Auf einem Marktplatz gab es einmal zwei Verkaufsstände. Der eine Verkaufsstand war sehr ansprechend gestaltet, der andere eher nüchtern. Die meisten Leute kauften bei dem ansprechenderen Verkaufsstand ein. Bei dem nüchtern gestalteten Verkaufsstand kaufte fast niemand, obwohl es dort gute Dinge zu kaufen gab.
Schließlich ging die Nachricht um, dass der Inhaber des attraktiven Verkaufsstandes ein Verbrecher sei, der sich vor Gericht zu verantworten habe. Seine Verurteilung sei gewiss. Der Inhaber des nüchtern gestalteten Verkaufsstandes sei hingegen grundehrlich und gerecht. Einige, die auf diese Nachricht reagierten, kauften nun in dem anderen nüchtern gestalteten Verkaufsstand ein. Denn man sagte ihnen, dass dies belohnt werde. Und man sagte auch, dass diejenigen, die weiter bei dem Verurteilten einkaufen, ebenfalls damit rechnen müssten, als seine Komplizen verurteilt zu werden.
Da nun die Zahl derjenigen, die bei dem nüchtern gestalteten Laden einkauften, sehr groß wurde, wurde der Inhaber des anderen Geschäfts sehr zornig. Er behauptete, dass sie viel lieber bei ihm kaufen würden und den Inhaber des anderen Verkaufsstandes gar nicht mögen würden. Nur wegen der Nachricht, weil sie belohnt und nicht bestraft werden wollen, kaufen sie nun bei dem anderen gänzlich unattraktiven Laden ein.
Der Test
Um dieser Behauptung auf den Grund zu gehen, machte der Inhaber des nüchtern gestalteten Verkaufsstandes einen Vorschlag. Die Leute wissen, wo der Verkaufsstand steht, bei dem sie eine Belohnung erwarten. Jetzt soll der andere Inhaber diesen Stand übernehmen und ihn so gestalten, wie er es für richtig hält, ihn also nicht nüchtern, sondern attraktiver machen, wie er es versteht.
Die Leute merkten zwar, dass sich die Gestalt des Shops änderte. Sie wurde eben wie der des Verbrechers. Aber viele kauften nun noch viel lieber dort ein und fanden sogar Gefallen an der neuen Aufmachung. Sie müssten eigentlich auch gemerkt haben, dass derjenige, der für die neue Aufmachung verantwortlich ist, sich auch durch Unehrlichkeit auszeichnet. Trotzdem fanden sie gefallen daran. Und sie dachten, die Belohnung sei ihnen gewiss.
Einige waren allerdings irritiert. Sie waren traurig über die vielen Ungereimtheiten, die ständig zunahmen. Für sie war die neue Aufmachung eher abscheulich.
Nun wurde das Gerichtsurteil gesprochen. Der Verbrecher wurde verurteilt, der Verkaufsstand aufgelöst. Alle, die Gefallen an der neuen Gestalt des Verkaufsstandes gehabt hatten und sich nicht an den Ungereimtheiten gestört hatten, wurden als Komplizen des Verbrechers verurteilt. Diejenigen, die bekümmert waren, wurden nun belohnt und durften in dem wieder neu aufgemachten Stand des Gerechten einkaufen.