Der Glaube eines Zeugen Jehovas stützt sich auf die Bibel und ist gut begründet. Und er gibt eine echte und mit Beweisen untermauerte Zukunftshoffnung in dieser heutigen dunklen Welt, die keine Zukunft hat. Die Probleme nehmen nur ständig zu und die Erde wird ausgebeutet. Doch es gibt Hoffnung. Man kann mithilfe der Bibel verstehen, warum die Weltverhältnisse so sind, wie sie sind, und dass es einen Gott gibt, der einen Plan hat, wie die Probleme zu lösen sind. Hierfür hat der Schöpfer für eine sichere Rechtsgrundlage gesorgt (siehe »Der Schatz«), durch die wahre Gerechtigkeit bald Wirklichkeit wird.

Doch merkwürdigerweise sind diejenigen, die solch eine Zukunftshoffnung haben, in geistiger Gefangenschaft, oft ausgelaugt und unglücklich. Manche sind ausgestiegen und erleben den sozialen Tod, da sie von allen gemieden werden. Einige sind so niedergeworfen worden oder hatten traumatisierende Erlebnisse, dass sie professionelle psychologische Hilfe benötigen. Wie passt das zusammen? Das soll in dieser Abhandlung analysiert werden.

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Zwei unterschiedliche Lehrpunkte, die nicht erwähnt werden

Auf der Website jw.org zu „Über uns“, „Oft gefragt“: „Woran glauben Jehovas Zeugen“ werden 15 Punkte angeführt, die den Glauben eines Zeugen Jehovas erklären sollen.

Wir wollen diese Lehrpunkte hier nicht weiter betrachten. Sie sind wohl zur Information für die allgemeine Öffentlichkeit gedacht. Einem Zeugen Jehovas sind diese Punkte gut bekannt, und er stimmt ihnen natürlich zu.

Um aber unsere eingangs gestellten Fragen beantworten zu können, müssen wir noch andere Lehrpunkte beachten, die hier für die Öffentlichkeit nicht angeführt werden.

Es sind zwei unterschiedliche Lehrpunkte, die in der Aufführung auf jw.org fehlen.

Der erste Lehrpunkt sollte eigentlich erwähnt werden, denn er ist allen Zeugen Jehovas wohlbekannt und wurde schon von den ernsten Bibelforschern mit größtem Nachdruck vertreten.

Der zweite Lehrpunkt wird auch unter Zeugen Jehovas nicht so ganz direkt ausgesprochen. Vielmehr erfährt man ihn in der Praxis. Er ist aber für einen Zeugen Jehovas allgegenwärtig.

Jetzt bist du bestimmt gespannt, was für Lehrpunkte das sind!

Zum ersten Lehrpunkt lassen wir doch einmal den zweiten Präsidenten der Gesellschaft: J. F. Rutherford zu Wort kommen. In einer feurigen Ansprache auf dem Kongress im Jahr 1925 rief er zu folgendem auf:

„Glaubt ihr, daß der König der Herrlichkeit seine Herrschaft begonnen hat? Dann zurück in das Feld, o ihr Söhne des höchsten Gottes! Umgürtet euch mit eurer Waffenrüstung! Seid besonnen, seid wachsam, seid tätig, seid tapfer! Seid treue und glaubensstarke Zeugen für den Herrn! Geht vorwärts in dem Kampfe, bis jede Spur Babylons wüst und öde gemacht ist! Verkündet die Botschaft weit und breit! …“

Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes: Kap. 7 S. 72 Verkündet den König und das Königreich! (1919—1941) Hervorhebung von mir

Im Geiste dieses Appells wollten auch die späteren Zeugen Jehovas ihren Predigtdienst verrichten, bis auf den heutigen Tag! Doch um welche wichtige Lehre geht es hier? Es geht darum, jede Spur Babylons wüst und öde zu machen. Babylon steht als „Babylon die Große“ für das weltweite Religionssystem, besonders für die Kirchen der Christenheit. Jehovas Zeugen wollten nicht nur kein Teil dieser Kirchen sein. Sie betrachten diese Kirchen als von Gott verworfen. Die Geistlichen der Christenheit haben die Menschen mit ihren falschen, gottentehrenden Lehren nur irregeführt.

Die zweite Lehre ist eigentlich wie eine offene Geheimlehre, da sie ja nirgends direkt genannt wird. Dennoch ist es die Lehre, mit der alle Zeugen Jehovas zu tun haben und an der keiner von ihnen vorbeikommt, da sie mit verfälschten Argumenten gestützt und geschützt wird. Ja, sämtliche Probleme, die es bei Jehovas Zeugen gibt und all die schlechten Erfahrungen, von denen manche Aussteiger berichten, werden von dieser Lehre verursacht. Um welche Lehre handelt es sich? Es ist die Lehre von der göttlichen Autorität der Ältesten!

Die Lehre von der göttlichen Autorität der Ältesten

Diese Lehre ist die Ursache aller Probleme in der Glaubensgemeinschaft. Ihretwegen meidet ein Zeuge Jehovas sogar einen Familienangehörigen, nur weil drei Älteste ein schlechtes Urteil über ihn gefällt haben. Wegen dieser Lehre sind alle eingeschüchtert und man hat keine Freimut der Rede. Man muss immer das tun, was die Ältesten sagen, auch wenn das eigene biblisch geschulte Gewissen etwas anderes sagt. Die schlimmsten traumatischen Erlebnisse gehen auf das Konto dieser Lehre zurück.

Die magisch verfälschten Argumente, mit denen man diese Lehre mit dem Glauben eines aufrichtigen Zeugen Jehovas verknüpft, sind der Grund, weshalb wahrheitsliebende Menschen beherrscht und ausgebeutet werden, obwohl sie dem Gott, bei dem es kein Unrecht gibt, ergeben sein wollten.

Ich lehnte sie von Anfang an ab, da sie Beweiskriterium Nr. 1 Prüfung auf Selbstkonsistenz nicht erfüllt. Mit dieser Lehre entstehen lauter Widersprüche zu den anderen und biblisch begründeten Lehren. Es ist darum auch eine Art Geheimlehre. Aber wegen den magisch verfälschten Argumenten kommt kein getaufter Glaubensbruder und kein Interessierter, der sich taufen lassen möchte, an ihr vorbei.

Wir wollen nun zunächst die Ursache betrachten und dann die sieben magisch verfälschten Argumente finden und sie widerlegen.

Wodurch verursacht?

Ein Grund dafür, dass man die Autorität der Ältesten mit allen Mitteln verteidigt hat, ist wohl die in vielen Menschen steckende Habsucht und Machtsucht, denn es heißt in der Bibel:

Auch werden sie euch aus Gier mit betrügerischen Worten ausbeuten. Ihr Urteil, das schon lange feststeht, lässt jedoch nicht auf sich warten, und ihre Vernichtung schläft nicht.

2. Petrus 2:3; NWT 2018

Sie findet aber vor allem durch das Ur-Trauma einen mächtigen Nährboden (siehe den Beitrag: »Die Himmelsleiter«).

Im Jahr 1926 gab es von den ernsten Bibelforschern den Artikel: »Wer wird Jehova ehren?« Im Wachtturm vom 01.02.1926 S. 35–40 Brooklyn – Bern in Absatz 21 heißt es:

Dann gibt es solche, die dem Herrn geweiht sind, die leicht der Anbetung des Geschöpfes zum Opfer fallen und nicht den Schöpfer anbeten. Es liegt eine Neigung vor, Menschen Anerkennung und Ehre für die wundervolle Botschaft der Wahrheit und den Plan der Errettung zu geben. Es liegt eine Neigung vor, Führern und Ältesten in Versammlungen zu folgen und den verordneten Weg des Herrn, Gottes zu vergessen. Lasst uns immer in Erinnerung halten, dass die Wahrheit und der Plan der Errettung von Gott ausgeht. Es ist seine Wahrheit und sein Plan, und nicht des Menschen. Kein Mensch ist berechtigt, für eines von beiden Ehre anzunehmen. Wir haben das Gebot, einander zu lieben, und dies sollten wir tun. Wir sollten nicht Anbeter von Helden sein oder von Menschen, welche mehr als gewöhnliche Gaben besitzen.

»Wer wird Jehova ehren?«; Wachtturm vom 01.02.1926 S. 35–40 Brooklyn – Bern; Absatz 21

Man hatte offenkundig erkannt, dass es eine starke Neigung gibt, Menschen die Ehre zu geben und sie an die Stelle Gottes zu setzen. Schon damals gab es offenkundig das Phänomen, dass man in den Versammlungen den Ältesten gefolgt ist, denn dies wurde explizit erwähnt. Dass dies ein Fehler ist, wurde klar erkannt.

Ursprünglich wollten Zeugen Jehovas also frei sein von diesen Dingen (Johannes 8:32). In dem Buch »Die Offenbarung Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!« (herausgegeben von Jehovas Zeugen), das mehrfach von Zeugen Jehovas im Versammlungsbuchstudium ausführlich durchgenommen wurde, wird in Kapitel 23 S 149 Abs. 5: auf eine Resolution der ernsten Bibelforscher im Jahr 1927 hingewiesen. Auszugsweise wurde Folgendes verkündet:

In dieser Stunde der Verwirrung läßt Jehova Gott an die Völker die Aufforderung ergehen, das System dieses Scheinchristentums oder der ‚organisierten Christenheit‘ aufzugeben, für immer zu verlassen, sich vollständig davon abzuwenden . . .; und daß die Völker die Ergebenheit und Unterwürfigkeit ihrer Herzen gänzlich Jehova Gott, seinem König und seinem Königreich zuwenden sollen.

Resolution der ernsten Bibelforscher im Jahr 1927, abgedruckt in dem Buch »Die Offenbarung Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!« Kapitel 23 S 149 Abs. 5

Diese Resolution wird hier mit dem sechsten Engel, der seine Trompete bläst, in Verbindung gebracht. Dem soll ein großes Predigtwerk folgen (symbolisiert durch ein Reiterheer), in dem diese Botschaft an die Menschen übermittelt wird. Es soll das Predigtwerk von Jehovas Zeugen sein bis auf diesen Tag. Das wollen Zeugen Jehovas, wenn sie von Haus zu Haus gehen, also mitteilen. Keine Geistlichenklasse sollte zwischen uns und unserem Schöpfer stehen. Unsere Gottesfurcht sollte nicht Furcht vor Geistlichen oder Ältesten bedeuten. Denn die Ergebenheit und Unterwürfigkeit des Menschen sollte ausschließlich dem unsichtbaren Gott, seinem König Jesus Christus und seiner von Menschenherrschaft frei gewordenen Herrschaftsform gelten.

