Das Jahr 1914: Beginn der letzten Tage?

Was ist die biblische Lehre von den letzten Tagen?

Es ist die grundlegendste Lehre der Zeugen Jehovas, dass wir seit 1914 in den letzten Tagen leben, wie sie in der Bibel definiert werden. Dies bedeutet, dass in dieser Zeit abschließende Erfahrungen mit der Menschenherrschaft gemacht werden, durch die sie endgültig verurteilt dasteht und es offenkundig wird, dass sie völlig versagt hat. Dann wird das Gerichtsurteil von Gott über sie gefällt. Die Menschenherrschaft wird verurteilt wegen all dem Leid und der Misswirtschaft, die sie über Jahrtausende hinweg den Menschen gebracht und die Welt schließlich an den Rand des Abgrunds geführt hat.

Ein wesentlicher Bestandteil des Gerichtsurteils ist die Verurteilung der organisierten Religion, durch die die Menschen irregeführt werden. Dazu gehört auch die Organisation, in der Jehovas Zeugen organisiert sind, die über diese Dinge Zeugnis ablegen.

Danach werden all diese Dinge aufhören und durch etwas Besseres ersetzt. Das wird Jehova Gott mit seinem Christus bewirken. Es ist also nicht der Untergang der Menschheit, sondern ein Neuanfang.

Warum dieser Beitrag?

Da die Organisation der Zeugen Jehovas als Babylon die Große verurteilt dasteht, haben sie schon viele mit Empörung verlassen. Einige der Aussteiger haben dann auch den Glauben, dass wir in den letzten Tagen leben, aufgegeben. Darum sollen hier noch einmal die wichtigsten Argumente aufgeführt werden. Auch die Gegenargumente, die sie vorbringen, werden unter die Lupe genommen.

Braucht man die Bibel dazu?

Ich war ungefähr 9 Jahre alt, als ich einen Krankenhausaufenthalt hatte. An einem Abend unterhielt ich mich lange mit einem anderen jungen Patienten über die Weltverhältnisse. Ich hatte schon gehört, dass manche Rohstoffe, die man aus der Erde holt, nur noch einige Jahrzehnte halten. Dann ist irgendwann das Erdöl aus und auch Kupfer und andere Stoffe. Darüber wunderte ich mich schon als 9-Jähriger, was man mit der Erde in so kurzer Zeit anstellt. Das gibt es doch erst seit Kurzem. Hätte man die Erde schon vor Tausenden Jahren so ausgebeutet wie heute, gäbe es sowieso keine Rohstoffe mehr.

Auch später dachte ich viel über die Bedrohung durch die Atombomben und die Folgen eines Atomkriegs nach. Auch die Umweltverschmutzung und der zunehmende Treibhauseffekt durch das zusätzliche fossile CO2 bewegte mich sehr. Eine Kurve im Schulatlas fiel mir besonders ins Auge. Es war die zeitliche Entwicklung der Weltbevölkerung. Sie steigt steil nach oben. Das Bevölkerungswachstum ist ungeheuerlich. Wohin soll die Bevölkerung noch wachsen?

Dann machte ich mir auch Gedanken über die rasante technische Entwicklung. Noch nie gab es in so kurzer Zeit so viele technische Errungenschaften. Die Erde ist zu einem Dorf geworden. Der Mensch war auf dem Mond.

Auch die Ungeheuerlichkeiten wie die Nazi-Diktatur und der Holocaust beschäftigten mich. Ich war mir völlig im Klaren, dass wir uns in einer Art Endzeit oder letzte Tage befinden. Entweder es kommt bald zum völligen Neuanfang oder die Menschheit geht zugrunde.

Ich kannte die Bibel nicht und wusste nicht, dass auch in der Bibel von den letzten Tagen die Rede ist. Man braucht wirklich keine Bibel und auch keine Zeugen Jehovas und noch nicht mal eine besondere Schulbildung, um das zu begreifen!

Wann und wie kamen sie auf 1914?

Die Bibel enthält Zeitprophezeiungen und im 19. Jahrhundert kamen gewisse Bibelgelehrte, die diese untersucht haben, zu dem Ergebnis, dass im Jahr 1914 eine prophetische Zeitspanne, die sogenannten Heidenzeiten, zu Ende gehen. Die ernsten Bibelforscher, die später die Zeugen Jehovas genannt wurden, nahmen diese Berechnungen als glaubwürdig an [siehe das Buch Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes S. 134 Das Ende der Zeiten der Nationen].

