Unser neuer Rechtsanwalt

Wer ist heute der König des Nordens? In diesem Beitrag geht es um die spannende Deutung der Geschichte Kafkas „Der neue Advokat“ (oder Rechtsanwalt). Die Deutung ist deshalb so spannend, weil sie uns bestätigt, wer heute der in der Bibel erwähnte „König des Nordens“ ist.
Online Lesemöglichkeit des Kafka-Textes z. B. https://de.wikisource.org/wiki/Der_neue_Advokat

Der König des Nordens

Die Geschichte Kafkas beginnt mit folgenden Worten:

Wir haben einen neuen Advokaten, den Dr. Bucephalus. In seinem Äußern erinnert wenig an die Zeit, da er noch Streitroß Alexanders von Macedonien war.

Franz Kafka

Bucephalus war ursprünglich der Name des Pferdes, das Alexander der Große bei seinen Feldzügen ritt. Doch was haben wir heute mit Alexander dem Großen zu schaffen? Und warum sollte ein Dr. Bucephalus unser neuer Rechtsanwalt sein? Die erstaunliche Antwort finden wir, wenn wir das in Betracht ziehen, was in Daniel Kapitel 10 und 11 über den „Fürst von Griechenland“ und danach über den „König des Nordens“ gesagt wird.

Nach diesem Bibelbericht stand hinter Alexander von Mazedonien ein mächtiger Dämonenfürst, der „Fürst von Griechenland“ gemäß Daniel 10:20.

Wenn wir uns fragen, wer heute der König des Nordens ist, dann ist das eigentlich die Frage, welcher Herrscher oder welches Herrschaftssystem heute von dem Dämonenfürsten beeinflusst wird, der ursprünglich Alexander von Mazedonien führte. Denn in diesem Teil des Bibelbuches Daniel geht es um den Einfluss der Dämonen auf die menschlichen Herrscher.

In der Wachtturmliteratur wurde schon ausführlich erklärt, wer der König des Nordens im Laufe der Geschichte jeweils war. Die Frage, die noch offengelassen wurde, war die Erfüllung von Daniel 11:45:

Und er wird seine Palastzelte zwischen [dem] großen Meer und dem heiligen Berg der ‚Zierde‘ aufpflanzen; und er wird völlig zu seinem Ende kommen müssen, und es wird für ihn keinen Helfer geben.

NWÜ 1986

Wie ist dieser Bibeltext zu verstehen?

Die letzte Aktion des Nordkönigs

Dazu müssen wir nur wissen, was mit dem Ausdruck „zwischen [dem] großen Meer und dem heiligen Berg der ‚Zierde‘“ gemeint ist. Wir brauchen nicht raten. Denn dies ist schon in der Literatur von Jehovas Zeugen genau erklärt worden. Im Buch Die Prophezeiung DanielsAchte darauf; in Kapitel „Das Ende der sich bekämpfenden Könige naht“; Abs. 25 wird erklärt und begründet, dass damit das geistige Land der gesalbten Diener Jehovas gemeint ist. Oder anders ausgedrückt, es ist das geistige oder sinnbildliche Land, in dem die sogenannten Geistgesalbten wohnen. Und gemäß Daniel 11:45 wird also der König des Nordens dort seine Palastzelte aufrichten. Ein Palastzelt oder Palast eines Königs ist aber nichts anderes als sein Regierungssitz. Das heißt also, er wird von diesem geistigen Land aus regieren (siehe die Abhandlung „Nationen“ und dort besonders „Die letzte Großaktion des Nordkönigs„).

Die Glieder der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas gelten alle als Geistgesalbte. Sie leben sozusagen in diesem sinnbildlichen Land. Jehovas Zeugen erhalten von dieser Gruppe Anleitung. Somit besagt der Bibeltext, dass die leitende Körperschaft unter den Einfluss desselben Dämons geraten ist, der ursprünglich Alexander von Mazedonien führte. Denn der Dämon mit der ursprünglichen Bezeichnung „Fürst von Griechenland“ erhält später nach dem Wechsel des menschlichen Herrschers den Decknamen „König des Nordens“.

Wer das noch etwas genauer begründet haben möchte, der sollte sich nun unbedingt das Bibelstudienwerke Babylon die Große ist gefallen herunterladen. In dem Kapitel „Nationen, was steckt dahinter“ Seite 76 bis 89 werden diese Dinge ausführlich erklärt (Online in „Nationen„).

Und Daniel 11:45 erfüllte sich in Verbindung mit dem Generationenwechsel in der leitenden Körperschaft.