Natürlich denkt ein Zeuge Jehovas hier an die Kirchen, aus denen die ernsten Bibelforscher vor 100 Jahren schon ausgetreten sind. Aber es ist doch egal, ob wir sie Geistliche oder Älteste nennen. Wie könnte heute die Furcht vor den Ältesten unser Leben bestimmen?

Die ernsten Bibelforscher haben gegen die Lehre von der göttlichen Autorität einer Geistlichenklasse gekämpft. Allen voran Joseph Rutherford, der zweite Präsident der Gesellschaft, den wir schon zitiert haben. Man sagt Bruder Rutherford oft nach, dass er sehr autoritär gewesen sei. Aber welche Autorität hat er beansprucht? Das geht aus einer Begebenheit mit Bruder Klein hervor und ist im Lebensbericht von Bruder Klein zu finden:

Bruder Rutherford war wie ein verständnisvoller, liebender Vater zu mir, obschon er wiederholt Ursache hatte, mich zu tadeln, weil ich eine Regel verletzt hatte. Ich erinnere mich besonders daran, daß er mir einmal einen scharfen Tadel erteilte. Als er mich das nächste Mal sah, sagte er fröhlich: „Hallo, Karl!“ Doch da ich mich noch gekränkt fühlte, murmelte ich nur einen Gruß. Er entgegnete: „Karl, paß auf! Der Teufel ist hinter dir her!“ Ich antwortete verlegen: „Es ist alles in Ordnung, Bruder Rutherford.“ Aber er wußte es besser und wiederholte daher seine Warnung: „Dann ist es ja gut. Aber paß auf! Der Teufel ist hinter dir her.“

Wachtturm 15.12.1984 S. 25 „Jehova … hat mich in belohnender Weise behandelt“

Wie meinte es Bruder Rutherford wohl? Warum ist der Teufel hinter Bruder Klein her? Mit seinem fröhlichen »Hallo Karl«, wollte er zeigen, dass sein Tadel beim letzten Treffen nichts mit einer Diskreditierung seines Glaubensbruders zu tun hat. Sein Verhältnis zu ihm sollte weiterhin völlig ungetrübt bleiben. Weil J. Rutherford aber ein Verantwortlicher ist und eventuell für eine Regelverletzung seiner Mitarbeiter vor anderen gerade stehen muss, wollte er ihn wohl mit dem Tadel diesbezüglich unter Kontrolle halten. Doch Bruder Klein fasste es als Diskreditierung auf, wie wenn er jetzt als Zurechtgewiesener nur noch in gebeugter Haltung als Sünder dastehen kann. Aber genau das möchte der Teufel erreichen. Satan möchte, dass Älteste eine diskreditierende Autorität ausüben und die Glaubensbrüder glauben, dass sie die Befugnis hierzu von Gott hätten.

Rutherford lehnte dies ganz entschieden als vom Teufel kommend ab. Er selbst hatte keine göttliche, diskreditierende Autorität beansprucht. Seine Autorität war die des Aktivisten. Er vertrat die Autorität des Gründers oder Autors der Bibelforscherbewegung Charles T. Russell, der 1916 verstorben war. Ein Autor hat immer ein Maß an Autorität über das Werk, dessen Gründer er ist. Und Rutherford war sein Nachfolger. Auch wenn er nach der Meinung einiger als umstritten gilt, würde ich ihn voll anerkennen als ein Mann, der Jehovas Segen hatte und prinzipiell das Richtige tat als einen, der gegen die falsche babylonische Anbetung kämpfte wie kein anderer.

Wer beansprucht viel mehr Autorität als Rutherford?

Aber welche Autorität beanspruchen die Ältesten heute? Sie scheinen geradezu unbegrenzte Macht zu haben. Sie bilden Rechtskomitees und wer dort ausgeschlossen wird, dem wird mit einem Schlag seine ganze Identität als Zeuge Jehovas samt sozialen Kontakten geraubt. Es ist, wie wenn sie sogar Gott Vorschriften machen könnten. Indem sie sagen, er sei kein Zeuge Jehovas mehr und erklären, dass man noch nicht mal für ihn beten sollte, schreiben sie sogar Jehova vor, ihn zurückzuweisen. Stell dir das vor! Kleine Menschen schreiben dem Schöpfer des ganzen Universums vor, dass er seinen kleinen menschlichen Zeugen nicht mehr helfen und seine Zeugeneigenschaft, die mit seiner Hingabe verknüpft ist, nicht mehr anerkennen soll! Was ist das für eine Anmaßung! Solch eine Autorität hatte ein Präsident der Gesellschaft nicht im Entferntesten beansprucht.

Aber wie ist es dazu gekommen? Und warum wehrt sich niemand dagegen? Warum kann sich niemand in der Glaubensgemeinschaft, der weiterhin Glauben hat, von der Lehre der göttlichen Autorität der Ältesten losreißen?
Das hat mit schwarzer Magie zu tun. Darum geht es im Folgenden:

Spiritismus

Wie schon in meinem Artikel im Erwachet! vom 22.11.2005 erwähnt wurde, schmiss ich das Horoskop und spiritistische Bücher weg. Mein Verhältnis zu Jehova kam dadurch in Ordnung (siehe auch »Wann immer sie sagen …«).

Stellen wir uns vor, wir wären im Kino und dort würden unerwartet spiritistische Szenen gezeigt. Wie reagiert ein Zeuge Jehovas? Er sollte nicht dem Gruppenzwang erliegen, sondern lieber die Flucht ergreifen, rausgehen. Aber was ist, wenn wir es gar nicht merken und wenn unsere Freunde alle erklärt haben, dass sie auch dem Spiritismus fliehen wollen?

So ähnlich ist es mir im Jahr 2016 ergangen. Ich war auf dem regionalen Kongress der Zeugen Jehovas und fühlte mich nicht wohl, als am Ende ein Video gezeigt wurde, in dem es um das Paradies ging. Ich merkte, dass mir nicht wohl ist, wollte am liebsten gehen.

Leider stand ich nicht gleich auf. Es war auch nicht möglich, nach Hause zu gehen, da man nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kam. Man brauchte ein Auto oder den Bus, der mich herbrachte. So lange musste ich also warten. Aber was war das? Erst später wusste ich es. Die Musik war von Audiomachine und das Stück „Ethernal flame“. Wenn man das Cover sieht, merkt man, dass es hoch spiritistisch ist. Ich musste mir hier auf dem Kongress der Zeugen Jehovas also spiritistische Musik anhören. Kein Wunder, dass es mir schlecht ging!

Offenkundig sind wir auch hier nicht sicher vor Spiritismus. Aber wir wiegen uns in Sicherheit und merken gar nicht, was tatsächlich im Gange ist.

Wer würde denn vermuten, dass es auch ohne die Musik auf diesem Kongress bei Jehovas Zeugen hoch spiritistisch zugeht? Der Gedanke, dass Älteste schwarze Magie betreiben, erscheint ja geradezu unerhört.

Doch ein Zeuge Jehovas merkt schnell, dass die biblische Wahrheit ihn nicht wirklich frei gemacht hat (Johannes 8:32), da er alles tun muss, was die Ältesten sagen. Nur versteht er nicht, warum er nicht frei sein sollte. Er denkt vielleicht, frei zu sein, weiß aber, dass es nicht so ist. Warum nur?

Magisch gefangen

Wir können die Situation eines Zeugen Jehovas so veranschaulichen. Er war auf der Suche nach wertvollen Edelsteinen und er traut seinen Augen kaum. Er findet einen unglaublich schönen, großen Diamanten von unschätzbarem Wert (siehe Matthäus 13:45, 46). Als er ihn mitnehmen wollte, treten ihm Diebe in den Weg. Nein, die Diebe wissen nichts mit dem Diamanten anzufangen. Sie können ihn noch nicht mal halten, ohne sich gleich in die Finger zu schneiden. Was machen sie? Sie lenken ihn auf geheimnisvolle magische Art und Weise ab, vielleicht vergleichbar mit Hypnose, so dass er den Diamanten aus seinem Blickfeld verliert.

Er glaubt nun, die Leute hätten den Diamanten in ihrer Hand und er kommt jetzt nur noch durch ihre Erlaubnis an ihn heran. Jetzt fangen sie an, ihm zum Dienen anzutreiben. Er muss alles tun, was sie sagen. Er tut es auch, denn er möchte ja seinen Schatz wiederhaben. Schließlich ist er vom vielen Dienen total erschöpft und ausgelaugt. So ergeht es einem Zeugen Jehovas (siehe Kafka-Veranschaulichung: »Vor dem Gesetz«). Das besonders Schlimme ist, dass er meint, die Diebe seien Gottes Vertreter.

Es ist sehr schwer, hier herauszukommen. Auch ich musste sehr kämpfen, musste von meinem Verstand als Wissenschaftler Gebrauch machen, um überhaupt zu verstehen, was hier vor sich geht. Dann musste ich regelrecht Krieg führen, um die schwarz-magischen Bindungen zu lösen.

Das eigentliche Problem sind scheinbar logische Schlussfolgerungen bzw. Argumente, mit denen unser Glaube untrennbar mit der Lehre von der göttlichen Autorität der Ältesten verknüpft wird. In der Bibel werden sie gemäß der Neue-Welt-Übersetzung als „verfälschte -“ oder „betrügerische Worte“ bezeichnet (2. Petrus 2:3).

Um uns von den Ältesten zu befreien, ohne den Glauben zu verlieren, ist es absolut erforderlich, diese Argumente (oder betrügerische Worte) zu identifizieren und sie dann zu widerlegen.

Die sieben Argumente identifiziert

Zur Rettung gekennzeichnet!