Diese prophetische Zeitperiode ist deshalb von so großer Bedeutung, weil gemäß Jesu Worten die Heidenzeiten erfüllt (zu Ende) sein müssten, bevor die Verheißungen über Gottes Königreich Wirklichkeit werden könnten. In Lukas 21:24 heißt es (NWÜ):

. . .und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen und als Gefangene zu allen Nationen geführt werden; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind.

Darum war es eine brennende Frage für diese Christen. Sie wollten wissen, wann sich die Dinge, die in der Bibel vorausgesagt wurden, erfüllen.

Eine biblische Grundlage zur Bestimmung der Heidenzeiten

Jesus nahm, als er von Heidenzeiten redete, auf das prophetische Wort im hebräischen Teil der Bibel Bezug.
In Hesekiel 21:25-27 (NWÜ; Verse 30-32 in Lutherbibel) heißt es:

Und was dich betrifft, o zu Tode verwundeter, böser Vorsteher Israels, dessen Tag gekommen ist zur Zeit der Vergehung des Endes, dies ist, was der Souveräne Herr Jehova gesprochen hat: ‚Entfern den Turban, und heb ab die Krone. Dies wird nicht dasselbe sein. Das Niedrige erhöhe, und den Hohen erniedrige. In Trümmer, Trümmer, Trümmer werde ich es legen. Auch was dies betrifft, es wird gewiß [niemandes] werden, bis der kommt, der das gesetzliche Recht hat, und ihm will ich [es] geben.‘

Diese Prophezeiung fiel in die Zeit, kurz bevor Israel ins Babylonische Exil gehen musste und noch ein böser König in Juda herrschte. Dass er seine Krone abheben sollte, bis der kommt, der das gesetzliche Recht hat (Jesus Christus in Gottes Königreich) bedeutet, dass die Zeiten der Könige in Israel nun beendet sein werden. Und damit begannen die sogenannten Heidenzeiten.

Doch wie lange dauern sie? Dazu gibt ein prophetisches Schauspiel, das der babylonische König Nebukadnezar erlebte und vom Propheten Daniel gedeutet wurde, Aufschluss.

Ein prophetisches Schauspiel, das Aufschluss über die Zeitspanne gibt

Nebukadnezar, der König von Babylon, hatte einen Traum, dass ihm sein Königtum für sieben Zeiten genommen wird, damit er erkennt, dass es einen Gott gibt, der über ihm steht. Und so geschah es, dass er nach einer hochmütig gehaltenen Ansprache plötzlich geisteskrank wurde und sich wie ein Tier verhielt. Doch später kehrte er tatsächlich zurück und wurde sogar wieder als König eingesetzt.

Diese sieben Zeiten werden in manchen Bibelübersetzungen auch als sieben Jahre bezeichnet. Es wurde dem König Nebukadnezar also vorausgesagt, dass er sieben Jahre lang in diesem Zustand bleiben würde.

Aber was hat dies mit den Heidenzeiten zu tun? Weil das, was Jehova an einer Person prophetisch in Erfüllung gehen lässt, meist eine weitere höhere Bedeutung hat. Die Israeliten mussten 40 Jahre in der Wildnis bleiben und durften nicht ins verheißene Land, weil auch die Kundschafter zuvor 40 Tage lang das Land auskundschafteten. Und der Prophet Hesekiel musste sich so viele Tage auf eine Seite legen, wie Israel und Juda in Jahren gerechnet sich nicht an Gottes Gebote gehalten hatten (Hesekiel Kapitel 4). Hier galt wie zuvor das Prinzip: ein Tag für ein Jahr.

Um also auf die Zeitspanne der höheren Bedeutung zu kommen, muss man hier in Bezug auf die Erlebnisse des babylonischen Königs auch ein Jahr für einen Tag setzen. Sieben Zeiten sind 7 x 360 Tage. Das entspricht 2520 Jahre (man rechnete in biblischer Zeit immer mit 360 Tagen oder 12 x 30 Tagen als ein Jahr)!

