Zeit und Ewigkeit

Was ist Zeit eigentlich? Das ist auch für Physiker eine schwer zu beantwortende Frage. Wir Menschen leben in der Zeit und können uns an die Vergangenheit, nicht aber an die Zukunft erinnern. In der Relativitätstheorie ist die Zeit wie eine Dimension, wie die Raumdimensionen, und es gibt keine absolute Zeitmessung. Und was ist Ewigkeit? Was sagt sie über den Schöpfer des ganzen Universums aus?

Die Zeit in der klassischen Physik

Bevor Einsteins Relativitätstheorie eingeführt wurde, galten Raum und Zeit in der klassischen Mechanik als absolute, feststehende Größen. Die Zeit ist in der Beschreibung dieser Physik ein Parameter, den man in die Formel einsetzt, um die Verhältnisse zu einer bestimmten Zeit zu berechnen. Die Vorstellungen über Raum und Zeit änderten sich aber mit der Relativitätstheorie.

Die Zeit in der Relativitätstheorie

Gemäß der Relativitätstheorie sind Raum und Zeit Dinge, die sich ändern können. Es gibt keine feststehende Zeitrechnung mehr. Der eine Beobachter misst für dasselbe Ereignis eine andere Zeit, als ein anderer Beobachter, der mit einer anderen Geschwindigkeit unterwegs ist. Und wenn man noch die Gravitation hinzunimmt, also die Kraft, durch die wir von der Erde angezogen werden und ein Gewicht haben, dann sieht die Sache noch merkwürdiger aus. Die Uhren laufen dann nicht nur bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterschiedlich schnell, sondern auch an verschiedenen Orten in einem Gravitationsfeld. Das heißt, es macht einen Unterschied, ob wir oben auf einem hohen Berg stehen oder im Tal sind.

In dem Artikel »Unparteilichkeit« hatten wir gesehen, dass das einfach die Konsequenzen einer vollkommenen Unparteilichkeit sind. Etwas anderes steckt nicht dahinter. Doch die Konsequenzen sind gewaltig. Um das Ganze mathematisch prägnant formulieren zu können, hat man die sogenannte Raumzeit eingeführt. Das ist ein vierdimensionaler Raum mit den drei normalen Raumdimensionen und der Zeit als der vierten Dimension. Eine Relativgeschwindigkeit bewirkt in diesem Gebilde eine Drehung. Die Gravitation etwa eines Sterns bewirkt eine Raumkrümmung. Diese hat zur Folge, dass die gerade Strecke nicht mehr die kürzeste Verbindungslinie zwischen zwei Punkten darstellt und die Winkelsumme in einem Dreieck nicht mehr genau 180° beträgt.

Die Raumgeometrie bewirkt dann die Anziehungskraft, die wir spüren. Wir werden nach unten gegen die Erde gedrückt, weil wir ständig nach oben beschleunigt werden, wie in einem Aufzug, der nach oben beschleunigt und uns stärker zum Boden drückt. Die Astronauten erleben Schwerelosigkeit, weil sie sich im freien Fall befinden, nicht, weil die Gravitation nicht mehr auf sie wirkt.

Aber man hat Objekte gefunden, die so schwer sind, dass sie den Raum nicht nur krümmen, sondern sogar ein Loch in den Raum machen. Man nennt sie schwarze Löcher.

Ein Gedankenexperiment

Es gibt schwarze Löcher, deren Durchmesser noch viel größer ist als der Abstand zwischen Erde und Sonne. Von Durchmesser zu reden, ist vielleicht nicht ganz korrekt, weil es keine wirkliche materielle Oberfläche hat. Es ist vielmehr die Grenze, an der Licht nicht mehr entkommen kann. Hier können wir ein theoretisch denkbares Experiment, ein Gedankenexperiment machen.