Wechsel in der leitenden Körperschaft

Im Jahr 1992 bestand die leitende Körperschaft aus zwölf Mitgliedern, von denen der letzte von ihnen, John E. Barr am 04.12.2010 im Tod entschlafen ist. Der Dienstälteste der heutigen leitenden Körperschaft Gerrit Lösch wurde 1994 in die leitende Körperschaft ernannt. Mit diesem Generationenwechsel kamen große Veränderungen und die neue leitende Körperschaft war zunehmend auf Unterwerfung aus. Sie äußern keine Bitten, wie ihre Vorgänger, sondern erteilen Befehle, denen man unabwendbar nachkommen muss. Sie stellen sich, im Gegensatz zu ihren Vorgängern, gerne in den Vordergrund.

Diese Gruppe also, die nach dem Generationenwechsel die leitende Körperschaft bildet, stellt diesen Dr. Bucephalus dar, da sie unter dem Einfluss des Dämonenfürsten geraten ist. Und da die leitende Körperschaft damit beschäftigt ist, den Zeugen Jehovas das Recht zu erklären, ist sie unser neuer Rechtsanwalt.

Vollständige Neubesetzung innerhalb von zwei Jahrzehnten

Im Jahr 1992 bestand die leitende Körperschaft aus 12 Geistgesalbte, von denen der Jüngste 1925 geboren wurde:
Theodore Jaracz; Milton G. Henschel; Daniel Sydlik; W. Lloyd Barry; John E. Barr; Albert D. Schroeder; Lyman A. Swingle; Karl F. Klein; Carey W. Barber; John C. Booth; George G. Gangas; Frederick W. Franz.
Im Jahr 2011 bestand die leitende Körperschaft aus den jüngeren Gliedern:
Gerrit Lösch; Samuel F. Herd; M. Stephen Lett; Guy H. Pierce; David H. Splane; Geoffrey W. Jackson; Anthony Morris III.
Diese sind unter dem Einfluss des Dämonenfürsten geraten, der schon Alexander von Mazedonien führte. Unter ihrer Führung kam es zu sehr vielen Änderungen in der Organisation (siehe den Beitrag: Gibt es Karneval bei Jehovas Zeugen?)

Die Geschichte Kafkas – der Vergleich

Einst führte der Dämon Alexander und seine Heere an, heute die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas. Und in der Geschichte Kafkas wird nun über Ähnlichkeiten und Unterschiede gesprochen.

Äußerlich sind die Unterschiede groß, denn die leitende Körperschaft stellt sich als geistige Führung dar und nicht als Streitross. Das wird hier schon durch den Doktortitel vor dem Namen des Streitrosses angedeutet.

Wer ist der kleine Stammgast der Wettrennen?

Doch wer sich die leitende Körperschaft und ihre Art, wie sie über die ganze Bruderschaft herrscht, genau ansieht, stellt sicher fest, dass sie nicht einfach nur liebe Glaubensbrüder sind.

Doch ein Glaubensbruder, der wenig nachdenkt, sondern der Führung als Mitläufer einfach folgt, bewundert und verehrt die leitende Körperschaft, weil sie ständig majestätisch voranschreitet und das geistige Licht angeblich immer heller leuchtet.

Kafka bezeichnet ihn als „einen ganz einfältigen Gerichtsdiener mit dem Fachblick des kleinen Stammgastes der Wettrennen“. Denn er ist mit dem Wettlauf um das ewige Leben beschäftigt. Er ist hier, weil er Harmagedon überleben möchte und dazu ausharren muss, wie man ihm gesagt hat. Und da es schon öfter hieß, es seien nur noch wenige Jahre und man deshalb mit besonderem Eifer die noch verbleibende Zeit dienen solle, dann aber doch etliche Jahrzehnte verstreichen, ist er hier ein Stammgast solcher Wettrennen geworden. Kritisieren darf er nichts, denn dazu ist er viel zu klein und nicht berechtigt. Er ist ja nur ein Gast. Aber er fühlt sich als freier Mensch, der aus eigener Glaubensüberzeugung handelt. Deshalb saß er in Kafkas Geschichte auf der Freitreppe.

Man billigt alles, was von der leitenden Körperschaft kommt

Trotz der vielen Änderungen, die in jüngster Zeit durch die leitende Körperschaft verursacht wurden, billigt man alles, was von ihr beschlossen wird, selbst wenn es für alle, ob groß oder klein, einschneidend und auf Unterwerfung ausgerichtet ist. Denn, so sagt man sich, weil sie die Brüder Christi sind, die oft verfolgt werden, sollte man sie stets loyal unterstützen. Es gibt viele Gegner und Abtrünnige. Im Kampf gegen diese müssen wir loyal zur Organisation halten (vergleiche Josephine oder das Volk der Mäuse). Seine weltgeschichtliche Bedeutung bekommt er heute durch den Ruf, den von Jesus erwähnten „treuen und verständigen Sklaven“ darzustellen. In Verbindung mit ihm gehen die biblischen Prophezeiungen in Erfüllung.