Daraus schlussfolgerten die Bibelgelehrten, dass die Heidenzeiten 2520 Jahre dauern würden.

Wann begannen die sieben Zeiten?

Wenn wir jetzt noch wissen, wann diese Zeitperiode von 2520 Jahren begann, dann wissen wir auch, wann sie zu Ende gehen oder gegangen sind.

Wie wir aus dem eingangs erwähnten Bibeltext aus Hesekiel 21:25-27 erfahren haben, beginnen die Heidenzeiten mit dem Ende des von Jehova anerkannten Königtums in Juda. Doch wann war das?

Die Zeugen Jehovas gingen davon aus, dass der letzte König Zedekia im Jahr 607 v. u. Z. abgesetzt wurde. Demnach müssten die sieben Zeiten im Jahr 607 v. u. Z. begonnen haben.

Zählt man zu diesem Datum 2520 Jahre korrekt hinzu (zwischen 1 v. u. Z. und 1 u. Z. ist nur ein Jahr, das Jahr „Null“ existiert nicht), kommt man auf das Jahr 1914.

Was haben die ernsten Bibelforscher vor 1914 geglaubt?

Die ernsten Bibelforscher glaubten allerdings, dass die letzten Tage im Jahr 1914 zu Ende seien und Gottes Königreich nun vollständig aufgerichtet wird. Das hat folgende Gründe gehabt:

Das 19. Jahrhundert war eine sehr bewegende Zeit. Es gab große politische, wirtschaftliche und soziale Umwälzungen, wie man sie in den Jahrhunderten zuvor nie erlebt hatte. Darum war es für sie naheliegend zu glauben, dies wären schon die letzten Tage.

Sie brachten den Beginn der letzten Tage mit den Ereignissen der Französischen Revolution in Verbindung. Auch hofften sie auf das baldige Ende allen Leids. Und da nach dem Ende der Heidenzeiten ja der Messias als König eingesetzt werden sollte, war es für sie naheliegend zu glauben, dass dieses Königreich dann aufgerichtet werden würde.

Doch wer kennt schon die Zukunft so genau?

Von Atombomben hatten sie noch nie etwas gehört. Was der Erste- und Zweite Weltkrieg ist, wussten sie nicht. Auch den Begriff Holocaust kannten sie nicht. Vom Menschen gemachten Klimawandel hatten sie auch noch nichts gehört. Der wissenschaftliche Fortschritt war für sie aber damals schon überwältigend, obwohl er nichts im Vergleich zu dem des 20. Jahrhundert war.

Und so wurde ihnen erst später klar, dass das Jahr 1914 nicht das Ende, sondern der Anfang der letzten Tage sein würde. Erst mit den Ereignissen, die seit 1914 über die Weltbühne gingen, erfüllten sich die Prophezeiungen über die letzten Tage, wie sie in Matthäus Kapitel 24 wiedergegeben werden.

Jesu Beschreibung der letzten Tage: Ein Fingerabdruck

Zunächst einmal ein Argument, das nicht im Wachtturm steht:

Die Balfour-Deklaration

Wie schon erwähnt, wurde von Jesus in Lukas 21:24 vorausgesagt, dass Jerusalem von den Nationen zertreten wird, bis die bestimmten Zeiten der Nationen (oder Heidenzeiten) erfüllt (beendet) sind. Die Bewohner würden als Gefangene zu allen Nationen geführt werden.

Jesus kündigte ein Strafgericht an, das kurze Zeit später über sie kam, indem Jerusalem von den Römern im Jahr 70 u. Z. eingenommen wurde. Die Juden wurden in alle Länder zerstreut. Es gab keine Nation Israel mehr. Und das hielt tatsächlich bis in das 20. Jahrhundert hinein an. Ein Staat Israel gab es nicht.
Doch das änderte sich im 20. Jahrhundert!

Im Jahr 1948 wurde ein neuer Staat Israel gegründet. Dieser Staatsgründung ging ein längerer politischer Prozess voraus. Historiker bezeichnen meist die sogenannte Balfour-Deklaration (siehe Wikipedia), durch die England seine Unterstützung zugesagt hatte, als wichtigster Meilenstein. Das war im Jahr 1917!

