiederholt, ob ich ein Prophet sei. Ich gab eine unbestimmte Antwort. Das sei starker Tobak, sagten sie auch. Ich erkundigte mich im Internet, wo diese Redewendung eigentlich herkommt und war zufrieden. Ein Jäger bot dem Teufel einen Zug aus der Pfeife an. Es war aber ein Gewehr. Den Teufel zu verschaukeln, indem man ihm einen Zug aus der Pfeife zu seinem Vergnügen anbietet und dann war es ein scharfer Schuss, das gefällt mir. So möchte ich den Teufel behandeln.

Wer eilt hier voraus?

Sie unterstellten mir auch, ich würde gemäß 2. Johannes 9 vorauseilen, weil ich eben nicht ganz in der offiziellen Lehre blieb. Und das sei nach diesem Bibeltext etwas ganz Schlimmes. Sie deuteten drohend auf 2. Johannes 10, 11. Das, was sie mir hier vorgeworfen haben, trifft in Wirklichkeit auf sie selbst zu. Denn sie sagen, dass Gottes Königreich bereits seit 1914 regiert. Das ist aber vorausgeeilt, denn noch hat Satan eine kurze Frist, um hier auf der Erde sein Unwesen zu treiben (Offenbarung 12:12). Das wird durch die vielen Probleme bewiesen, und die gibt es auch innerhalb der Glaubensgemeinschaft. Satan ist auch hier am Wüten. Dann hat der siebte Engel gemäß Offenbarung 11:15 noch nicht seine Trompete geblasen, wie sie fälschlicherweise behaupten (siehe in der Abhandlung »Die Offenbarung verstehen lernen«: Die zwei Zeugen).

Aus ihrer Lehre leiten sie ja gerade ihren Alleinvertretungsanspruch ab, weil Gottes Königreich angeblich durch diese Organisation vertreten wird. Ich stelle doch lediglich das richtig, worin sie vorauseilen, und das ist kein Vorauseilen. Hierbei achte ich immer auf Jehova, um herauszufinden, wann für ihn die Zeit gekommen ist, etwas zu sagen. Und ich bleibe natürlich in der Lehre des Christus, nur vielleicht nicht ganz in den Lehren der Wachtturmgesellschaft, und das auch nur dann nicht, wenn es eindeutige Beweise gibt, dass diese falsch sind. Was tat eigentlich Charles T. Russell? Blieb er in den offiziellen Lehren der damaligen Kirchen?

Sie konnten mir nicht beikommen!

Ich sprach immer wieder von dem unsichtbaren Gott Jehova. Denn das musste man betonen. Die Ältesten stellen sich nämlich als Stellvertreter Jehovas hin. Ihre Entscheidungen gelten als die Entscheidungen Jehovas. Viele haben Furcht vor den Ältesten, weil sie gewissermaßen denken, sie seien Jehova. Aber nein! Jehova ist unsichtbar. Und ich möchte nur den unsichtbaren Gott fürchten und nicht die sichtbaren Ältesten. Ich berufe mich nur auf den unsichtbaren Gott.

Es waren eine ganze Anzahl solcher Gespräche. Ich gab ihnen das Gefühl, dass die Gespräche etwas in ihrem Sinne bewirken, dass sie denken, sie hätten mich wieder auf Linie gebracht. Dann würden sie irgendwann wieder aufhören. Doch wirkliche Zugeständnisse gab ich ihnen nicht. Meine Argumente waren logisch und sie konnten das nicht widerlegen. Als ich ihnen erzählte, wie ein Ältester Rosa behandelt hatte, fragten sie, ob Jehova dem Ältesten verzeihen könnte. Sie waren zufrieden, als ich sagte, dass es sein kann, dass er ihm verzeiht.

Ja, natürlich weiß ich nicht, ob er bereut wie Manasse. Denn Jehova vergab einem bösen König, nachdem er aufrichtig bereut hatte. Aber was der springende Punkt ist. Israel musste trotzdem ins Exil. Und genauso kann Jehova Einzelpersonen, die Übles getan haben und dann bereuen, vergeben. Aber wie mir Jehova ja mitgeteilt hat, wird trotzdem die Organisation ihr Ende finden. Sie hat kein Überlebensrecht. Sie wird als Babylon die Große gerichtet werden.

Jedenfalls gingen auch diese Gespräche zu Ende. Sie konnten mir aber nicht beikommen. Ich blieb standhaft, auch wenn ich noch im Bethel blieb, um die Entwicklungen weiter zu beobachten. Sie drohten mir, dass ich aus dem Bethel müsste, wenn die Gespräche nicht zu einem für sie befriedigenden Ende kommen würden. Das war natürlich eine leere Drohung, denn schon ein gutes Jahr später musste ich ohnehin aus dem Bethel gehen, ohne jedes eigene Verschulden, denn sie schickten viele, die über 50 Jahre alt waren, einfach hinaus. Aber darüber schrieb ich schon in einem anderen Beitrag (siehe Herzlich willkommen).

Natürlich waren diese Gespräche für mich eine Belastung. Ich schaute immer, ob sie weiterhin zu zweit und nicht zu dritt kommen, denn dann würden sie mir wirklich an den Kragen gehen. Jehova jedoch stärkte mich und zeigte mir, dass man mich unmöglich besiegen kann, da er mich schon einmal vor dem buchstäblichen Tod bewahrt hatte:

Meine Mutter besucht mit mir eine alte Freundin

Ich war in Stuttgart meine Mutter besuchen. Sie hatte erfahren, dass eine alte Freundin hochbetagt im Pflegeheim liegt und deshalb wollte sie sie besuchen. Das brachte eine alte Geschichte in Erinnerung. Sie hatte nämlich meine Schwester beherbergt, als meine Mutter, die mit mir schwanger war, für längere Zeit im Krankenhaus bleiben musste. Sie hatte nämlich ein Myom und die Ärzte rieten ihr, mich abzutreiben, da bei meiner Geburt oder schon vorher die Gefahr bestanden hätte, dass sie verblutet. Die Operation wurde schon vorbereitet und es war beschlossene Sache, dass ich abgetrieben werden sollte. Aber aus einem ungeklärten Grund ließen sie von ihrem Vorhaben ab. Deshalb musste meine Mutter zur ständigen Kontrolle im Krankenhaus bleiben, bis man mich durch den Kaiserschnitt holte. Alles ging gut.

Was die Ärzte umgestimmt hat, ist unbekannt. Ein Argument wäre vielleicht, dass meine Mutter eine Abtreibung nur schweren Herzens hingenommen hätte und bereit war, dann lieber lange im Krankenhaus zu bleiben. Sie hatte dann auch keine Angst gehabt, sondern war zuversichtlich. Ich fragte meine Mutter genau, wie es damals war, und sie schrieb es auf. Dass dieser Besuch und die damit einhergehende Erinnerung an dieses Ereignis nun gerade kamen, als ich von Rosa verraten wurde und dann die Gespräche bekam, ist bestimmt kein Zufall. Jehova wollte mir sagen: „Ich habe dich damals gerettet und für einen heiligen Dienst ausgewählt. Dich wird niemand besiegen können!“

Bei solchen und anderen Erlebnissen besteht die Furcht, die ich empfinde, meist weniger darin, dass man mich verlassen oder ächten könnte, als vielmehr, dass sie Jehova ausschließen (siehe den Beitrag Ein Schlussgebet). Denn in ihrer ganzen Art des Besitzergreifens hat Jehova doch gar keinen Platz mehr. Er wird hinausgeschmissen. Es gelten nur noch die Grundsätze der Ältesten, der Organisation oder einer Glaubensschwester, die ihren Mitbruder verrät, der ihr Gutes tun wollte. Jehova möchte ich nicht verlieren! Ihn zu verlieren, wäre furchtbar. Deshalb möchte ich doch lieber mit ihm gemeinsam hinausgeworfen werden, damit ich bei ihm bleiben kann wie Noah.

Noah musste sich wohl sehr einsam gefühlt haben, da niemand auf seiner Seite stand außer Jehova. Sie hatten ihm zwar nichts angetan und seine Arche nicht zerstört, aber sie ignorierten ihn. Er war für sie wohl wie Luft. Er konnte nur seine Kernfamilie mit in die Arche nehmen, da der familiäre Zusammenhalt wenigstens unter acht Personen damals noch groß genug war.

Meine Hoffnung in Bezug auf Rosa

Ich war natürlich traurig, dass Rosa mich verraten hatte. Ich möchte doch gerne mit ihr im Paradies auf Erden leben. Aber war Jehova enttäuscht, wie man oft sagt, wenn jemand etwas Schlechtes tut? Nein! Er wusste doch schon, bevor sie geboren wurde, was sie tun würde. Das geht aus der inspirierten Geschichte von Kafka (siehe Ein Landarzt – Meine Geschichte) hervor. Jehova weiß viel mehr, als wir uns das nur vorstellen können. Er kann niemals enttäuscht sein, weil ihn niemand täuschen kann. Und dann ist für uns die Rechtsgrundlage 6: Der Name Jehovas und Joel 2:32 wichtig. Wer verurteilt dasteht, kann sich auf den Namen Jehovas berufen, durch den solche Prophezeiungen in Erfüllung gehen. Wer so an den Namen Jehovas glaubt, wird nicht verurteilt.

Sieben Jahre später

Etliche Jahre nach meiner Entlassung aus dem Bethel wollten zwei Älteste der Ortsversammlung in Stuttgart mal wieder einen Hirtenbesuch bei mir machen. Das war im Jahr 2019. Bis dahin war ich schon fast vier Jahre in der Versammlung und niemand bis auf eine ältere Glaubensschwester hatte mir je die Frage gestellt, was ich in den 19 Jahren im Bethel gemacht oder erlebt hatte. All die Erfahrungen, die ich jetzt hier berichte, musste ich zwangsläufig für mich behalten, da sich wirklich niemand dafür interessierte.

Auch die beiden Ältesten wollten von meiner Vergangenheit nichts wissen, obwohl es über mich sogar einen Artikel in der Zeitschrift Erwachet! gibt. Und jetzt wollen sie mich in einem Hirtenbesuch belabern? Das ist wieder die perfekte Einbahnstraße, was Kommunikation betrifft. Sie treiben diesen Wahnsinn wirklich bis zum Exzess.

Ich lehnte erst mal ab, aber sie fragten wiederholt nach und blieben hartnäckig. Als dann die Corona-Krise begann und der Hirtenbesuch, bei denen ich die sieben Fragen stellte, nun schon sieben Jahre her war, schrieb ich den beiden Ältesten eine E-Mail. Genau sieben Jahre später, am 09.05.2020, versendete ich sie mit folgenden Worten:

Liebe Brüder,
als vor genau sieben Jahren am 09.05.2013 zwei Brüder bei mir einen Hirtenbesuch machten, stellte ich ihnen sieben Fragen mit der Bitte, wenigstens eine der Fragen zu beantworten (siehe Anhang).Ich war noch im Bethel und es gab gerade viele Änderungen. Eine Änderung jagte die andere. Darum auch die siebte Frage. Ich erhielt aber keine Antwort.
Etwa fünf Monate später (Anfang Oktober 2013) machte einer von ihnen mit einem anderen Bruder wieder einen Hirtenbesuch bei mir. Ich fragte den Bruder, ob er mittlerweile einen Teil der Fragen beantworten kann. Er verneinte und schien sich dafür auch kaum zu interessieren. Er gab mir lieber den Rat, beim „Sporttreff“ der Versammlung dabei zu sein (In der Versammlung wurde einmal in der Woche, etwa am Sonntag, ein Treffen auf einem Sportplatz veranstaltet). Ich bin jedoch nie dahingegangen, weil ich mich lieber mit dem Studium der Bibel beschäftigt habe.
Nun also sind sieben Jahre vergangen und ich habe noch immer keine Antwort auch nur auf eine der Fragen erhalten. Sie sind aber immer noch aktuell, auch wenn mittlerweile noch viel geschehen ist. Man könnte weitere Fragen stellen in Bezug auf all der Dinge, die in jüngster Zeit geschehen sind, einschließlich der jetzigen Situation durch die Corona-Krise. Aber solange die alten Fragen nicht beantwortet sind, nützt es auch nichts, neue Fragen zu stellen.
Darum wollte ich nun Euch diese Fragen vorlegen, da Ihr ja auch schon einen Hirtenbesuch bei mir machen wolltet. Vielleicht könnt Ihr sie ja beantworten.
Da ich schon sieben Jahre gewartet habe und ich nicht noch mal sieben Jahre warten möchte (1. Mose 41:27), bitte ich darum, die Antwort spätestens bis zum 02.10.2020 zuzusenden oder vorzulegen. Natürlich könnt Ihr sie jederzeit früher beantworten.
Viele Grüße
Bernd

Dann stellte ich die sieben Fragen in unveränderter Form. Ich hatte mir vorgenommen, nach Ablauf der Frist mit dem Veröffentlichen meiner Erkenntnisse zu beginnen. Dies sollte sieben Jahre nach der Jahresversammlung am 06.10.2013 sein.

Eine bekannte Veranschaulichung

Es ist doch so, wie es einmal in dem kleinen Büchlein „Was lehrt die Bibel wirklich“ (herausgegeben von Jehovas Zeugen) veranschaulicht wurde. Ein Schüler erklärt dem Lehrer, dass er die Rechenaufgabe viel besser lösen kann als er. Daraufhin gab der Lehrer ihm die Kreide in die Hand und er durfte nun vor der Klasse stehen und vorrechnen. So hat Satan, der Teufel Jehova herausgefordert.

Und jetzt stellen wir uns vor, dass der Teufel seine Diener eingesetzt hat und auch Jehova hat seine Diener. Der Schüler ist dann ein Mensch, der vom Teufel gesandt wurde. Der Lehrer ist ein Mensch, der von Jehova ausgesandt wurde. Nun steht der Diener Satans vorne an der Tafel wie der Lehrer und der Diener Jehovas, der ja von Jehova belehrt wurde, wird von dem Schüler auf die letzte Schulbank gesetzt. Er darf sich kaum zu Wort melden.

Der Schüler an der Tafel erklärt viele Dinge, aber es ist alles Unsinn, da ja vom Teufel nur verleumderischer Unsinn kommen kann. Der Lehrer auf der letzten Bank, der ja keinerlei Befugnisse hat, kommt nun auf die Idee, sieben Fragen aufzuschreiben, die er als von Jehova Belehrter beantworten kann. Er bittet den an der Tafel stehenden Schüler, diese Fragen zu beantworten. Da er nicht befugt ist, beantwortet er sie nicht selbst, sondern überlässt weiterhin diesem Schüler das Feld. Wird er die Fragen beantworten können? Das müsste er, denn er möchte ja Lehrer sein!

Noch vor Ablauf der im Schreiben genannten Frist kam schließlich die Antwort von einem der beiden Ältesten. Immerhin hat er in seiner Antwort wenigstens so getan, als ob er meine Fragen ernst nehmen und sie beantworten wollte. Doch es waren keine wirklichen Antworten. Zum einen war es ein reines Plagiat. Er schrieb nur ab, was er irgendwo in der Wachtturm-Literatur dazu gefunden hatte. Einige Fragen erklärte er für irrelevant. Zu anderen Fragen zitierte er aus uralter Wachtturmliteratur. Keine Frage wurde wirklich beantwortet. Dabei unterstellte er mir noch, falsch eingestellt zu sein.

Ich schrieb ihm zurück und erklärte, warum seine Ausführungen keine dieser Fragen beantwortet. Dann kam nichts mehr von ihm.

Es war auch Corona-Krise und echte Zusammenkünfte fanden nicht statt. Es gab nur die virtuellen „Zusammenkünfte“ über das Internet.

Zeugen Jehovas in Not

Was hat es nun mit dem Predigtdienstbericht auf sich?

Über das Thema Predigtdienstbericht und wie es am Anfang für mich war, einen Predigtdienstbericht abzugeben, sprach ich ja schon (siehe oben). Jeder Verkündiger gibt jeden Monat an, wie viele Stunden er gepredigt hat. Und nur, wenn er hier etwas angeben kann, gilt er als Verkündiger. Die weltweite Zahl der Verkündiger wird gezählt und daraus errechnet sich das Wachstum. Wenn man sagt, wir haben dieses Jahr 3 % Wachstum gehabt, dann ist damit gemeint, dass es 3 % mehr Verkündiger gibt, die jeden Monat über ihren Predigtdienst berichten können. Dann freut man sich. Bei -3 %, also bei Rückgang dieser Zahl, freut man sich natürlich nicht.