Auch wenn die leitende Körperschaft nicht immer eine gute Figur macht, z. B. wenn Vorhersagen nicht in Erfüllung gehen oder man vor Gericht Niederlagen einstecken muss, erinnert doch manches an das Intrigenspiel Alexanders. Denn in den Versammlungen bei unseren geistigen Festmählern wird manchmal der beste Freund verpfiffen. Man geht zu den Ältesten, um etwas Nachteiliges, was man über ihn erfahren hat, zu berichten. Manchmal wird dann ein Rechtskomitee gebildet und der Glaubensbruder wird ausgeschlossen. Da man Ausgeschlossene wie Tote betrachtet, hat man seinen Bruder und Freund auf diese Weise geistig getötet.

Zu hohe Ziele gesteckt

Eine weitere Parallele ist, dass ähnlich wie dem Alexander Mazedonien zu eng war, man die Kirchen der Christenheit als zu eng betrachtet und sie als Babylon die Große verwirft.

Als Alexander zum Eroberungsfeldzug nach Indien kam, musste er schließlich umkehren. Er kam nicht nach Magadha. Er wollte zwar unbedingt dorthin, er gab zwar den Befehl, aber seine Soldaten machten nicht mit. So waren selbst für den erfolgsverwöhnten Alexander die Tore Indiens unerreichbar. Und sein Pferd Bucephalus starb dort auch.

Heute sind die Ziele viel höher. Man möchte in die neue Welt. Die Glieder der leitenden Körperschaft möchten in den Himmel und hoffen sogar über alles, was dem Christus gehört, gesetzt zu werden (siehe Der Wachtturm vom 15.07.2013 Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave? Absatz 17). Der Tag Jehovas sollte schnell kommen, der Tag, an dem all die Verheißungen in Erfüllung gehen. Nun vergeht immer mehr Zeit. Man hatte den Leuten mit dem Fuß in der Tür gepredigt, weil sie unbedingt zuhören müssten. Sie würden sonst in Harmagedon umkommen. In der Zwischenzeit sind sie friedlich an Altersschwäche gestorben und es wird einer neuen Generation gepredigt. Und da viele diesen Predigtdienst durchführen, fuchteln sozusagen viele mit den Schwertern, auch wenn das Angekündigte nicht so schnell kommen will.

Und so hat die leitende Körperschaft unsere Bücher, die Bibel und die vielen Publikationen, die im Laufe der Zeit die Bücherregale füllten, in die Hand genommen, um sie immer wieder neu so zu deuten, dass es neue Hinweise gäbe, wie die vorausgesagten Dinge nun doch bald in Erfüllung gehen müssten.

Fazit

Ja, durch diesen inspirierten Text Kafkas wird nochmals das bestätigt, was wir auch der Bibel entnehmen können. Die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas ist wirklich zum König des Nordens geworden!

Was sollten wir also tun, wenn wir Zeugen Jehovas sind und wissen, dass die leitende Körperschaft von Dämonen geführt wird? Wir müssen der Aufforderung aus Offenbarung 18:4 „Geht aus ihr hinaus, mein Volk. . .“ nachkommen. Das Gleiche steht auch in Jeremia 51:9 . Wir wollten Babylon heilen, aber sie ist wirklich nicht geheilt worden.

Ein Vortragsredner hat auf dem Kongress 2009 einmal auszugsweise Folgendes gesagt:

… Nein, Satan möchte uns so weit bringen, dass wir nicht mehr aufwachen, dass wir tot sind. Und welche intensive Warnung ließ Jesus dazu ergehen? Mit Nachdruck warnte er dreimal vor dem Herrscher der Welt. Zunächst Johannes 12:31: Der Herrscher dieser Welt wird hinausgeworfen werden. Und wenn jemand hinausgeworfen wird, dann hat man keine gemeinsame Sache mit ihm! Und das wollte Jesus sagen: Passt auf, dass ihr mit dem Teufel keine gemeinsame Sache macht! In Johannes 16:11 sagt er: weil der Herrscher dieser Welt gerichtet worden ist. Warum wollen wir keine gemeinsame Sache mit dem Teufel machen? Weil er gerichtet wird und wir bei gemeinsamer Sache auch gerichtet würden …

Vortrag auf dem Bezirkskongress der Zeugen Jehovas 2009 „Wacht beständig“ (in München)

Leisten wir doch dieser Aufforderung Folge. Und gemäß Jeremia 51:10 können wir uns dann darüber freuen, dass uns Jehova Recht verschafft hat. Und lasst uns außerhalb der Organisation und voller Glauben von den Taten unseres Gottes Jehovas erzählen.

Autor: Bernd Oelschlägel

CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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