Wenn wir als Interessierter bei Jehovas Zeugen durch unser Bibelstudium so weit sind, dass wir Glauben haben, dann möchten wir Schritte unternehmen, um diesen Glauben zu beweisen. In der Bibel ist davon die Rede, dass man als Jünger getauft werden soll. Außerdem möchte der Interessierte sich an dem Predigtwerk beteiligen. Voller Begeisterung, den kostbaren Schatz gefunden zu haben, gibt er sich Jehova hin. Da aber die Möglichkeit, sich taufen zu lassen, von dem Taufveranstalter abhängt, muss er nun alle Bedingungen erfüllen, damit er zugelassen wird. Diese kommen aber von den Ältesten. Dadurch haben sie in seinen Augen große Autorität.

Da er unbedingt Jehova dienen will, erfüllt er alle Bedingungen. Dazu gehört, dass er erst ungetaufter Verkündiger werden muss. Und sobald er das ist, muss er auch jeden Monat einen Predigtdienstbericht abgeben. Dann hat er den Status eines Verkündigers. Die Predigtdienstberichte aller Verkündiger werden von einem Ältesten eingesammelt.

Wenn er schließlich getauft ist, dann wird er nicht etwa in die Freiheit entlassen. Er untersteht weiterhin den Ältesten. Wenn er nicht mehr alle Bedingungen für einen getauften Verkündiger erfüllt, können sie ein Rechtskomitee bilden und ihn ausschließen. Es wird von ihm erwartet, dass er regelmäßig die Zusammenkünfte besucht, die durch Älteste geleitet werden. In diesen wird er von den Ältesten belehrt, genauer gesagt indoktriniert. Außerdem muss er weiterhin jeden Monat seinen Predigtdienstbericht abgeben, damit er den Status eines Verkündigers nicht verliert (siehe »Zeugen Jehovas in Not«). Angeblich soll ja alles freiwillig sein, aber wie werden die Ältesten reagieren, wenn er es nicht tut?

Verliere nicht deine Krone!

Durch diese Dinge haben Älteste schier unbegrenzte Macht. Der Getaufte glaubt, dass er nur dann seine Hoffnung auf ewiges Leben durch die Auferstehung oder das Überstehen des Tages Jehovas behalten kann, wenn er weiterhin dazugehört und seinen Status als getaufter Zeuge Jehovas und Verkündigers nicht verliert (siehe Jesaja 28:14, 15 mit Erklärung). Es ist wie eine Krone oder ein Diadem, das er hat und auf keinen Fall verlieren möchte. Er meint, dass er durch diese Dinge zur Rettung gekennzeichnet wird.

Dies hat schlimme Auswirkungen, denn alle möchte um jeden Preis ihr Kennzeichen behalten, denn es geht um Leben und Tod. Es geht um die Aussicht, ewig im Paradies auf Erden leben zu dürfen. Wer ausgeschlossen wird oder die Gemeinschaft verlässt, verliert das Kennzeichen. Die Ältesten sagen dann den anderen, die ihr Kennzeichen nicht verlieren wollen: „Ihr dürft keine Gemeinschaft mit diesen haben.“ Und sie befolgen die Anweisungen und haben vielleicht nicht mal mehr Kontakt mit den eigenen Kindern oder Eltern. Das tun sie, weil sie ihr Kennzeichen nicht verlieren wollen. Dann meiden sie sogar einen lebenden Menschen und betrachten ihn als tot, weil sie einen bereits verstorbenen Menschen in der Auferstehung wiedersehen wollen! Denn der verstorbene Mensch hat sein Kennzeichen ins Grab mitgenommen und sie wollen ihres behalten. Nur der Ausgeschlossene oder Aussteiger hat es verloren.

Das Kennzeichen, das wie eine Krone ist, wurde in den Köpfen durch all ihr Bemühen vor der Taufe und danach in Verbindung mit der Autorität der Ältesten zur Realität! Und dadurch befinden sie sich in Gefangenschaft. Es ist, wie man einen Affen fängt. Hinter einem Loch im Baum legt man eine Nuss. Der Affe muss die flache Hand durch das Loch strecken, um die Nuss zu ergreifen. Er kann jetzt seine Hand nicht mehr aus dem Loch ziehen, weil die Faust zu dick ist. Er müsste nur die Nuss loslassen und er ist frei. Das tut er aber nicht, da er die erbeutete Nuss nicht aufgeben möchte. So ist er gefangen.

Wir müssen anderen helfen, da auch uns geholfen wurde!

Ein Interessierter mag sich fragen: „Muss ich mich wirklich der Organisation anschließen? Kann ich nicht die Erkenntnis, die frei macht, mitnehmen, ohne in dieser Glaubensgemeinschaft zu sein?“

Doch man möchte einem Gott treu sein, bei dem es kein Unrecht gibt. Es ist nicht recht, die Erkenntnis, die mit einer wunderbaren Zukunftshoffnung verbunden ist, für sich zu behalten. Man muss aktiv sein und anderen davon erzählen, wie es ja die Person getan hat, durch die man diese Dinge kennengelernt hat. Vielleicht war es eine Pionierschwester, die uns die Erkenntnis aus der Bibel gezeigt hat. Man möchte später das Gleiche tun, vielleicht auch in den Pionierdienst gehen.

Pioniere machen Pioniere, heißt es. Doch alle sind getaufte Glaubensbrüder oder Schwestern. Sie dienen alle von Ältesten abhängig. Wer in den Pionierdienst gehen möchte, brauch die Unterschrift der Ältesten. Sie genehmigen das und haben so die volle Macht. Der Neue gerät so zwangsläufig ebenfalls unter die Herrschaft der Ältesten.

Wir haben es hier mit einem weiteren Argument zu tun, das uns an Älteste bindet. Man ist immer abhängig von den Ältesten, wenn man in der Glaubensgemeinschaft für Jehova aktiv werden möchte. Am Anfang eines heiligen Dienstes, der den Segen Jehovas einbringen soll und mit dem man seine Liebe zu Jehova und seinen Mitmenschen beweisen möchte, steht immer die Unterschrift der Ältesten. Segen von Jehova gibt es nur, wenn die Ältesten zustimmen. Sie können uns dann den Segen wegnehmen, indem sie uns ein Dienstvorrecht wegnehmen. So scheinen sie wirklich göttliche Macht zu haben.

Wir müssen Schritt halten mit der fortschrittlichen Organisation Jehovas!

Eigentlich wird die göttliche Autorität der Ältesten oder aller, die in der Organisation die Führung übernehmen, weniger mündlich gelehrt, sondern als Tatsache hingestellt. Jehova handelt mit der Organisation und gebraucht dazu Menschen, die dort die Führung übernehmen.

Wie ich in der Abhandlung »Wann immer sie sagen …« berichtete, beanspruchten die Ältesten immer diese Macht, wie wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre. Jehova hat ihnen angeblich Autorität verliehen.

Ich wunderte mich ständig über die Anmaßung und fürchtete mich eher für sie. Denn wenn ihr Anspruch nicht stimmt, sind sie die schlimmsten Hochstapler, die es überhaupt geben kann, weil sie dann völlig zu Unrecht göttliche Autorität beanspruchen. Aber weil sie einen solchen Anspruch haben und ich nicht sicher beweisen kann, das es nicht stimmt, muss ich ihnen aus meiner Gottesfurcht heraus gehorchen. Denn sie sagen: „Wer die Autorität der Ältesten missachtet, der missachtet die Autorität Jehovas, des Schöpfers des ganzen Universums.“ Wer möchte schon riskieren, Gottes Autorität zu missachten? Darum galt für mich der Grundsatz: Am Anfang steht die Unschuldsvermutung und im Zweifelsfall für den Angeklagten.

Wie es auch die Diktatoren tun, behaupten sie, erfolgreich zu sein. Weil sie ständig göttliche Macht beanspruchen, muss man glauben, dass sie sie auch haben und ihre Handlungsweise unter Gottes Führung in Verbindung mit der göttlichen Organisation langfristig stets zum besten Ergebnis führt. Erfolg im zeitlichen Verlauf kann man an einem Tagebuch ablesen. Doch kann mithilfe eines Tagebuches auch das Gegenteil bewiesen werden.

Wir müssen loyal sein!

Drei haben wir gefunden, aber es gibt noch weitere vier verfälschte Argumente. Besonders eines davon hilft den Ältesten selbst, ihre Autorität zu rechtfertigen, und es verstehen wohl nur die Insider gut.

Ein Ältester traf mich am Eingang eines Einkaufszentrums. Da ich die Versammlungszusammenkünfte in letzter Zeit nicht besucht hatte, wollte er mich mit einem Argument dazu bewegen. Er verwies auf den Bibeltext Sacharja 8:23:

‚In jenen Tagen werden zehn Männer aus allen Sprachen der Völker nach dem Gewand eines Juden greifen, ja sie werden es festhalten und sagen: „Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott an eurer Seite ist.“‘“

Sacharja 8:23 NWT 2018

Dieser Bibeltext wird auf unser Verhältnis zu den sogenannten Geistgesalbten angewendet. Nachdem wir uns der Glaubensgemeinschaft angeschlossen hatten, war das unsere Einstellung. Die Geistgesalbten, die ja auch den in der Bibel erwähnten „treuen und verständigen Sklaven“ bilden, sind führend vorangegangen und haben dieses in der Bibel vorausgesagte Predigtwerk von Jehovas Zeugen gegründet. Und wir haben verstanden, dass Gott mit den Geistgesalbten ist und haben uns deshalb ihnen angeschlossen. Denn durch sie kam es zur Wiederherstellung der reinen Anbetung, die fast 2000 Jahre lang durch die abtrünnige Christenheit unterdrückt wurde.

Damit haben wir ein weiteres bedeutungsvolles Argument gefunden: Wir müssen loyal sein zu der Organisation und dem „treuen und verständigen Sklaven“! Und die Ältesten sind gewissermaßen mit denen eng verbunden, die eine Art Auferstehung der wahren Anbetung bewirkt hatten. Sie geben vor, den „Sklaven“ loyal zu unterstützen. Dafür haben sie ihre Autorität erhalten und üben sie scheinbar rechtsmäßig aus.