Das erscheint einem Zeugen Jehovas völlig logisch zu sein. Aber ist es das auch? Wir gehen ja eigentlich in den Predigtdienst, um Menschen zu helfen, ein persönliches Verhältnis zu ihrem Schöpfer aufzubauen, ihnen Erkenntnis aus Gottes Wort zu lehren und denen, die nicht zuhören wollen, eine Warnungsbotschaft zu geben. Wenn dieses Werk in ausreichendem Umfang getan worden ist, dann kommt das Ende gemäß Matthäus 24:14. Das ist auch das Ende dieser besonderen Tätigkeit. Jedes Projekt geht einmal zu Ende, wenn das Ziel erreicht ist. Und das legt in diesem Fall Jehova fest.

Die Problematik

Nun sagt Jehova: „Ich beende dieses Werk“. Was tun dann die Zeugen Jehovas? Sie sollten eigentlich sagen: „Wir sind nutzlose Sklaven und haben nur getan, was wir zu tun schuldig gewesen sind“ (Lukas 17:10). Aber jetzt haben sie ein Problem. Sie freuten sich jedes Jahr über das Wachstum. Und jetzt? Wenn das Werk zu Ende ist, dann müsste als Zahl der Verkündiger korrekterweise eine Null stehen! Das kann doch niemand akzeptieren. Wachstum bedeutet, die Zahl wird immer größer. Und jetzt soll sie null sein? War dann alles umsonst?

Aus diesem Grund hört ein Zeuge Jehovas niemals auf, jeden Monat seinen Bericht abzugeben. Denn dies nicht mehr zu tun wäre so, wie wenn er alles aufgeben würde. Es wäre für ihn, wie wenn er kein Zeuge Jehovas wäre oder wie wenn er nie einer gewesen und in Jehovas Augen tot wäre. So rennt man sein Leben lang ununterbrochen jeden Monat für seinen monatlichen Bericht, um am Leben zu bleiben. Auch nur eine Pause einzulegen ist für die meisten schon undenkbar.

Stellen wir uns vor, wir hätten ein großes Sparguthaben, weil wir jahrzehntelang jeden Monat eingezahlt haben. Aber wir wissen: Sobald wir aufhören, jeden Monat einzuzahlen, ist das ganze Sparguthaben weg! Das ist doch unmöglich. Zwar kann die Inflation den Wert des Geldes verringern. Aber wenn wir aufhören einzuzahlen, dann wird es ja nur nicht noch mehr. Aber laut Jesu Worten sollen die Schätze, die man sich im Himmel aufhäuft, also in Verbindung mit dem Dienst für Jehova und gottgefälligen Werken, niemals verloren gehen (Matthäus 6:19, 20)! Es gibt dort also nicht mal eine Inflation. Was stimmt hier also nicht?

Es geht auch anders

Der Predigtdienst ist doch nur eine Tätigkeit, um ein Ziel zu erreichen. Nehmen wir als Beispiel ein Maurer, der am Bau eines Wohnhauses arbeitet. Wie würde er Wachstum sehen. Wenn er jeden Tag mehr arbeiten würde oder wenn jeden Tag mehr Maurer gleichzeitig am Bau beschäftigt wären? Nein! Wachstum ist, wenn das Haus wächst, wenn die Zahl der Mauersteine wächst. Zum Schluss ist er mit der Arbeit fertig. Wenn das Haus fertig gebaut ist, kann jemand darin wohnen, ohne dass noch ein Maurer weiterarbeiten müsste.

Niemand kann zwar beurteilen, ob jemand wirklich Jehova nähergekommen ist. Aber man könnte zumindest die Zahl der Täuflinge zählen und aufsummieren. Dann hätte man immer Wachstum, wenn es überhaupt Täuflinge gibt. Und wenn das Werk beendet ist und niemand mehr getauft wird, dann würde die aufsummierte Gesamtzahl der Täuflinge trotzdem bleiben und könnte nie kleiner werden. Was schon erreicht wurde, bleibt.

Allein durch die Art, wie man Wachstum zählt, ergibt sich eine bestimmte Denkweise. Und wie kritisch das bei Jehovas Zeugen tatsächlich ist, geht auch aus folgenden Überlegungen hervor: Wir glauben doch an die Auferstehung und an das ewige Leben. Das heißt, dass Jehova unser Gott ist, auch wenn wir schon gestorben sind und nichts mehr tun können. Denn er wird doch auch der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs genannt, denn für ihn leben sie alle (Lukas 20:37, 38).

Wir sollen lieber Schätze im Himmel aufhäufen statt auf der Erde, rät uns Jesus. Aber warum? Weil die Schätze auf der Erde leicht verloren gehen können, die im Himmel aber nicht! Wie könnte dann alles verloren gegangen sein, wenn man mal aufhört, einen Predigtdienstbericht abzugeben? Der Maurer weiß, dass sein Werk nach getaner Arbeit steht, obwohl es durch eine Flutkatastrophe oder einen Hurrikan auch verloren gehen kann. Aber ein Zeuge Jehovas hat panische Angst, seine Tätigkeit einmal beenden zu müssen und dann ohne den monatlichen Predigtdienstbericht dazustehen. So werden Zeugen Jehovas durch das Ritual des Berichtens und des Zählens irregeführt.

Weil die Wirkung so groß ist, gleicht das Ritual des monatlichen Berichtens einem spiritistischen Brauch, wie es Erkennungsmerkmal für Babylon die Große ist. Und deshalb geraten Zeugen Jehovas in Schwierigkeiten und achten nicht auf das Tun Jehovas.

Unerwartete Schwierigkeiten tauchen auf

Ein Großteil der Zeit, die man auf dem Berichtszettel notiert, verbringt ein Zeuge Jehovas im sogenannten Haus-zu-Haus-Dienst. Man hat die Aufgabe, bei den Wohnhäusern, die zum persönlichen Predigtdienstgebiet gehören, vorzusprechen. Dazu klingelt man an der Glocke eines Wohnungsinhabers und wartet. Vier Möglichkeiten gibt es. Entweder niemand meldet sich oder jemand kommt an die Tür oder an die Sprechanlage und sagt, dass er kein Interesse hätte. Oder es ist ein Gespräch möglich und man registriert ein gewisses Interesse, das weiter gefördert werden kann. Oder er befiehlt, überhaupt nicht mehr zu kommen.

Bis 2018 war es so, dass man entsprechende Notizen machte. Hat sich niemand gemeldet, was am häufigsten vorkommt, dann notiert man das und klingelt ein paar Tage später wieder. Wenn man ihn oder sie angetroffen hat, aber kein Interesse da war, dann streicht man es und kommt bei der nächsten Bearbeitung ein halbes oder ein Jahr später wieder. Hat man ein gewisses Interesse bemerkt, macht man vielleicht eine Woche später einen sogenannten Rückbesuch. Die Zahl der Rückbesuche summiert man auf und schreibt sie auch auf den monatlichen Berichtszettel.

Die Datenschutzgrundverordnung

Doch dann kam die Datenschutzgrundverordnung zum Wirken. Man durfte plötzlich keine Notizen mehr machen, ohne vorher die ausdrückliche Erlaubnis des Wohnungsinhabers einzuholen. Das war ein Problem, denn man konnte sich nicht mal notieren, bei wem man überhaupt schon geklingelt hat, ohne dass sich jemand meldet. Man konnte von da an nur einmal durch das Gebiet gehen und überall klingeln. Das war meist schnell erledigt, da die meisten gar nicht öffneten und eine Nachbearbeitung mangels Notizen nicht möglich war. Und dann musste man bis zur nächsten Bearbeitung ein halbes Jahr warten.

Wie sollte man jetzt noch auf viele Stunden Predigtdienst kommen? Ein Glaubensbruder, mit dem ich in den Predigtdienst ging, war da ganz erfinderisch. Er klingelte zuerst an einer Tür und erledigte dann einen Einkauf, hatte noch ein Gespräch mit anderen Glaubensbrüdern, die zufällig vorbeikamen. Dann ging es weiter. Mit der ersten Tür hatte er ja schon mal den Beginn seines Predigtdienstes, und von da an zählt die Zeit. Er klingelte dann nur an den Klingeln, bei denen der Anfangsbuchstabe des Namens bestimmte Buchstaben sind. Er teilte es in drei Teile auf. So würde er also dreimal zur Tür gehen und vielleicht, wenn der Anfangsbuchstabe stimmt, klingeln. Damit kann man also mehr Zeit verbringen und auch mehr Stunden auf den Berichtszettel schreiben.

Die Corona-Krise

Aber dann kam es bald noch viel schlimmer. Die Corona-Krise kam. Man durfte schließlich überhaupt nicht mehr von Haus-zu-Haus gehen. Auch die anderen Formen des öffentlichen Dienstes, mit oder ohne Trolley an der Straße zu stehen, war nicht mehr möglich. Wie soll man jetzt seinen Predigtdienst verrichten und dabei noch auf Stunden kommen, sodass man etwas Vernünftiges auf seinen Berichtszettel schreiben kann? Jetzt musste die Not doch wirklich groß gewesen sein. Das habe ich persönlich nicht mehr direkt erfahren, da ich nicht mehr viel Kontakt zu den Glaubensbrüdern in der Corona-Krise hatte. Ich weiß auch nicht, was sie auf ihre Berichtszettel geschrieben haben.

In einer Bekanntmachung wurde gesagt, dass das öffentliche Zeugnisgeben nicht möglich sei. Eigentlich ist schon die Abgabe eines Berichtszettels, damit man die weltweite Zeugnistätigkeit öffentlich berichten kann, bereits ein öffentliches Zeugnisgeben. Hier war es für mich völlig logisch, dass ich keinen Berichtszettel mehr abgeben würde. Das öffentliche Zeugnisgeben ist zu Ende. Also gibt es von mir auch keinen Predigtdienstbericht. Von Februar 1994 bis Februar 2020 habe ich jeden Monat lückenlos berichtet. Dann habe ich damit aufgehört. Ich war nicht ungehorsam, sondern achtete auf das Tun Jehovas. Aber wie reagierten die anderen?

Zunächst sollte man Briefe schreiben an Leute, die man kennt. Doch das tat man eigentlich schon vorher. Jetzt gab es nur noch diese Möglichkeit. Da man keine Notizen aus dem früheren Haus-zu-Haus-Dienst hatte, konnte man auch kaum Leute, die ein gewisses Interesse gezeigt hatten, schreiben. Man hatte ja keine Kontaktdaten, außer wenn man die volle Einwilligung des Wohnungsinhabers hatte.

Erfinderisch muss man sein!

Aber mit einem erfinderischen Gruppenaufseher der Predigtdienstgruppe konnte man Hilfe bekommen. Wie das im Einzelnen lief, kann ich nicht genau sagen, da ich hier nicht mitgemacht habe. Aber man konnte sich zu den vorgegebenen Terminen einwählen und hatte über das Internet per Videokonferenz Kontakt mit der Gruppe. Und dann konnte man zum Beispiel gemeinsam ein Zeugnisbrief schreiben oder üben.

Es ist natürlich so, dass man zum Briefeschreiben einige Zeit benötigt. Und wenn man ein Konzept hat und es dann wieder verwirft, um etwas Besseres zu schreiben, benötigt man noch mehr Zeit. Vielleicht sind mittlerweile die Adressen ausgegangen, weil man denen, die man kennt, schon geschrieben hat. Aber schreiben kann man schon mal. Und das kostet Zeit, die man berichten kann. Ein Glaubensbruder hat mir am Telefon die sogenannte Rückwärtssuche mithilfe des digitalen Telefonbuches erklärt. Dadurch kann man Adressen für Zeugnisbriefe bekommen. Wenn die Leute ihre Kontaktdaten im Telefonbuch veröffentlichen ließen, meinte er, ist das ja rechtlich auch kein Problem.

Kann man die Stunden zum Schreiben von Briefen eigentlich überhaupt auf dem Berichtszettel angeben? Im Bethel schreiben die Glaubensbrüder in der sogenannten Schreibabteilung auch Briefe, die man im Predigtdienst abgibt, nämlich die Artikel in den Zeitschriften. Doch diese Zeit wird nicht als Predigtdienst betrachtet. Alle Stunden, die man im Bethel gearbeitet hat, wurden nicht auf dem Berichtszettel angegeben.

Es gab aber auch weitere glorreiche Ideen. Man fing mit Bastelarbeiten an und bemalte und beschrieb Kärtchen mit ein paar netten Worten, um sie in Altersheimen an die Pfleger abzugeben. Sie könnten es den Bewohnern überreichen und die netten Worte ihnen vorlesen. Das würde die alten Leute bestimmt ermuntern. Man gab noch die Empfehlung, dass man den Namen Jehova nicht schreiben sollte. Man sollte es sehr allgemein halten. Die Leute hatten sich bestimmt gefreut über die netten Sachen und wussten wahrscheinlich überhaupt nicht, dass es Jehovas Zeugen waren. Eigentlich, so würde ich das sehen, ist das kein Zeugnis für Jehova, wenn der Name Jehova fehlt. Aber solche Bastelarbeiten kosten Zeit, viel Zeit für den Predigtdienstbericht!

Manche fingen auch an, Steine zu bemalen und ein paar Worte des Glaubens zu schreiben und auch die Internetadresse der Organisation draufzuschreiben. Die Steine konnte man dann beispielsweise auf eine Parkbank tun. Auch das kostet viel Zeit.

Das Gedächtnismahl etwas anders gefeiert!

Die Zusammenkünfte konnte man nur virtuell als Videokonferenzen veranstalten. Aber dann war gleich zu Beginn der Corona-Krise das Gedächtnismahl. Es gilt als das wichtigste Ereignis und einziges Fest im Jahr. Man trifft sich in einem großen Saal. Dort hält ein Ältester eine Ansprache. Am Ende werden die Symbole: ungesäuertes Brot und Rotwein herumgereicht.

Man wollte zuerst das Gedächtnismahl in kleinen Gruppen in Privatwohnungen abhalten. Doch dann verschärfte sich die Situation wegen Corona und man konnte sich überhaupt nicht treffen. Wäre die Corona-Krise nur ein paar Wochen später gekommen, hätte man es noch so wie immer feiern können.

Nun aber fand nur eine virtuelle Veranstaltung statt. Über Internet konnte man sich den Vortrag anhören und ansehen. Doch man musste die Symbole selbst beschaffen, und wenn man allein war, konnte man sie nur kurz in die Hand nehmen und wieder zur Seite tun. Eigentlich geht das so überhaupt nicht. Es war immer wichtig, dass man die Symbole von einer anderen Person gereicht bekommt. Selbst diejenigen, die durch die Reihen gingen, um die Symbole durchzureichen, bekamen sie entweder vorher vom Vortragsredner oder danach gereicht. Auch der Vortragsredner bekam sie gereicht. Jetzt war das für eine alleinstehende Person nicht möglich! Was tun?

Sie haben das einfach ignoriert! Aber Jehova ist kein Gott der Gesetzlosigkeit! Man hätte den Schluss ziehen sollen, dass Jehova gar nicht mehr möchte, dass man weiterhin das Gedächtnismahl feiert und Predigtdienstberichte abgibt. Denn Jehova hat doch als Schöpfer Macht über ein Virus! Er hätte doch diese Dinge verhindern können. Er hätte doch wenigstens dafür sorgen können, dass man das Gedächtnismahl noch wie gewöhnlich feiern kann. So wie die Dinge in ihrer zeitlichen Abfolge kamen: zuerst die Datenschutzgrundverordnung und keine Notizen mehr und dann die Corona-Krise pünktlich vor dem Gedächtnismahl. Daraus ergibt sich klar, dass Jehova diese Dinge beenden möchte!

