Was waren eigentlich die ernsten Bibelforscher? Waren sie Propheten, weil sie doch über den Tag Jehovas und das Ende dieses Weltsystems sprachen? Und wenn man heute feststellt, dass sie nicht immer recht hatten, waren es dann falsche Propheten?
Nein, sie waren ja Bibelforscher und ein Forscher ist eigentlich ein Wissenschaftler, kein Prophet. Man muss diese zwei Dinge auseinanderhalten. Wir wollen deshalb die Unterschiede betrachten. Es gibt für beides Bibeltexte, durch die man die Unterschiede erkennen kann.
Was ist ein Prophet?
Ein Prophet ist ein Mensch, der mündlich oder schriftlich ein Text oder prophetisches Wort verfasst, das in Wirklichkeit gar nicht von ihm kommt, sondern ihm durch eine höhere Macht eingegeben wurde. Es ist, wie wenn eine Sekretärin vom Chef einen Text diktiert bekommend, den sie dann genau so niederschreibt, wie der Chef es diktiert hat. Würde sie etwas anders schreiben, wäre es natürlich Betrug. Nehmen wir an, es handelt sich um einen Fachaufsatz. Muss die Sekretärin alles verstehen, was sie schreibt? Nein, sie muss nur in der Lage sein, das niederzuschreiben, was ihr diktiert worden ist.
Welche Eigenschaft hat ein Prophet
Genauso muss ein Prophet kein besonderes Verständnis und keine besonderen Fähigkeiten haben, da er nur schreibt, was ihm eingegeben wurde. Und ob es für ihn etwas zu sagen oder zu schreiben gibt, hängt von seinem Auftraggeber ab. Niemand wird zum Propheten, weil er selbst es will:
Denn Prophetie wurde niemals durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern Menschen redeten von Gott aus, wie sie von heiligem Geist getrieben wurden.
2. Petrus 1:21; NWÜ 1986
Viele Propheten, die etwa Teile der Bibel niedergeschrieben haben, verstanden gar nicht genau, was sie schrieben. Der Prophet Daniel gab es offen zu, dass weder er noch andere das von ihm aufgeschriebene Wort verstanden haben. Er sagte:
Und was mich, Daniel, betrifft, ich fühlte mich erschöpft und wurde [einige] Tage krank. Dann stand ich auf und tat die Arbeit des Königs; aber ich zeigte mich ständig wie betäubt zufolge des Gesehenen, und da war niemand, der [es] verstand.
Daniel 8:27; NWÜ 1986
Bei Prophezeiungen, die erst in ferner Zukunft in Erfüllung gehen sollten, ist es doch klar, dass der Prophet nicht wirklich verstand, was in ferner Zukunft geschieht, wie die Menschen dann leben werden. Daniel fühlte sich sogar krank, weil es ihm zu schwierig war, etwas mit dem aufgeschriebenem Wort anfangen zu können. Immerhin wusste er, dass es von einem Engel diktiert worden ist und eine tiefe Bedeutung haben muss. Aber auch das ist nicht selbstverständlich.
Weiß der Schreiber immer, dass es Prophetie ist?
Es könnte auch sein, dass jemand etwas aufschreibt, was ihm urplötzlich so leicht aus der Feder kommt, und er wundert sich vielleicht darüber, ist sich aber gar nicht bewusst, dass dieses Wort eingegeben oder inspiriert wurde. Erst viel später macht ihn jemand auf die inspirierte Bedeutung seines Textes aufmerksam. Wie reagiert er darauf? Vielleicht sogar empört. Er betrachtet sich als Urheber seines Textes und will die inspirierte Bedeutung gar nicht wahrhaben. Er selbst kann den Text nicht richtig interpretieren, obwohl er ihn doch geschrieben hatte. Doch wer seine inspirierte Bedeutung entschlüsseln kann, findet eine genaue, treffende Interpretation.
Das Gegenstück – der Forscher
Und deshalb braucht man nicht nur Propheten, die einen für sie unverständlichen Text aufschreiben. Wenn die Prophezeiung in Erfüllung gehen soll, braucht man auch jemand, der darauf hinweist und die Bedeutung versteht. Dem Daniel wurde genau das versichert:
. . .Und was dich betrifft, o Daniel, halte die Worte geheim, und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden umherstreifen, und die [wahre] Erkenntnis wird überströmend werden.“
Daniel 12:4; NWÜ 1986
Dieses Umherstreifen in den inspirierten Texten ist genau das, was ernste Bibelforscher tun. Hier geht es darum, echtes Verständnis zu erwerben.
Eigenschaften des Forschers
Eine Prophezeiung kann aber erst verstanden werden, wenn sie sich erfüllt. Außerdem braucht die Gewinnung von Verständnis Zeit. Deshalb heißt es im Bibelbuch Sprüche:
Aber der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Licht, das heller und heller wird, bis es voller Tag ist.
Sprüche 4:18; NWÜ 1986
Das Verständnis wird also nur ganz allmählich größer. Es ist nicht gleich zu Beginn in vollem Umfang vorhanden. Damit man an Verständnis hinzugewinnen kann, muss man „gerecht“ sein. Das heißt, man muss die Wahrheit suchen und lieben. Wer nicht „gerecht“ ist, wird so sein, wie Jesus es sagt:
. . .die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn wer schlechte Dinge treibt, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht gerügt werden.
Johannes 3:19, 20
Er liebt die Finsternis mehr als das Licht. Dieser würde die Wahrheit vertuschen oder zurückweisen, weil sie ihn verurteilt. Darum heißt es auch in Daniel:
Und die Bösen werden bestimmt böse handeln, und gar keiner der Bösen wird [es] verstehen; die aber, die Einsicht haben, werden [es] verstehen.
Daniel 12:10; NWÜ 1986
Um zu denen zu gehören, die schließlich ein tiefes Verständnis erwerben können, ist also Liebe zur Wahrheit nötig und dass wir bereit sind, unsere Irrtümer zu bereuen.
. . .da Gott ihnen vielleicht Reue gewährt, die zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit führt,
2. Timotheus 2:25; NWÜ 1986
Dann hilft uns der Gott, der die Texte inspiriert hat, sie richtig deuten zu können. Für die göttliche Eigenschaft, inspirierte Texte in Erfüllung gehen zu lassen, steht der Gottesname „JHWH“ oder ausgesprochen „Jehova“. Denn man kann dieses hebräische Wort etwa mit „er veranlasst zu werden“ oder „er lässt werden“ übersetzen. Wer auf die Erfüllung solcher inspirierter Texte hinweist, ist also ein Wissenschaftler und bezogen auf die Bibel ein ernster Bibelforscher oder auch ein echter Zeuge für den Namen Jehovas.
Wer hat Ehre verdient?
Da Gott oder besser Jehova der Urheber inspirierter Texte ist, hat er allein Ehre verdient. Der Prophet muss nicht besonders geehrt werden, denn er versteht ja gar nicht, was er schreibt. Und vielleicht erweist er sich später sogar als Gegner der Wahrheit, indem er die prophetische Bedeutung der von ihm aufgeschriebenen Texte leugnet.
Ein Forscher oder Wissenschaftler muss nicht besonders geehrt werden, denn er muss sich immer wieder korrigieren, um ein besseres Verständnis zu gewinnen. Er versteht die Bedeutung einer Prophezeiung erst dann, wenn sie sich erfüllt. Und wenn er nicht weiterhin bereit sein sollte, seine Irrtümer zu bereuen, dann wird auch sein Verständnis untergehen.
Somit verdient der Gott, der die Fähigkeit hat, Geschehnisse über Jahrhunderte oder Jahrtausende im Voraus zu wissen und aufschreiben zu lassen, alle Ehre. Darin werden seine Göttlichkeit und die Erhabenheit seines Namens unter Beweis gestellt.
Autor: Bernd Oelschlägel
CC-BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)
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