Hohes Lied – eine Vers-für-Vers-Betrachtung
Wer hätte beim Lesen dieses Bibelbuches gedacht, dass es die Erfahrungen in Verbindung mit dem Glauben und der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas widerspiegelt? Bin ich gottergeben oder einer Organisation ergeben? Liebe ich Jehova Gott oder die Organisation? Folge ich meinem eigenen biblisch geschulten Gewissen oder befolge ich Anweisungen von einer Organisation? Das ist der Konflikt, um den es hier geht.

aufgeschrieben im Jahr 2016

Hohes Lied Kapitel 1

Hohes Lied 1:1 – Einleitung

Dieses Lied oder diese Geschichte wird als das erhabenste Lied bezeichnet. Es liest sich wie eine Liebesgeschichte. In zahlreichen Filmen, Büchern und Theateraufführungen ist eine Liebesgeschichte das Hauptthema. Aber warum wird nun diese in der Bibel aufgezeichnete Liebesgeschichte als das erhabenste aller Lieder bezeichnet? Es geht um noch etwas ganz anderes, als um das Verhältnis zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Es geht um das enge Verhältnis, das ein Anbeter Jehovas zu seinem Gott Jehova haben kann.

Eine mächtige Person oder ein Befehlshaber wäre normalerweise eher eine unnahbare Person. Jehova ist zwar der Schöpfer des ganzen Universums und dadurch die größte Macht, die es überhaupt gibt. Trotzdem ist seine wichtigste Grundeigenschaft Liebe. Ja, Jehova ist Liebe (1. Johannes 4:8). Und deshalb ist es möglich, ein ganz herzliches enges Verhältnis zu Jehova zu haben, wie wenn er ein geliebter junger Hirte wäre. Denn Jehova ist Hirte seiner Anbeter, um die er sich liebevoll kümmern möchte.

Als Jesus auf der Erde war, zeigte er durch sein Beispiel, wie Jehova wirklich ist. Er war in den Augen der Menschen nicht groß. Außerdem wuchs er in einer armen, aber gottesfürchtigen Familie auf. Er begab sich unter die Leidenden und Benachteiligten und er half ihnen und heilte sie. Und er wollte damit sagen: „So ist Jehova“. Deshalb können wir Jehova so lieben, wie die Sulamith (Hohes Lied 6:13) einen einfachen Hirtenjungen liebte.

Hohes Lied 1:2-3

Der Mund Jehovas ist sein Wort, die Bibel. Sie ist von ihm inspiriert. Mit Hilfe seines heiligen Geistes können wir sie verstehen. Durch die Bibel zeigt Jehova uns, dass er uns wirklich liebt. Und dies empfindet ein Anbeter Jehovas wie Liebkosungen, die besser sind als alle Freuden dieser Welt. Denn die geistige Belehrung durch sein Wort ist wirklich etwas absolut Erhabenes. Man goss in alter Zeit Öl auf das Haupt eines Menschen, um ihn für eine besondere heilige oder erhabene Aufgabe zu „salben“. Jehovas Name ist hochheilig. Er hat die Bedeutung von „werden“ oder „erweisen“. Jehova ist der große Vorsatzfassende. Alles, was er sich vorgenommen hat und was er in seinem Wort vorausgesagt hat, wird eintreten. Und es sind wunderbare Dinge, denn Jehova möchte das Paradies wieder herstellen.

Hohes Lied 1:4

Jeder, der die gute Botschaft von Gottes Königreich empfangen hat, möchte ein enges Verhältnis zu Jehova aufbauen, mit ihm im Gebet vereint sein, sein Werk tun. Er möchte wirklich genauso mitgehen, wie die Jünger Jesus gefolgt sind (Matthäus 4:19-22). Er möchte mit Begeisterung auch Anderen von Jehova erzählen, ihnen helfen, dass sie Jehova kennenlernen könnten. So gibt er sich Jehova hin und lässt sich schließlich als Zeuge Jehovas taufen. Durch die Taufe kommt aber noch jemand anderes ins Spiel. Es ist die Organisation, die Christenversammlung. Jemand, der sich Jehova hingibt, wird auch in die Christenversammlung eingesammelt. Das sind die inneren Gemächer des Königs. Denn die Christenversammlung wird von Menschen angeführt, die wie ein König die Führung innehaben. Man hat eine positive Einstellung gegenüber den Männern, die die Führung übernehmen, da man denkt, sie lieben Jehova genauso wie wir.

Nun stellt sich die Sulamith vor, die für Anbeter Jehovas steht, die durch ihre Hingabe ein enges persönliches Verhältnis zu Jehova haben:

Hohes Lied 1:5, 6

Die Anbeter Jehovas sind durch ihre Hingabe wirklich anmutig. Sie dienen gehorsam in einer Organisation, die wie ein König über sie herrscht. Die Herrschaft der Organisation wird hier mit der Sonne verglichen, die auf die Zeugen Jehovas brennt und bewirkt, dass sich ihre Hautfarbe in sinnbildlicher Hinsicht dunkel färbt.
Obwohl die Wahrheit aus Gottes Wort frei macht (Johannes 8:32), dienen sie auch wie Sklaven einer Organisation. Denn ihre eigenen Mitbrüder bzw. die Söhne oder Vertreter der Organisation, die als ihre Mutter bezeichnet wird, haben sie für diesen Dienst eingesetzt. Wenn man sehr wertvolle Erkenntnis aus Gottes Wort gewonnen hat, ist es nur allzu natürlich, dass man weiter selbst studieren möchte, um noch mehr Erkenntnis zu gewinnen. Man möchte danach in der Bibel graben wie nach Silber (Sprüche 2:1-9). Wir werden ja in der Bibel selbst aufgefordert, nach Weisheit und Erkenntnis aus der Bibel zu forschen (Johannes 17:3, Philipper 1:9). Und wir prüfen die Beweise (Apostelgeschichte 17:10, 11).
Doch während wir uns in der Organisation befinden, wird von uns verlangt, dass wir nur das als Wahrheit annehmen, was im Wachtturm steht. Nur die Erkenntnis derjenigen, die in der Organisation die Führung übernommen haben, ist annehmbar. Auf diese Weise muss ein Anbeter Jehovas sozusagen einen fremden Weingarten hüten und darf nicht zu eigenen Erkenntnissen kommen. Wie es dazu kam, wird nun erläutert:

Hohes Lied 1:7, 8

Sollen wir uns alleine auf den Weg machen, Jehova zu dienen? Wir wüssten nicht, wie wir das machen sollten. Unser Selbstvertrauen wäre auch zu gering, sodass man sich das nicht zutraut. „Wie soll ich ohne die Anleitung einer mächtigen Organisation Jehova weiterhin suchen und finden können?“ Also unterstellt man sich der Organisation und dient ihr, indem man sich am Predigtdienst beteiligt, die Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas unterstützt und das in Übereinstimmung mit den Regeln dieser Organisation. Die Organisation gibt uns anscheinend das, was wir brauchen.
In den nächsten Versen wird zunächst die Ehre und Bestätigung erwähnt, die man durch die Verbundenheit mit der Organisation in Aussicht gestellt bekommt:

Hohes Lied 1:9-11

Lob und Anerkennung kommen von der Organisation. Wer Jehova eifrig in der Christenversammlung dient, hat einen ehrenvollen Platz dort. Man fragt: „Schätzt du deinen Platz in der Organisation?“

Hohes Lied 1:12-14

Und so haben echte Anbeter Jehovas weiterhin ein ganz persönliches enges Verhältnis zu Jehova, während in der Organisation Menschen die Führung innehaben. Glieder der Zweigbüros und der leitenden Körperschaft treffen sich wöchentlich zu Besprechungen, um Entscheidungen zu treffen. Der Vorteil einer großen Glaubensgemeinschaft scheint zu sein, dass man sich gegenseitig ermuntern kann.