Eine Warnungsbotschaft an die Versammlung

Da Jehova den Glaubensbrüdern offenkundig einen Anstoß zum Straucheln vor ihnen hinlegte, fühlte ich mich wegen Hesekiel 3:20 dazu verpflichtet, ihnen eine Warnungsbotschaft zukommen zu lassen. Da ich die virtuellen Zusammenkünfte (über das Internet) nicht besuchte und Älteste mich aber dazu gedrängt hatten, ging ich in Versammlungskleidung wie gewohnt zum Königreichssaal (Versammlungsstätte der Zeugen Jehovas), um die Zusammenkunft zu besuchen. Natürlich war der Saal wegen der Corona-Krise geschlossen. Ich tat so, als wüsste ich das nicht und drückte gegen die Tür, um festzustellen, dass sie verschlossen war, obwohl ich pünktlich kam. Dann klingelte ich noch. Es machte natürlich keiner auf. Dann machte ich zwei Beweisfotos, eines von mir vor dem Gebäude und eines von dem Anschlag an der Tür. Dann ging ich nach Hause.

Ich schrieb eine E-Mail an alle Glaubensbrüder der Versammlung, dessen Adressen ich durch die E-Mails der Ältesten hatte und fügte die Fotos bei:

Oh, wie ist es gekommen

Guten Morgen alle zusammen,

einige von euch haben den Wunsch geäußert, mich wieder zu sehen. Darum habe ich ein Foto angehängt. Ich war am Donnerstag um 19:15 Uhr beim Königreichssaal in Oberaichen, wie normal. Die Versammlungszeiten werden auch an der Tür bestätigt (siehe Foto). Aber es war keiner da! Ich klingelte im oberen Saal, aber keiner machte auf. Nur ein anderes Blatt Papier von der englischen Versammlung an der Tür befestigt, machte darauf aufmerksam, dass etwas anders ist als normal. Ich war zur Versammlung passend gekleidet und hatte meine Tasche dabei, wie sonst auch, wenn ich in die Zusammenkunft komme. Doch ich musste unverrichteter Dinge wieder gehen.

Wer hat das getan? Man hat doch die Königreichssäle gebaut, dass man sich dort versammelt! Man hat doch seine Zeit lieber mit dem Bau von Königreichssälen verbracht, als sich um die höhere Bildung zu kümmern. Denn in der Welt verfolgt man falsche Ziele. Manche Menschen auf den Universitäten hatten sich schon Gedanken gemacht, wie man eine Technik entwickeln kann, durch die man sich in virtuellen Räumen trifft. Sind das nicht verrückte Ideen?

Nun aber diese Situation.
Da es ja heute so viele Verschwörungstheorien gibt, muss ich nun, um Missverständnissen vorzubeugen, klar sagen: Ich war es nicht! Ich habe das Corona-Virus nicht in Umlauf gebracht und bin auch nicht für die Folgen verantwortlich. Schließlich habe ich ja kein Labor, in dem ich solche Viren züchten könnte. Mir fehlt es da einfach an Macht.

Aber wer könnte es sonst gewesen sein? Wer hat die Macht dazu? Könnte es vielleicht Jehova gewesen sein? Als Schöpfer hat er uns, unser Immunsystem und auch das Corona-Virus erschaffen.
Ich erinnere mich noch an frühere Zeiten. Als ich 1997 ins Bethel gekommen bin, wurden dort auf einer Druckmaschine, die 80.000 Zeitschriften (32-seitig) in der Stunde druckt, zwei Tage in der Woche nur für Russland gedruckt. All diese Zeugnisbriefe gingen also nach Russland und wurden durch eifrige Verkündiger im ganzen Land verbreitet.

Das ist nun einige Zeit her und was ist heute und wie wird es weitergehen?

Vor einigen Monaten kam der Bericht, dass sich ein Stern am Nachthimmel namens Beteigeuze plötzlich verdunkelt haben soll. Es ist ein roter Überriese (ein großer Stern im Endstadium) und man vermutete schon, er könnte sehr bald zu einer Supernova werden, das heißt explodieren. Wenn das geschieht, so kann man berechnen, leuchtet er für Monate so hell wie der Mond, obwohl er nur ein Stern ist.
Wenn ein Stern so hell leuchtet wie unser Mond, wird sich der Mond schon sehr anstrengen müssen wegen der Konkurrenz. Aber es kann noch schlimmer kommen. Wenn dann nämlich auch noch die Sonne schwarz wird, kann der Mond gar nicht mehr leuchten, da er ja nur leuchtet, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Stattdessen wird er dann wie Blut wegen der großen Blutschuld (Offenbarung 6:12). Wer kann dann bestehen?

Wenn doch Jehova die Macht hat, alle Dinge zu tun, warum dann nicht ihm die Ehre geben?
Wer bereut und Jehova bei Sonnenuntergang die Ehre gibt, dem wird die Sonne aufgehen und sie wird ihm siebenmal heller leuchten als früher. Denn Jehovas prophetisches Wort muss ja in Erfüllung gehen!

Viele Grüße

Bernd

Vor dem geschlossenen Königreichssaal pünktlich zur Zusammenkunft

Diese E-Mail schrieb ich am 7. September 2020 und versendete sie spät am Abend.

Ich war kurz davor, diese Website zu beginnen, mit dem Titel „Schwert Jehovas“ gestützt auf den Bibeltext Hesekiel 21:14 (NWÜ 1986). Da in dem Bibeltext davon die Rede ist, dass die Warnungsbotschaft dreimal wiederholt werden sollte, schrieb ich im Zwei-Wochen-Abstand zwei weitere E-Mails.

Ich schrieb am 21. September folgendes:

Oh, wie ist es gekommen

Guten Morgen alle zusammen,

einige von euch haben den Wunsch geäußert, mich auch wieder zu hören. Darum habe ich eine Audio-Aufnahme angehängt. Ich fahre jeden Tag mit der Bahn über Göppingen zur Arbeit. Normalerweise sehe ich beim Hinweg im Bahnhof Göppingen die Brüder mit ihrem Trolley dort stehen. Beim Rückweg sehe ich ebenfalls Brüder im Eingangsbereich des Stuttgarter Hauptbahnhofes mit ihren zwei Trolleys dort stehen. Aber nun sehe ich schon viele Monate dort keine Brüder mit Trolleys mehr. Ich habe zwei Fotos von den Stellen angehängt, wo sie immer waren. Seht ihr Trolleys drauf? Ich sehe keine!
Warum sehe ich keine Trolleys? Und warum wird nicht an den Haustüren geklingelt?

Wer hat das getan!

Wir wollten doch gerade jetzt, in dieser Zeit, ein besonders intensives Zeugnis geben, da das Ende sehr nahe ist! Wir werden doch von der Organisation mit hervorragenden Zeugnisbriefen in Form von Traktaten, Zeitschriften, Broschüren, Büchern und Videos ausgestattet. Aber für die persönliche Kontaktaufnahme mit den Menschen im Predigtdienstgebiet sind wir zuständig! Und gerade jetzt sollte ein intensives Schlusszeugnis gegeben werden!
In den Kirchen der Christenheit gibt es kein biblisches Verständnis, keine Erkenntnis. Wir wollten mit ihnen nichts zu tun haben, sind aus einer Kirche ausgetreten, wenn wir vorher in einer waren. Die Kirchgänger können den Leuten nichts vermitteln. Einige von ihnen mögen sich ja im sozialen Bereich engagieren und kümmern sich um alte Menschen, schreiben neutrale Grußkärtchen. Wir aber können ihnen die gute Botschaft von Gottes Königreich verkünden und den Namen Jehovas bekannt geben!

Nun aber diese Situation.
Da es ja heute so viele Verschwörungstheorien gibt, muss ich nun, um Missverständnissen vorzubeugen, klar sagen: Irgendeiner von uns war es nicht! Keiner von uns hat das Corona-Virus in Umlauf gebracht oder ist für die Folgen verantwortlich. Schließlich hat keiner von uns ein Labor, in dem solche Viren gezüchtet werden könnten. Keiner hat die Macht dazu.

Aber wer könnte es sonst gewesen sein? Wer hat die Macht dazu? Könnte es vielleicht Jehova gewesen sein? Als Schöpfer hat er uns, unser Immunsystem und auch das Corona-Virus erschaffen.
Ich erinnere mich noch an frühere Zeiten. Als ich 1997 ins Bethel gekommen bin, wurden allein in diesem Jahr dort über 220 Millionen Zeitschriften und Broschüren mit je 32 Seiten gedruckt. Das war der absolute Rekord. In keinem anderen Jahr wurde diese Zahl erreicht. Und ein Jahr zuvor wurden auf vier Buchlinien in Fadenheftqualität ungefähr 18,5 Millionen Bücher produziert. Auch diese Anzahl wurde nur noch in wenigen Jahren (2008 und 2009) überboten und das nur in Klebebindungsqualität und nur, weil einige Zweige aufgehört hatten, Bücher zu produzieren. Ein großer Teil von dieser Produktion ging nach Russland.

Das ist nun einige Zeit her und was ist heute und wie wird es weitergehen?

Ein Stern mit dem Namen Beteigeuze hatte sich vorübergehend verdunkelt. Manche vermuten, er könnte bald zu einer Supernova werden. Wenn das geschehen sollte, wer könnte es verhindern? Könnte einer von uns hinreisen und mit Wasser löschen? Man hat berechnet, dass er dann so hell leuchtet wie der Mond.
Wenn ein Stern so hell leuchtet wie unser Mond, wird das dem Mond nicht gefallen, denn es bedeutet ihm Konkurrenz. Aber es kann noch schlimmer kommen. Wenn dann die Sonne schwarz wird, weil sie sich schämt, kann der Mond gar nicht mehr leuchten, da er ja nur leuchtet, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Stattdessen wird er dann wie Blut wegen seiner großen Blutschuld (Offenbarung 6:12)! Wer kann dann bestehen?

Wenn doch Jehova die Macht hat, alle Dinge zu tun, warum dann nicht ihm die Ehre geben?
Wer bereut und Jehova bei Sonnenuntergang die Ehre gibt, dem wird die Sonne aufgehen und sie wird ihm siebenmal heller leuchten als früher. Denn Jehovas prophetisches Wort muss ja in Erfüllung gehen!

Viele Grüße

Bernd

Ich fügte also die erwähnten Bilder hinzu und eine Audioaufnahme aus der Radiosendung „Positionen“ zum Thema „Sind Bibel und Wissenschaft vereinbar“. In dieser Sendung wurde ich interviewt.

Dann schrieb ich ihnen am 5. Oktober 2020 spät am Abend den dritten Brief. Sie sollten ihn am 6. Oktober erhalten und lesen:

Oh, wie ist es gekommen

Guten Morgen alle zusammen, guten Morgen, guten Morgen,

drei Mal schreibe ich euch, denn drei Mal sollen diese Worte wiederholt werden gemäß Hesekiel 21:14. Es ist wohl, damit das Wort einen Schlafenden erreicht.

Wir müssen die Tatsachen zur Kenntnis nehmen: Die Königsreichssäle stehen leer. Sie sind aber gebaut worden, damit man sich dort trifft! Denn man kann sich bei seinem Mitbruder erkundigen, wie es ihm geht, ob er Hilfe braucht. Wir könnten einander die Bürden tragen und so das Gesetz des Christus erfüllen (Galater 6:2). Liebe ist das erste Gebot (Johannes 13:35).
Dann haben wir festgestellt, dass das öffentliche Zeugnisgeben, das wir etwa durch den Haus-zu-Haus-Dienst durchgeführt haben, um die Unparteilichkeit Jehovas zum Ausdruck zu bringen, nicht mehr möglich ist. Auch die Trolleys sind nicht mehr da.
Darum stellt sich die Frage:

Wer hat das verursacht!

Da es ja heute so viele Verschwörungstheorien gibt, muss man nun, um Missverständnissen vorzubeugen, klar sagen: Irgendein Mensch war es nicht! Selbst wenn Menschen in der Lage sind, ein Virus zu züchten, so hätten sie doch nicht die Kontrolle darüber. Es wäre nicht möglich, damit ein Ziel zu verbinden, denn keiner weiß, wie lange das Ganze noch andauert oder wisst ihr es? Auch Satan, der Teufel ist nicht Schöpfer und hat mit dem, was ein Virus tut, zumindest primär nichts zu tun. Er kann höchstens die Entscheidungen der Menschen beeinflussen, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren und welche Vorschriften sie erlassen.

Aber wer könnte es sonst gewesen sein? Wer hat die Macht? Jehova hat sicher die Macht, etwas zuzulassen, herbeizuführen oder zu verhindern. Als Schöpfer hat er uns, unser Immunsystem und auch das Corona-Virus erschaffen. Er kann auch Menschen beeinflussen, die in einer Regierung eine gewisse Autorität ausüben. Er kann auch die Gerichtsentscheidungen in Russland beeinflussen.

Also stellt sich die Frage:

Warum hat er es getan?

Wie soll es weitergehen?

Müssen die Steine schreien, weil niemand etwas sagt oder darf jemand etwas reden?
Charles Taze Russell hat, um zu erklären, warum er redet und die Bibel verständlich macht, einmal gesagt:

Auch ist diese klare Entfaltung der Wahrheit nicht menschlichem Scharfsinn oder scharfer Auffassungsgabe entsprungen, sondern der einfachen Tatsache zu verdanken, daß Gottes rechte Zeit herbeigekommen ist; und wenn ich nicht redete und kein anderer zu finden wäre, so würden sogar die Steine schreien.
(Verkündiger-Buch Kap. 10 S. 143)

Wer von euch weiß, wie es weitergeht oder kann die sieben Fragen beantworten, die ich im Anhang angefügt habe? Ich habe diese Fragen schon am 09. Mai 2013 gestellt, als ich noch im Bethel war. Damals gab es gerade sehr viele Veränderungen im Bethel und auch in den Versammlungen. Da niemand diese Fragen beantworten konnte, legte ich sie am 09. Mai 2020 wieder zwei Brüdern aus der Versammlung vor mit der Bitte, sie bis zum 02.10.2020 zu beantworten. Leider konnten auch sie die Fragen nicht beantworten! Falls doch jemand von euch die Antworten kennt, teilt sie mir umgehend mit, da sie jetzt beantwortet werden müssen, damit nicht die Steine schreien.

In den sieben Jahren, in denen diese Fragen nicht beantwortet wurden, ist Jehovas Schwert geschärft und auch geschliffen worden, wie es in Hesekiel 21:9 vorausgesagt wird.
Falls ein Stern so hell leuchten sollte wie unser Mond, wird der Mond kein Gefallen daran haben, denn es bedeutet ihm Konkurrenz. Aber es kommt noch schlimmer für ihn. Denn wenn die Sonne schwarz wird, weil sie sich schämt, kann der Mond gar nicht mehr leuchten, da er ja nur leuchtet, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Stattdessen wird er dann wie Blut wegen seiner großen Blutschuld (Offenbarung 6:12)! Wer kann da bestehen (Offenbarung 6:17)?

Wenn doch Jehova die Macht hat, alle Dinge zu tun, warum dann nicht ihm die Ehre geben?
Wer bereut und Jehova bei Sonnenuntergang die Ehre gibt, dem wird die Sonne aufgehen und sie wird ihm siebenmal heller leuchten als früher und der Mond so hell wie die Sonne (Jesaja 30:26). Denn Jehovas prophetisches Wort muss ja in Erfüllung gehen!

Viele Grüße

Bernd

Ich fügte also die sieben Fragen hinzu mit der Bitte, sie zu beantworten. Leider kam kaum eine Reaktion auf meine E-Mails, außer von einigen Wenigen mit kurzen Bemerkungen. Ein paar von ihnen schrieben mir, dass sie keine E-Mails mehr von mir wollten. Eine junge Schwester, die Tochter eines Ältesten, hoffte für mich, dass ich die Hilfe der Ältesten in Anspruch nehme und aufhöre, solche „entmutigenden“ Nachrichten zu versenden. Das erinnerte mich stark an das Gedankengut der Rosa, als sie mich verraten hatte. „Wie kommt so ein junges Mädchen dazu, mir mit einer solch belehrenden Art zu kommen?“, fragte ich mich. Aber es ist ein Denkmuster, das in der Glaubensgemeinschaft weit verbreitet ist, besonders krass unter Glaubensschwestern.

Danach fing ich diese Website zu schreiben an.

Die Corona-Krise dauerte länger, als man gedacht hatte. Die Königreichssäle blieben geschlossen, der öffentliche Predigtdienst fand nicht statt. Die Kongresse fanden nur online in Form von Videos, die man herunterladen konnte, statt. Die „Betheldiener“ hatten Ausgangssperre.