Daraus können wir nun schlussfolgern, dass die Heidenzeiten zu Ende waren und das prophetische Wort aus Lukas 21:24 bereits erfüllt war.

Warum wird dieses Argument nicht im Wachturm aufgeführt?

Dieses Argument steht in keinem Wachtturm. Das liegt wohl daran, dass man der Nation Israel heute keine Bedeutung mehr beimisst, da sie als Nation weiterhin nicht Jesus als den Christus anerkennen. Doch aus Lukas 21:24 geht lediglich hervor, dass es vor Ablauf der Heidenzeiten keine Änderung an ihrer Situation geben würde.

Darüber, ob sie später als Nation in Gottes Vorsatz eine Rolle spielen, sagt der Bibeltext nichts. Ob es gleich am Ende der Heidenzeiten oder später wieder eine Nation Israel geben würde, auch nicht. Da es aber nun wieder einen Nationalstaat gibt, kann man trotzdem schlussfolgern, dass die Heidenzeiten zu Ende sein müssen. Das Argument ist dem „dualen Gefängnis“ zum Opfer gefallen! Später werden wir noch mal darauf zurückkommen.

Kriege als Anfang der Bedrängniswehen

Gemäß Matthäus 24:7 wird der Beginn der letzten Tage (oder Gegenwart Christi und Abschluss des Systems der Menschenherrschaft) durch große globale Kriege gekennzeichnet sein. Und diese sind seit 1914 über die Weltbühne gegangen. Man bezeichnete sie als 1. und 2. Weltkrieg, nicht als 35. Weltkrieg. Sie stehen einzigartig in der Geschichte und 1945, nur 31 Jahre später, war diese schreckliche Zeitperiode zu Ende.

Viele wenden hier ein, dass es immer schon Kriege gegeben hat. Aber eben keine Weltkriege. Das globale Ausmaß wurde natürlich durch den technischen Fortschritt und die Bevölkerungsexplosion gefördert. Aber das ist kein Gegenargument. Denn diese Entwicklungen sind eben auch Zeichen.

Als weiteres Gegenargument wird aufgeführt, dass es danach nicht mehr so viele Kriege gab und besonders keine globalen Kriege mehr. Aber wir müssen richtig lesen. In Matthäus 24:8 wird erklärt, dass diese Dinge ein Anfang der Bedrängniswehen sind. Wir erhalten hier ein Kennzeichen für den Beginn dieser Zeitperiode. Dazu werden in Vers 7 noch zwei weitere Dinge aufgeführt:

Lebensmittelknappheit und Erdbeben

Zu Beginn, als die beiden Weltkriege tobten, gab es sicher allein kriegsbedingt sehr viel Hungersnot. Was Erdbeben betrifft, müssen wir uns im Klaren sein, dass dies sinnbildlich zu verstehen ist. Es ist von gesellschaftlichen und politischen Erdbeben und Umstürzen die Rede. Denn die buchstäbliche Erde hat ja nichts mit der sündigen Menschenwelt zu tun. Auch das wird im Wachtturm falsch dargestellt.

Was für große politische Umwälzungen gab es in dieser Zeit. Die Oktoberrevolution, das Ende der Monarchie, Demokratie, Diktatur. Es waren riesige Erdbeben in der Menschenwelt. All dies war wirklich der Anfang der Bedrängnis.

Viele andere Prophezeiungen

Danach sind viele weitere Prophezeiungen aus allen Bibelbüchern in Erfüllung gegangen. Diese hier aufzuführen würde den Rahmen des Beitrages sprengen. Die Abhandlung „Babylon die Große ist gefallen“ enthält ausführlich Vers-für Vers-Betrachtungen aus Jesaja, Offenbarung, Hohelied, Joel und eben auch Matthäus 24 und 25. Wenn ihr euch diese als PDF-Datei herunterlädt und sie studiert, werdet ihr bestimmt keine Zweifel mehr haben, dass wir in den letzten Tagen leben, weil sich so viele Prophezeiungen erfüllen!

Nun kommen wir zu einem Thema, das die Skeptiker oft anführen und manchem aus den oberen Rängen der Wachtturm-Riege viel Kopfschmerzen bereitete:

Ein Problem taucht auf: Die 20-Jahre-Diskrepanz

Die Rechnung, die auf 1914 führt, wäre so schön gewesen, wenn nicht die Historiker behaupten würden, dass der letzte König Judas (Zedekia) nicht 607 v. u. Z., sondern 587 v. u. Z. abgesetzt wurde. Damit würde man ja auf 1934 statt auf 1914 kommen. Ein Glied der leitenden Körperschaft (Raymond Franz) sollte sich mit diesem Problem befassen und dann Bericht erstatten.

Natürlich sollte er zu dem Ergebnis kommen, dass die Historiker im Unrecht sind. Doch dieser Lümmel gab den Historikern recht (später wurde er ausgeschlossen). Da hatten sie ein sehr großes Problem! Du magst sagen, was sind schon 20 Jahre bei Ereignissen, die so weit in der Vergangenheit liegen. Warum sich Sorgen machen?

Geistige Gefangenschaft im dualen Gefängnis

Die Größe des Problems kann man folgendermaßen beschreiben: Wenn Zeugen Jehovas hier recht behalten, bleibt der Glaube an die Korrektheit ihrer Voraussagen intakt, und man ist überzeugt, dass Jehova sie führt und leitet und zweifelt nicht daran und erst Recht nicht am Glauben an Jehova.

Wenn aber die Historiker recht behalten, dann kann das Jahr 1914 als Markenkern der Zeugen Jehovas nicht gehalten werden. Damit fällt das Glaubensgebäude der Zeugen Jehovas in sich zusammen und man könnte sich wieder einer anderen Glaubensgemeinschaft anschließen. Da man diese aber ebenfalls schon als völlig verkehrt betrachtet hat, glaubt man am Ende überhaupt nicht mehr an Gott, sondern wieder an die Ursuppe.

Um es noch mal zusammenzufassen:

Option 1: Zedekias Absetzung war 607 v. u. Z. = Jehova leitet seine Zeugen und führt sie in die neue Welt.

Option 2: Zedekias Absetzung 587 v. u. Z. = Alles falsch, es gibt keinen Gott, wir kamen aus der Ursuppe.

Also von diesen 20 Jahren hängt ab, ob es einen Gott gibt oder wir aus der Ursuppe kommen! Da haben sie natürlich alles getan, um den Glauben ihrer Getreuen zu schützen und notfalls alle, die widersprechen, auszuschließen. Zum Schutz der Versammlungen stehen Älteste bereit, die darüber wachen, dass niemand Option 2 wählt. Die Versammlung muss vor solchen Elementen unbedingt geschützt und gereinigt werden.

Diese Situation wird in dem Beitrag „Das duale Gefängnis“ behandelt. So sieht die Welt im dualen Gefängnis aus, in der es nur zwei Optionen gibt. Sowohl Raymond Franz als auch die übrigen Glieder der leitenden Körperschaft stolperten über das duale Gefängnis.
Doch außerhalb des dualen Gefängnisses kann die Sache leicht aufgeklärt werden und darum geht es im Folgenden:

Wann beginnen und enden die Heidenzeiten tatsächlich?

Zunächst möchte ich kurz erklären, wie ich am Anfang noch vor meiner Taufe als Zeuge Jehovas gedacht hatte.

Vorüberlegungen, die auch mit der Wachtturmliteratur übereinstimmen

Mir fiel schon früh auf, dass im Anhang der Lutherbibel für den Weggang der Israeliten ins Exil ein anderes Datum genannt wurde als das, was die Glaubensschwestern nannten und in der WT-Literatur steht. Also fragte ich sie. Eine klärende Antwort konnten sie mir nicht geben. So überlegte ich mir, ob das schlimm ist und dadurch die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas widerlegt werden.

Es gibt noch ein anderes Schlüsseldatum: das Jahr 539 v. u. Z., in dem Babylon von den Medern und Persern eingenommen wurde. Hier sind sich Jehovas Zeugen und die Historiker einig. Im Bibelbuch Sacharja ist von siebzig Jahre öffentliche Verurteilung Israels die Rede. Man geht dann davon aus, dass die ersten Israeliten knapp zwei Jahre später im Jahr 537 v. u. Z. nach Jerusalem zurückkehrten, um den Tempel wieder aufzubauen. Also rechnet man 70 Jahre zurück und kommt auf 537 + 70 = 607 v. u. Z. als der Beginn der öffentlichen Verurteilung. Und dieser Beginn setzt man eben mit der Absetzung Zedekias gleich und mit dem Beginn der Heidenzeiten.