Dieses Argument ist besonders gut magisch geschützt. Es ist der biblische Begriff „treuer und verständiger Sklave“. Es ist ein völliges Tabuthema, hier irgendetwas infrage stellen zu wollen (siehe den Bericht »Herzlich willkommen«).

Wir müssen loyal zur Organisation sein. Sie gilt als unsere Mutter. Gott ist loyal und er erwartet das von seinen Dienern auch. Loyalität zur Organisation bedeutet wieder, die Autorität der Ältesten zu respektieren. Und die Ältesten geben vor, loyal zum sogenannten treuen und verständigen Sklaven zu sein. Darum müssen wir auf jeden Fall treu und loyal sein.

Nun müssen wir noch weiter drei verfälschte Argumente finden.

Älteste sind vom Geist ernannt!

Ich kann mich noch gut erinnern, wie sich ein Kongressredner in seinem Vortrag über die beschwert hat, die sagen: „Älteste sind auch nur Menschen“, und er meinte, sie würden „nuuur“ mit drei u betonen. Das gefiel ihm nicht. Offenkundig war es ihm wichtig, Älteste als etwas ganz Besonderes zu sehen. Sie sollen ja auch vom Geist ernannt sein und haben während ihres Dienstes ein besonderes Maß von Jehovas Geist. Man sieht sie als Personen, die von Jehova für ihre Aufgaben besonders befähigt wurden. Man hat ihnen die Hände aufgelegt wie im ersten Jahrhundert, und sie müssen so von Jehova anerkannt worden sein. Darum müssen wir ihre Autorität als von Gott kommend respektieren (Apostelgeschichte 6:6; 20:28).

Man soll glauben, dass Jehova durch sie handelt und darauf achtgibt, dass wir gegenüber den Ältesten, seinen Vertretern, gehorsam sind. Sie kommen zu zweit oder zu dritt und treten als Richter auf. Derjenige, der ihnen gegenübersitzt, ist der Sünder und Untergebene, der sich demütigen und bereuen soll, nachdem er alle seine Sünden zugegeben hat. Dass die drei Ältesten selbst viel größere Sünden begehen, wird nie zum Thema. Sie besitzen Immunität. Wer auf dem Richterstuhl sitzt, sitzt eben nicht auf der Anklagebank. Da wir dies als Drohkulisse immer vor Augen haben, bestimmt die Autorität der Ältesten unseren Alltag.

Ein Stasimitarbeiter wird Ältester

Am letzten Tag, an dem ich im Bethel war, hatte ich ein Gespräch mit einem Glaubensbruder aus der ehemaligen DDR, der mir schon vor einigen Jahren die Geschichte erzählte, wie ein Stasimitarbeiter in die Versammlung eingeschleust wurde. Der Stasimitarbeiter, der sich als Interessierter ausgab, wurde nicht nur getauft, sondern später zum Ältesten ernannt. Die Ältestenbesprechungen fanden bei ihm in der Wohnung statt. Natürlich gab er alle Informationen an die Stasi weiter und es kam zu vielen Verhaftungen.

Aber wenn ein Stasimitarbeiter sogar zum Ältesten ernannt wird, wie kann man da sagen, dass die Ältesten vom Geist ernannt werden? Diese Frage stellte ich dem Glaubensbruder und er sah mich ganz spöttisch an. „Weißt du denn nicht, wie Älteste ernannt werden?“ Ganz offensichtlich hielt er als Ältester nichts von der Vorstellung, dass bei einer Ernennung irgendwie Gottes Geist im Spiel wäre.

Er betonte dann, dass dieser „Älteste“ mit einer Freundin erwischt und er wegen Hurerei ausgeschlossen wurde. Später kam die Nachricht: Er sei gestorben. Der Sarg war aber geschlossen und man vermutete, dass es eine Inszenierung war, um ihn ins normale Stasi-Leben zurückzubringen und nicht als Ausgeschlossener zu gelten. Offenkundig hatte die Stasi Mühe, den schwarz-magischen Bannspruch eines Gemeinschaftsentzugs wieder loszuwerden. Das gefiel dem Bruder und so war die Macht der Ältesten unwiderlegt.

Man ignoriert einfach die Tatsache, dass ein Stasimitarbeiter natürlich niemals den Segen Jehovas gehabt haben konnte, obwohl er doch zeitweise Ältester war. Und gleichzeitig war die Macht der Ältesten so überwältigend (sie mussten seinen Tod inszenieren, um ihn da herauszuholen), um scheinbar zu beweisen, dass hier doch etwas Großes im Spiel sein muss, was auf Göttlichkeit hinweist. Und so bleibt das Argument, dass man großen Respekt vor Älteste haben soll.

Vorbilder im Glauben sind den Ältesten gehorsam!

Bei dem Gespräch mit zwei Ältesten, das ich hatte, nachdem Rosa einige Briefe, die ich ihr schrieb, an Älteste weitergeleitet hatte (Wann immer sie sagen …), erwähnte ich Gertrud Pötzinger als eine aufgeschlossene Person, die auch biblische Fragen hatte. Dazu meinten sie, dass Schwester Pötzinger immer gehorsam war und die Ältesten respektierte.

Und hier kommen wir zu einem weiteren Argument. Diejenigen, die man wegen ihrer Taten in ihrer Vergangenheit oder durch Berichte in den Zeitschriften als Vorzeigezeugen ansieht, sollen als mit den Ältesten im Bunde gesehen werden. „Seht alle her: Wenn dieser vorbildliche und eigenverantwortlich handelnder Mensch, der seinen Weg ging, um mutig für das Richtige einzutreten, sich bereitwillig den Ältesten unterordnet, dann kannst du das auch, ohne deine Freiheit und Eigenständigkeit zu verlieren“.

Ich sollte mir hier also von der Unterwürfigkeit einer Schwester Pötzinger ein Beispiel nehmen. Auf der anderen Seite habe ich ja selbst einen Bericht im Erwachet! vom 22.11.2005: „Wissenschaft und Bibel haben mir geholfen, den Sinn des Lebens zu finden“. In dem Artikel bringe ich zum Ausdruck, dass ich ein eigenverantwortlich handelnder Mensch bin, der seinen eigenen Weg ging, um sich selbst auf die Suche zu machen, das Rechte zu finden und es dann zu tun. Also ist es den Ältesten wichtig, dass ich trotzdem ihr Untergebener bin und das tue, was sie sagen. Dann fühlen sich auch alle anderen genötigt, den Ältesten untertan zu bleiben, weil sie einfach göttliche Autorität besitzen müssen.

Die Ältesten würden dieses Argument allerdings kaum in den Mund nehmen. Denn sie sind sowieso nur von sich selbst überzeugt. Für sie sind alle Mitbrüder untergebene, unselbstständige Wesen, die eigenverantwortliches Handeln sowieso nicht kennen. Aber es ist ein Argument für diejenigen, die reife Menschen und Christen sein wollten. Sie fühlen sich genötigt, die göttliche Autorität der Ältesten anzuerkennen, weil alle sie anerkennen. Aber das stimmt nicht! Reife Christen geben ihre Eigenständigkeit niemals auf. Sie betonen, dass sie aus ihrem eigenen Gewissen heraus handeln.

Wir müssen an unserem Versprechen festhalten, das wir bei unserer Taufe gegeben haben!

Das siebte verfälschte Argument hat etwas mit den zwei Fragen zur Taufe zu tun. Besonders die zweite Frage, in der von einer Organisation die Rede ist, mit der jeder Getaufte verbunden sein soll, ist hier bedeutsam. Da man sein Jawort dazu gegeben hat und man sich immer an seine Versprechen halten möchte, glaubt man, stets mit der Organisation, in der Älteste die Führung übernehmen, verbunden bleiben zu müssen. Es scheint so, wie wenn man sich einer Organisation hingegeben hat, obwohl in den früheren Lehrbüchern gesagt wurde, dass man sich nicht einer Organisation oder einem Werk hingibt, sondern nur Jehova.

Wie ich die mir gestellte Fragen verstanden habe, steht in dem Beitrag »Wann immer sie sagen …«. Ich unterschrieb mit meinem Verständnis nicht einen Vertrag mit einer von Ältesten geleiteten Organisation. Dass man die Frage unterschiedlich verstehen kann, hat etwas mit seiner Formulierung zu tun. Heute wird die Frage so formuliert, dass man regelrecht einen Vertrag mit einer juristischen Person eingeht, nämlich mit Jehovas Zeugen K. d. ö. R. Erst dadurch kann man das, was hier gefragt wird, mit Gegenargumente infrage stellen.

Wir haben nun erstmal die wohlklingenden Argumente gefunden, die uns zur Anerkennung der göttlichen Autorität der Ältesten bewegen sollen. Jetzt möchten wir weiter darauf eingehen, wie sie schließlich unbrauchbar gemacht werden können, warum sie verfälscht sind und welche Argumente stattdessen richtig wären.

Die Widerlegung der sieben verfälschten Argumente

Gehen wir systematisch vor und führen die sieben verfälschten Argumente in der Reihenfolge auf, in der sie widerlegt wurden. Denn vor Jahren war es noch schwer, diesen Lehrpunkten zu widersprechen. Am Anfang steht ja die Unschuldsvermutung. Doch heute sind alle diese verfälschten Argumente mit sicheren Beweisen widerlegt. Wir können heute alles richtigstellen.

1. Wir müssen Schritt halten mit der fortschrittlichen Organisation Jehovas!

Mit der Widerlegung dieses Arguments war ich in der Zeit, als ich im Bethel war, beschäftigt. Meine Ergebnisse habe ich in dem Beitrag »Gehorsam und explodierende Gasflaschen« dargelegt. Das Argument kurz zusammengefasst: Die Vertreter der Organisation im Bethel (Aufseher und Zweigkomiteemitglieder) können sich unmöglich auf göttliche Autorität berufen, weil sie wichtige nachweisliche Ausdrucksformen der göttlichen Autorität ignorieren. Indem sie Fachleute, die auf technische und physikalische Tatsachen hinweisen, nicht anerkennen, ignorieren sie die in den Naturgesetzen steckende göttliche Autorität. Indem sie das Gewissen ihrer Mitbrüder und Mitarbeiter nicht anerkennen, ignorieren sie göttliche Autorität. Denn das Gewissen des Einzelnen ist etwas, das von unserem Schöpfer kommt.