Hohes Lied 1:15-17

Anbeter Jehovas sind arglos, unschuldig (Matthäus 10:16). So werden ihre Augen mit Taubenaugen verglichen. Auch haben sie Freude, mit der Christenversammlung zusammenzuarbeiten und sind Jehova gegenüber dankbar. Das Haus, die Christenversammlung, ist wie aus Zedern und Wacholderbäume errichtet und sie betrachten es so, wie wenn Jehova selbst darin wohnt und gefallen daran hat.

Hohes Lied Kapitel 2

Hohes Lied 2:1, 2

Der Anbeter Jehovas ist in der Regel ein bescheidener und einfacher Mensch. Aber Jehova sieht ihn wie eine Lilie unter dornigem Unkraut. Wie sieht der Glaubensbruder seinen geliebten Gott Jehova?

Hohes Lied 2:3-6

Von Jehova kommen in geistiger Hinsicht lauter gute Dinge. Man wird mit geistiger Speise hervorragend versorgt. Er bietet auch Schatten in einer mit Drangsale beladenen Welt. Die Einladung Jesu ist wirklich erquickend wie ein Platz im kühlen Schatten, der Schutz vor der Sommerhitze bietet (Matthäus 11:28). Jehovas Gerechtigkeitsempfinden, wie es uns Jesus vorgelebt hat, ist wirklich wie süße Speise. In Jehovas Haus sind lauter freudige Diener und man dient Jehova aus Liebe. Die Liebe Jehovas und des Christus drängt uns auch, aktiv zu werden und die gute Botschaft von Gottes Königreich zu verkünden (2.. Korinther 5:14).

Wenn man Jehova eifrig dient, ist man geradezu krank vor Liebe und man freut sich über geistige Festmähler wie die großen Kongresse, Schulen, wie die Pionierdienstschule oder ermunternde Ansprachen in der Versammlung. Man fühlt sich in Jehova geborgen. Im Gebet kann man sein Herz vor Jehova ausschütten. Statt uns wegen schwieriger Lebensumstände Sorgen zu machen, können wir alle Last auf Jehova werfen (1. Petrus 5:7; Philipper 4:6, 7). Und wir wissen, dass Jehova alles gut ausgehen lässt. Er hat uns sogar für die unabsehbare Zeit geliebt (Jeremia 31:3; Johannes 6:44). Auch erhalten wir durch ihn Anleitung bei allen Entscheidungen, die wir zu treffen haben. Er gab uns ein Gewissen, das durch die genaue Erkenntnis der Wahrheit geschult wird. Wir können uns durch unser biblisch geschultes Gewissen und durch Jehovas heiligen Geist leiten lassen. Wir können dadurch Recht von Unrecht unterscheiden.

Nun wird eine Problematik angesprochen, die später noch zweimal wiederholt wird und offenkundig der wichtigste Lehrpunkt des Hohen Liedes ist:

Hohes Lied 2:7

Ein echter Zeuge Jehovas wird durch Liebe angetrieben, aktiv zu sein und für seinen Hirten tätig zu werden. Und man hat eigentlich schon durch die Bibel, das Gewissen und Jehovas Geist Anleitung. Doch man dient auch in einer Organisation, in der Menschen die Führung übernommen haben. Auch diese bieten Anleitung und erklären genau, was man tun soll und wie man es tun soll, was nötig ist, um Jehova zu gefallen. Und sie verlangen Gehorsam. Doch eigentlich kann man nicht zwei Herren gleichzeitig gehorsam sein (Matthäus 6:24). Soll man sich durch Liebe motivieren lassen oder durch Anweisungen von Ältesten? Sollen sich andere Menschen in unser persönliches Verhältnis zu Jehova einmischen können?

Stellen wir uns ein Ehepaar vor, zwei Personen, die ein ganz enges Verhältnis zueinander haben. Wollen sie, dass andere Menschen sich in ihre Beziehung einmischen? Wäre das nicht die Verletzung ihrer Privatsphäre? Oder dürfen gar andere meinem Ehepartner vorschreiben, ob er mich noch lieben darf? Um diese Problematik geht es hier. Es ist etwas ganz wunderbares, selbst ein inniges Verhältnis zu Jehova zu entwickeln mit tiefem Glauben und ausschließlich aus Liebe etwas zu tun, was Jehova möchte. Weder echter Glaube noch echte Liebe kann erzwungen werden. Wenn man aus Angst vor Strafe etwas tut oder nach Anweisungen handelt, ist das etwas ganz anderes. Nehmen wir als Beispiel das Bibellesen. In der Bibel selbst heißt es, dass wir glücklich sind, wenn wir Lust daran haben:

Lies Psalm 1:1-3

Wenn wir „Lust“ haben am Bibellesen, treibt uns die Liebe zu Jehova und zu seinem Wort an, sogar Tag und Nacht darin zu lesen. Stellen wir uns vor, wir wachen nachts auf und haben einen Gedanken zu einer Bibelstelle. Wir greifen zur Bibel. „Ich muss das jetzt lesen, denn das möchte ich besser verstehen, auch wenn es mitten in der Nacht ist“. Unser Interesse am Bibelverständnis ist so groß.

Nun aber wird uns gesagt, jeden Tag ein oder zwei Kapitel in der Bibel zu lesen. Wir haben einen starren Bibelleseplan und würden sofort ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn wir uns einmal nicht daran halten sollten. Ist das nicht ein großer Unterschied, ob wir aus Liebe motiviert etwas tun oder aus Pflichterfüllung, einen starren Plan einzuhalten? Es ist tatsächlich ein himmelweiter Unterschied. Wer dem starren Plan folgt, der schläft beim Lesen ein und wird keine Erkenntnis gewinnen. Um solche Folgen geht es dann später in Kapitel 5.
Nun beschreibt ein Anbeter Jehovas, was er an seinem geliebten Hirten so sehr schätzt:

Hohes Lied 2:8, 9

Und so haben wir Jehova kennengelernt. In der Welt gibt es mächtige, berghohe Institutionen. Ob es die großen Kirchen sind mit ihren gelehrten Leuten oder die Weisen dieser Welt in Wirtschaft und Wissenschaft. Und sie lenken die Aufmerksamkeit auf sich mit viel Propaganda. Ein einfacher Mensch kommt sich da ganz klein vor. Nun aber kommen einfache Menschen zu uns und erklären uns die Bibel. Und wir fangen an, die Bibel zu verstehen und bekommen ein Verständnis und Urteilsvermögen, wie es weder die Geistlichen noch die Weisen dieser Welt haben. Wir wissen, dass die Rechnung dieser Leute nicht aufgeht. Und die Lehren der Geistlichen und Bibelgelehrten sind falsch. Sie haben die Bibel nicht verstanden.