Stellen wir uns vor, wir wären in einem Raumschiff, das frontal auf das Schwarze Loch im freien Fall zufliegt, bis es dort, an dieser Grenze, angekommen ist. Was würde passieren? Für einen weit entfernten Beobachter würde es die Grenze nie erreichen, sondern sich ihr nur immer langsamer nähern können. Es würde sozusagen eine Ewigkeit dauern, bis es dort ankommt. Für den, der in dem Raumschiff sitzt, würde alles ganz schnell gehen. Er würde die Grenze tatsächlich in kurzer Zeit passieren. Das liegt daran, dass die Uhr für den außenstehenden Beobachter stehen bleibt, aber für die Eigenzeit des mitfahrenden Beobachters trifft das nicht zu.

Somit hat man eine prinzipiell mögliche Situation geschaffen, bei der die Uhren nicht nur unterschiedlich schnell laufen, sondern sich durch eine Ewigkeit unterscheiden.

Da diese Objekte real existieren, kommen wir also zu dem Schluss:

Schon an dieser Stelle können wir erkennen, dass das, was wir Zeit nennen, etwas ganz Unbegreifliches ist. Aber das Bild, das man im Rahmen der Relativitätstheorie über die Zeit hat, ist nicht vollständig. Zeit ist nicht einfach nur eine vierte Dimension. Es ist noch etwas ganz anderes.

Zeitpfeil

Wäre Zeit nur eine Dimension, wären beide Richtungen gleichwertig. Aber Zeit hat eine Richtung. Wir können uns an die Vergangenheit erinnern. An die Zukunft können wir uns nicht erinnern. Die Zukunft ist offen, die Vergangenheit festgelegt. Das Gesetz von Ursache und Wirkung kennt nur eine Richtung. Die Wirkung kommt „nach“ der Ursache.

Eigentlich ist dies gar nicht so leicht zu verstehen, da die elementaren Naturgesetze in beiden Zeitrichtungen gleich funktionieren. Hat man es aber mit komplexen Systemen zu tun, die aus vielen Teilchen bestehen, dann hängt der weitere Verlauf der Entwicklung davon ab, in welchem geordneten Zustand sie sich zu Beginn befinden. Sind die Teilchen zu Beginn geordnet, werden sie im Laufe der Zeit in einen ungeordneten Zustand übergehen, weil es viel mehr ungeordnete Zustände als geordnete Zustände gibt. Darum gibt es kein Zurück mehr und die Zeit geht in eine Richtung: von Ordnung zu Unordnung. Dies wird im sogenannten zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zusammengefasst. Unordnung wächst stets im Laufe der Zeit.

Das eben Gesagte ist schon die ganze Erklärung, die Physiker für das Phänomen der Zeitrichtung, auch Zeitpfeil genannt, haben. Das Universum ist ständig auf dem Weg von einem geordneten Zustand zu einem immer ungeordneteren Zustand. Aber diese Erklärung lässt viele Fragen offen.

Woher kommt die Ordnung zu Beginn? Warum merken wir nicht, dass die Unordnung im Universum ständig zunimmt? Woher kommt die Ordnung in einem hochkomplexen Organismus, wie uns Menschen? In uns arbeiten Billionen Zellen zusammen in einer hochfunktionellen Anordnung, sodass wir leben und denken können und sogar ein Bewusstsein haben. Schon eine einzelne Zelle ist eine hochkomplexe Fabrik.

Wachstum

Wie wird aus einem Samen eine stattliche Pflanze oder ein Baum? Wie kann aus einer winzigen Ei- und Samenzelle ein hochkomplexes Lebewesen wie ein Mensch werden? Das sind Wachstumsvorgänge, die eigentlich genauso unbegreiflich sind, wie wenn aus Unordnung etwas Geordnetes hervorgehen würde.

Auch in einem winzigen Samen gibt es schon eine hoch funktionell geordnete Anordnung von Molekülen. Aber mit dem anschließenden Wachstumsprozess wird diese Art von Ordnung doch größer, weil sie danach eine große Zahl von Zellen umfasst, die nicht nur vervielfältigt werden, sondern in völlig geordneter Art und Weise zusammenwirken. Das steht zwar nicht im Widerspruch zum zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, da auf einer rein energetischen Ebene die Unordnung wuchs. In der Nahrung steckt Energie höherer Ordnung, die schließlich als Wärme an die Umgebung abgegeben wird. Dann ist sie Energie niedriger Ordnung. Aber das ändert nichts an dem Wunder des Wachstumsvorgangs.