Ich konnte so nachweisen, dass ihre Autorität gegen die Autorität gerichtet ist, die von Gott kommt. Als sicherer Beweis dient hierzu auch ein Unfall und wie es dazu gekommen ist (siehe in »Gehorsam und explodierende Gasflaschen«). Vernichtende Anklagen können gegen sie wegen ihrer Missachtung göttlicher Autorität, die auch zu folgenschweren Ereignissen führen, erhoben werden. So ist bewiesen, dass ihr Autoritätsanspruch allergrößte Anmaßung ist.

Es gab im Bethel und auch in den Versammlungen noch viel mehr Beispiele, dass Fehlentscheidungen der Ältesten und Aufseher zu schlechten oder sogar verheerenden Ergebnissen geführt haben. Da sieht man auch langfristig keinen Segen von Jehova. Wenn man den Eindruck hatte, dass die Entscheidung eines Aufsehers falsch war, dann hat sich das im weiteren Verlauf der Entwicklung fast immer bestätigt. Mit dem Segen Jehovas müssten solche Entscheidungen doch langfristigen Erfolg bringen. Ich dachte oft, dass Jehova alles zum Guten wendet, aber es war nicht der Fall.

Was wäre zu bedenken gewesen?

Ein Blick in die Vergangenheit wäre sehr nützlich gewesen, um nicht auf den Irrtum hereinzufallen (siehe dazu die Erklärungen zu Offenbarung 12:16). Denn diese Dinge sind nicht neu. Immer wieder gab es in der Geschichte der Christenheit scheinbar unfehlbare Geistliche, denen man unbedingt folgen sollte, um Gottes Segen zu haben. Aber die Menschenherrschaft ist auch innerhalb der Christenversammlung zum Scheitern verurteilt!

2. Wir müssen loyal sein!

Ab dem Jahr 1994 wurden Personen in die leitende Körperschaft ernannt, die vor 1935, als die große Volksmenge erschien, noch gar nicht am Leben waren. Eigentlich konnten sie nach der ursprünglichen Lehre gar keine Geistgesalbte sein. Man hielt sie eine Zeit lang als Ersatz für abgefallene Geistgesalbte. Später hat man diese Vorstellung wieder fallen lassen. Jedenfalls wurde dadurch ein Generationenwechsel angestoßen, mit der Folge, dass es später zu großen Veränderungen in der Organisation kam. Es kam zur Globalisierung innerhalb der Organisation (siehe in folgenden Abhandlungen: »Wechsel in der leitenden Körperschaft« und in »Nationen«).

Schließlich wurde sogar die Definition des treuen und verständigen Sklaven geändert. Ursprünglich galt er als die Gesamtheit aller Geistgesalbten, die noch auf der Erde leben. Jetzt war es nur noch die leitende Körperschaft. Auch wurde er nicht mehr kurz nach 1914 über die gesamte Habe gesetzt, sondern kam zu dieser Zeit erst ins Dasein. Er soll nach der neuen Lehre erst in Zukunft über die ganze Habe gesetzt werden.
Vieles von dem, was diejenigen aufgebaut hatten, die ursprünglich vor dem Generationenwechsel die Führung übernahmen, wurde geändert (siehe in in »Wann immer sie sagen …«).

Aber dann müssen wir uns doch die Frage stellen: Was ist Loyalität? Wann sind wir loyal? Sind wir loyal, wenn wir denen gehorchen, die nicht loyal sind? Wenn die neue Führung doch alles abgeändert hat und wir dieser Führung loyal ergeben sind, sind wir dann loyal? Wir haben hier das biblische Beispiel der Rechabiter. Ich hatte dieses Beispiel schon in dem Beitrag »Herzlich willkommen« erwähnt. Sie taten jedenfalls nicht, was Jeremia sagte, obwohl Jeremia doch der Prophet Jehovas war. Sie hielten sich an das Versprechen, das sie ihrem Vorvater Jonadab gegeben hatten. Jehova stellte sie als Beispiel für loyales Verhalten hin. Genauso sind wir nur dann loyal, wenn wir an dem festhalten, was ursprünglich galt, als es die vielen Veränderungen noch nicht gab. Dann können wir nicht einfach mit den Neuen mitgehen.

Wer ist denn nun eigentlich der treue und verständige Sklave, dem wir loyal sein wollen? Der vor dem Wachturmartikel vom 15.07.2013 oder der danach? Wer heute loyal alles mitmacht, ist in Wirklichkeit illoyal. Die Ältesten vertreten aber jetzt das Neue (siehe den Beitrag »Gibt es Karneval bei Jehovas Zeugen?«). Muss ich dann aus Gründen der Loyalität ihre Autorität anerkennen? Natürlich nicht! Das Argument ist eindeutig widerlegt.
Die neue leitende Körperschaft kann auch nicht mehr zurückgepfiffen werden.

Die richtige Loyalität

Angesichts der vielen Änderungen, die es in der Organisation gab: Wollen wir nicht lieber das als loyal betrachten, was die Rechabiter getan haben? Sie blieben ihrem Vorvater treu und wiesen die Neuerungen zurück, mit denen Jeremia, der Prophet Jehovas, kam. Wir glauben doch, dass unsere Vorväter wie zum Beispiel Joseph Rutherford und andere sogenannten Geistgesalbte zu unvergänglichem Leben im Himmel auferweckt und die künftige Regierung bilden werden. Was würden sie sagen? Wären wir in ihren Augen loyal, wenn wir die vielen Änderungen, die es in jüngster Zeit nach dem Generationenwechsel gab, voll unterstützt hätten? Jehova selbst ist loyal, denn er hält an seine Vorsätze dauerhaft fest! Auch die Naturgesetze ändern sich nie und bestehen schon seit Milliarden von Jahren.

Darum achtet Jehova sehr darauf, ob auch wir loyal sind. Manche Aussteiger sind wieder zu Kirchenlehren zurückgekehrt und glauben, dass man zu Jesus beten sollte und Jesus Gott sei. Sie glauben möglicherweise wieder an die Dreieinigkeitslehre. Doch diese Dinge haben doch schon die ernsten Bibelforscher mit sicherem Beweis widerlegt! Wie könnte man da wieder zu den alten und falschen Kirchenlehren zurückkehren? Andere meinen, dass sie ihre Zeit in der Glaubensgemeinschaft verschwendet hätten, da die Glaubensgemeinschaft ja nur eine Sekte sei. Zuvor hatten sie zu den Menschen in ihrem Predigtdienstgebiet noch mit großer Überzeugung über Jehova gesprochen. Das Leben wird in der Tat sinnlos und zur Zeitverschwendung, wenn wir nicht loyal an dem festhalten, wovon wir mittels Beweise überzeugt worden sind!

3. Älteste sind vom Geist ernannt!

Dass die Ernennung nicht von Gottes Geist bewirkt wird, geht ja schon daraus hervor, dass Stasi-Mitarbeiter in der DDR, die sich als vermeintliche Interessierte eingeschlichen hatten, sogar zu Ältesten ernannt wurden.

Aber könnte es nicht sein, dass sie nach der Ernennung ein besonderes Maß von Jehovas Geist erhalten, um ihrer „schweren“ Verantwortung nachzukommen?

Dieser Gedanke hatte ich lange Zeit. Er trat besonders dann zutage, wenn man einen sogenannten Hirtenbesuch von ihnen bekommt. Über Hirtenbesuche hatte ich ja schon berichtet (siehe in »Wann immer sie sagen …«). Rosa, die Pionierschwester, hatte an Älteste geschrieben und einige meiner Briefe mitgeschickt, weil ich mich nicht von den Ältesten in meinem Denken korrigieren lassen wollte. Ich redete stattdessen abfällig über diese Besuche.
Was diese „Ältesten“, die vom Alter her meine Söhne hätten sein können, wirklich wollten, schrieb ich auch auf. Aber hatte ich früher nicht genauso gedacht wie Rosa?

Erfahrungen in Verbindung mit einem Hirtenbesuch

Ich hatte folgende Erfahrungen gemacht: Weil ich Jehova rückhaltlos dienen wollte, war es mein Wunsch, einem Menschen zu helfen, die biblische Wahrheit kennenzulernen. Da freute ich mich auf eine Gelegenheit, die sich ergab, als eine Glaubensschwester einen Arbeitskollegen ins Bethel mitbrachte, damit ich mit ihm zusammen mit der Glaubensschwester die Bibel studieren konnte. Das ging ungefähr ein halbes Jahr. Sie brachte ihn immer wieder mit und er hatte Interesse.

Doch dann machten Älteste einen Termin für einen Hirtenbesuch mit mir allein aus und wir trafen uns im Büro eines der Ältesten. Worüber sie mit mir reden wollten, sagten sie mir aber nicht. Dann bearbeiteten sie mich zu zweit und machten mir schwere Vorwürfe. Sie unterstellten mir, mit der Glaubensschwester, die nicht frei war, zu heiraten, eine Beziehung zu beginnen. Ich könnte ja auch mit der Glaubensschwester allein im Büro sein und dann könnten schlimme Dinge geschehen. Das war natürlich völliger Unsinn und wäre mir nicht im Entferntesten eingefallen. Sie verleumdeten mich.

Aber ich glaubte doch daran, dass Jehova dahinter ist, wenn Älteste einen Besuch vereinbaren. Doch diese Unterstellungen waren so lächerlich, dass ich nicht wusste, ob ich lachen oder heulen sollte. Natürlich hatte das Gespräch die Konsequenz, dass sie den Interessierten nicht mehr mitbringen konnte. Er kam dann zeitweise mit dem Auto allein oder wir studierten im Königreichssaal der anderen Versammlung der Glaubensschwester, in die ich danach auch wechselte. Wie es weiterging, habe ich hier schon berichtet.

Zuerst dachte ich, vielleicht wollte Jehova, dass sich etwas ändert. Aber so verheerend, wie sich die Dinge entwickelt hatten, konnte ich unmöglich an die Führung Jehovas mithilfe von Ältesten glauben. Denn diese Einmischung der Ältesten verletzte auch die Glaubensschwester, und sie war von dem Zeitpunkt an gegen den Interessierten. Die Ältesten durfte man ja nicht verurteilen. Also muss man seinen Frust auf andere und auf destruktive Art und Weise verarbeiten. Und darum glaubte ich von diesem Zeitpunkt an nicht mehr an Älteste als Gottes Werkzeuge.