Vielleicht haben wir in unserer Verzweiflung ein Gebet gesprochen. Vielleicht haben wir gesagt: „Gott, wenn es dich gibt, hilf mir, dich zu finden“. Und dann sind sie gekommen, die uns die Bibel erklärt haben und wir haben Jehova kennengelernt. Und so ist Jehova unser Freund geworden. Wenn wir auch vieles durchmachen müssen, ist er stets da und wir dürfen zu ihm beten.

Hohes Lied 2:10-13

Jehova selbst hat uns eingeladen, mit ihm zu kommen (Offenbarung 22:17). Wir haben erfahren, dass wir heute in den letzten Tagen leben. Menschen haben sich aufgemacht, um ein großes Verkündigungswerk zu verrichten, wie es Jehova für diese Zeit vorgesehen hat (Matthäus 24:14). Es ist wie ein großes Erntewerk. Menschen müssen für Gottes Königreich eingesammelt werden. Die Zeit, in der die Menschen, die Jehova dienen wollten, keine Möglichkeit dazu gehabt hatten wegen der großen Macht der Vertreter der falschen Anbetung, ist nun vorbei. Ja, Babylon die Große ist wie durch ein vorzeitiges Gericht von Jehova, wie die Ernte von Frühfeigen, schon gefallen (Jesaja 28:4; siehe die Abhandlung „Ihr Herrscher dieses Volkes„). Bald wird der Tag Jehovas kommen und diesem heutigen System der Dinge ein Ende bereiten.

Hohes Lied 2:14

Jehova möchte unsere Stimme hören, denn sie ist angenehm und lieblich. Wir mögen Zeugnis für Jehova geben, so wie es Jesus uns vorgemacht hat (Jesaja 42:2; Matthäus 12:19). Es ist nicht wie die Propaganda dieser Welt, sondern durch einfache Menschen wie im verborgenen. Auch sollen wir nicht wie die Pharisäer beten, denn sie tun alles, um von den Menschen gesehen zu werden (Matthäus 23:5-7). Für Jehova ist das, was wir aus Liebe tun, ohne von Menschen beachtet zu werden, wertvoll. Wir begehen einen steilen Weg durch unser Bibelstudium und unserem ernsthaften Bemühen (Jesaja 2:3; Micha 4:2).

Das eben Gesagte ist doch wie eine schöne Melodie. Doch was kommt jetzt?

Hohes Lied 2:15

Wie ein Missklang in einer schönen Melodie kommt plötzlich eine Aufforderung, etwas zu tun, was dem guten Geist des eben Gesagten völlig entgegengesetzt ist. Es ist wie ein Zwischenruf von jemand Anderem, nicht von Jehova.

Die kleinen Füchse, das sind die Abtrünnigen, die unseren Weingarten, all die genannten guten Dinge, verderben. Wir werden von der Organisation aufgefordert, sie zu fassen. Sie werden aus der Christenversammlung ausgeschlossen und man sollte sie völlig meiden und möglichst gar nicht mit ihnen reden oder gemeinsam essen. So kann die Verfolgungsjagd beginnen. Doch wahre Diener Jehovas halten ihren Blick auf das gerichtet, was von Jehova kommt.

Hohes Lied 2:16, 17

Ein Anbeter Jehovas konzentriert sich auf sein Verhältnis zu Jehova und das Predigtwerk. Diejenigen, die positiv darauf reagieren, werden in die Christenversammlung eingesammelt und sie werden von Jehova, ihrem Hirten behütet. Die Anderen bleiben draußen. Und so stellt dieser Dienst auch ein Trennungswerk dar. Das Werk wird so lange fortgesetzt, bis Jehovas Tag kommt und Gottes Königreich auf der ganzen Erde aufgerichtet wird.

Kehren wir wieder zum Anfang zurück.

In den kommenden Versen wird nämlich erneut beschrieben, wie man Jehova kennenlernt und wie es dazu kommt, dass man schließlich Jehova in einer Organisation dient. Dadurch können wir den weiteren Verlauf der Entwicklung besser verstehen:

Hohes Lied Kapitel 3

Hohes Lied 3:1-4

Selbst in der Zeit, als wir Jehova noch nicht kannten und uns noch nicht bewusst war, dass es überhaupt einen Gott gibt, zu dem man ein persönliches Verhältnis haben kann, suchten wir ihn schon. Wir waren vielleicht verzweifelt, fragten uns, weshalb wir hier sind und ob es nicht doch einen Gott gibt. Die Liebe zu unserem Schöpfer war irgendwie vorher schon da. Dann fanden uns die Wächter, das heißt, wir kamen mit Zeugen Jehovas in Kontakt. Da sie ja zu allen Menschen und von Haus zu Haus gehen, fanden sie uns und nicht umgekehrt. Aber als wir durch die Anregungen, die sie gaben, weiter nachdachten und die Bibel lasen, da fanden wir dann Jehova. Wir müssen selbst aktiv sein, nachsinnen, die Bibel selbst studieren und die Beweise prüfen, um Jehova zu finden.

So war es auch bei unserem Vorvater C. T. Russell. Es wird berichtet, dass er einen Vortrag von einem Adventistenprediger gehört hatte. Der hatte ihn motiviert, die Bibel wieder herauszuholen und zu studieren. Und so lernte er und alle, die mit ihm die Bibel studierten, Jehova kennen. Wenn wir Jehova kennengelernt haben, wollen wir, dass alle davon erfahren. Man wird zum Verkündiger. Und nachdem viele eingesammelt wurden, stellt sich die Frage, wie die immer größer werdende Gruppe organisiert werden kann. Am Ende braucht man eine Organisation. Und so entsteht die Problematik, die schon zuvor beschrieben wurde:

Hohes Lied 3:5

Während wir Zeugen Jehovas wurden, haben wir auch die anderen Mitverbundenen unter einen Eid gestellt. Dies ist bei unserer Taufe geschehen, bei der wir öffentlich erklärten, dass wir uns Jehova hingegeben haben um fortwährend ihm zu gehören und seinen (Jehovas) Willen zu tun. Sollte irgendjemand berechtigt sein, dies infrage zu stellen oder sich in unser persönliches Verhältnis zu Jehova einzumischen? Könnte da eine Organisation zu unserem Besitzer werden? Wem sollen wir im Konfliktfall gehorchen; menschlichen Vertretern einer Organisation oder Jehova in Übereinstimmung mit unserem biblisch geschulten Gewissen?

Nun wird die Organisation beschrieben:

Hohes Lied 3:6-10

Das ist nun die passende Beschreibung der Organisation, in der Jehovas Zeugen organisiert wurden. Sie verkauft sich werbewirksam. Wie die Händler sich bemühen, ihre Produkte an die Käufer zu bringen, so hebt sich die Organisation durch viele Veranstaltungen, durch überzeugende Vorträge und rhetorisch meisterhafte Ansprachen hervor. Es ist wie ein bezaubernder, würziger Duft. Im Laufe der Zeit wurde die Organisation immer besser gesetzlich befestigt. Intakte Organisationsstrukturen mit Ältesten und Aufsehern sorgen dafür, dass alle Abtrünnigen ausgesondert werden. Selbst gegen schwere Angriffe von außen, die Schrecken in den Nächten, hat man ein großes Team starker Männer, die die Organisation schützen. Die Organisation ist absolut glanzvoll ausgestattet. Sie wird in hervorragender Art und Weise durch die biblische Prophetie gestützt. Es wird viel gebaut. Viele Glaubensbrüder und Schwestern, die Töchter Jerusalems, arbeiteten hart, um sie mit viel Liebe schön auszustatten.

Nun wird in besonderer Art und Weise die Aufmerksamkeit auf die Organisation gelenkt:

Hohes Lied 3:11

Der Kranz steht für die Auszeichnung, der in der Bibel erwähnte „treue und verständige Sklave“ zu sein. Die Mutter steht für die Anfänge, als Ch. T. Russell mit einer kleinen Gruppe begann, die Bibel zu studieren. Sie haben damals die Bedeutung der Zeiten erkannt und dass nun biblische Prophezeiungen in Erfüllung gehen müssten. Auch das prophetische Wort aus Matthäus 24:45-48 muss in Erfüllung gehen. Und so kam es zu dem Verständnis, dass die Organisation und besonders die Gruppe derjenigen, die die Führung übernehmen, diesen treuen und verständigen Sklaven vertreten. Sie haben auch die Hoffnung, zu den hundertvierundvierzigtausend zu gehören, die mit Christus im Himmel regieren werden. Das ist die Braut Christi. Deshalb ist hier vom „Tag seiner Hochzeit“ die Rede (2. Korinther 11:2; Offenbarung 14:1; 19:7).

Offenkundig steht Salomo also für die Braut Christi und dadurch auch für den treuen und verständigen Sklaven, der in der Organisation die Führung übernimmt. Die Töchter Zions stehen für alle, die Jehova ergeben sind. Sie sollen nun auch der Organisation mit all ihrem Glanz Beachtung schenken.

Im Folgenden werden wieder die Anbeter Jehovas gelobt. Das Lob kommt aber von der Organisation und nicht von Jehova:

Hohes Lied Kapitel 4

Hohes Lied 4:1-5

Wir befinden uns auf einem Kongress der Zeugen Jehovas und hören den Ansprachen, Demonstrationen und Interviews mit großer Aufmerksamkeit zu. Was erfahren wir hier? Wie schön diejenigen sind, die Jehova loyal dienen. Eifrige Königreichsverkündiger werden interviewt und man erfährt, wie schön dies doch in Jehovas Augen sein muss, wenn so viele Menschen Jehova durch ihren Dienst freudig lobpreisen. Die einzelnen Aspekte werden in den verschiedenen Programmpunkten hervorgehoben.

Anschauliche Beschreibung

Stellen wir uns eine Herde Ziegen vor, wie sie von der Berggegend gemeinsam herabgehüpft kommen. So ist es, wenn man in der Gruppe auf der Grundlage der Belehrung durch die Versammlung losläuft, um die gute Botschaft von Gottes Königreich überall zu verbreiten. Man ist gut organisiert und hält sich gehorsam an alle Vorgaben.

Die Zähne zerkleinern die Speise, damit sie verdaut werden kann. So wird in vortrefflicher Art und Weise die geistige Speise aufbereitet, sodass man genau verstehen kann, was die Bibel wirklich lehrt.

Geistige Speise gibt es in Hülle und Fülle und der Umgang mit ihr ist absolut perfekt. Alles wird verstanden. Denn es werden zum richtigen Verständnis logisch zusammenhängende Erklärungen gegeben und wir werden ausgerüstet, allen Menschen die Botschaft logisch und einleuchtend zu vermitteln (veranschaulicht durch einen Karmesinfaden).

Ein echter Anbeter Jehovas hält unerschütterlich an der „Wahrheit“ fest, weil sie so hervorragend untermauert ist. Das wird hier mit Schläfen, die Lebensadern, als Granatapfelstück verglichen. Hier, wie schon zu Beginn, wird ein Schleier erwähnt, den sie trägt. Die Glaubensbrüder sind zwar Jehova hingegeben, sie dienen aber gehorsam in einer Organisation, von der sie all die Anleitung erhalten.

Der Hals steht für die glorreiche Geschichte der Zeugen Jehovas. Man hat im Laufe der Zeit viele Siege errungen, egal wie mächtig der Feind auch zu sein schien. Man hat Hitler widerstanden. Viele waren bereit, für ihren Glauben ins Gefängnis, ins Arbeitslager zu gehen oder sogar einem Märtyrertod zu sterben. Die Organisation wurde auch immer mehr gesetzlich befestigt.

Mit Personen, die Interesse haben, wird die Bibel studiert und man „ernährt“ sie mit vortrefflicher geistiger Speise. Menschen, die richtig eingestellt sind (Apostelgeschichte 13:48), werden hier mit Lilien verglichen.

Nun ist der Kongress zu Ende und wir fühlen uns gestärkt. Was haben wir uns fest vorgenommen?

Hohes Lied 4:6

Gestärkt durch den Kongress möchten wir Jehova weiterhin so vortrefflich dienen, wie wir es gezeigt bekommen haben. Bis Jehova sein Königreich über die ganze Erde ausgedehnt hat, wollen wir ihm völlig ergeben sein.
Nun kommen wieder die Vertreter der Organisation zu Wort. Sie wissen wie Geschäftsleute, dass sie nun auch etwas verlangen können, nachdem sie für die geistige Ermunterung gesorgt haben.

Hohes Lied 4:7-16

Nachdem sie die Vorzüglichkeit der Anbeter Jehovas nochmals hervorgehoben haben, beginnen sie zu erklären, was sie nun von ihnen erwarten. Sie sollen herabsteigen von ihrer erhabenen Position, die damit zu tun hat, dass man ein ganz enges Verhältnis zu Jehova hat, dem man im Gebet alles sagen kann. Wir brauchen uns selbst vor Löwen nicht fürchten, wenn wir Jehova vor unseren Augen haben. Denn wer ist stärker als Jehova? Oder wer kann uns etwas antun, wenn Jehova mit uns ist? Nun aber sollen wir herabsteigen und uns den Vertretern der Organisation unterwerfen. Wir sollen ihr Urteil über uns und ihre Gerichtsbarkeit fürchten, obwohl sie ja nur Menschen sind.

Für die Vertreter der Organisation ist es sehr verlockend, Herren über die Anbeter Jehovas zu werden. Sie haben Herzklopfen, weil sie erkennen, dass sie bereit sind, auch einer Organisation ergeben zu sein, obwohl man ja die organisierte Christenheit verlassen hat. Was für ein Gewinn wäre es für sie, über diese vorzügliche Personengruppe zu regieren! Denn ihre Liebkosungen gelten nicht Jehova allein, sondern auch der Organisation. Die lobenden Worte beruhen auf Gegenseitigkeit. Die Vertreter der Organisation preisen die Vorzüglichkeit der Anbeter Jehovas und die Anbeter Jehovas preisen die Organisation. Auch wird die keusche Reinheit der Anbeter Jehovas von der Organisation hervorgehoben.
Aber wie wird dadurch das Verhältnis zu Jehova beeinflusst?

Hohes Lied 4:16

Man denkt, dies ist Jehovas Garten und Jehova kann nur Freude haben bei all den vorzüglichen und erlesenen Dingen, die es hier gibt. Durch das aufgeschaukelte gegenseitige Lob zwischen Organisationsvertretern und Glaubensbrüdern kann man sich nur vorstellen, dass Jehova einfach begeistert ist.

Nun kommt eine Antwort, scheinbar von Jehova:

Hohes Lied Kapitel 5

Hohes Lied 5:1

Diese Antwort kommt aber gar nicht von Jehova, sondern wieder von den Vertretern der Organisation. Sie sagen: „Gottes Königreich herrscht bereits, wir befinden uns in einem geistigen Paradies“. Wir erhielten auf einem Kongress sogar ein Buch mit dem Titel „Gottes Königreich regiert“. Sie haben ein falsches Spiel mit uns getrieben, darum sind die meisten in geistiger Hinsicht eingeschlafen. Das gegenseitige Lob wirkt wie eine Autosuggestion.

In diesem schlafähnlichen Zustand macht man dann plötzlich sehr schmerzhafte Erfahrungen:

Hohes Lied 5:2

Die Folge ist, dass das Herz, der Sitz der Beweggründe, wach ist. Man hat Eifer und möchte Jehova überaus ergeben dienen. In vielen Versammlungen gibt es sogar mehr Vollzeitverkündiger als je zuvor. Aber der Verstand schläft. Man unterliegt einer Täuschung. Und gerade weil man gesagt hat, dass Gottes Königreich schon herrscht, ist es so, wie wenn Jehova zu dem Einzelnen sagt: „öffne mir“. Denn die Nacht ist ja vorbei, die Zeit, in der die Menschen keine Erkenntnis aus der Bibel hatten wegen der Irreführung durch die Kirchen der Christenheit. Und nun soll ja auch das geistige Licht immer heller leuchten (Sprüche 4:18). Man denkt, ihm nun ganz nahe sein zu dürfen, doch dann geschieht das absolut Unerwartete, ja Schockierende:

Hohes Lied 5:3-7

Nachdem man so gelobt wurde, ist es einfach für uns undenkbar, jetzt irgendetwas Unheiliges zu tun und zu sündigen. Man ist doch schon fast in der neuen Welt, in der es keine Bösen mehr gibt. Doch in der Bibel wird uns klar vor Augen geführt, dass wir alle sündigen, da wir in Sünde und Tod verkauft worden sind (Römer 3:23; 7:14-25). Nur dadurch, dass Jehova für ein Lösegeld gesorgt hat, gibt es eine rechtliche Grundlage, ein so kostbares Verhältnis zu Jehova haben zu können (Römer 6:23; Epheser 1:7). Nicht, dass wir nicht mehr sündigen, sondern dass Jehova uns auf dieser Grundlage vergibt und unsere Sünden dadurch gesühnt werden. Denn sonst könnte sich Jehova nicht auf unser Hingabegelübde einlassen, da er ja genau weiß, welche Sünden wir auch danach noch begehen werden (1. Johannes 1:8; Lukas 22:31-34).

Doch wenn wir nun mit unseren sündigen Neigungen konfrontiert werden, haben wir ein schlechtes Gewissen. Wir haben eine Sünde begangen. Dann fühlen wir uns unwürdig, Jehova zu dienen und plötzlich ist Jehova weit weg. Wir haben etwas getan, was die Ältesten bei ihren Vorträgen und Ansprachen immer wieder als schwere Sünde bezeichnet haben. Und da wir ebenfalls durch ihre ständige Belehrung dazu angehalten werden, gehen wir deshalb zu den Ältesten und „beichten“ unsere Sünde. Oder Andere fordern uns auf, zu den Ältesten zu gehen oder verraten uns und sie erfahren davon. Sie gehen mit uns nun hart ins Gericht. Sie bilden dann ein Rechtskomitee aus mindestens drei Älteste (die Wächter der Mauern) und wir werden aus der Christenversammlung ausgeschlossen. Denn es heißt in Vers 7: Die Wächter der Mauern hoben mein weites Umschlagtuch [= zu der Organisation gehörend] von mir ab.

Ausgeschlossen!

Und genauso, wie wir vorher geglaubt haben, Jehova ganz nahe zu sein und schon fast in Gottes Königreich und im geistigen Paradies zu sein, weil uns dies durch die Belehrung so eingehämmert wurde, ist jetzt Jehova weit weg. Wir glauben vielleicht, er will mit uns nichts mehr zu tun haben, weil wir ihn verlassen haben. Vielleicht haben wir nur eine eigene Gewissensentscheidung getroffen, die von den Ältesten nicht akzeptiert wurde. Wir wollten Jehova nicht verlassen, doch man stellt es so hin, als ob man Jehova dadurch verlassen hätte.

Jetzt zeigt sich die Problematik, seine Hingabe und sein persönliches Verhältnis zu Jehova von einer Organisation abhängig zu machen. Gemäß Hohes Lied 1:7, 8 hatten wir uns ja der Organisation angeschlossen, weil wir sonst nicht gewusst hätten, wie man Jehova ohne eine Organisation dienen könnte. Wir lieben aber den unsichtbaren Gott Jehova und wollen ihm ergeben sein. Unser Hingabeversprechen sollte doch für immer, ja für die Ewigkeit gelten. Er hatte uns doch wegen seiner Liebe zu sich gezogen, eine Liebe auf unabsehbare Zeit gemäß Jeremia 31:3!

Darum wird nun wieder der Leitgedanke, unseren Eid, den auch die Vertreter und Unterstützer der Organisation respektieren müssen, erwähnt, dieses Mal aber anders formuliert:

Hohes Lied 5:8

Die Liebe, die wir Jehova gegenüber empfinden, ist tatsächlich sehr groß. Das Hingabeversprechen gilt immer noch, auch wenn wir ausgeschlossen sind oder die Organisation verlassen haben. Oder sollte sich an unserer Liebe, die wir bei unserer Taufe hatten, irgendetwas geändert haben? Aber uns wird glauben gemacht, wir hätten Jehova verlassen, weil er mit der Organisation gleichgesetzt wird. Und wir wissen nicht, wie wir Jehova ohne die Organisation dienen könnten (Hohes Lied 1:7, 8). Also brauchen wir die Organisation, um Jehova wiederzufinden. Sonst müssten wir unser Hingabegelübde und auch die damit verbundene Hoffnung vergessen. So ist jedenfalls das erlernte Denkmuster.

Doch nun, nach dem Ausschluss, sind auch die Vertreter der Organisation nicht mehr bereit, unser Hingabeversprechen zu respektieren. Für sie sind wir ja „Weltmenschen“ geworden, über die gesagt wird, dass sie keine Zeugen Jehovas mehr seien:

Hohes Lied 5:9

Aber in den Augen der Mitbrüder, die die richterlichen Entscheidungen der Vertreter der Organisation als von Jehova kommend betrachten, sind wir ja sündig und zweifelhaft geworden. Wie sollte ein Ausgeschlossener noch echte Liebe oder gar ein persönliches Verhältnis zu Jehova haben?
Doch wie haben wir Jehova kennen und lieben gelernt, sodass wir uns ihm hingegeben haben? Welche Eigenschaften, die ihn auszeichnen, sind so begehrens- und liebenswert? Das wird nun erklärt:

Hohes Lied 5:10-16

Jehova ist einzigartig. Er ist absolut erhaben, denn alles an ihm ist von dauerhaftem Bestand, vielfach erprobt. Wir können uns freuen, denn er ist demütig. Dadurch sind wir in seinen Augen wertvoll (2. Samuel 22:36). Er ist auch langmütig und wird nie müde. Wie der Rabe, den Noah aussandte und der so lange hin und herflog, bis die Wasser der Sintflut weggetrocknet waren (1. Mose 8:7), wartet Jehova, bis die Zeit für sein Handeln gekommen ist, um das Gericht an dem gegenwärtigen System der Dinge zu vollstrecken.

Er sieht alles und möchte vor allem das Gute sehen. Dadurch kann er uns auch emporheben, obwohl wir schlechte Neigungen haben, und er hat Freude an seinen Dienern. Seine Wege und seine Lehren erfreuen uns sehr (Psalm 119). Sie befriedigen unser Gerechtigkeitsempfinden und sind in jeder Hinsicht sehr erbauend. Alle geistigen Bedürfnisse, die wir haben, werden befriedigt. Er hat seine Königreichsverkündiger ausgesandt, die eine wunderbare gute Botschaft von Gottes Königreich verkünden. Denn alles, was sich Jehova vorgenommen hat, wird ihm gelingen. Alle seine Verheißungen gehen in Erfüllung. Denn schon in der Vergangenheit ist sein prophetisches Wort wahr geworden und fortschreitend ist er an der Verwirklichung seines Vorsatzes tätig.

Alles, was er tut, ist logisch gut begründet. Es gibt keine Widersprüche. Deshalb kann ihn niemand zum Wanken bringen. Wir können uns sicher sein, dass er alles vollenden wird, was er sich vorgenommen hat. Seine Wege sind nicht so wie die Wege der Menschen. Sie sind außergewöhnlich, heilig. Alle seine Äußerungen, die in der Bibel aufgezeichnet sind, sind absolut erhaben. Alle Eigenschaften Jehovas sind absolut begehrenswert.

Hohes Lied Kapitel 6

Hohes Lied 6:1-3

Die Anbeter Jehovas sind überzeugt, dass Jehova als treuer Hirte tätig ist, um Menschen, die richtig eingestellt sind, zu sich zu ziehen und ihnen zu helfen, seine Diener zu werden. Auch alle, die später ausgeschlossen wurden, hatte Jehova so gezogen, damit sie seine Diener werden und dies bis in alle Ewigkeit (Jeremia 31:3).
Nun melden sich wieder die Vertreter der Organisation zu Wort. Und wie wir sehen werden, sind es nun auch die Vertreter Babylons der Großen, dem Weltreich der fehlgeleiteten organisierten Religion:

Hohes Lied 6:4-10

Der Fahnengruß ist etwas, was Jehovas Zeugen normalerweise ablehnen, da es Götzendienst ist. Man betet damit auch unbewusst die Dämonen an, die hinter einer Fahne stehen. Nun aber wird der Eindruck vermittelt, sie wären wie um Banner versammelte Scharen. Denn ihre Aufmerksamkeit ist zunehmend einer Organisation (einer „Stadt“) und besonders einer leitenden Körperschaft zugewandt. Das gefällt den Vertretern der organisierten Religion und der Dämonen, die sie zu Babylon der Großen machen wollen (siehe die Abhandlungen: „Nationen“; vergleiche auch „Ein Traum„).

Dann wird das Lob, das bereits in Hohes Lied 4:1-5 gegeben wurde, zum Teil wiederholt. Nur soll sie ihre Augen nun abwenden; sie soll in Verbindung mit ihrer eigenen Organisation nichts mehr kritisch hinterfragen. Denn ihre Augen sind ja eigentlich gegen die fehlgeleitete organisierte Religion gerichtet. Man wartet ja auf den Tag, an dem Jehova Babylon die Große endgültig richten und für immer beseitigen wird (Offenbarung 18:21). Trotzdem sind sie nun sehr begehrenswert, denn sie gehören ihrer Mutter, der Organisation, die sie hervorgebracht hat. Sie wecken neue Hoffnungen für die Vertreter Babylons, sie erneut zu gewinnen (Jeremia 51:8).

Hohes Lied 6:11-13

Die Vertreter Babylons der Großen und die dahinter stehenden Dämonen fordern nun von den Anbetern Jehovas, dass sie zurückkommen sollen. Das heißt, dass sie wieder Glieder einer babylonischen Religionsorganisation werden sollen. Die Dämonen haben mit der wahren Anbetung normalerweise nichts zu tun. Doch es war für sie zu verlockend, da sie gesehen haben, dass es hier ein williges Volk gibt und sie hofften, dass sie mit diesem Volk alles anstellen könnten. Sie hofften, dass sie genauso ergebene Laien sein werden, wie die Glieder der Kirchen der Christenheit und das in Kombination mit dem Gedeihen, das sie haben (siehe das Buch „Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes“ Kap. 4 S. 35, 36: Geistlichkeit und Laientum)[8].

Hohes Lied 6:13

Und was hat es mit den Dienern Jehovas tatsächlich auf sich? Sie sind tatsächlich in zwei Lager gespalten. Die einen wollen weiterhin mit echtem Glauben aus eigener tiefer Glaubensüberzeugung Jehova dienen. Die anderen sind Mitläufer und sind besonders der Organisation ergeben (siehe „Das Gleichnis von den Jungfrauen“).
Nun kommt wieder das Lob von den babylonischen Vertretern der Organisation und den dahinter stehenden Dämonen:

Hohes Lied Kapitel 7

Hohes Lied 7:1-7

Auch dieses Lob hat wieder Ähnlichkeit mit dem bereits gegebenen Lob. Doch nun ist von Mischwein die Rede. Es ist das Gemisch, von dem auch in Offenbarung 18:6 die Rede ist. Es sollen die guten Lehren, die von Jehova sind, mit falschen Lehren vermischt werden, wie es in den Kirchen der Christenheit praktiziert wird.

Nun werden die Körperteile eines Anbeters Jehovas, hier bezogen auf die ganze Christenversammlung, mit Landschaften und Bauwerken verglichen. Da die ganze Welt in der Macht dessen liegt, der böse ist, ist es passend, dass Satan und seine Dämonen diese Vergleiche gerne anführen. Auch wird ihr Wuchs hervorgehoben, denn es sind mittlerweile viele Millionen Königreichsverkündiger.

Satan und seine Dämonen begehren sehr, diese in ihre Gewalt zu bekommen. Satan ist wie ein Händler, der durch seine Handelsprodukte prahlt. Er ist auf Lieferanten von Handelsprodukten angewiesen. Da die Königreichsbotschaft viele Menschen angezogen hat, gibt es für ihn hier frische Handelsware. Das braucht er, da die Kirchen der Christenheit sich im Laufe der Zeit in Verruf gebracht haben und unglaubwürdig dastehen (siehe Jesaja Kapitel 23). Darum unternehmen er und der Dämonenfürst, der unter dem Decknamen „König des Nordens“ bekannt ist, große Anstrengungen, wie wir nun erfahren:

Hohes Lied 7:8, 9

Satan und sein Dämonenfürst haben klare Pläne. Sie sorgen dafür, dass es immer mehr einlullende geistige Speise gibt, die leicht konsumiert werden kann und dazu führt, dass sie nicht aufwachen, sondern immer tiefer schlafen. Denn Satan möchte, dass wir schlafen. Dazu gibt es immer mehr leicht zu konsumierende Videos und die monatlichen Sendungen jw-broadcasting. Und viele Dinge, wie Musikvideos und Erfahrungsberichte aus aller Welt. Und dies ist stets so zubereitet, dass man es leicht in sich hineinkonsumieren kann, ohne viel nachzudenken, wie alle Kino- und Fernsehfilme dieser Welt.

Nun können wir uns wieder fragen, wie dadurch das Verhältnis zu Jehova beeinflusst wird. Darum geht es nun:

Hohes Lied 7:10-13

Offensichtlich ist das Selbstbewusstsein der Glaubensbrüder gestiegen. Eigentlich müssen wir immer beachten, dass wir der „Ton“ und Jehova unser „Töpfer“ ist. Denn er hat uns erschaffen! Aber unter dem Einfluss der Organisation kommt man plötzlich auf den Gedanken, dass wir Jehova einladen könnten, zu uns und zu unseren wertvollen Dingen zu kommen. Das ist stets der Einfluss gewesen, den die organisierte Religion auf die Menschen ausgeübt hat. Statt dass man sich Jehova als den Souverän unterwirft, soll sich Gott der eigenen ausgedachten Form der Anbetung unterwerfen. So hat jede Religionsorganisation ihren eigenen Gott, obwohl es doch nur einen Schöpfer des ganzen Universums geben kann. Aber man ist stolz auf seine Organisation und lädt sogar den Schöpfer ein in der Überzeugung, dass er unbedingt auch Gefallen daran haben muss.
Nun bieten wir den Leuten, die wir im Predigtdienst antreffen (an unseren Eingangswegen), leichte geistige Speise an. Denn es soll ja Menschen geholfen werden, die wenig tief nachdenken. Und dann meinen wir, Jehova selbst würden diese Dinge begeistern. Wie merkwürdig, das zu glauben!

Aber warum diese Denkweise so verlockend ist, wird nun weiter erklärt:

Hohes Lied Kapitel 8

Hohes Lied 8:1-3

In der Bibelübersetzung „Hoffnung für Alle“ wird Vers 1 folgendermaßen wiedergegeben [37]:

„Ach wärst du doch mein Bruder, hätte meine Mutter dich doch gestillt! Dann könnte ich dich unbekümmert küssen, wenn wir uns auf der Straße treffen, und niemand würde Anstoß daran nehmen!“

Jehova ist als Schöpfer des ganzen Universums unsichtbar. Wir können ihn aber durch Glauben, der auf einer genauen Erkenntnis der Wahrheit beruht, „sehen“ (Hebräer 11:27). Doch dazu sind Anstrengungen erforderlich. Wir müssen uns um diese Erkenntnis bemühen. Außerdem können wir persönliche Erfahrungen mit ihm machen, wenn wir zu ihm beten und er unsere Gebete erhört. Oder, wenn uns ein Bibeltext in unserer individuellen Situation gestärkt hat, dann empfinden wir Liebe zu Jehova. Doch erzählen wir dies in der Versammlung und bemühen wir uns gar um ein eigenes tiefes Bibelverständnis, kann es durchaus sein, dass wir sogar Anstoß erregen. Loben wir hingegen diejenigen, die in der Organisation die Führung übernehmen und preisen sie, wie wenn sie Stellvertreter Jehovas auf der Erde wären, dann erregen wir keinen Anstoß in der Versammlung, sondern werden dafür gelobt.

Bei einer Tagestextbesprechung im Bethel hat der Vorsitzende, ein Glied des Zweigkomitees (Vorstand der Zweigeinrichtung der Zeugen Jehovas), einmal erklärt, dass wir uns an die leitende Körperschaft halten sollten. Die Brüder der leitenden Körperschaft sieht man, Jehova nicht.
So werden also diejenigen, die in der Organisation die Führung übernehmen, zu Stellvertreter Jehovas auf Erden.
Die Beschreibung dieser unheilvollen Entwicklung wird nun mit dem Leitgedanken des Hohen Liedes abgeschlossen:

Hohes Lied 8:4

Der Grund dafür, dass man eingeschlafen ist und eher die leitende Körperschaft als Jehova angebetet hat, bestand eben gerade darin, dass man Liebe und Glauben in eine Form presste, statt dass jeder durch sein persönliches Verhältnis zu Jehova in der Liebe und im Glauben wachsen kann.
Nun richtet Jehova die Organisation und die Glaubensbrüder werden aufgeweckt. Die Einzelheiten darüber werden hier nicht beschrieben, sondern das Ergebnis:

Hohes Lied 8:5

Ein Anbeter Jehovas wird nun in seinem geläuterten Zustand beschrieben. Denn er ist von seinem unheilvollen Schlafzustand zurückgebracht worden, um Jehova ausschließlich ergeben zu sein. Er kommt aus der Wildnis herauf, weil er sich offensichtlich aus dem Klammergriff der Organisation gelöst hat.