Ich sagte mir, egal, ob Zedekia zu diesem Datum abgesetzt wurde oder nicht. Es ist der Beginn der öffentlichen Verurteilung und damit auch der Beginn der Heidenzeiten. So war ich also erst mal beruhigt und dachte nicht weiter darüber nach, denn ich wollte ja nicht gleich zu einem anderen Ergebnis kommen wie sie.
In jüngster Zeit habe ich wieder darüber nachgedacht und konnte die Sache vollständig klären. Darum geht es nun:

Die Prophezeiung über 70 Jahre

Die Prophezeiung über die 70 Jahre kommt dreimal in einem eigenen Kontext vor.

Zunächst prophezeite Jeremia einige Zeit im Voraus, dass Babylon 70 Jahre lang über die Nachbarnationen herrschen würde und auch Juda wird ihm dienen müssen und ins Exil gebracht werden. Da Babylon seine Gefangenen nie freigeben würde, Jehova sich aber seinem Volk wieder erbarmen wollte, setzte er für die Dauer der Herrschaft Babylons 70 Jahre fest. Dann soll es besiegt werden (Jeremia 25:11-12; 29:10). Dass es genau so kam, bestätigt uns ein anderer Prophet und Zeitzeuge: Daniel.

Im Bibelbuch Daniel werden uns genau die Vorgänge der Nacht geschildert, in der Babylon fiel. Daniel war dabei. Und danach schaute er in den prophetischen Schriften und tatsächlich: Er erkannte, dass die Herrschaft Babylons genau 70 Jahre dauerte bis zu jener Nacht. Nun war es für ihn das Naheliegendste, ein Gebet zu sprechen und Jehova für die Sünden seines Volkes um Vergebung zu bitten. Denn gemäß den Worten aus Jeremia 29:10 hat Jehova die Absicht, sein Volk wieder zurückzuführen (Daniel 5:1-30; 9:1-19).

Um es noch mal klarzumachen: Die 70 Jahre beziehen sich hier auf Babylon, nicht auf Israel. Dennoch ist später in Sacharja 1:12 davon die Rede, dass Jehova Israel diese 70 Jahre öffentlich verurteilt hat. Die Zeit, in der Babylon Weltmacht war, ist mit der öffentlichen Verurteilung Israels gleichzusetzen, da Babylon das Mittel war, mit dem Jehova sein sündiges Volk verurteilte.

Rechnen wir also vom Jahr 539 v. u. Z. 70 Jahre zurück, kommen wir auf 609 v. u. Z., das nun das Jahr sein muss, in dem Babylon zur Weltmacht aufgestiegen war.

Die Abfolge der Könige in Juda

Wenn Babylon im Jahr 609 v. u. Z. Weltmacht wurde, kann es unmöglich sein, dass nur zwei Jahre später das Königtum Zedekias endete. Zedekia regierte 11 Jahre und wurde als ein von Babylon abhängiger König eingesetzt. Der Vorgängerkönig Jojakim (und Jojachin dazwischen drei Monate) regierte auch 11 Jahre und war ebenfalls abhängig. Gegen ihn zog dann der König von Babylon herauf (2. Chronika 36:5-12).

Wenn wir aber das Datum, das die Historiker angeben, respektieren, Zedekia also 587 v. u. Z. abgesetzt wurde, dann verschiebt sich die Zeitskala, die Jehovas Zeugen für die Regierungszeiten der Könige angeben, um 20 Jahre. Dann erkennt man, dass das Ende der Regierungszeit Josias auf das Jahr 609 v. u. Z. fällt!

Das Bild aus dem Buch „Die reine Anbetung Jehovas endlich wiederhergestellt!“ S. 27 gibt das Ende der Regierungszeit Josias mit 629 und die Gefangennahme Zedekias mit 607 v. u. Z. an. Stellen wir diese Angaben und die korrigierte Version nebeneinander, kommen wir zur folgenden Tabelle:

https://www.jw.org/de/bibliothek/buecher/hesekiel-reine-anbetung/kaesten/hesekiels-umfeld/

Alle Könige, die nach Josia kamen, waren böse vom Standpunkt Jehovas, und sie waren von anderen Nationen abhängig. Josia hingegen war der letzte König, der Jehovas Anerkennung hatte.