Durch diese Dinge wurde das Argument reiner Unsinn. Darum hatte ich keinen Respekt mehr vor solchen Hirtenbesuchen, was Rosa ja gestört hat.

Wie ich schon berichtet habe (siehe in »Wann immer sie sagen …«), stellte ich den Ältesten, die einen Hirtenbesuch bei mir machen wollten, sieben biblische Fragen, um sie auf die Probe zu stellen. Keiner von ihnen konnte auch nur eine Frage beantworten. Aber ich kenne doch die Antworten auf die Fragen. Wie können sie behaupten, als Älteste von Gott geleitet zu werden, wenn sie die biblischen Fragen nicht beantworten können?

Bibeltexte im richtigen Kontext betrachtet

Aber gibt es nicht Bibeltexte, aus denen hervorgeht, dass in der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts Älteste durch heiligen Geist ernannt wurden? Betrachten wir sie einmal kurz:

Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher euch der heilige Geist zu Aufsehern ernannt hat, um die Versammlung Gottes zu hüten, die er mit dem Blut seines eigenen [Sohnes] erkauft hat …

Apostelgeschichte 20:28; NWÜ 1986

Wird hier nicht bestätigt, dass Älteste vom heiligen Geist ernannt sind? Man muss diese Worte im Kontext betrachten. Paulus verabschiedete sich am Ende seiner 3. Missionsreise von den Ältesten bzw. älteren Männern oder Aufsehern von Ephesus (ca. 56 u. Z., siehe das Nachschlagwerk „Einsichten in die heilige Schrift“, herausgegeben von Jehovas Zeugen).

Die Ausgießung des heiligen Geistes im Jahr 33 u. Z. lag also gerade 23 Jahre zurück. Damals gab es Propheten und viele wurden durch den heiligen Geist gesalbt. Sie konnten sogar Wunderheilungen vornehmen. Paulus brachte kurz zuvor einen jungen Mann wieder zum Leben, der vom dritten Stock heruntergefallen war (Apostelgeschichte 20:7-12).

In dieser Zeit gab es also bestimmt „ältere Männer“, die von Anfang an dabei waren und das Erbe gut hüten konnten. Ich erwähnte ja zuvor auch J. F. Rutherford, der in der Neuzeit für die wahre Anbetung eintrat.

Doch wie es weitergehen würde, hat Paulus auch gesagt. Wir müssen nur weiterlesen. In Apostelgeschichte 20:29 redete Paulus weiter:

Ich weiß, daß nach meinem Weggang bedrückende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen werden, und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen und verdrehte Dinge reden, um die Jünger hinter sich her wegzuziehen.

Apostelgeschichte 20:29-30; NWÜ 1986

Und genau das ist heute auch passiert. Die heutigen Ältesten sind nicht wie die damaligen Aufseher, zu denen Paulus sprach, sondern wie die bedrückenden Wölfe, die die Herde nicht schonen werden! Sie haben nicht den Geist Jehovas.

Was bedeutet der Begriff „Ältester“ oder „älterer Mann“ wirklich?

Aber was ist eigentlich unter dem Begriff „Ältester“ oder nach der NWÜ 1986 „älterer Mann“ zu verstehen? Müssen das nicht wirklich vom Alter her ältere Männer sein? Oder ist es nur eine Amtsbezeichnung, sodass auch jüngere Männer in dieses Amt berufen werden könnten?

Betrachten wir 1. Petrus 5:2, 3:

Daher gebe ich den älteren Männern unter euch diese Ermahnung, denn auch ich bin ein älterer Mann wie sie und ein Zeuge der Leiden des Christus, ja ein Teilhaber an der Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll: Hütet die Herde Gottes, [die] in eurer Obhut [ist], nicht aus Zwang, sondern freiwillig; auch nicht aus Liebe zu unehrlichem Gewinn, sondern voll Eifer; auch nicht als solche, die über die herrschen, die Gottes Erbe sind, sondern indem ihr Vorbilder für die Herde werdet.

1. Petrus 5:1-3; NWÜ 1986

Wer waren die älteren Männer? Gemäß dem Nachschlagwerk „Einsichten in die heilige Schrift“, schrieb Petrus diesen Brief zwischen 59 und 61 u. Z. Das war also ca. 28 Jahre nach der Ausgießung des heiligen Geistes zu Pfingsten 33 u. Z. Petrus zählte sich selbst zu den älteren Männern und verband dies damit, dass er Zeuge an den Leiden des Christus war. Er war ja Jesu Apostel und erlebte Jesus persönlich. Genauso mögen in der Versammlung einige ältere Männer gewesen sein, die die Anfänge der Christenversammlung erlebt oder sogar Jesu Wirken auf der Erde persönlich erlebt hatten. Gleichzeitig gab es die jungen Männer (1. Petrus 5:5), die sich erst später der Christenversammlung angeschlossen hatten.

Daraus geht hervor, dass es sich bei den älteren Männern eben nicht um solche handelt, die durch Menschen in ein Amt ernannt worden wären. Es ist vielmehr der Erfahrungsschatz über die Anfänge der Christenversammlung und den Gründer Jesus Christus, der sie ausgezeichnet hat.

Das richtige Verständnis

Jehova lässt uns nie ohne Beweis. Er verlangt nicht, dass wir Menschen einfach blind vertrauen, weil man über sie behauptet, sie seien vom Geist ernannt. Der Apostel Paulus erklärt in seinem Brief an die Galater, dass sein Apostelamt nicht von Menschen ist (Galater 1:1). Weder das Amt, ein Apostel für die Nationen zu sein, ist von Menschen geschaffen worden, noch ist Paulus von Menschen in dieses Amt ernannt worden. Dennoch räumt er die Möglichkeit ein, er könnte später etwas anderes lehren, wenn er schreibt:

Aber selbst wenn wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als gute Botschaft verkündigen sollte außer dem, was wir euch als gute Botschaft verkündigt haben, er sei verflucht.

Galater 1:8; NWÜ 1986

In diesem Fall sollte man selbst einem solchen Apostel nicht mehr vertrauen, da er dann verflucht sei. Umso mehr müssen wir bei einem Glaubensbruder, der nur durch Menschen zum Ältesten ernannt wurde, immer prüfen, ob dieser wirklich das Richtige lehrt und tut.

4. Wir müssen anderen helfen, da auch uns geholfen wurde!

Wie ich in dem Bericht »Wann immer sie sagen …« darlege, half mir ursprünglich Rosa, die Pionierschwester, Glauben an die Bibel zu gewinnen. Später ging sie im Ausland predigen, wurde dort von den Ältesten zurechtgewiesen und musste das Land fluchtartig verlassen. Für den Pionierdienst wurde sie für drei Jahre gesperrt. In Deutschland wurde sie später noch ein zweites Mal von den Ältesten zurechtgewiesen und wie das erste Mal mit Auflagen belegt, wie das Verbot, sich an der Zusammenkunft mit Kommentaren zu beteiligen.

Das war für mich ein Schock, da ich davon ausging, dass solche Pioniere doch den Segen Jehovas hätten. Aber solche Zurechtweisungen betrachtet man immer als von Jehova ausgehend. Das kann doch aber nicht sein! Denn Jehova ist gerecht. Selbst menschliche Arbeitgeber würden ihren Arbeitnehmern den Lohn gemäß den Stunden ihrer Arbeit nicht vorenthalten. Ein Pionier geht aber 1000 Stunden im Jahr in den Dienst (heute ist das Stundenziel geringer). Sollte Jehova hier jeden Lohn vorenthalten und stattdessen seine Diener verurteilen?

Was ich sonst noch in Verbindung mit Rosa getan und erlebt habe, steht in dem Bericht »Wann immer sie sagen …«.

Als sie einige meiner ihr anvertrauten Briefe an Älteste weitergeleitet hatte, wusste ich nicht mehr, wie ich über sie denken sollte. Wie kann das sein? Segnet Jehova den eifrigen Dienst für ihn nicht? Aber all die üblen Dinge, die nichts mit der Gerechtigkeit Jehovas zu tun haben, kamen durch die Herrschaft der Ältesten. Und wem dient ein Zeuge Jehovas? Ist es Jehova oder sind es die Ältesten? Wenn mich die Pionierschwester später für böse erklärt, warum habe ich am Anfang überhaupt auf sie gehört? Nein, nicht die Pionierschwester wird von einem Fluch getroffen. Sie hatte mir anfangs die Hoffnung auf ein künftiges Paradies auf Erden gezeigt und ich möchte mit ihr im Paradies sein! Verflucht wurden durch diese Dinge die Organisation und die Ältesten!

Was müssen wir bedenken

Es ist sehr gut, Eifer für Jehova zu bekunden und anderen von der guten Botschaft zu erzählen. Die Geistgesalbten, die ich kennengelernt habe, waren immer von großem Eifer erfüllt (siehe in »Wann immer sie sagen …«). Schwester Pötzinger stand immer eifrig an der Straße, und der Geistgesalbte, der noch im hohen Alter mit Chiropraktik sein Geld verdiente, ließ keine Gelegenheit aus, seinen Kunden Zeugnis zu geben. Es war ein Zeugnis von Personen, die wirklich wussten, was sie reden (vergleiche Matthäus 7:28, 29).

Warum herrscht ein Nichtsnutz über einen Glaubensmenschen?

Aber ein betagter Ältester hat mir einmal von seinen Gewissensnöten berichtet. Als der Zweite Weltkrieg noch nicht lange her war, war er Gebietsdiener und teilte Predigtdienstgebiete aus. Durch solche Gebiete wird der Haus-zu-Haus-Dienst organisiert. Auf den Gebietskarten werden Straßenzüge und Adressen angegeben, die der Verkündiger besuchen darf, der die Gebietskarte hat. Dadurch soll verhindert werden, dass verschiedene Zeugen Jehovas dieselben Personen besuchen. Jeder hat sein eigenes Predigtdienstgebiet.

