Weicht! Geht weg!

Jeder Zeuge Jehovas kennt die Geschichte Korahs, Dathans und Abirams, die gegen Moses rebelliert hatten und dann auf grauenvolle Weise von Jehova selbst hingerichtet wurden. Die Ältesten nutzen diese Geschehnisse aus der Vergangenheit oft zur Abschreckung, um Kritik gegen sie und gegen die Organisation im Keime zu ersticken.

Betrachten wir diese biblische Geschichte einmal genauer und überlegen uns dabei, auf wen sie heute Anwendung findet.

Die Lehre aus der Geschichte Korahs

Der Bibelbericht beginnt damit, dass Korah zusammen mit Dathan und Abiram und 250 Männer zu Moses gingen und sich über seinen Führungsanspruch beschwerten. Denn, so argumentierten sie, die ganze Versammlung bzw. Gemeinde, sie alle sind heilig und Jehova ist in ihrer Mitte (4. Mose 16:1-3, NWÜ 1986).

Was waren das für Leute, die so zu Moses und Aaron redeten?
Das steht in 4. Mose 16:2:

Sie und 250 namhafte Israeliten – Vorsteher der Gemeinde, Auserwählte der Versammlung – erhoben sich gegen Moses.

4. Mose 16:2, NWT 2018

Es waren also Vorsteher der Gemeinde, Berufene oder Auserwählte der Zusammenkunft bzw. Versammlung, namhafte Männer.

Wer sind Korahs Männer heute?

Wenn wir heute zu einer Zusammenkunft der Zeugen Jehovas gehen oder über das Internet die virtuelle Zusammenkunft besuchen, wer steht auf der Bühne? Wer hält Vorträge oder leitet Programmpunkte? Welche Personen sind die Auserwählten der Versammlung, die das tun? Wer sind die Vorsteher der Gemeinde? Es sind Leute, die man als Älteste bezeichnet.

Also nicht diejenigen, die die Ältesten kritisieren, sondern die Ältesten selbst sind mit Korah und seinen Leuten zu vergleichen!

Nun beschwerten sie sich ja, dass Moses und Aaron über sie herrschen würden. Doch wie ging die Geschichte weiter? Wie reagierte Moses?

Moses stellt sie auf die Probe

Moses gab Korah und seinen Männern folgende Anweisung:

Macht Folgendes: Kọrah, du und alle deine Anhänger, nehmt Feuerbehälter, tut morgen vor Jehova Feuer hinein und legt Räucherwerk darauf. Der Mann, den Jehova auswählt, ist der Heilige. Ihr Söhne Lẹvis seid zu weit gegangen!“ …

Dann sagte Moses zu Kọrah: „Erscheine morgen mit allen deinen Anhängern vor Jehova – du, sie und auch Aaron. Jeder soll seinen Feuerbehälter nehmen, Räucherwerk hineintun und ihn vor Jehova bringen – 250 Feuerbehälter. Du und Aaron, ihr bringt auch jeder euren Feuerbehälter.“

4. Mose 16:6, 7; 16, 17; NWT 2018

Moses gab also diesen Leuten eine Anweisung, was sie tun sollen. Sie hätten protestieren und sagen können, wir wollen keine Anweisungen befolgen. Das war es ja, was sie beanstandeten. Was taten sie aber?

Also nahmen sie alle ihre Feuerbehälter, taten Feuer und Räucherwerk hinein und stellten sich zusammen mit Moses und Aaron an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft.

4. Mose 16:18; NWT 2018

Gehorsam oder Ungehorsam?

Sie waren völlig gehorsam! Dieser Gehorsam war aber in Wirklichkeit Ungehorsam gegenüber dem Gesetz. Als Leviten durften sie dieses Räucherwerk gar nicht darbringen (siehe 2. Mose 30:9; 3. Mose 10:1, 2; NWT 2018). Warum befolgten sie denn die Anweisungen Moses?

Sie hofften wohl, dass sie erfolgreich sein würden und danach alle Priesterdienste tun durften. Weil Moses die Anweisung gab, konnten sie der Gemeinde sagen, dass Moses selbst sie in die Priesterdienste eingewiesen hat, um so künftig volle Autorität zu haben und sich über alle erheben zu dürfen.

Sie wollten sich ja eigentlich von Moses und Aaron nichts sagen lassen, aber zu Legitimationszwecken ihres eigenen Anspruchs war hier Gehorsam recht in ihren Augen. Aber in diesem Fall wurden sie durch Gehorsam gegenüber Moses ungehorsam gegenüber Jehova. Nicht Moses und Aaron, sondern diese Männer wurden von Jehova zur Rechenschaft gezogen. Sie starben alle und das auf ungewöhnliche Art und Weise (4. Mose 16:31-35; NWT 2018).

Versammlungsälteste

Wie ist es heute in den Versammlungen der Zeugen Jehovas?
Versammlungsälteste sollten eigentlich Mitarbeiter an unserer Freude sein (2. Korinther 1:24). Jeder steht und fällt durch seinen eigenen Glauben (Römer 14:4). Nun aber stellen sie sich als Gebieter und Richter dar (vergleiche Matthäus 7:1, 2 NWÜ 1986).

