Was genau hat Jesus mit einer Sünde gemeint, die nicht vergeben wird? Müssen wir ständig Angst haben, sie zu begehen? Wer sollte sich fürchten und welche Konsequenzen ergeben sich für uns?
Manche Zeugen Jehovas laufen ständig in Furcht und Sorge herum, die unvergebbare Sünde zu begehen oder schon begangen zu haben. Schließlich wird sie auch als „Lästerung gegen den Geist“ bezeichnet. Und wer von uns hat nicht schon mal in Gedanken geflucht oder gelästert? Für andere Menschen existiert sie nicht. Wieder andere treten selbstsicher auf und übernehmen die Führung in einer Glaubensgemeinschaft, in der man diese Sünde fürchtet.
Hier hilft genaue Erkenntnis der Wahrheit, um abergläubischen Vorstellungen und falschen Ängsten entgegenzuwirken. Gleichzeitig hilft sie, die wahre Problematik zu verstehen, um die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Aber gleich zur Beruhigung. Das, was Jesus gemeint hat, hat nichts mit einer spontanen Äußerung oder eines spontanen Gedankens zu tun. Es hat nicht mit etwas zu tun, was wir aus Druck von außen oder von innen, etwa wegen sexueller Bedürfnisse, sagen oder tun. Vielmehr ist es das Endergebnis einer Geisteshaltung, die elementares logisches Denken verwirft, um selbst bei einer klaren verurteilenden Beweislage immer die Oberhand zu bewahren.
Dies soll nun im Folgenden genau begründet und definiert werden, damit wir genau wissen, worauf wir achten sollten. Denn bei aller Beruhigung ist es ein sehr ernstes Thema, das klare Konsequenzen nach sich zieht, wie wir auch sehen werden.
Wie durch die Drohkulisse bei Jehovas Zeugen Macht ausgeübt wird
In der Literatur der Zeugen Jehovas stellt man die Sünde gegen den Geist, die nicht vergeben wird, oft so dar: Wenn wir gegen die Machttaten des heiligen Geistes lästern, dann würden wir diese Sünde begehen. Doch was sind die Machttaten und was ist der heilige Geist?
Das Problem: Wenn uns dann gesagt wird, auf den Kongressen und in den Versammlungszusammenkünften der Zeugen Jehovas würde der heilige Geist wirken, dann können wir schon nichts Lästerliches gegen die Versammlungszusammenkünfte oder Kongresse sagen. Denn wir haben Angst, sonst gegen den Geist zu lästern. Das wiederum führt dazu, dass wir eingeschüchtert sind. Auf diese Weise kann man über und herrschen.
Wenn sie uns sagen, wir müssten alle Zusammenkünfte besuchen, weil dort der heilige Geist Jehovas ist, dann getrauen wir uns nicht zu widersprechen. Denn aus Furcht vor der unvergebbaren Sünde getrauen wir uns nicht, auch nur darüber nachzudenken, wer uns in diesen Zusammenkünften wirklich beeinflusst. Und so haben die Ältesten, die uns dort mit ihren vielen Reden ständig bearbeiten, volle Macht über uns. Stundenlang können sie Woche für Woche auf uns einreden, denn wir getrauen uns nicht, dort nicht hinzugehen.
Lästerung gegen den Geist, was ist das in Wirklichkeit?
Um uns von den falschen Vorstellungen zu befreien, untersuchen wir nun etwas genauer, was Jesus meinte. In Johannes 15:26 finden wir eine genauere Beschreibung, was Jesus unter „Geist“ versteht:
Wenn der Helfer gekommen ist, den ich euch vom Vater her senden will, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, wird dieser Zeugnis von mir ablegen
Johannes 15:26; NWÜ 1986
Hier ist von dem Geist der Wahrheit die Rede. Er ist also nichts Abstraktes, sondern ganz konkret das, was uns befähigt, die Wahrheit zu erkennen. Und das ist unser logisches Denkvermögen und die Möglichkeit, durch logisches Denken eine unwahre Behauptung von einer wahren bewiesenen Aussage oder Tatsache unterscheiden zu können.
Betrachten wir dazu die konkrete Begebenheit, in der die Pharisäer eine Argumentation an den Tag legten, die Jesus mit der „Lästerung gegen den Geist“ in Verbindung brachte. Man findet sie in Matthäus 12:22-32.
Jesus heilte in dieser Zeit nicht nur Kranke, er trieb auch Dämonen aus. Er heilte also Menschen, die in besonderer Weise unter die Macht Satans geraten waren. Nun argumentierten die Pharisäer:
„Dieser Mensch treibt die Dämọnen nicht anders aus als durch Beelzebub, den Herrscher der Dämọnen.“
Matthäus 12:24; NWÜ 1986
Das ist eine völlig absurde Argumentationsweise. Hätte Jesus nur Kranke geheilt, könnte man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Herrscher der Dämonen oder der Teufel seine Macht nutzt, um sein Image aufzupolieren. Nun aber werden Menschen von dem Einfluss der Dämonen und damit vom Teufel befreit und das nach Meinung der Pharisäer vom Teufel selbst. Viel unlogischer könnte man nicht argumentieren.
Und diese Unlogik bringt Jesus mit der Sünde gegen den Geist in Verbindung, die nicht vergeben wird. Es geht nicht um die Machttaten selbst, sondern die Missachtung des klaren Beweises, der in diesem Fall durch Jesu Machttaten geliefert wurde (Gegenbeispiel zu Machttaten: Matthäus 7:22, 23). Die Pharisäer wollten unbedingt recht behalten. Und so verwarfen sie sogar jeden sicheren Beweis, der gegen sie sprach.
Veranschaulichung
Wie kann man das vergleichen? Nehmen wir an, eine Fußballmannschaft ist im Begriff zu verlieren. Sie brauchen noch dringend ein Tor, aber es ist kurz vor dem Schlusspfiff. Da fangen sie an, mit den Händen zu spielen und Handball daraus zu machen. Sie werfen sich wie bei Handball die Bälle zu und werfen ein Tor. Der Schiedsrichter steht mit offenem Mund da. Er hat gar nicht so viele Rote Karten in der Tasche und die ganze Mannschaft rechtfertigt sich und erkennt den Schiedsrichter nicht an. Sie hätten ihre Fans versprochen, das Spiel zu gewinnen und ihr Gegner hätte sie dazu genötigt, mit den Händen zu spielen, weil sie nur so gewinnen konnten.
Ich glaube, mit so einer verrückten Mannschaft könnte niemand auch in Zukunft irgendetwas anfangen.
Und deshalb sollte man sich nicht wundern, wenn Jesus von einer unvergebbaren Sünde spricht. Was wir aus Irrtum verkehrt machen, kann alles vergeben werden. Schließlich hat Gott Zeit eingeräumt, damit den Menschen klar wird, dass Menschenherrschaft nicht funktioniert. Wenn das aber sicher bewiesen ist, kann die verheißene neue Welt kommen. Wer aber Beweise nicht anerkennen will, mit dem kann Gott nichts anfangen. Das ganze Universum ist auf der Grundlage logischer Gesetzmäßigkeit gegründet. Es gibt kein Naturgesetz, das sich selbst widerspricht.
Eine folgenschwere Dreistheit eines Ehepaares
Ein weiteres Beispiel wird in der Bibel in Apostelgeschichte 5:1-11 erwähnt. Das war eine besondere Zeit, in der die Christenversammlung gegründet wurde. Jesu Jünger waren bereit, alles, was sie hatten, zu entäußern, um rückhaltlos den Weg des Christus zu gehen.
Das taten angeblich auch Ananias und Sapphira, seine Frau. Sie wollten zu den Menschen gehören, die rückhaltlos Jesu Nachfolger werden, die im Geist Jesu wandeln (Lukas 18:22). Dazu verkauften sie ein Feld, um den ganzen Erlös den Aposteln zu Füßen zu legen. Gleichzeitig hatten sie aber ein Teil ihres Erlöses heimlich behalten. Das ist ungefähr so, wie wenn man dasselbe Geld für unterschiedliche Zwecke zweimal ausgeben möchte.
So haben sie ebenfalls mit Unlogik gearbeitet für doppelten Gewinn. Hätten sie gesagt, dass sie eben ein Teil selbst behalten wollten, wäre das ja kein großes Problem, nur dass sie dann nicht im Geist Jesu gewandelt wären und keinen Segen hätten erwarten können. Sie hatten auch gelogen, aber die Lüge allein ist es noch nicht. Wer eine Notlüge spricht und danach sich schuldig bekennt, wenn sie auffliegt, hat noch nichts so Schlimmes getan.
Nun hatten sie wirklich mit voller Absicht die Unlogik genutzt. Das war die Sünde gegen den Geist. Denn es gab kein Zurück von ihrer Behauptung, alles gegeben zu haben, da sie es direkt ins Angesicht der Apostel Jesu geredet hatten, um von ihnen gesegnet zu werden. Hätte man das zurückbehaltene Geld gefunden, hätten sie den Widerspruch stehen gelassen ohne Reue.
In diesem Fall starben die beiden sogleich. Jehova wollte hier wohl zu Beginn der Christenversammlung ein Beispiel und Präzedenzfall setzten.
Aber damit das uns klarer wird, betrachten wir nun Beispiele von heute.
Die unvergebbare Sünde heute
Wenn wir an die heutige Zeit denken, fallen uns Personen ein, die bewiesene Tatsachen leugnen, die zum Beispiel behaupten, die Erde sei eine Scheibe oder so ähnlich. Auch das geht in diese Richtung und man kann mit solchen Leuten meist nichts mehr anfangen. Sie wollen auf keine logischen Argumente mehr hören. Trotzdem wollen wir uns jetzt auf Beispiele von religiösen Menschen der Christenversammlung konzentrieren, denn die biblischen Beispiele haben ja auch alle einen Bezug zu Christus.
In der Versammlung der Zeugen Jehovas
Genau genommen haben wir schon Beispiele in dem Beitrag „Inseln und Sekten“ angedeutet.
Es war in der Zusammenkunft am Sonntag, den 25.06.2017 beim Wachtturmstudium zum Artikel: Teilst du Jehovas Empfinden für Gerechtigkeit? Absatz 10 und 11 in der Studienausgabe April 2017.
Es ging in den Absätzen darum, demütig alle Entscheidungen der Ältesten zu akzeptieren, auch wenn man sie sehr ungerecht und falsch findet und sie nicht versteht. Der Wachtturmstudienleiter selbst brachte es dann mit folgenden Worten auf den Punkt:
Und damit kann natürlich, dessen müssen wir uns auch alle bewusst sein, die Entscheidung zum Beispiel von einem Rechtskomitee falsch sein. Weil sie nicht ins Herz schauen können. Sie war aber in diesem Moment richtig, weil diese Brüder alles getan haben unter dem Geist Jehovas, was sie tun können.
Kommentar des Wachtturmstudienleiters
Die Entscheidung eines Rechtskomitees (bestehend aus drei Männer, die überlegen, ob man den Missetäter ausschließen soll) kann also falsch sein. Warum? Logisch, weil es nur drei gewöhnliche Menschen sind, die nicht ins Herz ihres Kandidaten schauen können. Hat man nicht gesagt, dass die Entscheidung eines Gemeinschaftsentzugs von Jehova kommt, der ins Herz schauen kann? Natürlich! Darum soll man die Entscheidung demütig akzeptieren. Die Brüder haben alles getan unter dem Geist Jehovas, was sie tun können. Wie passt das zusammen? Und wie kann eine Entscheidung, die sich später als falsch erweist, in dem Moment richtig gewesen sein? Wenn sich etwas später als falsch erweist, dann war es auch falsch. Nur den sicheren Beweis bekam man erst später.
Er argumentiert hier klar mit Unlogik. Das ist die Lästerung gegen den Geist!
Oder soll man das nicht so streng sehen? Es ist eben nicht nur ein Wort, sondern die Methode, mit der man Menschen dazu bringt, ihre eigenen ausgeschlossenen Eltern oder ihre eigenen ausgeschlossenen Kinder zu meiden! Und das tun sie womöglich, selbst wenn sie ihren Familienangehörigen für unschuldig halten.
Ein anderer Ältester hatte zuvor folgenden Kommentar gegeben:
Es bekommt ein Familienangehöriger eine Zurechtweisung, wird womöglich ausgeschlossen. Wir sagen: „Wir kennen doch unseren Familienangehörigen, wir wissen, dass das nicht stimmen kann. Warum wissen das die Ältesten nicht?“ Und dann ist auch wieder so ein Punkt erreicht, wo man sagt, was mach ich jetzt. Also glaub ich an Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit oder glaube ich daran, dass Jehova das richtig entschieden hat und dass insofern auch die Ältesten das richtig entschieden haben.
Kommentar eines Ältesten (siehe den Beitrag Inseln und Sekten und wie sie aufgelöst werden)
Man soll sein ganzes Gerechtigkeitsempfinden also zurückstellen, indem man argumentiert, dass die Entscheidung, die Älteste getroffen haben, in Wirklichkeit Jehova getroffen hätte. Wenn Gott, der gerecht ist und ins Herz schauen kann, sie getroffen hat, wer bin ich dann, dass ich widersprechen könnte? Soll ich dem Schöpfer des ganzen Universums widersprechen? Und ich muss mich an alle Regeln des Meidens von Ausgeschlossenen halten.
Wenn es aber nur drei gewöhnliche Männer waren, die nicht ins Herz schauen können, die auch meinen Familienangehörigen viel weniger kennen als ich, dann ist die Situation doch völlig anders! Wie könnte ich wegen des Urteils dreier fremder Männer meine eigenen Eltern meiden, obwohl in der Bibel steht: Du sollst Vater und Mutter ehren? Und wie könnte ich meine eigenen Kinder im Stich lassen?
Was zu tun ist
Wir sollten uns im Klaren sein, wie ernst die Situation in den Versammlungen tatsächlich ist. Die Ältesten haben sich zusammengetan, um mit Unlogik über ihre Glaubensbrüder auf verheerende Art und Weise zu herrschen. Wir sahen aber anhand der biblischen Beispiele, dass jemand, der mit Unlogik arbeitet, gegen den Geist der Wahrheit lästert und das ist eine Sünde, die nicht vergeben wird. Hier sagt Jehova: Da ziehe ich eine rote Linie. Wer die überschreitet, hat keine Möglichkeit mehr, auf Vergebung zu hoffen.
Die Ältesten, die schon viele Jahre in diesem Amt tätig waren, haben sicher eine lange Entwicklung hinter sich. Sie hatten schon seid Langem argumentiert, dass alle ihre Entscheidungen von Jehova kommen. Sie haben das genauso mit absoluter Überzeugung ausgesprochen, wie Ananias und Sapphira behauptet hatten, rückhaltlos alles (den ganzen Erlös) gegeben zu haben. Nun aber ist es für sie nicht zu übersehen, wie unzulänglich ihre Entscheidungen sind, wie wenig darin die Führung Jehovas zu sehen ist. Aber sie können nicht zurück. Sie können nicht sagen: Es war ein Irrtum. Es waren unsere falschen Entscheidungen. Jehova hat damit nichts zu tun. Denn schließlich ist ja dadurch, dass ihre Glaubensbrüder ihnen geglaubt haben, unsägliches Leid in den Familien verursacht worden. Und so bleibt die Unlogik für ihre Rechtfertigung.
Damit haben sie ein Endstadium erreicht, in dem es keine Hoffnung für sie mehr gibt. Jehova kann nichts mehr mit ihnen anfangen. Wenn das so ist, müssen wir uns von ihnen zurückziehen und sollten ihnen nicht mehr zuhören. Dazu müssen wir aufhören, die Zusammenkünfte zu besuchen. Auch sollten wir für sie und ihre Versammlung nicht beten. Jehova wird nicht hören (Jeremia 7:16). Er hat Vernichtung beschlossen (Jesaja 25:1, 2).
Wir hatten eingangs gesehen, dass die Furcht vor der unvergebbaren Sünde oft dazu führt, dass Jehovas Zeugen ihre Zusammenkünfte niemals infrage stellen, sondern sie möglichst alle besuchen. Jetzt sind wir zum gegenteiligen Ergebnis gekommen. Wenn wir die unvergebbare Sünde fürchten, sollten wir die Zusammenkünfte nicht besuchen und uns von den Ältesten distanzieren!
Statt sich in diese verheerende Unlogik zu verstricken, ist es immer noch besser, lieber gar nichts mehr für den Glauben zu tun (1. Timotheus 5:8). Oder betrachten wir doch die wunderbare Schöpfung, in der alle Gesetzmäßigkeiten völlig widerspruchsfrei sind.