Wenn wir also davon ausgehen, dass Josia aus der Sicht Jehovas der letzte rechtmäßige König war, dann begannen die Heidenzeiten mit dem Ende des Königtums Josias im Jahr 609 v. u. Z., also 70 Jahre vor dem Ende Babylons als Weltmacht. Rechnen wir von diesem Datum 2520 Jahre weiter, kommen wir zum Jahr 1912! Der Erste Weltkrieg brach 1914 aus, also kurze Zeit nach dem Ende der Heidenzeiten und nicht vorher, was dem Kausalitätsprinzip entspricht, da die Wirkung immer nach der Ursache kommt.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Fassen wir noch mal zusammen: Die Heidenzeiten beginnen mit dem Ende des Königtums über Juda und dauern sieben Zeiten, das sind 7*360 = 2520 Jahre.

Nach WTG-Sicht war König Zedekia der letzte König, der nach ihrer Sicht im Herbst 607 v. u. Z. abgesetzt wurde. Daraus errechnet sich für das Ende der Heidenzeiten Herbst 1914. Der 1. Weltkrieg fing ein paar Monate früher an, was dem Kausalitätsprinzip widerspricht.

In der korrigierten Sicht war der letzte rechtmäßige König Josia, der 629 v. u. Z. (WTG) – 20 Jahre (Historiker) = 609 v. u. Z. starb. Daraus ergibt sich das Jahr 1912 als Ende der Heidenzeiten.

Man kann also festhalten:

Geht man von dem Schlüsseldatum 539 v. u. Z., der Eroberung Babylons, aus und rechnet die 70 Jahre für Babylon zurück, so kommt man auf das Jahr 609 v. u. Z., in dem auch Josia, der letzte gerechte König gestorben ist. Von diesem Zeitpunkt an war Babylon Weltmacht, es begannen die 70 Jahre der öffentlichen Verurteilung Judas und es gab kein legitimer König mehr in Israel. Die Könige, die nach Josia kamen, waren alle von Babylon abhängig und von ihm eingesetzt. Somit ist das der Zeitpunkt, an dem die Heidenzeiten begannen.

Darum sollten die nach Josia folgenden Könige ihre Krone abheben und sich Babylon ergeben. Das hätten sie freiwillig tun sollen – um Jehova anzuerkennen – und nicht erst, als sie gefangen abgeführt wurden. Dann hätten sie ein besseres Los gezogen.

Die Auferstehungshoffnung

Betrachten wir noch mal den gerechten König Josia. Da er sich wegen der Sünden Judas sehr demütigte, wurde ihm von der Prophetin Hulda Folgendes prophezeit (2. Chronika 34:28; NWÜ):

… Siehe, ich versammle dich zu deinen Vorvätern, und du wirst bestimmt in Frieden an deine Begräbnisstätte versammelt werden, und deine Augen werden all das Unglück nicht anschauen, das ich über diesen Ort und seine Bewohner bringe.‘

Josia starb in der Schlacht gegen Pharao Necho als er 39 Jahre alt war (2. Chronika 33:1; 20-25). Man fragt sich, warum Jehova seinen gerechten König nicht geschützt hat, sodass er so früh in der Schlacht starb. Aber genau durch dieses Ereignis ging die Prophezeiung Huldas in Erfüllung, denn Jehova ändert seine Zeiten nicht. Die Heidenzeiten sollten beginnen und so war nicht nur seine Einsetzung, sondern auch das Ende seiner Amtszeit durch den Tod rechtmäßig und von Jehova so bestimmt worden.

Was lernen wir daraus?

Nur wenn es eine Auferstehung von den Toten gibt und Josia auferstehen wird, war der Tod in diesem Fall sogar eine Belohnung für die Treue Josias. Ohne Auferstehungshoffnung wäre der Tod ja immer eine Strafe und es wäre unlogisch, wenn Jehova seinen gerechten König mit vorzeitigem Tod bestrafen würde.

Autor: Bernd Oelschlägel

CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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