Sie sind gehorsam gegenüber den Anweisungen der Organisation, wenn diese eine solche Autorität zu legitimieren scheint. Doch in Wirklichkeit sind diese Anweisungen wie die Moses zu sehen, um sie auf die Probe zu stellen, denn sie strebten nach großer Autorität. Sie bilden Rechtskomitees und treffen strenge Entscheidungen. Sie entscheiden, ob sich ein Interessierter taufen lassen darf.

Welche große Autorität sich die Versammlungsältesten angemaßt haben, wurde schon in dem Beitrag „Was genau ist die unvergebbare Sünde?“ aufgezeigt. An den Kommentaren der Glaubensbrüder kann man erkennen, dass sie die Ältesten wirklich wie Stellvertreter Gottes auf Erden ansehen. Viele sind bereit, auf Kommando ihrer Ältesten sogar ihre engsten Familienangehörigen zu meiden. Die ganze Gemeinde ist ja unter ihrer Führung heilig. Sie ist eine Insel geworden, in der es die heiligen Dienerinnen gibt und das zum Himmel aufgestiegene Rechtskomitee (oder Dreieinigkeitskomitee: siehe den Beitrag „Inseln und Sekten und wie sie aufgelöst werden„).

Meine Erlebnisse habe ich zum Teil in dem Beitrag „Herzlich willkommen“ schon geschildert. Ich wunderte mich immer wieder über ihre Respektlosigkeit nicht nur mir gegenüber. Auch wenn ein Bethelredner in die Versammlung kam, wurde er kaum beachtet. Nur wenn der Kreisaufseher ihre Autorität stützt und sie sich auf die Autorität des treuen und verständigen Sklaven berufen, der ihnen ihre Autorität verliehen und legitimiert hat, sind sie gehorsam und eifern für diesen Sklaven. Auch wenn der Bethelredner die ganze Gemeinde zum Gehorsam gegenüber den Ältesten ermahnt, ist er ein willkommener Vertreter des Sklaven. Die leitende Körperschaft ist ja weit weg und übt keine Kritik gegen sie.

Neuzeitliche Baalsanbetung

Da die Ältesten bis ins Privatleben der einzelnen Gemeindemitglieder hinein das Sagen haben und man seine intimsten Geheimnisse ihnen preisgeben soll, damit sie als Richter tätig werden könnten, sind sie ihre Besitzer geworden. In alter Zeit nannte man solche Besitzer auch die Baale. Die Ergebenheit gegenüber Ältesten entspricht heute der Baalsanbetung von damals. Und wegen dieser Dinge kommt auch der Zorn Jehovas.

Gemäß Jeremia 12:16, 17 ist es diese Baalsanbetung, die dazu führt, dass Jehova die Organisation schließlich vernichten wird. Genauere Erklärungen sind in dem Bibelstudienwerk „Babylon die Große ist gefallen“ im Kapitel „Die Dickichte des Jordan“ Seite 24 und 25 enthalten (siehe unten oder hier).

Was wir beachten müssen

Die Geschichte Korahs war zu Beginn ein Präzedenzfall. Jehova gab durch eindrucksvolle Zeichen kund, welche richterlichen Entscheidungen er treffen würde. Heute gibt es solche übernatürlichen Zeichen zwar nicht mehr. Das Gericht Jehovas scheint nicht so schnell zu kommen. Damals verging nur ein Tag, heute sind es viele Jahre. Aber Jehova hat sich nicht geändert. Wir brauchen heute mehr Glauben, dass diese Leute dennoch schon gerichtet sind.

Wir müssen dies aus der Perspektive Jehovas sehen. In den Augen Jehovas können sogar 1000 Jahre wie ein Tag sein (2. Petrus 3:8). Die Jahrzehnte, in denen die Ältesten schon Rechtskomitees gebildet haben, sind wie der eine Tag für Korah. Sie werden für ihre Anmaßung ganz sicher verurteilt werden. Sie können doch bei der Taufansprache nicht davon reden, dass Jehova uns für die Ewigkeit geliebt hat und nur ein paar Jahre später behaupten, wir seien keine Zeugen Jehovas mehr. Wie könnte ein Dritter sich in die Angelegenheiten zwischen Jehova und einen Menschen, der ein kostbares Verhältnis zu seinem Schöpfer hat, einmischen?

Kein Versammlungsältester wird sich langfristig noch erheben können. Und wenn sie mit dir auch heute noch streiten und dich angreifen und für Böse erklären sollten, dann wird es so sein wie in Jesaja 41:11-13 (NWÜ 1986) beschrieben. Sie werden zu etwas Nichtexistierendem werden. Jeder wird am Ende wissen, dass sie respektlos gegenüber Jehova gehandelt haben (4. Mose 16:30).

Darum wäre es auch heute wichtig, von diesen bösen Männern zu weichen und wegzugehen, wie man damals von Korah und seine Männer weichen sollte, bevor Jehova ihr endgültiges Ende herbeiführte. Und man sollte auch vor ihrem Besitz weichen, indem man dem biblischen Gebot nachkommt, aus ihr, aus Babylon der Großen, hinauszugehen (Offenbarung 18:4). Das bedeutet für uns, auch aus ihrer Versammlung, die sie in ihren Besitz genommen haben, hinauszugehen, denn Babylon ist nicht geheilt worden (Jeremia 51:9, 10).

Weiteres im Bibelstudienwerk:

einlandarzt

Die inspirierte Geschichte "Ein Landarzt" von Franz Kafka beschreibt in Symbolsprache, wie ich ein Zeuge Jehovas wurde und was ich dann erlebte!