Als dann knapp zwei Jahre um waren und diese Zustände noch immer anhielten, erinnerte ich mich an die Bestimmungsübergabe eines Königreichssaalkomplexes in Stuttgart. Thomas Fiala, ein Zweigkomiteemitglied, hielt die Ansprache. Das war am 08.02.2020. Bruder Fiala machte deutlich, dass auf dem Saal wirklich der Segen Jehovas ruht und das sei durch viele Zeichen zu erkennen, vergleichbar mit den Israeliten, die eine übernatürliche Wolkensäule von Jehova sehen konnten. Jehovas Name sollte durch diesen Saal verherrlicht werden.

Thomas Fiala sagte auch in seiner Ansprache: „Dieser neue Königreichssaal wird uns auch in Zukunft an die Führung Jehovas erinnern.“ Hier wollte ich ihn beim Wort nehmen. Ich fuhr am 08.02.2022, also genau zwei Jahre später, zum Königreichssaal-Komplex. Dort machte ich ein Foto von dem Gebäude und mir. Mit der Objektivität und Neutralität eines Wissenschaftlers wollte ich herausfinden, wie der Saal mich zwei Jahre später an die Führung Jehovas erinnert. Und das, was ich durch die Besichtigung des Saales über die Führung Jehovas herausgefunden habe, wollte ich anschließend berichten.

Natürlich war der Saal geschlossen. Versammlungszusammenkünfte fanden während der Corona-Krise bis zu diesem Tag und weiterhin nicht statt. Betreten durfte man den Saal laut Anschlag an der Eingangstür nur mit Mund-/Nasenschutz und Einweghandschuhen.

Meine Erkenntnisse fasste ich dann in einer E-Mail zusammen, die ich am 13.02.2022 wieder an die Adressen der Glaubensbrüder meiner Versammlung sendete, wie bei den drei Briefen zuvor. Nur diejenigen, die keine E-Mails mehr von mir wollten, ließ ich aus:

Ich stehe am Königreichssaal-Komplex, der vor zwei Jahren der Bestimmung übergeben wurde
Besichtigung eines neuen Königreichssaal-Komplexes, um zu erfahren, wie Jehova uns an seine Führung erinnert.

Bestimmungsübergabe – wie ist es gekommen

Hallo zusammen,

da die meisten von euch mich lange nicht gesehen haben, sende ich ein Bild von mir (siehe Anhang).

Ich hatte mich am 08.02.2022 genau zwei Jahre nach der Bestimmungsübergabe auf den Weg gemacht, um beim wichtigsten Gebäude in dieser Gegend zu sein, am Königreichssaalkomplex in Zuffenhausen an der Schwieberdinger Straße.

Es wurde am 08.02.2020 der Bestimmung übergeben und ich erinnerte mich an die Worte von Bruder Fiala:

„Dieser neue Königreichssaal wird uns auch in Zukunft an die Führung Jehovas erinnern. … Hier wird unsere Verbindung zum Himmel hergestellt, hier können wir Jehovas Führung folgen.“

Er sagte auch:

„Also dieser Königreichssaal wurde gebaut, um Jehovas Namen zu verherrlichen“ und „Schaut, und das ist die eigentliche Bestimmung dieses Königreichssaals. Die Bestimmung des Saals ist, Jehova zu ehren und ihn zu verherrlichen.“

Im Gebet zur Bestimmungsübergabe sagte er auch: „Das ist das wichtigste Gebäude hier in diese Gegend … Vater, benutze diesen Königreichssaal, so wie du es für nötig erachtest, wie du es möchtest …“

Dann erinnerte er uns noch an die übernatürliche Wolkensäule, durch die die Israeliten Jehovas Führung erkennen konnten. Und dann sagte er:

„Es gibt heute so viele Wunder, die wir vor unseren Augen beobachten können, die deutlich machen: Da muss Jehova dahinter stehen.“

Deshalb hatte ich mich auf den Weg zu diesem Gebäude gemacht. Ich wollte die Führung Jehovas sehen. Denn dieses Gebäude sollte an die Führung Jehovas erinnern und Jehovas Name sollte verherrlich werden.

Ich bin Jehova so dankbar, dass er genau dieses hat eingetreten lassen. Sein Name wird verherrlicht, da seine Verheißungen, die er in der Bibel hat aufzeichnen lassen, Wirklichkeit werden.

Als ich an dem Saal angekommen war, fand ich den Hinweis, dass aufgrund des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) momentan keine Gottesdienste von Jehovas Zeugen in diesem Gebäude stattfinden würden. An der Eingangstüre stand: „Gebäude bitte nur betreten mit Mund-/Nasenschutz und Einweghandschuhen„.

Ist das nicht großartig? Jehova ist der Souverän. Sein Wort sollte von dauerhaftem Bestand sein und nicht das Wort von Menschen. Er hat als Schöpfer alles erschaffen, auch die winzigen Viren. Und er verherrlicht seinen Namen, indem er diesen Saal von Anfang an leer stehen lässt. Er hat seinen Königreichssaal benutzt, wie er es für nötig erachtet. Jeder, der hierher kommt, kann über seinen Schöpfer nachdenken und muss keinem Vortragsredner zuhören.

Und wenn jemand doch das Gebäude betritt, soll er seinen Mund und seine Nase bedecken. Denn gerade in diesem Saal muss daran erinnert werden, welch schädliche Dinge aus dem Mund kommen. Und mit der Nase verurteilen wir einen Menschen, den wir als „anrüchig“ betrachten. Man sollte auch seine Hände bedecken, damit das Beifall-Klatschen nach der Rede des Vortragsredners gedämpft wird und so der Schaden abgemildert wird. Denn durch das Beifall-Klatschen haben wir den Bösen ermutigt, unseren Mitmenschen gedemütigt, den Gerechten verurteilt.

Wer kann sich mit Jehova vergleichen? Wer hat das Recht, zu urteilen, ohne Jehova zu fragen?

Die einen werden gelobt, weil sie sich am Saalbau beteiligt haben. Die anderen werden als nicht vorbildlich betrachtet, weil sie sich der höheren Bildung zugewandt haben. Vielleicht haben diese weniger Vorbildlichen gelernt, wie man Computer programmiert und haben eine Anstellung bei der Firma „Zoom“ gefunden. So konnte man virtuelle Zusammenkünfte abhalten. Oder sie haben sich der medizinischen Forschung gewidmet und waren an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 beteiligt. So konnten viele Brüder und auch die Betheleinrichtungen geschützt werden. Wer Jehova verspottet, der wird von ihm verspottet!

Wenn ihr Jehova fragen wollt, wie er die Dinge beurteilt, dann müsst ihr an den Antworten zu biblischen Fragen interessiert sein. Denn die Bibel ist von ihm inspiriert.

Konnte jemand von euch schon die Fragen beantworten, die ihr vor über einem Jahr mit meinem letzten Schreiben erhalten habt? Um euch eine Hilfestellung zu geben, hat Jehova mich darum gebeten, euch diesen Brief zu schreiben und auch die Fragen mit Hinweisen zur Antwort nochmals zuzusenden (siehe Anhang).

Denn Jehovas Schwert ist geschärft und geschliffen worden, wie es in Hesekiel 21:9 vorausgesagt wird. Wenn dann die Sonne schwarz wird, weil sie sich schämt, kann der Mond gar nicht mehr leuchten, da er ja nur leuchtet, weil er von der Sonne angestrahlt wird. Stattdessen wird er dann wie Blut wegen seiner großen Blutschuld (Offenbarung 6:12)! Wer kann da bestehen (Offenbarung 6:17)?

Wenn doch Jehova die Macht hat, alle Dinge zu tun, warum dann nicht ihm die Ehre geben (Offenbarung 14:6, 7)?

Wer bereut und Jehova bei Sonnenuntergang die Ehre gibt, dem wird die Sonne aufgehen und sie wird ihm siebenmal heller leuchten als früher und der Mond so hell wie die Sonne (Jesaja 30:26). Denn Jehovas prophetisches Wort geht ja in Erfüllung!

Viele Grüße

Bernd Oelschlägel

In Verbindung mit dem Tragen von Handschuhen und einer Mund-Nasen-Bedeckung nahm ich Bezug in dem Beitrag „Über das Plappern„.

Ich sagte mir, sie müssten es doch kapieren, dass es von überhaupt keinem Wert ist, Leuten, die solche Vorträge halten, zu vertrauen. Für die Vertreter der Organisation kam die Corona-Krise doch völlig überraschend. Sie hatten keinerlei prophetische Fähigkeiten von Jehova erhalten. Ihre Ratschläge zum Umgang mit der Krise waren genauso ein reines Plagiat wie der Versuch, die sieben Fragen zu beantworten. Die Glieder der leitenden Körperschaft wiederholten nur das, was die Politiker schon sagten. Man soll Kontakte einschränken, Maske tragen, sich impfen lassen usw.

Jehova hingegen hat doch alles im Griff. Er hätte die ganze Krise verhindern können. Er hätte für die Glaubensbrüder einen wirklichen Ausweg schaffen können, dass sie sich doch persönlich versammeln könnten, um auch das Gedächtnismahl recht zu begehen. Warum achten sie nicht auf das Tun Jehovas? Praktisch der gesamte öffentliche Predigtdienst konnte nicht durchgeführt werden und keine Zusammenkünfte waren möglich. Erkennen sie nicht den Zorn Jehovas gegen sie?

… Frieden und Sicherheit

Ein Glaubensbruder im Bethel ermahnte mich oft, wenn ich einen unzufriedenen oder kritischen Eindruck auf ihn machte, immer zufrieden zu sein, da es ja ein so großes Vorrecht sei, Jehova besonders hier im Bethel zu dienen.

Das habe ich nicht verstanden. Wenn ich schlechte Dinge erlebe, kann ich doch nicht so tun, wie wenn alles gut sei.

Aber wie machen sie es nur bei all diesen vielen Schwierigkeiten, Problemen und Ungereimtheiten sich als heilige Nation zu feiern, die von Jehova Gott weiterhin gesegnet wird? Wie können sie die Zustände in der Glaubensgemeinschaft so darstellen, dass alles recht sei und man sich schon im geistigen Paradies befindet? Das wollen wir nun analysieren. Dazu ist eine Veranschaulichung aus der Technik hilfreich:

In einer Besprechung für Dienstamtgehilfen und Älteste im Jahr 2016 wurde der Bibeltext Jeremia 23:3, 4 betrachtet. Jehova möchte Hirten erwecken, die sich tatsächlich als echte Hirten der Schafe erweisen, sodass diese sich nicht mehr fürchten und in keinerlei Schrecken versetzt werden.

Ich dachte sofort: Hoffentlich geht diese Prophezeiung bald in Erfüllung, denn die jetzigen Hirten sind so wie die in Jeremia 23:1, 2 beschriebenen schlechten Hirten. Über die in Vers 4 erwähnten „Schrecken“ hat man in dieser Besprechung auch geredet. Der Kreisaufseher stellte fest: Einige Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder getauft werden, weil sie Angst haben, dass diese später ausgeschlossen werden.

Doch wie hat der Kreisaufseher den Bibeltext Jeremia 23:3, 4 in der Besprechung verwendet? Die guten Hirten, die Jehova erwecken will, stellen nach seinen Worten die heutigen Hirten dar. Der Bibeltext würde also hier in der Glaubensgemeinschaft in Erfüllung gehen, sodass die Ältesten im Allgemeinen so gute Arbeit leisten würden, wie es Jehova wünscht. Nur der einzelne Älteste könnte davon abweichen. Er muss acht geben, dass er nicht den Anschluss verpasst.

Der manipulierte Regler

Um die Denkweise, die hier zum tragen kommt, zu verstehen, betrachten wir einmal die Funktionsweise eines Reglers als Veranschaulichung.

Ein Regler ist etwa bei einer Heizungsanlage unentbehrlich. Man gibt einen sogenannten Sollwert vor. Das ist zum Beispiel die gewünschte Raumtemperatur von sagen wir 21 °C. Dann gibt es einen Fühler, der die tatsächliche Raumtemperatur misst. Dieser Messwert wird dann digital in den Speicherplatz für den Istwert übertragen.

Der Regler vergleicht beide Temperaturen bzw. gespeicherten Zahlen miteinander. Ist der Istwert kleiner als der Sollwert, wird die Heizung auf höhere Heizleistung eingestellt. Wenn es umgekehrt ist, wird die Heizung zurückgedreht. So erreicht der Istwert allmählich den vorgegebenen Sollwert.

Eigentlich sollte es genauso sein, wenn wir einen solchen Bibeltext betrachten. Wir erfahren, was Jehova möchte. Das ist der Sollwert. Dann sollte man selbstkritisch prüfen, ob man diesen Maßstab erreicht oder davon abweicht. Und man sollte auf das negative Prüfungsergebnis reagieren, etwa mit Reue und Umkehr.

Dass Jehova selbst auf der Grundlage der Wirkungsweise eines Reglers handeln will, geht ja aus dem Bibeltext hervor. Zuerst stellt er den Istwert gemäß Jeremia 23:1, 2 fest und dass er nicht dem Sollwert entspricht. Jetzt muss der Regler etwas tun, ein Stellglied wird angesteuert. Jehova kündigt in Jeremia 23:3 an, dass er handeln möchte. Das Ergebnis soll die Übereinstimmung von Sollwert und Istwert bringen, wie es in Jeremia 23:4 beschrieben wird.

Eine Art der Manipulation

Aber jetzt stellen wir uns vor, ein Techniker hätte den Regler verändert. Er klemmt beispielsweise den Fühler ab und dann schließt er den Sollwert-Geber an den Istwert-Empfänger an. In diesem Fall würde der Istwert immer den gewünschten Sollwert von 21 °C anzeigen und der Regler würde nichts tun. Vielleicht hat es schon Frost und das Eis bildet sich auf den Wänden. Aber weil als Zahl für den Istwert einfach der Sollwert eingelesen wurde, sind es laut Anzeige 21 °C, wie gewünscht.

So ähnlich ist die Art, wie der Kreisaufseher argumentiert hat. Wie die tatsächlichen Verhältnisse sind, muss nach seiner Denkweise zwangsläufig mit dem Maßstab aus der Bibel dem „Sollwert“ übereinstimmen. Denn schließlich herrscht Gottes Königreich schon und diese Organisation ist Ausdruck von Gottes Königreich, also von dem, was Jehova sich wünscht. Denn Jehova hat seinen treuen und verständigen Sklaven eingesetzt, der wiederum Unterhirten eingesetzt hat. Da muss alles so sein, wie Jehova es will. Wer Zweifel hat, ist glaubensschwach.

Somit führt die Lehre, dass Gottes Königreich schon herrscht und diese Herrschaft durch diese Organisation zum Ausdruck kommt, zu einer solchen Manipulation des Denkens!

Eine zweite Art der Manipulation

Aber es gibt bei einem Regler noch eine andere Art von Fehlschaltung, die zum gleichen Ergebnis führt. Man verwendet zwar den Fühler und der korrekte Wert wird in den Speicherplatz für den Istwert übertragen. Doch dann wird der Sollwert an den Istwert angepasst, indem man ihn mit diesem einfach gleichsetzt.

Also wenn es in dem Raum nur 10 °C hat, dann wird diese Temperatur zwar korrekt angezeigt, aber der Sollwert ist dann ebenfalls automatisch 10 °C, sodass der Regler nichts tut.

Diese Situation liegt vor, wenn man argumentiert, Jehova hat es zugelassen, also ist es in seinem Sinne. Die Verhältnisse mögen schlecht sein, aber wir müssen das aushalten und ausharren. Das ist unsere Glaubensprüfung. Denn was Jehova zulässt, hat auch immer Sinn (siehe die Kafka-Auslegung Ein Hungerkünstler).

So wird meist argumentiert, wenn der einzelne viel Schlechtes erlebt. Auf die ganze Glaubensgemeinschaft bezogen wählt man die zuvor erwähnte argumentative Fehlschaltung. Und auf diese Weise ist in beiden Fällen der Istwert gleich der Sollwert. Das heißt zum einen, man muss nichts tun, um eine Situation zu verbessern. Zum anderen muss man immer zufrieden sein, da stets alles gut ist, weil es eben keine Abweichungen gibt. Alles was geschieht, ist Jehovas Wille. Und weil es so ist, müssen alle glücklich sein und lächeln, egal, wie viel Übles sie gerade erleben.