Um dieses Thema ging es in dem Artikel »Universum und Demut« „Wie ist der Mensch ins Dasein gekommen?“. In diesem Artikel wurde durch eine einfache Veranschaulichung mit Fußbällen gezeigt, wie wenig man den komplexen Wachstumsvorgang verstehen kann. Auch hier ist es so: Wenn man einzelne Moleküle herausgreift, kann man ihr Verhalten verstehen und berechnen, so wie man den Zusammenstoß zweier Fußbälle berechnen kann. Aber das komplexe System kann man damit nicht verstehen. Die Zeitrichtung entsteht aber erst in Verbindung mit einem komplexen System. Das trifft sowohl auf den Zerfall als auch auf den Aufbau durch einen Wachstumsvorgang zu.

Physiker sehen in dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik nur den Zerfall. Warum ist das so? Was fehlt in der naturwissenschaftlichen Beschreibung der Welt?

Das fehlende Subjekt

In der Naturwissenschaft beschreibt man das Verhalten von Objekten. Subjekte gibt es nicht. Aber genau das wäre nötig, wenn wir Wachstum verstehen wollen. Dazu ein einfaches Beispiel:

Der Mensch ist ein Subjekt. Er kann sich etwas vornehmen, kann planen und dann seine Pläne systematisch umsetzen. Zum Beispiel nimmt er sich vor, ein Haus zu bauen. Dann benötigt er einen Plan, wie es aussehen soll, wie viele Räume, wie sollen sie eingerichtet sein. Dann arbeitet er mit einem Architekten zusammen, der die genaue Planung vornimmt. Und schließlich rücken die Bauarbeiter mit ihren Baumaschinen an.

Am Ende steht das Haus mit allen funktionellen Einrichtungen, um darin wohnen zu können. Aus den ungeordneten Baumaterialien wird ein funktionell geordnetes Ganzes. Auf der energetischen Ebene sind sowohl im Gehirn des Architekten als auch in den Baumaschinen und den Muskeln der Bauarbeiter physikalische Vorgänge abgelaufen, die dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik entsprechen. Doch die funktionelle Ordnung ist durch das Subjekt, den Menschen, entstanden. Durch seinen Willen und Vorsatz ist es schließlich geplant und gebaut worden.

Und wie ist es bei all den Dingen, die nicht der Mensch geplant hat? Dies geht durch einen einfachen Satz aus der Bibel hervor:

Natürlich wird jedes Haus von jemandem errichtet, doch der, der alle Dinge errichtet hat, ist Gott. (Hebräer 3:4; NWÜ 1986)

Der Unterschied zwischen Wachstum und dem Prinzip des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik

Das eine beschreibt die energetische Ordnung, das andere könnte man als funktionelle Ordnung bezeichnen. Aber es gibt zwischen beiden einen Zusammenhang.

Wir wissen, dass alle Maschinen, die der Mensch baut, altern. Sie verschleißen und gehen im Laufe der Zeit kaputt. Das liegt am zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Die Unordnung wächst auch bei Maschinen, was sich durch Verschleiß bemerkbar macht. Dadurch geht im Laufe der Zeit auch die Funktion verloren. Also nimmt bei ihnen dann auch die funktionelle Ordnung ab.

Man könnte das auch bei uns Menschen sehen, da wir altern. Auf zellbiologischer Ebene findet eben auch ein gewisser Zerfallsvorgang statt.

Aber wie ist das bei einer Schwangerschaft? Der Samen und die Eizelle mögen beide von 35 Jahre alten Menschen stammen. Also müssten sie auch 35 Jahre alt sein. Dann müsste das Baby doch auch 35 Jahre alt sein, oder? Warum ist der neugeborene Mensch jung? Durch was wurde das Alter zurückgesetzt, der Zerfall rückgängig gemacht? