Die Wanderer

In einem Land gab es einmal viele Wandergruppen, sodass viele Bewohner des Landes in irgendeiner Wandergruppe unterwegs waren. Doch in der Regel verirrten sich die Wanderer und kamen zu Orten, die sie nicht kannten und wo sie nie hin wollten. Nur bei einer Wandergruppe war es anders. Alle Wanderer dieser Gruppe kamen tatsächlich zu ihrem Ziel.
Was war nun das Besondere an dieser einen Gruppe?

Ihr Leiter hatte die Glieder der Gruppe belehrt, sich gut vorzubereiten. Sie sollten die Wanderkarten studieren und so den Weg sicher finden können. Sie wurden im Lesen der Wanderkarten, im Umgang mit dem Kompass und im aufmerksamen Beachten der Wegweiser geschult. Und wenn das jeder Einzelne für sich so praktiziert, wären sie auch davor geschützt, von anderen irregeführt zu werden.

Es stellte sich nämlich heraus, dass die Glieder der anderen Wandergruppen stets der Masse folgten. Und da sie Anführer hatten, die Vorgaben, den Weg zu kennen, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht der Fall war, kamen sie also nie ans Ziel.

Die erfolgreiche Gruppe war anfangs sehr klein. Im Laufe der Zeit schlossen sich ihnen viele an. Schließlich wurde daraus eine Gruppe mit einer beträchtlichen Zahl Wanderer, die ihr Ziel erreichten. Das war natürlich sehr erfreulich und hatte zum Jubeln Anlass gegeben.

Eine böse Behauptung

Doch schließlich stellte jemand eine böse Behauptung auf, um ihre Glaubwürdigkeit zu erschüttert. Er behauptete, dass die meisten Glieder dieser Wandergruppe wieder genau das tun würden, was bei den Wanderern der anderen Wandergruppen zum Verirren führte.

Sie würden sich ganz und gar auf ihre Führer verlassen und wieder der Masse folgen. Sie würden die Wanderkarten nicht mehr richtig lesen und auch sonst auf nichts mehr achtgeben, obwohl sie äußerlich noch so tun würden, als würden sie der ursprünglichen Schulung folgen. Wenn sie dennoch den richtigen Weg gehen würden, dann nur deshalb, weil noch einige da seien, die sie richtig führen würden.

Um diese Behauptung zu prüfen, beschloss man, einige Anführer einzuschleusen, die den verkehrten Weg gehen. Würden sie diesen Leuten folgen oder würden sie aufgrund ihrer Schulung den falschen Weg klar vom richtigen unterscheiden können?

Tatsächlich liefen die meisten einfach diesen Anführern nach. Und die wenigen, die den Irrtum erkannten, wurden von den Anführern genötigt, den von ihnen vorgeschriebenen Weg zu gehen. Außerdem sahen sie sich in einer üblen Lage, da sie sonst nur allein zurückbleiben konnten, wenn sie sich widersetzten. Ihr Trost bestand darin, dass diese Prüfung bald zu Ende gehen würde. Dann könnten sie klar zeigen, dass sie aufgrund ihrer Schulung stets gewusst hatten, was der richtige Weg ist. Es war bei ihnen nur auf die Gewalt der Anführer zurückzuführen, dass sie eine Zeit lang mitgingen.

Schließlich beendete man tatsächlich diese Situation. Die Anführer wurden verurteilt und man gab den Wanderern Gelegenheit, zu zeigen, was sie von diesen Anführern hielten und zu beweisen, dass sie den Irrtum erkannt hatten. Eine neue Wandergruppe wurde gebildet. Ihr durften sich alle anschließen, die die Lektion gelernt haben und wirklich verständig waren und niemandem blind folgen würden.

einlandarzt

Die inspirierte Geschichte "Ein Landarzt" von Franz Kafka beschreibt in Symbolsprache, wie ich ein Zeuge Jehovas wurde und was ich dann erlebte!