Die Anfänge der Organisation, der Mutter, bestanden ja darin, dass sich eine kleine Gruppe Bibelforscher aus dem Klammergriff der Kirchen der Christenheit gelöst hat, um die Bibel zu studieren und herauszufinden, was sie wirklich lehrt. Denn die Organisationen der Christenheit haben Gottes Wort verfälscht und die biblische Wahrheit durch falsche Lehren ersetzt. Diese mussten sie zuerst verlernen. Und so hatten sie sich von dem Einfluss der Kirchen abgeschottet, haben sich wie in einer Wildnis zurückgezogen zum Bibelstudium. Und genau das hat zu einem Verständnis geführt, weshalb alle heutigen Zeugen Jehovas sagen: „Wir sind in der Wahrheit“. Heute müssen wir wieder lernen, dass Erkenntnis niemals von einer Organisation kommen kann, die nur auf den Erhalt ihrer Macht aus ist.

Wir dürfen die Ergebenheit gegenüber einer von Menschen angeführten Organisation niemals über unser persönliches Verhältnis zu Jehova stellen. Darum geht es im Folgenden:

Hohes Lied 8:6, 7

Jehova allein verdient es, angebetet zu werden. Die Liebe kann selbst durch viele Wasser einer berauschenden Belehrung, für die Satan durch die Vertreter der Organisation gesorgt hat, nicht gelöscht werden (Offenbarung 12:15; Jesaja 28:7-10). Jehova ist ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert, da er alles erschaffen hat. Ihm allein sollten wir ergeben sein. Denn mit wem kann Jehova verglichen werden? Sollten wir wirklich Jehova durch eine von Menschen geführte Organisation vertauschen? Wie kostbar doch die Liebe ist, die Jehova uns gegenüber zuerst hatte und die wir erwidern können. Und Jehova möchte uns in ein Paradies bringen. Wie können wir uns da von Menschen, die in einer Organisation die Führung übernehmen, versklaven lassen! Wie können wir einer bloßen Organisation für Liebe alle unsere wertvollen Dinge geben?

Nun wird zum Abschluss des Hohen Liedes nochmals Rückblick gehalten, um den gesamten Werdegang der Zeugen Jehovas mit den unheilvollen Entwicklungen und ihrer Korrektur durch den Läuterungsprozess zusammengefasst:

Hohes Lied 8:8-10

Beachten wir doch, wie es zu Beginn war. Wie wurden Zeugen Jehovas angesehen? Man sah sie ursprünglich als eine kleine, verirrte Minderheit, die machtlos, nichts ausrichten konnte, wie eine kleine Schwester der großen Kirchen. Sie war aus ihrer Sicht sozusagen ohne Brüste, denn keiner der Einflussreichen und Mächtigen der menschlichen Gesellschaft hat sich in geistiger Hinsicht von ihr ernährt. So sahen es auch die Dämonen, die eigentlichen Drahtzieher der falschen Religion.

Doch wie werden sie vorgehen, wenn diese Gruppe immer mehr wächst und so für sie immer gefährlicher wird? Es sind zwei Dinge. Zum einen sollen diejenigen, die in der Organisation die Führung übernehmen, besonders die „Wächter der Mauern“ (Hohes Lied 5:7) erhöht und verherrlicht werden. Zum anderen wird man Menschen, die Jehova wirklich in Geist und Wahrheit anbeten möchten, den Zugang versperren. Durch die Selbsterhöhten werden böse Entscheidungen getroffen, wer Jehova dienen darf und wer nicht. Das sind die Werke der Dämonen, die nicht wollen, dass jemand Jehova dient.

Und so ist es ja auch gekommen. Wer ausgeschlossen wurde, über ihm wurde gesagt: „Herr/Frau … ist kein Zeuge Jehovas mehr“, geradeso, als ob Menschen bestimmen könnten, wer Jehova anbeten darf und wer nicht; wer Erfahrungen mit ihm machen darf und sein prophetisches Wort verstehen darf, die ihn zu einem Zeugen machen, und wer nicht.

Doch was sagt nun der geläuterte Glaubensbruder? Ich bin eine Mauer. Nicht alle können Jehova so anbeten! Nicht alle haben Zugang! Aber was ist das Kriterium? Wer Jehova anbeten darf und ein echter Zeuge Jehovas sein darf, wird ausschließlich dadurch bestimmt, wer sich von der lebengebenden geistigen Speise ernährt, die von Jehova kommt und so eine genaue Erkenntnis der Wahrheit erhält (Dan 12:10). Die durch ein Bibelstudium gewonnene genaue Erkenntnis allein zählt.

Hohes Lied 8:11, 12

Die Organisation war unter der Leitung der Dämonen sehr prachtvoll. Viele haben begeistert mitgemacht, haben ihre Arbeitskraft und ihre materiellen Mittel zur Verfügung gestellt. Doch nachdem die wahren Zeugen Jehovas wieder zu Jehova zurückgebracht worden sind, lehnen sie diese Organisation nun ab und verzichten auf ihre Herrlichkeit. Denn sie haben etwas Besseres. Ihren eigenen Weingarten, ihre eigene tiefe Erkenntnis Jehovas. Sie lassen sich nun nicht mehr von den „Söhne ihrer geistigen Mutter“ einspannen, einer Organisation ergeben zu sein (Hohes Lied 1:6).

Hohes Lied 8:13, 14

In vielen Bibelübersetzungen steht hier der Begriff „Balsamberge“ statt „Berge der Gewürze“. Dies knüpft an den Bibeltext aus Jeremia 51:8 an:

Jeremia Kapitel 51
Lies Jeremia 51:8

Bereits die ernsten Bibelforscher erkannten, dass die Kirchen der Christenheit alle zu Babylon der Großen zu zählen sind und dass Babylon gefallen ist. Darum sind sie ja auch aus ihren Kirchen ausgetreten, haben sie verlassen. Doch nun entstand wieder eine große, hierarchisch geführte Organisation. Diese wurde im Laufe der Zeit immer wieder in organisatorischer Hinsicht „verbessert“. Aber kann Babylon geheilt werden?

Lies Jeremia 51:9, 10

Babylon ist nicht geheilt worden. Weder die Reformation noch diese neue Organisation, unter der Jehovas Zeugen organisiert wurden, konnte Babylon heilen. Die geläuterten Anbeter Jehovas verlassen deshalb die Organisation und geben weiter Zeugnis. Sie erzählen von den Taten des Gerichts, das Jehova für sie vollbracht hat. Denn Zion steht für den sinnbildlichen Ort der reinen Anbetung in „Geist und Wahrheit“.
Wenn jetzt jemand kommt und wieder eine Organisation wie die Frühere gründen möchte, dann wird man dies nun zurückweisen (Matthäus 25:8, 9). Durch die Lehre Jehovas wird auch dieser „Berg“ genauso verworfen sein, wie die in Hohes Lied 2:8 erwähnten „Berge“. Denn die genaue Erkenntnis der Wahrheit ist keine Handelsware, die von Religionsvertretern gewinnbringend genutzt werden könnte!

Autor: Bernd Oelschlägel, aufgeschrieben 2016

CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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