Damals gab es noch Glaubensbrüder, die in der Nazidiktatur unter Verfolgung ihren Glauben bewahrt hatten und standhaft blieben. Oft waren sie inhaftiert, wurden in den sogenannten Konzentrationslagern gequält. Diese hatten nun besonders großen Eifer und verlangten von den Wohnungsinhabern mit Nachdruck, dass sie ihnen zuhörten. Dazu hatten sie durchaus ein Recht gehabt, denn nicht die besuchten Leute, sondern sie hatten der Schreckensherrschaft Widerstand geleistet und blieben aufgrund ihres Glaubens standhaft. Jetzt sollte der besuchte Wohnungsinhaber wenigstens zuhören.

Doch dem Gebietsdiener gefiel das nicht, da es ihm zu aufdringlich erschien. Er gab ihm schließlich keine Gebietskarte mehr. Später hatte er dafür ein schlechtes Gewissen. Er hatte einen Mitbruder, der in einer Diktatur standhaft blieb, am Zeugnisgeben gehindert, ja als Gebietsdiener über ihn geherrscht.

Und wir sollten uns fragen: Kann das wirklich sein? Ein Mensch, der seinen Glauben nie unter Beweis stellen musste, herrscht über den, der einer Diktatur getrotzt hat und im Glauben standhaft blieb? Natürlich hat der Mensch, der nie für seinen Glauben kämpfen musste, ein anderes Gewissen. Aber warum sollte in der Religionsgemeinschaft ein Nichtsnutz über einen Glaubensmenschen herrschen?

Gerade durch die Ältestenherrschaft wird der Eifer für Jehova verdorben und wir können nicht Jehovas Gerechtigkeit widerspiegeln. Darum eignet sich die Gerechtigkeit Jehovas nicht als Argument, die göttliche Autorität der Ältesten anzuerkennen.

5. Zur Rettung gekennzeichnet!

In »Wann immer sie sagen …«, das ganze Kapitel: »Zeugen Jehovas in Not« beschreibe ich die Situation, die sich während der Corona-Pandemie ergeben hat. In dieser Zeit wurden sämtliche Regeln auf den Kopf gestellt. Man feierte das Gedächtnismahl auf eine Art und Weise, wie es früher undenkbar und gegen die Regeln gewesen war. Man konnte keine Zusammenkunft mehr besuchen. Stattdessen fanden Videokonferenzen statt, die als Zusammenkünfte betrachtet wurden. Auch das wäre aus früherer Sicht undenkbar gewesen. Glaubensbrüder müssen doch im wirklichen Leben und nicht im virtuellen Raum zusammenkommen, um Gemeinschaft zu pflegen.

Man konnte auf dem Berichtszettel Stunden für den Predigtdienst aufschreiben, die früher nicht aufgeschrieben wurden. Wer sich taufen lassen wollte, konnte sich nicht wie früher im Wasserbecken des Kongresssaals während des Kongresses taufen lassen, nachdem die Täuflinge dort eine Taufansprache gehört hatten. Alles musste anders geregelt werden. Und man hat offenkundig kein Problem damit gehabt, sämtliche Regeln, die früher galten, über Bord zu werfen.

Auch wer als Pionier und wer als Verkündiger zählt, wurde nicht mehr nach ursprünglichen Kriterien geregelt. Der Pionier konnte ja sein Stundenziel nicht erreichen. Und wegen derjenigen, die in dieser Zeit keinen Berichtszettel mehr abgegeben hatten, sollte ja kein Minuswachstum an Verkündiger entstehen. Darum hat man es hier mit den Regeln, wen man als Verkündiger zählt, auch nicht mehr so genau genommen. In jüngster Zeit hat man das Berichten der Predigtdienststunden bei Normalverkündigern abgeschafft. Warum dann Pioniere weiter ihre Stunden berichten sollen, ist auch nicht logisch, da man durch ihr festes Stundenziel doch wissen müsste, wie viele Stunden es sind, wenn sie ehrlich sind.

Durch die ganze Unlogik und die vielen Widersprüche wurden alle Elemente, die etwas mit dem Status eines Verkündigers zu tun haben, infrage gestellt. Jehova ist aber kein Gott der Gesetzlosigkeit. Seine Schöpfung zeigt, dass er sich immer an seine Satzungen, die von dauerhaftem Bestand sind, hält. Darum kann es durch die willkürlich von Menschen festgelegten und geänderten Regeln keine von Jehova ausgehende Kennzeichnung geben. Das Argument wurde klar widerlegt.

Wer wird gerettet?

Wer tatsächlich ein Kennzeichen zur Rettung bekommt, geht aus folgendem Bibeltext hervor:

… „Geh mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem, und du sollst ein Kennzeichen an die Stirn der Menschen anbringen, die seufzen und stöhnen über all die Abscheulichkeiten, die in seiner Mitte getan werden.“ …

Hesekiel 9:4-7; NWÜ 1986

Hesekiel befand sich mitten in Jerusalem, der heiligen Stadt, in der man Jehova anbetet! Dort sind aber große Abscheulichkeiten getan worden. Genauso ist es heute. Wer also wegen der Abscheulichkeiten, die bei Jehovas Zeugen getan werden, seufzt und stöhnt, der erhält ein Kennzeichen zur Rettung.

6. Vorbilder im Glauben sind den Ältesten gehorsam!

Das ist so nicht richtig. Wir nahmen stets eine wartende Haltung ein. Es ist völlig klar, dass Dinge richtig gestellt werden müssen. Man wartet auf Jehova, der zu seiner Zeit alles richtigstellt. Doch das Bewusstsein ist stets vorhanden, dass nicht Menschen das letzte Wort haben, sondern Jehova. Jeder echte Zeuge Jehovas muss so sein, wie die in Offenbarung 12:1 beschriebene sinnbildliche Frau (siehe die Erklärung dazu). Für mich war immer klar, dass ich die Herrschaft der Ältesten nur für eine befristete Zeit dulde, bis ich die Dinge zu einem späteren Zeitpunkt richtig stellen kann (siehe Veranschaulichung »Die Wanderer«).

Welche Lösung gibt es für einen echten Christen und Anbeter Jehovas?

Heute sind wir erschlagene Zeugen Jehovas. Warum? Wir halten loyal an allen gerechten Grundsätzen und am Glauben fest. Im Gegensatz dazu sind diejenigen, die die Führung in der Glaubensgemeinschaft übernehmen, nicht loyal. Sie sind nicht loyal gegenüber ihren Vorvätern, da sie nach einem Generationenwechsel alles abgeändert haben. Sie sind nicht loyal gegenüber dem einzelnen getauften Glaubensbruder, da sie ihn nötigen, seine ursprünglichen Vorsätze aufzugeben und mit ihnen abzubiegen. Er wollte Babylon die Große verlassen, sie tragen ihn wieder nach Babylon zurück. Die Organisation gleicht wieder einer Kirche und er wird als Mitglied einer Körperschaft des öffentlichen Rechts gezählt (siehe dazu die Erklärungen zu Jesaja 30:1-7). Er wollte in der Wahrheit, die frei macht, wandeln, sie versklaven ihn und machen ihn zum Untertan einer Ältestenschaft. Natürlich sind sie auch Jehova nicht loyal, denn er ist ein Gott, der sich nicht ändert.

Durch ihre Gewalt haben sie uns sozusagen erschlagen. Wir sind dadurch zu ihren Opfern geworden, indem wir uns so in einer Organisation wiederfinden, die wir nie gekannt haben und der wir uns nie angeschlossen hätten, wenn sie früher schon so gewesen wäre. Darum müssen wir ihnen eine Absage erteilen, da wir loyal sind.

Wir sind auch Opfer ihrer Menschenherrschaft. Sie drohen mit Ächtung derjenigen, die nicht ihre Regeln oder ihre von Menschen kommenden Lehren anerkennen. Sie haben den geistigen Tod für alle gefordert, die von ihren Vorstellungen abweichen. Dadurch machen sie sich der Erpressung schuldig (siehe 1. Korinther 6:19).

Wir haben aber die Einstellung wie Jesus, der durch Gesetzlose ausgeliefert wurde. Das erduldete er für die vor ihm liegende Freude. Ein erschlagener Zeuge Jehovas lässt sich von Ältesten nicht erpressen. Er ist zwar Opfer der Machenschaften der Vertreter der Organisation, aber er sieht sich auf der Siegerseite wie Jesus Christus. Und er wurde zwar wie ein geistig Getöteter, ist aber äußerst lebendig, da Jehova auf seiner Seite steht. Er hat alles richtig gemacht und für die Sünde der Ältesten ist er nicht verantwortlich.

7. Wir müssen an unserem Versprechen festhalten, das wir bei unserer Taufe gegeben haben!

Die eigentliche Bedeutung der Taufe geht aus der Bibel aus Apostelgeschichte Kapitel 2 hervor. Die Erklärung dazu ist in der Abhandlung »Unser Hingabegelübde« zu finden.

Besonders brisant ist die zweite Frage, die ein Täufling bei der Taufe gestellt bekommt. Zu meiner Zeit, als ich mich taufen ließ, war die Frage noch so formuliert, dass man nicht Teil einer von Menschen geleiteten Organisation wird (siehe in »Wann immer sie sagen …«). Doch so wie sie heute formuliert ist, geht man einen Vertrag mit einer weltlich juristischen Person ein, nämlich Jehovas Zeugen K. d. ö. R. Und das steht im völligen Widerspruch zu dem, was wir gelobt haben. Wir wollten kein Teil des weltweiten organisierten Religionssystem mehr sein. Wir sind aus der Kirche ausgetreten. Es ist unsere Bestimmung, kein Teil der Welt und auch kein Teil der babylonischen Organisationen zu sein. Babylon die Große, so haben wir gelernt, zeichnet sich durch das ehebrecherische Verhältnis zwischen der Religion und der Politik aus. Die Körperschaftsrechte bringen aber Religion mit Menschenherrschaft und dadurch mit Politik zusammen.