Wer hat die richtige Denkweise, die unser himmlischer Vater segnen kann?

Auf dem regionalen Kongress 2021 wurde sehr vor den sogenannten Abtrünnigen gewarnt, die schwere Kritik an der Organisation üben. Sie würden nur Lügen und bestenfalls Halbwahrheiten reden. Aber was ist, wenn diejenigen, die dies sagen, selbst lügen oder nur Halbwahrheiten sagen? Dass würde bedeuten, dass es eine Lüge wäre, zu behaupten, die anderen würden lügen. Dann würden die anderen vielleicht doch die Wahrheit sagen.

Wie kann man also herausfinden, wer die Wahrheit spricht? Oder wie kann man herausfinden, wer Gottes Gunst hat? Das ist gar nicht so schwer. Dazu braucht man nur zwei Bibeltexte:

Text Nr. 1:

… „Geh mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem, und du sollst ein Kennzeichen an die Stirn der Menschen anbringen, die seufzen und stöhnen über all die Abscheulichkeiten, die in seiner Mitte getan werden.“ …

Hesekiel 9:4-7; NWÜ 1986

Text Nr. 2:

Wann immer sie sagen: „Frieden und Sicherheit!“, dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen wie die Geburtswehe eine Schwangere; und sie werden keinesfalls entrinnen.

1:Thessalonicher 5:3; NWÜ 1986

Die Personen, die sie auf dem Kongress mit „Abtrünnige“ bezeichnet haben, reden über Abscheulichkeiten, die sie in der Glaubensgemeinschaft erlebt haben. Viele haben die Glaubensgemeinschaft verlassen, weil sie die Ungerechtigkeit innerhalb der Gemeinschaft nicht mehr ertragen konnten. Manche wollen Geschädigten helfen und gründen zum Beispiel den Verein jz.help. Auf sie trifft also der erste Bibeltext zu. Gemäß diesem Text müssten sie also das Kennzeichen erhalten, sodass sie nicht Jehovas Strafgericht zum Opfer fallen (siehe dazu Hesekiel 9:5-7).

Was machen die anderen, die auf dem Kongress 2021 vor den Abtrünnigen gewarnt hatten? Sie stellen den neuen Kongress 2022 unter das Motto „Strebt nach Frieden“ und dort reden sie dann von Frieden und Sicherheit. Zuvor hatten sie es in ihren Argumenten stets so gehalten, wie es in Verbindung mit dem manipulierten Regler beschrieben wurde. Und dann reden sie einfach nur noch von Frieden und Sicherheit, wie es schon heute durch „Jehovas Organisation“ verwirklicht ist und in Zukunft noch viel mehr. Somit trifft in ihrem Fall Text Nr. 2 zu.

Betrachtet man all das, was wir zuvor in dieser Abhandlung gelesen haben, dann müsste man klar erkennen, dass es mit der Sicherheit innerhalb der Glaubensgemeinschaft nicht weit her ist:

Eine Pionierschwester wird von Ältesten plötzlich angeklagt und verlässt dann fluchtartig das Land, in dem sie auf eigene Kosten ihren Missionardienst durchgeführt hat. Man wird plötzlich ohne einen vernünftigen Grund aus dem Bethel entlassen, in dem man für Kost und Logis gearbeitet hat, obwohl man dort seinen ganzen Lebensweg verbringen sollte. Man wird von seinen Freunden verraten. Wer von den Ältesten dann ausgeschlossen wurde, wird von seinen Freunden und oft auch von engsten Familienangehörigen völlig gemieden. Ein Glaubensbruder, den wir als treu betrachtet haben, verschwindet plötzlich, weil er ausgeschlossen wurde, und wir dürfen nicht erfahren, warum.

Wie sieht es mit Frieden aus?

Man wird plötzlich auf verleumderische Art und Weise von Ältesten angegriffen, während man friedlich mit den Glaubensbrüdern Gemeinschaft pflegt (siehe den Beitrag Herzlich willkommen).

Wie das sein kann, dass man von Frieden und Sicherheit redet, obwohl kein Frieden und keine Sicherheit da ist, das hatte ja der eingangs erwähnte Interessierte kaum verstanden (siehe „Eine Prophezeiung, deren Erfüllung man sich kaum vorstellen kann„).

Das Hauptargument ist die Vorstellung, dass Gottes Königreich bereits herrscht und dass das durch diese Organisation zum Ausdruck kommt. Daraus ergibt sich der Gedanke, dass man alles gut und richtig finden muss, da man sonst Jehova, unseren Schöpfer kritisiert. Daraus ergibt sich eine manipulierte Denkweise, die man mit einem manipulierten Regler veranschaulichen kann. Und so redet man am Ende von Frieden und Sicherheit.

Ich freue mich darüber, dass Jehova nun diese Prophezeiung wahr macht und das plötzliche Ende nun wirklich kommt. Es ist unerwarteterweise eben das Ende der eigenen Organisation, wie es in Kafkas Geschichte „Ein Traum“ veranschaulicht wird. Jehovas Zeugen müssen sich selbst begraben, da sie doch mit Überzeugung verkündet haben: „Babylon die Große ist gefallen!“ und „Das Ende der falschen Religion ist nahe!“

Ich preise Jehova öffentlich, dass er den Bibeltext aus 1. Thessalonicher 5:3 auf so unerwartete Art und Weise in Erfüllung gehen lässt, indem das plötzliche Ende der Organisation von Jehovas Zeugen kommt, während man auf den Kongressen von Frieden und Sicherheit redet.

Was bleibt, sind die Schätze, wie wir sie zu Beginn des Berichts angeführt haben und nun nochmals wiederholen können:

Der Schatz

Rechtsgrundlage 1 Die verheißene neue Welt und Gottes Gerechtigkeit

Egal, was man in der Glaubensgemeinschaft erlebt hat. Die Hoffnung bleibt bestehen! Und wir können uns sicher sein, dass wir in der von Gott verheißenen neuen Welt für all das Übel, das wir in der Glaubensgemeinschaft erlebt haben, entschädigt werden. Wir haben unsere Lebenszeit nicht verschwendet, wenn wir uns auch oft vergeblich bemüht haben. Denn die Schätze, die man sich im Himmel aufhäuft, gehen nie verloren, auch nicht, wenn man aufhört, einen Predigtdienstbericht abzugeben.

Rechtsgrundlage 2 Die Sintflut und das Verhältnis Noahs zu Gott

Die Menschen ignorierten Noah und seine Arche. Und heute?

Man erlebt die große Ignoranz! Die Menschen, denen man Zeugnis über Jehova gibt, wollen nicht zuhören. Schon seit mehr als hundert Jahren sagen Zeugen Jehovas und die ernsten Bibelforscher, dass wir in den letzten Tagen des Weltsystems leben. Aber die meisten haben die Botschaft bis heute ignoriert. Viele merken, dass es so nicht weitergehen kann, schon allein wegen des Klimawandels, des endlosen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums, der Ausbeutung der Erde und wegen der ständigen Zunahme an globalen Problemen. Aber sie wollen trotzdem nicht auf die Botschaft aus der Bibel reagieren. Sie wollen sich nicht damit auseinandersetzen.

Dann erlebt man die große Ignoranz in den eigenen Reihen. Jehovas Zeugen ignorieren die Ungerechtigkeiten, die ihre Mitbrüder erleben. Älteste wollen nicht wissen, was ihre Mitbrüder zu sagen haben, sondern sie wollen nur selbst reden. Sie ignorieren ihre Ausgeschlossenen. Sie ignorieren die Lebensberichte von Aussteigern. Kaum einer in der Glaubensgemeinschaft möchte wissen, was ihre früheren Mitverbundenen jetzt zu sagen haben. Sie interessieren sich nicht mehr für ihre Vergangenheit, wollen nicht wissen, was der langjährige Bethelmitarbeiter aus früheren Zeiten zu erzählen hat.

Was mich betrifft, brauche ich mir darüber keine Sorgen machen, denn deshalb sagte Jesus ja, dass es wie in den Tagen Noahs sein wird. Damals nahmen sie keine Kenntnis davon, was Noah tat. Seine Arche war doch eigentlich unübersehbar. Aber sie ignorierten ihn und sein Werk. Doch nicht er, sondern sie erlitten die große Niederlage.

Sicher ist, dass Gottes Wort in Erfüllung geht!

Jesus sagte: Genauso wie in den Tagen Noahs wird es wieder sein (Matthäus 24:37-39). Darum werden die Ignoranten keinen Erfolg haben. Sie werden umkommen wie die Menschen in den Tagen Noahs. Bei Jehova gibt es keine Parteilichkeit! Die Ignoranten in „seiner“ Glaubensgemeinschaft sind nicht besser dran als die außerhalb!

Rechtsgrundlage 3 Die heuchlerischen Religionsorganisationen von Gott verurteilt

Man kann sich gegen den Trug und die Ungerechtigkeiten der Ältesten wehren, ohne Atheist werden zu müssen. Man kann hoffnungsvoll auf Jehova blicken, denn gerade durch das wiederholende Muster der Schlechtigkeiten innerhalb der Glaubensgemeinschaften, wie es sie auch über Jahrhunderte in der Christenheit gab und gibt, hat sich gezeigt, dass auch diese Organisation zu „Babylon die Große“ zu zählen ist. Wir können uns sicher sein, dass Gott diese Organisation richtet und die Sanftmütigen, die auf ihn vertrauen, befreit (Psalm 37:29).

Wir wollten Babylon heilen, aber sie konnte nicht geheilt werden (Jeremia 51:9). Und deshalb sollte jeder, der auf der Seite Jehovas stehen will, sich jetzt an das Gebot aus Offenbarung 18:4-7 halten: Geht aus ihr hinaus, mein Volk! Wie man diesem Bericht entnehmen kann, haben sich die Sünden wirklich bis zum Himmel aufgetürmt. Jehovas Zeugen müssen sich in sinnbildlicher Hinsicht selbst begraben, da sie selbst zu „Babylon die Große“ geworden sind und Babylon doch schon gefallen ist nach dem, was die ernsten Bibelforscher vertreten haben (siehe die Kafka-Auslegung „Ein Traum„). Wer dazu bereit ist, kann Jehovas Anerkennung finden (siehe Hesekiel 39:13).

Rechtsgrundlage 4 Glaube beruht auf beweisbare Erkenntnis

Die drei Beweiskriterien sind:

  1. Logische Prüfung auf Selbstkonsistenz. Eine Theorie oder Lehre kann nicht stimmen, wenn sie sich selbst widerspricht. Die logische Beweisführung ist das erste Kriterium, denn sie braucht nur logisches Denkvermögen. Auch inspirierte Schriften kann man durch eine logische Beweisführung überprüfen. So kann man die Bibel nicht beliebig auslegen, wenn sie sich nicht selbst widersprechen darf.
  2. Die Theorie oder Lehre muss mit der Realität übereinstimmen. Um inspirierte Schriften richtig verstehen und auslegen zu können, müssen wir die ganze unbeschönigte Realität unparteilich zur Kenntnis nehmen (siehe auch den Beitrag Unparteilichkeit).
  3. Die Theorie oder Lehre muss sich bewähren, indem mit ihrer Hilfe Voraussagen gemacht werden können, deren Richtigkeit danach bestätigt wird. Wenn man die unbeschönigte Realität zur Kenntnis nimmt, dann kann man erkennen, wie sich das prophetische Wort aus inspirierte Schriften heute vor unseren Augen erfüllt.

Statt einer Organisation oder einer leitenden Körperschaft zu vertrauen, können wir uns auf sichere Beweise verlassen, die wir selbst geprüft haben, ohne uns von anderen falsch beeinflussen zu lassen. Nachdem Zeit vergangen ist, können wir uns noch mehr über die Zuverlässigkeit der von uns geprüften Beweise überzeugen. Wir dürfen uns nur nicht von den sich ständig verändernden Lehrmeinungen der Diebe verwirren lassen.

Denn die Beweiskriterien zeigen auch, dass von denen, die in der Glaubensgemeinschaft die Führung übernehmen, kein geistiges Licht mehr kommen kann. Aufgrund ihrer parteilichen Machtinteressen ignorieren sie große Teile der Realität. Sie ignorieren Probleme und Ungerechtigkeiten innerhalb der Glaubensgemeinschaft, wie wir gesehen haben. Dadurch überprüfen sie nicht ihre Lehren nach Beweiskriterium zwei (Realitätsprüfung). Prophetische Worte interpretieren sie parteilich. Die „guten“ Prophezeiungen beziehen sie auf sich und ihre Organisation. Die „schlechten“ Prophezeiungen, die mit einem Gerichtsurteil verknüpft sind, wenden sie auf ihre Gegner oder auf die anderen an. Um recht zu behalten, nutzen sie sogar die Unlogik in ihren Argumenten (siehe: Was genau ist die unvergebbare Sünde?). Dadurch sind ihre Lehren auch gegen Beweiskriterium eins (Selbstkonsistenz).

Vergleichen wir aber das, was vorausgesagt wurde, mit der unbeschönigten Realität, dann erkennen wir klar, dass durch die fortschreitende Erfüllung von Prophezeiungen das dritte Beweiskriterium erfüllt wird.

Rechtsgrundlage 5 Die Schmach des Christus

Gegen Christus wurde Gericht gehalten (damals war es der jüdische Sanhedrin, heute sind es z. B. bei Jehovas Zeugen die sogenannten Rechtskomitees), und er wurde als der schlimmste Gotteslästerer verurteilt. Der Christus ist aber in Wirklichkeit Gottes Werkmeister. Er ist der Erste, den Jehova erschaffen hat und wird als Gottes Sohn bezeichnet. Sein Verhältnis zu Gott ist das Beste, was ein Geschöpf haben kann. Er und Jehova Gott sind sich völlig einig.

Wenn ein von den religiösen Führen aufgestelltes Gericht ein solch absurdes Urteil fällt, ist klar bewiesen, dass die Gerichtsurteile, die durch ein Rechtskomitee der Zeugen Jehovas gefällt werden, null und nichtig sind.

Wer ausgeschlossen wurde, kann sich freuen, da er zu den Brüdern Christi gezählt wird. Er ist wirklich ein Fußstapfennachfolger Christi.

Wer diesen Brüdern Christi Gutes tut, sie also nicht ignoriert, der wird als Schaf eingestuft und von Jehova gesegnet. Wer sie ignoriert, nichts für sie tut, gilt als Bock und endet in der Gehenna.

Jetzt ist die Zeit für den Umkehrprozess!

Rechtsgrundlage 6 Der Name Jehovas

Auch durch das, was wir in der Glaubensgemeinschaft an schlechten Dingen erlebt haben, gehen biblische Prophezeiungen in Erfüllung, wodurch wir in unserem Glauben gestärkt und bestätigt werden.

Der Vorsatz Jehovas wird nach und nach verwirklicht. Er besteht auch darin, diese Glaubensgemeinschaft als letzter Ausdruck der falschen Religion zu einem Steinhaufen zu machen (Jesaja 25:1, 2). Man kann erkennen, dass sich mit dem unverschämten Auftreten der Ältesten 2. Thessalonicher 2:4 erfüllt. Man hat auch gesehen, wie aus dem „treuen und verständigen Sklaven“ ein „übelgesinnter Sklave“ geworden ist, der seine Mitbrüder schlägt (Matthäus 24:45-47 und 48-51 sowie Lukas 42-44 und 45-48). Man kann noch vieles anführen, was sich in den letzten Jahren erfüllt hat von dem, was in der Bibel vorausgesagt wurde (siehe dazu die Bibelstudien).

Die Prophezeiungen Jehovas gehen eben nicht so in Erfüllung, wie die Diebe sich das vorgestellt haben. Sie wollten die Fürsten sein auf der Erde. Jehova macht sie als der Antichrist und der Gesetzlose kenntlich. Sie sind aus ihrem Vater, dem Teufel wie die Pharisäer (Johannes 8:44), denn sie haben eine Krone begehrt. Ihre Krone, mit der sie über ihre Glaubensbrüder herrschen, kommt von der Kronenspenderin Tyrus gemäß Jesaja 23:8. Der König über das sinnbildliche Tyrus steht aber für den Teufel selbst (Hesekiel 28:12-19). Er ist der Vermarkter des Glaubens (siehe dazu das Bibelstudium „Die Vermarktung des Glaubens„).

Außerdem findet man weitere inspirierte Schriften wie die Kafka-Texte. Durch sie wird das von Jehova angekündigte Strafgericht bestätigt, denn sie zeigen klar, dass sich die Glaubensgemeinschaft hin zu einem verurteilten Zustand entwickelt hat. Sie helfen bei der Analyse dieses Zustandes und wie es dazu gekommen ist.

Wer das prophetische Wort so anerkennt, wie es gegen die Diebe in Erfüllung geht und sich darauf beruft, der wird gerettet.

Rechtsgrundlage 7 Mein persönliches Verhältnis zu Jehova

Ich habe mir einmal ausgerechnet, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Dinge, die ich mit Jehova erlebt habe, Zufall sind. Die Wahrscheinlichkeit ist so klein, wie wenn man mit einem Würfel mehr als 50 Mal hintereinander eine Sechs würfeln würde. Meine Erfahrungen zeigen mir, dass Jehova ganz persönlich mit mir ist und mir alle Dinge gezeigt hat. Jehova treibt mich an und bremst mich, wie es in seinen Augen gut ist. Was ich hier aufgeschrieben habe, sind nicht einfach nur meine Worte. Jehova führt mich in allem.

Was hat es mit den Dieben auf sich?

Was die Ältesten betrifft, die angeben, echten Glauben zu haben. Sie müssen das beherzigen, was Jesus zu Nikodemus gesagt hat. Sie brauchen eine neue Identität. In ihrer Identität als Älteste werden sie zu den Dieben gerechnet (siehe auch den Beitrag „Die Himmelsleiter„).

Was die Diebe betrifft, sie haben sich selbst zu Gott gemacht und sind die Besitzer (Baale) der Glaubensbrüder geworden, da sie stets Gehorsam verlangt haben. Sie sind inwendig Atheisten, denn sonst hätte ihre Gottesfurcht verhindert, dass sie so dreist geworden sind. Sie haben keinen anderen Gott als sich selbst anerkannt, denn ihre Entscheidungen haben sie als Jehovas Entscheidungen ausgegeben.

Sie klebten auf ihrem Stuhl und Ernennung und haben das natürliche Rotationsprinzip außer acht gelassen, denn sie haben ihrer nachfolgenden Generation keine Chance gegeben, sich zu Wort zu melden oder etwas einzuwenden, obwohl auch diese von der Zeit nach Lehrer hätten sein sollen. Ihre Kommunikation war eine Einbahnstraße.

Werner Rudtke hat einmal gesagt, dass es auf Eigenschaften und nicht auf Fähigkeiten ankommt. Leider hat er selbst die verkehrte Eigenschaft, da er den Jüngeren keine Chance gab und sie jahrzehntelang zu seinen Zuhörern und mit seinem Gehorsamsanspruch zu Untertanen machte. Er sagte auch, dass Jehova durch Laien verherrlicht wird. Er übersah offensichtlich, dass er selbst kein Laie ist, sondern ein Geistlicher und Präsidiumsmitglied (Zweigkomiteemitglied).

Ein anderer Aufseher im Bethel, der später Präsidiumsmitglied (Zweigkomiteemitglied) wurde, sagte einmal, sie würden in der neuen Welt die Ärzte in den Missionardienst schicken, da alle Menschen dann gesund seien und man Missionare bräuchte, um den Auferstandenen zu predigen und zu lehren.

Ich wunderte mich sehr über diese Bemerkung, denn er gab auf diese Weise doch Folgendes zu verstehen: Sie, die Gruppe der Ältesten, treffen solche Entscheidungen, nicht Jehova. Sie dürfen selbstverständlich in der neuen Welt sein, um zu bestimmen, was andere zu tun haben. Bildung in wissenschaftlichem Sinne scheint ebenfalls in seinen Augen wertlos zu sein. Dass die Herren der Organisation über gebildete Glaubensbrüder stehen, scheint für ihn selbstverständlich.

Ein Mensch, der Erkenntnis schätzt, würde nicht auf die Idee kommen, man bräuchte keine Ärzte, nur weil die Menschen nicht mehr krank werden würden. Den menschlichen Körper – ein Teil der Schöpfung Jehovas – zu studieren, macht auch dann Sinn, wenn niemand mehr krank wäre.

An solchen Bemerkungen kann man klar erkennen, dass sie inwendig Atheisten sind, die über andere herrschen wollen.

Dies geht auch klar aus dem hervor, was öffentlich auf dem Kongress „Strebt nach Frieden“ geredet wurde.

Was der Kongress „Strebt nach Frieden“ aufdeckt

In der siebenteiligen Vortragsreihe am „Sonntagvormittag“ im sechsten Teil wurde im Video gezeigt, wie zwei Älteste ein Streitgespräch hatten. Es ging um einen dritten Ältesten, der zuvor entbunden (entlassen oder „gestrichen“) wurde:

„Karl, wir müssen reden. Wir müssen unbedingt noch mal über seine Streichung sprechen. Du weißt, dass Tim absolut nicht der Typ ist …“ „Genug davon, die Sache ist durch. Ich weiß, ihr seid Freunde.“ „Freunde, Freunde, wir alle haben mit ihm zusammengearbeitet …“ „Die Ältestenschaft hat beschlossen, dass er kein Ältester mehr ist. Der Beschluss der Ältesten war einstimmig, dass er nicht länger …“„Aber nur weil du Druck gemacht hast.“ „Wie bitte? Willst du ernsthaft …?“

Streitgespräch zwischen zwei Ältesten im Video auf dem Kongress „Strebt nach Frieden“

Interessant an diesem Streitgespräch ist, dass Jehova gar nicht vorkommt. Dass jemand kein Ältester mehr ist, kam nach den Worten Karls durch einen einstimmigen Beschluss der Ältestenschaft zustande. Von Jehova, dass man etwa um seine Führung und Leitung gebetet hätte, ist nicht die Rede. Die Einstimmigkeit einer Gruppe von Menschen allein ist das Argument.

Und nach der Meinung des anderen Ältesten kam diese Einstimmigkeit durch Gruppenzwang zustande. War dieser Älteste eigentlich bei dem Beschluss dabei? Wenn ja, wurde er durch den Gruppenzwang überwältigt? Denn es gab nach den Worten Karls Einstimmigkeit, also konnte er keine Gegenstimme gewesen sein, obwohl er jetzt etwas dagegen einzuwenden hat. Und falls er und vielleicht noch andere Älteste nicht dabei waren, kann dann von Einstimmigkeit gesprochen werden?

Durch eine solche Szene wird klar aufgedeckt, wie es wirklich unter Ältesten zugeht. Jedenfalls hat Jehova keine Chance. Es ist reine und feige Menschenherrschaft. Keinerlei Gottesfurcht ist da. Hier ging es um die Streichung eines Ältesten. Bei einem anderen Fall geht es dann vielleicht um den Beschluss, jemanden auszuschließen. Und dazu ist nur die gruppenzwangtechnische Einstimmigkeit von drei Ältesten, die das Rechtskomitee bilden, nötig.

Für das, was sie tun, haben sie doch nicht das von Jehova verheißene Paradies verdient, oder? Sie müssen gemäß der im Video gezeigten Szene zuerst ins Gefängnis. Das ist doch auch das Einzige, was man sich vorstellen kann. Vielleicht soll für sie in der Filmszene die Vision vermittelt werden, dass sie durch das Abbüßen einer Gefängnisstrafe danach doch noch ins Paradies dürfen, wenn sie weiterhin schön von Frieden und Sicherheit reden und singen. Doch gemäß der Bibel ist es anders, wie wir gesehen haben (1. Thessalonicher 5:3).

Ein Selbsternennungssystem

Wenn die Ältesten durch ihren Beschluss bestimmen können, wer weiterhin Ältester ist, dann ist das ein Selbsternennungssystem (ob Streichung oder Neuernennung: Durch beides wird die Gruppe der Ältesten bestimmt). Interessanterweise habe ich mir damals, als ich gerade meine Doktorarbeit geschrieben habe, über solche Selbsternennungssysteme Gedanken gemacht. Damals wurden gerade neue Lehrstellen geschaffen und dazu mussten neue Professoren berufen werden. Mir schien es so, als ob die Personalentscheidung fast ausschließlich durch das Votum der vorhandenen Professoren zustande kommen würde. Ich überlegte, dass sie wohl nur jemanden empfehlen werden, der genauso denkt wie sie. Und wenn die vorhandenen Professoren nicht „gut“ sind, werden es auch die neuen nicht sein. Nur wenn sie „gut“ sind, werden auch die „Guten“ berufen. Und das setzt sich beim nächsten Mal so fort. Selbsternennungssysteme sind instabil, war meine Schlussfolgerung. Sie können im Laufe der Zeit zu vollständigem Abdriften führen. Und so ist es bei der Zusammensetzung einer Ältestenschaft.

Warum aber gibt es überhaupt keinen Protest gegen diese Gottlosigkeit? Das liegt an den zwei Arten von Manipulation, wie zuvor am Beispiel eines manipulierten Reglers veranschaulicht. Wegen der ersten Art der Manipulation stellt man das System nicht infrage, denn Kritik ist nicht erlaubt. Der Istzustand wird nicht gesehen, sondern nur, dass zwangsläufig alles so sein müsste, wie Jehova es wünscht, denn es ist seine Organisation.

Wenn man dann als Einzelner wegen des unerfreulichen Ergebnisses zornig oder enttäuscht ist, wie der Älteste, der hier den Einwand hatte, dann wird die zweite Art der Manipulation aktiviert. Jetzt muss der zornige und enttäuschte Glaubensbruder die Glaubensprüfung bestehen. In dem Video wird überhaupt nicht infrage gestellt, dass der entlassene Älteste möglicherweise verleumdet wurde. Man nimmt jetzt also offen den schlechten Istzustand zur Kenntnis. Doch man argumentiert, Jehova habe es zugelassen, damit man lernt, sich unter schlechten Umständen zu beherrschen (anders gesagt: ein guter „Hungerkünstler“ zu werden). Der von dem bescheidenen Herrn Jehova festgelegte Sollzustand wird hier an den schlechten Istzustand angepasst. Man sagt: „Wir sind alle unvollkommen“ und „Jehova hat nur unvollkommene Menschen als seine Diener“.

Die Rolle der leitenden Körperschaft

Eigentlich geht ein Zeuge Jehovas davon aus, dass die leitende Körperschaft die Führung übernimmt. Sie gelten als die geistgesalbten Glaubensbrüder, die geistige Speise vorbereiten und austeilen und in der sogenannten Weltzentrale dienen. Sie stellt nach den Erklärungen aus dem Wachtturm vom 15.07.2013 den in der Bibel erwähnten „treuen und verständigen Sklaven“ dar. Älteste rechtfertigen sich oft damit, einfach nur der leitenden Körperschaft, dem „treuen und verständigen Sklaven“, gegenüber gehorsam zu sein. Sie eifern regelrecht für diesen Sklaven. Wehe, wenn jemand in Verdacht gerät, nicht positiv zu dem Sklaven eingestellt zu sein (siehe im Beitrag: „Herzlich willkommen„).

Auf dem Kongress am „Samstagnachmittag“ hielt David Splane, ein Glied der leitenden Körperschaft, einen Vortrag mit dem Titel: Bewahre das „vereinigende Band des Friedens“. Beachten wir einmal seine Worte genau:

Als es um Gewissensentscheidungen ging, erklärte er, dass man Rat von Ältesten einholen soll mit folgenden Worten: „Habe ich mir Rat eingeholt? Älteste waren vielleicht nie in der Situation, aber sie kennen Leute …“ und „Die Anleitung der Ältesten ist dabei sehr wertvoll“.

Wie bewahren Älteste den Frieden und wie die Verkündiger? David Splane sagte: „Wie machen das die Ältesten? Sie gehen führend voran und arbeiten in Einheit zusammen. Sie sollten immer übereinstimmend reden. Die Versammlung merkt schnell, wenn sie sich uneinig sind. Die Brüder und Schwestern fühlen sich dann nicht wohl. … Und wir Verkündiger? Was, wenn wir mit jemandem nicht so gut klarkommen? Statt Jehova zu bitten, denjenigen zu ändern, sollten wir ihn lieber bitten, uns zu formen. …“

Den Worten kann man Folgendes entnehmen, auch wenn nicht alles ganz ausgesprochen wurde: David Splane, ein Glied der leitenden Körperschaft, verweist auf die Ältesten als Ratgeber und als solche, die führend vorangehen. Er selbst zählt sich nicht zu den Ältesten (er redet von „sie“), sondern zu den Verkündigern („wir“), die sich formen (oder ändern) lassen sollen, wenn sie mit „jemandem“ nicht so gut klarkommen. Mit wem könnten wir nicht so gut klarkommen? Ein Verkündiger weiß, dass es besonders schwierig ist, wenn man mit einem Ältesten nicht so gut klarkommt, da er das Sagen hat und man ihm gehorchen soll. Bei anderen Personen ist es meist weniger problematisch.

Wenn wir also den Platzhalter „jemandem“ sinnvollerweise durch „Ältesten“ ersetzen, kommen wir zu folgendem Ergebnis: Nicht sie von der leitenden Körperschaft übernehmen die Führung, sondern die Ältesten in den Versammlungen. Nicht sie würden die Ältesten maßregeln, falls diese ungerecht oder unbiblisch handeln, sondern umgekehrt. Sie würden sich (in der Rolle eines Verkündigers) lieber selbst ändern, um mit den Ältesten klarzukommen, um dadurch geformt zu werden. Die Ältesten dürfen hierfür die Stellvertreter Jehovas sein, da man sich ja von Jehova formen lässt.

Mit dieser Haltung legen sie die volle Verantwortung über das, was in den Versammlungen geschieht und von jemandem, der die Führung übernimmt, behandelt werden müsste, in die Hände der Versammlungsältesten. Sie selbst übernehmen keine Verantwortung.

Wie Älteste zu Dieben geworden sind

Der Fall Gehasis

Wie schon eingangs erwähnt, musste ich einige Änderungen vornehmen, um mich taufen lassen zu können. Zuerst zeigte mir der unsichtbare Gott Jehova, was ich ändern musste und ich tat es sofort (siehe oben). Daraufhin hatte ich Freude, weil ich wusste, dass Jehova mich anerkennt und ich Zugang zu ihm habe. Dann aber kamen die Ältesten mit Forderungen, die sich kaum biblisch begründen ließen. Ich musste mir den Vollbart abrasieren. Außerdem muss man in den Zusammenkünften und im Predigtdienst immer eine Krawatte tragen.

Jesus wurde mit Bart dargestellt. Der Legende nach hat die Krawatte seinen Ursprung in der kroatischen Uniform und einem König gefiel dies so sehr, dass er sie übernahm. Wenn wir heute eine Krawatte tragen, ehren wir also Menschen. Wir ehren nicht Jehova. Was Älteste hier fordern, führt nicht dazu, dass wir Jehova die Ehre geben, sondern Menschen. Wenn wir es tun, dann unterstützen wir die Menschenherrschaft in der Versammlung.

Aber ich frage mich heute, warum ich bereit war, diese von Menschen aufgetragenen Dinge zu befolgen, nachdem Jehova mich schon anerkannt hatte. Das lag einfach daran, dass es für mich eine Kleinigkeit war, diese Dinge zu tun. Ich hatte etwas so Wertvolles kennengelernt. Ich bin geheilt worden von manchem Trug der Welt und habe Gott kennengelernt und erkannt, was er mit der Menschheit vorhat. Und jetzt werde ich doch wohl diese Kleinigkeiten tun können, sonst wäre ich ja undankbar. Also habe ich es getan. Schließlich wollte ich ja auch Frieden mit den Leuten, die das von mir erwarten.

Mir erging es eigentlich so, wie Naaman, dem Syrer. Er war als oberster Heerführer wohlhabend, hatte aber ein Problem. Er hatte Aussatz. Doch dann wurde er in Israel von seinem Aussatz vollständig geheilt (2. Könige 5:1-27). Die Heilung kam von Jehova. Nur er kann heilen. Vermittelt wurde sie durch den Propheten Elisa und einen Boten, der die Anweisungen von seinem Dienstherren weitergab. Wie glücklich war Naaman, als er wieder vollständig gesund war! Gerne war er bereit, dem Propheten als Geschenk etwas von seinen Reichtümern dazulassen.

Elisa lehnte ab, denn die Heilung kam von Jehova, nicht von ihm. Doch Gehasi, Elisas Bediensteter, war anderer Meinung. Er merkte, wie leicht man jetzt wegen der Dankbarkeit Naamans an unverhoffte Reichtümer kommen kann. „Das ist die Gelegenheit. Wir müssen das zu unserem eigenen Vorteil unbedingt nutzen.“ Elisa blieb bei seinem Standpunkt, aber Gehasi machte sich selbstständig und ging zu Naaman, der bereit war, alles zu geben, was Gehasi von ihm wollte (2. Könige 5:20-27).

Gehasi wurde so zum Dieb und er belog auch Naaman und Elisa. Die Folge oder Strafe für ihn war, dass er selbst aussätzig wurde wie Naaman zuvor. Wie traurig!

Und genau auf dieselbe Art und Weise sind die Ältesten zu Dieben geworden. Sie strebten vielleicht keine materiellen Besitztümer an, aber sie strebten Macht über den Interessierten an. Sie wollen sie zu ihren Untertanen machen, die auch nach der Taufe immer das tun müssen, was sie sagen. Dabei belügen sie den Interessierten, indem sie ihm zu verstehen geben, dass Jehova es so möchte und sie im Auftrag der Organisation handeln. Sie belügen auch ihre ursprünglichen Dienstherren, die Gründungsväter der Organisation und Geistgesalbte, indem sie sich als selbstlose Hirten von Jehovas „Schafen“ präsentieren, die sich ihrer großen Verantwortung bewusst sind und die nötige Befähigung mitbringen.

Gehasi ahmte den Propheten nach, indem er wie der Prophet seine Worte durch die Redewendung „So wahr Jehova lebt“ unterstrich (2. Könige 5:16, 20). Während der Prophet aber bemüht war, den Willen Jehovas zu tun, tat Gehasi von Habsucht getrieben seinen eigenen Willen. Und genauso machen es die Ältesten.

Für Naaman war es keine Sünde, die Dinge zu geben, die Gehasi wollte, denn er brachte damit lediglich seine Dankbarkeit zum Ausdruck und dass ihm die Befreiung von der Krankheit wichtiger ist als materieller Reichtum. So ist es auch, wenn man als Neuer aus Dankbarkeit für die geistige Befreiung und das persönliche Verhältnis zu seinem Schöpfer und Lebengeber anfängt, so kleine Forderungen der Ältesten zu erfüllen. Aber die Ältesten sind wie Gehasi. Sie sind schon durch diese Dinge zu Dieben geworden, die Jehova berauben, denn sie zweigen sozusagen das, was jemand Jehova geben möchte, für sich ab. Sie tun dies aus Machtinteresse.

Im Folgenden geht es darum, wie uns schon in dem kleinen Lehrbuch, mit dem wir angefangen haben, die Bibel kennenzulernen, Hinweise gegeben wurden, mit welcher Methode uns Satan durch die Ältesten berauben möchte:

Ein Bild im „Paradiesbuch“ deckt die Zusammenhänge auf

Zu Beginn schrieb ich schon, dass ich das kleine Büchlein „Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben“,ausführlich mit dem Ältesten (Pferdeknecht) ungefähr ein knappes Jahr lang Absatz für Absatz durchstudiert hatte. Das war total langweilig, denn ich hatte es in kürzester Zeit schon gelesen und kannte den Inhalt schon sehr genau.

Jetzt muss ich zugeben, dass ich ein bedeutungsvolles Detail übersehen habe. Erst vor ein paar Jahren wurde ich durch ein YouTube-Video auf dieses Detail aufmerksam gemacht. Leider finde ich das Video nicht mehr im Internet, sodass ich es nicht zitieren kann. Es war jedenfalls nicht ein Ältester, der darauf hingewiesen hatte (es war eine von den weiblichen Brüdern Christi).

Es ist ein Bild in Kapitel 2 „Ein Feind des ewigen Lebens“ zur Beantwortung der Frage: „Wer ist der Teufel?“

Auf dem Bild wird der Teufel veranschaulicht. Als ich mir damals das Bild angeschaut hatte, sah ich einen Mann im Vordergrund mit einem Säckchen in der Hand, aus dem wertvolle Juwelen heraushängen. Offenkundig hat er gerade in ein Juweliergeschäft eingebrochen. Mit dem Diebesgut in der Hand ist er nun auf der Flucht, während ein Polizist, der gerade aus dem Polizeiauto herausgekommen ist, ihm mit erhobener Hand hinterherrennt.

Die Erklärung zu dem Bild: Dieser Dieb wurde nicht als Dieb geboren, genauso wie der Teufel nicht als Teufel erschaffen wurde.

So wie dieser Dieb auf dem Bild, so muss ich mir also den Teufel vorstellen. Er war einmal ein gerechter Engel und eiferte sogar für Jehova (Hesekiel 28:14, 15). Er war auf Jehovas heiligem Berg, bis Ungerechtigkeit in ihm gefunden wurde. Und heute ist er der Feind des ewigen Lebens, wie aus dem Büchlein hervorgeht.

Ein kleines Detail im Bild verrät uns die Wahrheit

Für mich war die Beute des Diebes einfach nur Schmuck, also etwas, was viel Geld wert ist. Schaut man aber genauer hin, sieht man ein Dreieck, das eine runde Wölbung oder einen Augapfel im Inneren hat. Was ist das? Ein Dreieck mit einem Auge drin. Man kann im Internet nachschauen, welche symbolische Bedeutung es hat. Es ist das „Auge der Vorsehung“ oder auch das allsehende „Auge Gottes“ (siehe Wikipediaeintrag). Du kannst es selbst im Internet recherchieren. Laut Wikipedia soll das Dreieck auf die Trinität verweisen.

Aber was soll uns das sagen? Was hat sich der Zeichner dabei gedacht, hier nicht einfach nur Schmuck zu zeichnen? Das Letztere wissen wir nicht, aber Jehova konnte den Zeichner geführt haben, vielleicht sogar, ohne dass dieser es wusste. Er könnte ihn inspiriert haben (siehe den Beitrag Prophetie oder Wissenschaft?). Wenn das der Fall war, dann muss es auch eine Bedeutung haben:

Wenn ein Zeuge Jehovas nun eine „schwere Sünde“ begangen hat, dann hat er ein schlechtes Gewissen. Er sollte sie Jehova im Gebet bekennen und bereuen und Jehova fragen, was er zur Wiedergutmachung tun kann. Nur Jehova kann vergeben. Nun aber werden Zeugen Jehovas aufgefordert, zu den Ältesten zu gehen, um ihnen alles zu sagen. Sie bilden ein aus drei Ältesten bestehendes Rechtskomitee (oder Dreieinigkeitskomitee, siehe den Beitrag Inseln und Sekten und wie sie aufgelöst werden). Der Missetäter muss ihnen alles sagen, selbst die intimsten und privatesten Dinge. Sie verhängen dann die Auflagen oder sie schließen ihn aus, wenn ihrer Meinung nach keine aufrichtige Reue vorhanden ist.

Ich berichtete, wie die Rosa zu den Ältesten ging, um ihnen alles zu sagen und ihre Privatsphäre preiszugeben. Und wie sie meine privaten Briefe den Ältesten übergab, nachdem sie mich aufgefordert hatte, selbst zu den Ältesten zu gehen, und ich es nicht getan hatte.

Vor Jehova stehen wir nackt da, aber auch vor den Ältesten? Die Ältesten sind die Diebe! Sie haben das allsehende Auge Gottes begehrt! Dazu hat man die Glaubensbrüder so belehrt, dass sie den Ältesten alles sagen müssten. Sie müssen alles wissen, um die Versammlung rein zu erhalten. Dazu müssen sich notfalls die Glaubensbrüder gegenseitig verraten.

Ein Dieb auf der Flucht, gefolgt von einem Polizisten, der mit erhobener Hand ihm hinterherrennt, um ihn zu fassen. Der Dieb hat das Diebesgut in der Hand, das dem Anschein nach aus Juwelen besteht.
Der Dieb auf der Flucht vor der Polizei
Was will das Bild uns sagen?

Der Dieb ist also offenkundig ein Ältester von Jehovas Zeugen. Er begehrt nicht Geld oder Reichtum, sondern das, was nur Jehova zusteht. Er möchte über seinen Mitbruder alles wissen, um damit Gottes Urteile zu verkünden. Er wird direkt mit dem Teufel verglichen. Vielleicht war er ursprünglich ein eifriger Glaubensbruder, der sich sozusagen auf Jehovas heiligem Berg befand. Er wurde nicht als Dieb geboren, wie der Teufel nicht als „Teufel“ erschaffen wurde. Satan, der Teufel, wurde zu dem, was er heute ist, als er anfing, Dinge zu begehren, die nur Jehova zustehen.

Der Polizist könnte ein Anwalt oder ein Richter sein, der zum Beispiel einen Fall von Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen zu behandeln hat und hierzu auch Älteste und die Vertreter der Organisation, die Angeklagte sind, befragen muss. Wie reagieren die Verantwortlichen der Organisation, wenn schwere Klagen von der Justiz gegen sie erhoben werden? Sie haben ihre Fluchtmethoden.

Fluchtmethoden

Die Glieder der leitenden Körperschaft ziehen sich aus der Affäre, indem sie die Verantwortung an andere abgeben. Die Versammlungsältesten gehen führend voran, wie David Splane betonte (siehe oben). Damit die Versammlungsältesten führend vorangehen können, haben sie sich zu ihren Dienstleistern gemacht, die sie mit den nötigen Mitteln ausstatten, damit sie über ihre Glaubensbrüder thronen können. Sie bekommen von ihnen Stoff für ihre Veranstaltungen und ihre Bühnenauftritte und einen Rechtsrahmen für ihr Vorgehen. Dadurch legitimieren sie die Herrschaft der Ältesten. Außerdem haben sie ihre Gruppenlehre, nach der sie nicht als Einzelpersonen, sondern als Gruppe die leitende Körperschaft bilden (siehe dazu den Beitrag „Die Gruppenlehre„).

Die Ältesten, die von der leitenden Körperschaft und der Organisation versorgt werden, legitimieren ihr Vorgehen mit Gehorsam gegenüber „Jehovas Organisation“ und der leitenden Körperschaft, die den in der Bibel genannten „treuen und verständigen Sklaven“ bildet. Somit machen sie für alles letztlich Jehova verantwortlich. Jehova kann natürlich von keiner weltlichen Justiz belangt werden. Auch die Ältesten bilden oft Gruppen in Form von verschiedenen Komitees oder die ganze Ältestenschaft. Auch sie wenden die Gruppenlehre an. Dadurch machen sie sich für Kritik und Einwände ihrer Glaubensbrüder unerreichbar. Denn wenden sich Glaubensbrüder an einen Ältesten, kann er nichts tun, weil er als Einzelperson nichts zu sagen hat, sondern nur die Gruppe (siehe auch die Deutung von Kafkas Geschichte „Das Schloss“).

Verantwortung übernehmen

Was schon Kinder verstehen …

Es war vor sehr vielen Jahren, als ich noch ganz jung war und zur Schule ging, als sich Folgendes nicht besonders Ungewöhnliches zutrug:

Ein Schüler wurde vom Lehrer zur Rede gestellt, weil dieser etwas Verkehrtes getan hatte. Daraufhin rechtfertigte sich der Schüler, indem er meinte, ein anderer Schüler hätte ihm gesagt, dass er das tun soll. Daraufhin antwortete ihm der Lehrer ungefähr so:

„Wenn er zu dir gesagt hätte, ‚spring in den Neckar‘, hättest du es dann auch getan?“

Der Neckar ist ein Fluss, der durch Stuttgart fließt. Damals war er sehr stark verschmutzt und stank. An manchen Stellen sind regelrecht Gasblasen von Faulgasen emporgestiegen. Da wäre man nicht im Traum auf die Idee gekommen, da hineinzuspringen. Das wäre ein Albtraum gewesen.

Natürlich hatte der Schüler verstanden, was der Lehrer damit sagen wollte, denn das zu verstehen ist eigentlich kinderleicht. Und wir waren ja noch Kinder, vielleicht am Anfang der Pubertät. Ich habe es auch verstanden und es blieb mir bis heute in Erinnerung, obwohl eine solche Auseinandersetzung zwischen Lehrer und Schüler etwas ganz Alltägliches ist. Der Lehrer akzeptierte die Ausrede des Schülers jedenfalls nicht.

… verstehen auch Jehovas Zeugen?

Und wie ist es bei Jehovas Zeugen? Nehmen wir an, Jehova würde einen Glaubensbruder (oder eine Glaubensschwester) fragen, warum er (oder sie) sein eigenes Kind gemieden hat. Oder warum er seine eigenen Eltern gemieden hat. Er (oder sie) würde darauf antworten: „Die Ältesten haben mir gesagt, dass ich sie meiden soll!“ (z. B. weil sie von dem aus drei Ältesten bestehenden Rechtskomitee ausgeschlossen wurden). Dann würde Jehova wie der Lehrer sagen: „Wenn sie zu dir gesagt hätten: ‚Komm nackt in die Zusammenkunft der Versammlung‘, hättest du das auch getan?“
Man tut doch am Ende nur Dinge, die man halbwegs als annehmbar betrachtet, vielleicht um sich selbst zu gefallen. „Ich meide meinen Familienangehörigen, auch wenn es mir schwerfällt. So empfehle ich mich als heilige Dienerin, die gehorsam das tut, was von ihr verlangt wird, denn das ist die heilige Pflicht.“

Jehova lässt diese Ausrede sicher nicht gelten, genauso, wie der Lehrer die Ausrede des Schülers nicht gelten ließ.
Aber die Ältesten haben uns doch unter Druck gesetzt. Es gab so viel Gruppenzwang, das zu tun, was sie sagen. Außerdem haben sie es so dargestellt, als ob Jehova das fordert.

Denken wir doch an die Glaubensbrüder und ‑schwestern, die in einer totalitären Diktatur den Forderungen eines Diktators widerstanden haben, um nur das zu tun, was für Jehova annehmbar war. Oft waren sie ganz allein, aber sie haben sich immer an das gehalten, was ihr Gewissen ihnen sagt. Über einen so schlimmen Diktator wie Hitler wurde gesagt, dass er durch Gottes Vorsehung an die Macht gekommen wäre. Darauf fielen sie nicht herein. Sie haben für sich selbst beschlossen, standhaft zu bleiben, auch ohne die Vorgaben von Menschen, die ihnen ihre Vorstellungen aufdrängten. Jesus Christus ist unser Vorbild. Er widerstand jedem Gruppenzwang, egal, von wem er ausging.

Ein echter Zeuge Jehovas hat darum dem Gruppenzwang zu widerstehen, egal, ob dieser von außen oder von innen kommt. Und vor Menschen sollte er nicht zittern (Sprüche 29:25).

Hast du es wirklich für richtig gehalten, dein eigenes Kind zu meiden? Hast du es wirklich für richtig gehalten, deine eigenen Eltern zu meiden, obwohl doch in der Bibel steht: „Du sollst Vater und Mutter ehren“? Oder wolltest du wirklich nicht wissen, wie es deinem Kind geht, das ausgeschlossen wurde? Wolltest du wirklich nicht wissen, wie es deinem ausgeschlossenen Freund geht? Hast du das als Liebe betrachtet? Und wenn dein Kind wegen seiner traumatischen Erlebnisse als Ausgeschlossener und von den eigenen Eltern Gemiedener psychisch krank wurde? War es dir egal?

Verstehen es die Aussteiger?

Manche sind wegen schlechter Dinge, die sie erlebt haben, selbst ausgestiegen. Einige der Aussteiger haben danach keinen Glauben mehr an Jehova. Sie sagen: „Ich war in einer Sekte!“ Einige von ihnen hatten selbst so gehandelt und haben Ausgeschlossene gemieden oder sogar die eigenen Familienangehörigen. Sind sie heute bereit, die Verantwortung für ihre eigenen Taten zu übernehmen, statt sie auf einen abstrakten Sektenbegriff abzuwälzen? Eine Organisation besteht immer aus Menschen. Sie ist so gut oder so schlecht wie die Menschen darin.

Wenn es wirklich so ist, dass die Ältesten dich dazu gebracht haben, übel zu handeln, warum betrachtest du sie immer noch eher als Freunde, während für dich Gott an allem schuld ist, sodass du nicht mehr an ihn glaubst? Jehova ist nicht verantwortlich für üble Taten von Menschen. Wenn Menschen so dreist geworden sind, dass sie die Stellvertreter Gottes spielen, warum diese nicht vollständig meiden?

Wir müssen uns von dem ganzen Filz vollständig befreien. Dann begreifen wir, dass Jehova keine Schuld hat. Er hat sogar alles vorausgesagt. Er möchte ein solches Religionsgebilde, das als Babylon die Große und als Mutter der Huren und der abscheulichen Dinge der Erde bezeichnet wird, für immer verwerfen (siehe Offenbarung 17 und 18). Es soll wie ein schwerer Mühlstein mit Schwung ins Meer gestürzt werden, ohne ein Wiedersehen (Offenbarung 18:21). Wer sagt: „Du musst ein Teil der Organisation sein, um gerettet zu werden“, sollte nach Jesu Worten an einen Mühlstein gebunden ins offene Meer geworfen werden (siehe Markus 9:38-42), denn er steht für Babylon die Große.

Wie distanziert man sich von aller Schlechtigkeit der Organisation?

Manche Aussteiger schreiben einen Brief an „zuständige“ Älteste, in dem steht, dass sie keine Zeugen Jehovas mehr sein wollen. Sie bitten darum, aus ihrer „Liste“ gestrichen zu werden. Die Diebe freuen sich, denn sie haben dreifach Beute gemacht.

Dadurch, dass du an Älteste schreibst und sie für „zuständig“ hältst, bestätigst du sie in ihrem anmaßenden Anspruch, die Stellvertreter Gottes auf Erden zu spielen. Ein echter Zeuge Jehovas hat sich Jehova Gott allein hingegeben, nicht einer Organisation und nicht einem Werk. Nur Jehova allein ist zuständig, unser Anliegen entgegenzunehmen.

Zweitens bestätigst du damit den anmaßenden Anspruch der Diebe, dich als Mitglied einer Organisation zu zählen. Genau das wollten wir aber nicht mehr sein. Darum sind diejenigen, die vorher Mitglied einer religiösen Organisation oder Kirche waren, vor ihrer Taufe als Zeuge Jehovas da ausgetreten. Um Babylon die Große zu verlassen, musste man aus der organisierten Religion austreten.

Drittens bestätigst du den von ihnen vorgegebenen Weg für Personen, die Option 2 im dualen Gefängnis wählen wollen. Denn die Diebe bieten dir zwei Optionen an: Option 1: „Der Organisation und Jehova treu bleiben.“ Option 2: „Die Organisation und Jehova verlassen, sein Hingabegelübde aufgeben.“ In Wirklichkeit muss man sich aber von der Organisation distanzieren, um Jehova treu bleiben zu können und der biblischen Anweisung aus Offenbarung 18:4 Folge zu leisten! Hier trifft die Veranschaulichung eines Ältesten zu: „Wenn man mit dem Arbeitgeber nicht zurechtkommt und in Konflikt geraten ist, muss man sich deshalb nicht von seiner Frau trennen.“ Aber man kann sich natürlich von der Firma trennen, oder? Warum also seine Freundschaft mit Jehova aufgeben wollen, nur weil üble Dinge in der Organisation geschehen? Man kann sich aber von der Organisation distanzieren. Und das muss man auch, um weiterhin an seinem Hingabegelübde festhalten zu können.

Wenn man dann von ihnen gehasst und für böse erklärt wird, geht man den Weg, den auch Christus gegangen ist. Wir müssten dann nur unseren Glauben bewahren wie Christus, der sich dem übergab, der gerecht richtet. Denn Jesus wusste durch das prophetische Wort, dass es so kommen muss und er ausgeliefert und an einen Pfahl geheftet wird. Und auch wir können uns durch ein Bibelstudium davon überzeugen, dass die Dinge so kommen müssen, dass die Schlechtigkeit in der Organisation ständig überhandnimmt. Wenn wir dem prophetischen Wort glauben und uns darauf berufen, dann werden wir gerettet. Aber die Diebe sind aus ihrem Vater, dem Teufel, wie die Pharisäer in Jesu Tagen, und werden bestimmt ihr Ende finden (Matthäus 23:33; Jesaja 41:11-13).

Die Belehrung von der Organisation gab uns klare Hinweise

Ist die Belehrung von der Organisation denn schlecht gewesen? Sind wir nicht ausgerüstet worden, um jeden Betrug entlarven zu können? Das war der Grund für meine Freude, die ich hatte, als ich im Bethel am Dreischneider arbeitete (siehe oben). Außerdem denke ich an eine großartige Rede auf dem Bezirkskongress 2009 „Wacht beständig“. Der Vortragsredner betonte, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben. Er sagte auszugsweise:

… Kurz vor Sonnenaufgang gibt es eine besondere Müdigkeitsphase und nicht selten sind Wächter dann eingeschlafen. Aber die Bewohner, die wähnten sich in Sicherheit. Wir haben ja Wächter, die passen schon auf. Und außerdem, es ist ja noch nie irgendetwas passiert. …

Eine bemerkenswerte Parallele sehen wir auch bei der Eroberung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. Flavius Josephus berichtet, dass zunächst die Burg Antonia eingenommen wurde, weil die Wächter eingeschlafen waren. Und dann konnten sie über die Burg in das Tempelgebiet gelangen. … Warum wurde diese Festung eingenommen? Weil die Wächter eingeschlafen waren! Sie haben nicht beständig gewacht, aber wir, wir werden das tun!

Der Teufel möchte alle Menschen einlullen. Einlullen, was bedeutet das? Gemäß einem Synonymen-Wörterbuch wird auch gesagt: einschläfern. Einschläfern, das ist nicht nur ein Einschlafen, aus dem man wieder aufwachen kann. Nein, Satan möchte uns so weit bringen, dass wir nicht mehr aufwachen, dass wir tot sind. Und welche intensive Warnung ließ Jesus dazu ergehen? Mit Nachdruck warnte er dreimal vor dem Herrscher der Welt. Zunächst Johannes 12:31: Der Herrscher dieser Welt wird hinausgeworfen werden. Und wenn jemand hinausgeworfen wird, dann hat man keine gemeinsame Sache mit ihm! Und das wollte Jesus sagen: Passt auf, dass ihr mit dem Teufel keine gemeinsame Sache macht! In Johannes 16:11 sagt er: Weil der Herrscher dieser Welt gerichtet worden ist. Warum wollen wir keine gemeinsame Sache mit dem Teufel machen? Weil er gerichtet wird und wir bei gemeinsamer Sache auch gerichtet würden …

Ist seine Argumentationsweise nicht klar und völlig logisch? Unser Widersacher, Satan, der Teufel, dringt in die Glaubensgemeinschaft ein, weil die Wächter, also diejenigen unter uns, die gesagt haben: „Wir wollen wachsam sein und dafür sorgen, dass die Glaubensgemeinschaft intakt bleibt“, eingeschlafen sind. Dann sind unsere Widersacher innen und die Irreführung und der Gruppenzwang kommen von innen. Wenn man dann nicht wachsam ist, lässt man sich durch die indoktrinierende Propaganda einlullen, sodass man schläft und gar nichts mehr merkt. Dann macht man gemeinsame Sache mit dem Teufel und dann wird man von Jehova gerichtet, weil der Teufel bereits gerichtet worden ist.

Und genau diese Dinge sind schon längst geschehen. Der gut gemeinte Appell „Sie haben nicht beständig gewacht, aber wir, wir werden das tun!“ hat leider nichts genutzt. Aber wir sind durch solche Vorträge gewarnt worden. Warum also der Organisation Vorwürfe machen? Stattdessen müssen wir die volle Verantwortung für unsere Missachtung solcher Warnungen und für alles, was wir dann an üblen Dingen getan haben, übernehmen! Siehe dazu auch die Kafka-Auslegung Vor dem Gesetz.

Die Lehre aus Irsee

Beachten wir eines: Jehova sieht nicht nur das Leid seiner Anbeter in der jetzigen Organisation. Die Christenheit mit ihren Kirchen gibt es schon seit knapp 2000 Jahren. Und was ist in dieser Zeit wohl alles geschehen!

Angefangen hat mein Werdegang als Zeuge Jehovas mit der Besichtigung einer Klosterkirche in Irsee, wie eingangs berichtet. Ich merkte, dass Menschen motiviert durch ihren Glauben, vieles getan haben. Doch Diebe, die Geistlichen der Christenheit, sind zu ihren Besitzern geworden, und sie haben all ihre Werke in ihren Besitz genommen. Über Jahrhunderte hinweg haben die gläubigen Menschen unter den Dieben gelitten. Das hat Jehova alles in seinem Gedächtnis. Er kennt bestimmt jeden, der ihn wirklich ehren wollte.

Doch auch heute haben die Geistlichen alles in ihrem Besitz. Das hat zur Folge, dass man bei der Besichtigung einer alten, prunkvoll ausgestatteten Kirche normalerweise nicht mal über den Glauben der Menschen, die sie gebaut haben, nachdenkt. Denn sie gehört scheinbar den heute lebenden Geistlichen und ihrer Kirche. Nur weil es mir in der Bildungsstätte Irsee anders erschien, machte ich mir Gedanken.

Darum: Macht aus allen Kirchen eine Gedenkstätte und ein Bildungszentrum wie in Irsee. Die heutigen Geistlichen vertreten nur die Diebe, die alle ausgebeutet haben, die den Schatz vor Augen gehabt haben und denen von Gott Zugang gewährt wurde.

Die Geistlichen dürfen die großen Kirchenhäuser nicht mehr als ihren Besitz betrachten. Bis heute sind die Menschen magisch an ihre Besitzer gebunden. Darum kennen sich die meisten Kirchgänger überhaupt nicht in der Bibel aus. Denn sie wollen sich lieber von ihren Geistlichen sagen lassen, was sie glauben sollen, statt selbst in der Bibel zu forschen. Darum bleiben die Namenschristen ohne Erkenntnis zurück.

Gemäß dem, was in Jeremia 12:14-17 prophezeit wurde, hat Jehova die Kirchen der Christenheit „ausgerissen“ und sich erbarmt, indem er jene, die sich den ernsten Bibelforschern angeschlossen hatten, wieder zurückgeführt hat in ihr geistiges Land und zu ihrem Erbbesitz (den Schatz).

Wenn sie dann aber wieder Jehovas Volk lehren, bei Baal zu schwören, will Jehova diese Nation (oder Organisation) auch ausreißen und sie vernichten! Wie wir gesehen haben, sind die Ältesten wirklich Besitzer (Baal) ihrer Glaubensbrüder, denn man muss ihnen sogar die privatesten Dinge preisgeben. Diese verlangen immer Gehorsam und entscheiden mit ihren Zuteilungen, was man im Dienst für Jehova tun darf. Statt dem eigenen Gewissen zu folgen, folgt man den Regeln und Vorgaben der Ältesten. Darum muss Jehova wie prophezeit diese Organisation vernichten!

Gott bleibt wahrhaftig

Jehovas Zeugen hatten vor vielen Jahren ein Büchlein herausgebracht mit dem Titel: „Gott bleibt wahrhaftig“. Gleich im ersten Kapitel „Gott werde als wahrhaftig erkannt“, wird Folgendes gesagt:

Um DAS Vertrauen intelligenter lebender Geschöpfe zu gewinnen, muß Gott wahrhaftig sein. Er muss sein versprechen treu halten, muß in seinen Prophezeiungen zuverlässig sein und in Einklang mit wissenschaftlich nachgewiesenen Tatsachen handeln. Einen solchen Gott der Wahrheit gibt es. Doch nicht nur seine ausgesprochenen Feinde haben ihn zu verunehren gesucht, sondern auch die meisten jener, die seine Diener, Priester und Prediger zu sein behaupten. Solche religiösen Heuchler sind so weit gegangen, daß sie sich in ihren Worten und ihrer Weisheit, in ihren Philosophien, Voraussagen und Plänen dem Wort Gottes, seinem Gesetz und seinem Vorhaben entgegenstellten.

Buch: Gott bleibt wahrhaftig, Kapitel 1; herausgegeben von Jehovas Zeugen; Erstveröffentlichung in Englisch: 1946

Man hat klar erkannt, dass Menschen, die als Geistliche vorgaben, Gott zu vertreten, nur Lügen über Gott verbreitet haben, um ihn zu entehren. Aber das ändert nichts an Gottes Wahrhaftigkeit. Er selbst ist nicht für die Lügen der Menschen verantwortlich. Allein seine Schöpfung, das Universum zeigt uns seine Wahrhaftigkeit (siehe den Beitrag: Universum und Demut und Unparteilichkeit).

Gemäß den Worten von Paulus in Römer 3:1-6 ändern all die Schmähungen und Lügen, die Menschen über Gott verbreitet haben, nichts! Das haben wir gesehen und davon berichtet diese Abhandlung. Der Schatz, die Rechtsgrundlagen, die von Gott kommen, bleiben sicher und fest, egal, was die Ältesten der Zeugen Jehovas getan haben, um viel Verwirrung zu stiften. Um die Erfahrungen mit den Ältesten nochmal zusammenfassend zu erwähnen:

Die Ältesten fingen an, über ihre Glaubensbrüder zu herrschen. Und die Glaubensbrüder wissen: Wenn die Ältesten den Daumen hoch machen, also wohlwollend mit dem Kopf nicken oder Formulare unterschreiben, dann dürfen sie sich taufen lassen, dürfen „Vorrechte“ wie den Pionier- oder Betheldienst wahrnehmen. Wenn die Ältesten den Daumen runter machen, dann werden sie nicht zur Taufe zugelassen, bekommen keine „Vorrechte“ und werden plötzlich aus einem Dienstverhältnis wie dem Betheldienst entlassen. Und dann sagen sie, es ist der Daumen Jehovas. Jehova hat so entschieden. Jehova handelt eben so treulos mit seinen Dienern und verwirft sie nach jahrzehntelangem Dienst ohne Lohn und ohne eine Abfindung.

Damit sie den Daumen Gottes benutzen dürfen, müssen sie alles wissen, selbst die intimsten Geheimnisse ihrer Mitbrüder, um ihre Sünden zu behandeln und sie zu verurteilen. Dann sind sie das Auge Gottes. Dann sehen sie sich autorisiert, jemandem den Garaus zu machen, ihn auszuschließen und von allen zu verlangen, dass sie den Ausgeschlossenen vollständig meiden, ihn für geistig tot anzusehen.

Wenn sie dann angeklagt werden, nutzen sie ihre raffiniert ausgeklügelten Fluchtmethoden. Damit leiten sie die Klagen gleich an Jehova weiter. Er soll die Verantwortung übernehmen. Denn es ist ja seine Organisation. Oder er muss sich mit seinen fehlerhaften, unvollkommenen Dienern begnügen, denn er hat ja keine anderen. Dann reden sie von Frieden und Sicherheit.

Viele wenden sich dann von Jehova ab, wollen nicht mehr an ihn glauben. Doch Jehova bleibt wahrhaftig. Er bleibt bei seinem Wort, an das ja auch die ernsten Bibelforscher und Zeugen Jehovas geglaubt haben. Er richtet Babylon die Große, die Organisation der Diebe! Da es bei ihm keine Parteilichkeit gibt, macht er auch keinen Unterschied zwischen den Geistlichen der Kirchen der Christenheit und den Ältesten der Zeugen Jehovas. Allein ihre Handlungsweisen zählen. Weil sie ihn falsch dargestellt haben, verwirft er sie für immer, wie er es in seinem Wort angekündigt hat. Nachdem sie von Frieden und Sicherheit geredet haben, soll die plötzliche Vernichtung über sie kommen. Sie werden keinesfalls entrinnen.

Autor: Bernd Oelschlägel, niedergeschrieben 2022-2023

Text ohne Bilder, Fotos und Briefe: CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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