Einen Vertrag mit einer (weltlichen) juristischen Person einzugehen, bedeutet, Religion mit der Welt und der Politik zu verbinden. Das Statut dieser Körperschaft sind Gesetze, die man weltlich verstehen und auslegen muss. Sie sind von Menschen festgelegt worden. Das dürfen wir niemals mit der Anbetung verbinden. Als Mitglied einer Körperschaft gezählt zu werden, haben wir bei unserer Taufe somit eine klare Absage erteilt. Unsere Anbetung bedeutet, Jehova in Geist und Wahrheit anzubeten, nicht in einer bestimmten Anbetungsstätte. Denn Jehova ist ein Geist. Und wir wollen ihn deshalb in Geist und Wahrheit anbeten. Das hat Jesus zu der samaritischen Frau gesagt (Johannes 4:20, 24).

Dass man die Fragen zur Taufe einfach abändert, kann mit der Anbetung auch nicht in Einklang sein, da Jehova ewig ist und sich nicht ändert. Bei meiner Taufe wurde man kein Mitglied einer juristischen Person. Es gab nur Vereine und dort waren nur bestimmte Personen Mitglieder, nicht alle Zeugen Jehovas.

Erinnern wir uns?

Damit wir heute nicht meinen, wegen unserer Taufe und unseres Jaworts den Ältesten gehorsam sein zu müssen, sollten wir uns erinnern, worauf wir unser Vertrauen wirklich gesetzt haben. Erinnern wir uns an unsere „erste Liebe“? Bestimmt waren es nicht Menschen, sondern der Gott, der nicht lügen kann und über den gesagt wird, dass Gerechtigkeit alle seine Wege sind, dem wir vertrauen wollten. Dadurch muss uns klar sein, dass die ungerechten menschlichen Herren nicht unseren Gehorsam verdienen und wir es ihnen auch nie versprochen haben. Wenn wir ihnen gehorsam sein wollten, dann nur unter dem Vorbehalt, dass sie wirklich Gottes Willen tun. Unser Jawort gilt so, wie wir es verstanden haben und nicht so, wie sie es hineininterpretieren.

Damit sind alle sieben betrügerische Argumente widerlegt!

Nachdem wir nun alle diese Argumente widerlegt und so beseitigt haben, können wir jetzt das tun, was in dem Beitrag »Inseln und Sekten und wie sie aufgelöst werden« steht. Wir können jetzt das im Beitrag erklärte sinnbildliche „Hohlraum-Makromikroskop“ auf alle Verantwortlichen in den Versammlungen anwenden. Dann kann sich niemand mehr verstecken. Alle werden zur Verantwortung gezogen und wir können unseren Glauben bewahren!

Die Verantwortung der Ältesten

Ich kann mich noch erinnern, wie in der Pionierdienstschule die Frage aufkam, warum man den Ältesten gehorchen soll, da man doch gerade als Pionier ein enges Verhältnis zu Jehova hat und man schließlich Jehova so viele Stunden dient. Die gegebene Antwort lautete: Älteste müssen Gott für alles, was sie tun, Rechenschaft ablegen. Am Ende tragen also sie die ganze Verantwortung.

Wie ist es in Wirklichkeit? Sie benutzen ja das Buch „Hütet die Herde Gottes …“ als Anleitungsbuch. Und gleich zu Beginn im Vorwort unter Punkt 3 wird in diesem Buch erklärt, dass die Publikation jedem Ältesten zur Verfügung steht, aber offenkundig nur, solange er Ältester ist. Wenn er aus dem Amt ausscheidet, muss er sie zurückgeben und soll alle elektronischen Kopien löschen.

Das heißt, der Älteste handelt nach dieser Anleitung, trifft Entscheidungen etwa über Gemeinschaftsentzug, die das ganze Leben eines Menschen oder einer ganzen Familie ändern. Und dann muss er das Buch abgeben, weil er aus dem Amt ausgeschieden ist.

Wenn man ihn danach fragt, warum er eine bestimmte Entscheidung getroffen hat, kann er keine Antwort geben, da er sein Anleitungsbuch ja gar nicht mehr hat, um daraus zu zitieren. Wie soll er weiterhin die Verantwortung übernehmen? Er hat offensichtlich mit dem Ausscheiden aus seinem Amt alle Verantwortung für seine früheren Entscheidungen abgegeben. Wie sollte er Gott Rechenschaft ablegen? Wenn Gott ihn später fragen sollte, kann er nicht mal das Buch zitieren, um ihm eine Antwort zu geben. Somit sehen wir, dass Älteste tatsächlich überhaupt keine Verantwortung übernehmen für das, was sie tun und entscheiden.

Die Herrschaft der Ältesten ist gegen den Glauben

Was wir aus echtem Glauben heraus tun, ist vortrefflich. Ein Zeuge Jehovas mag Bluttransfusionen ablehnen, weil er seine Hoffnung auf Jehova setzt, der die Toten lebendig macht, und nicht auf die Versprechen der Ärzte, die eine Bluttransfusion geben wollen. Denn er glaubt nicht an die göttliche Autorität der Ärzte. Doch nun erklärt ihm der Älteste, dass er kein Zeuge Jehovas mehr ist, wenn er einer Bluttransfusion zustimmt. Er weiß, dass er dann von seiner ganzen Familie und Freunde gemieden wird und so den sozialen Tod erleidet, wenn er zur Bluttransfusion Ja sagt.

Soll er sich von dem Ältesten erpressen lassen? Glaube bedeutet, dass wir unsere Hoffnung eben nicht auf menschliche Autorität stützen. Jetzt kann er sich überlegen, ob er die göttliche Autorität der Ärzte oder der Ältesten anerkennen soll! Das macht keinen Unterschied. Beides sind Menschen. Jetzt müsste sein gesunder Glaube sogar dazu führen, dass er wegen des Wortes des Ältesten einer Bluttransfusion zustimmt, um nicht der Menschenherrschaft innerhalb der Organisation zu erliegen. Denn sein Leben hängt nicht von Menschen, sondern von Jehova Gott ab!

So sehen wir, dass die Herrschaft der Ältesten den Glauben um 180° dreht. Dass Bluttransfusionen unbiblisch sind, erfordert eine entsprechende Auslegung. Es gab ja in biblischen Zeiten noch keine Bluttransfusionen (siehe die Abhandlung »Enthaltet euch des Blutes«). In der Bibel (1. Korinther 6:10) steht hingegen eindeutig, dass Erpresser Gottes Königreich nicht erben werden. Somit steht vor allem fest, dass der Älteste ein göttliches Gebot übertritt.

Echter Glaube ist nur möglich, wenn wir unseren eigenen Weg gehen. Noah wandelte mit dem wahren Gott und er ging mit ihm seinen eigenen Weg. Aus Glauben tat er etwas ganz anderes als alle anderen Menschen. Er baute eine Arche und rettete sich und seine Hausgemeinschaft. Der Glaube soll uns ja weg von der Menschenherrschaft führen.

Lots Bedenken

Sodom sollte vernichtet werden, aber der gerechte Lot befand sich darin. Lot sollte deshalb aus der Stadt fliehen und in der Berggegend wohnen. So wollte es Jehova. Und Lot?

Lot wollte nicht in die Berggegend fliehen, wie ihn die Engel, die bei ihm waren, aufgefordert hatten (1. Mose 19:15–21), denn er meinte, das Unglück würde sich an ihn heften und er würde sterben. Später floh er dann doch in die Berggegend (1. Mose 19:30). Heute zögert man, sich von der Organisation zu distanzieren. Sie ist aber mittlerweile wieder zu einem Teil Babylons der Großen geworden. Jehova hat Babylon die Große bereits verurteilt und sie wird ihr Ende finden, das steht fest.

Zuvor wollte Lot für den Schutz der Gäste seine Töchter an den Mob preisgeben (1. Mose 19:6–9). So geben Eltern ihre Kinder den Ältesten preis. Die Ältesten bilden Rechtskomitees und wenn die Kinder dann ausgeschlossen werden, meiden die Eltern sie vollständig, sobald sie volljährig sind. Die Männer in Sodom waren voller sexueller Unmoral. Älteste von heute begehen geistige Unmoral. Frauen teilen diesen fremden Männern zum Zwecke der Sündenbehandlung in einem Rechtskomitee oft die intimsten Dinge mit. Das ist dann schon im geistigen Sinne Hurerei. Sie begehen auch geistige Hurerei, weil sie ihre Menschenherrschaft mit der Anbetung verbinden.

Jehova hat Lots Bereitschaft, seine Töchter zu opfern, sicher nicht gebilligt. Es war doch total unsinnig, da die Engel sich selbst schützen konnten (1. Mose 19:10, 11). Genauso unsinnig ist es heute, wenn man seinen Mitbruder an Älteste verrät, damit die Christenversammlung rein bleibt. Jehova kann das auch tun. Er selbst könnte es den Ältesten mitteilen, wenn er wollte. Er weiß doch alles.
Die Engel haben schließlich nicht nur sich selbst, sondern Lot, seine Frau und seine Töchter beschützt.

Jehova schätzte an Lot, dass er immerhin all das Verhalten der Einwohner Sodoms schlimm fand. Genauso merkt Jehova heute, wenn jemand entsetzt ist über die Dinge, die in der Christenversammlung geschehen und die Machenschaften der Ältesten nicht gutheißt. So wie Lot aufgefordert wurde, in die Berggegend zu fliehen, werden wir aufgefordert, jetzt die Ältesten und ihre Versammlung zu verlassen. Jehova fordert uns auf, das zu tun, was in der Resolution der ernsten Bibelforscher aus dem Jahr 1927 gesagt wurde, nämlich das organisierte Christentum für immer zu verlassen, damit wir die Unterwürfigkeit unserer Herzen gänzlich Jehova Gott, seinem König und seinem Königreich zuwenden können.

Die Lehre über Babylon die Große

Die erste Lehre, die man verschweigt, ist, dass wir jede Spur Babylons wüst und öde machen wollten! Nun wissen wir auch, warum. Denn die Organisation der Zeugen Jehovas ist selbst zu Babylon der Großen geworden. Darum sind es jetzt eher die Aussteiger, die Babylon wüst und öde machen! Mit dieser Lehre haben wir also unsere eigene Verurteilung gelehrt, da wir uns der Organisation angeschlossen hatten. Deshalb müssen wir uns jetzt selbst begraben, wie es in Hesekiel 39:13 angedeutet wird (siehe die Veranschaulichung Kafkas Ein Traum).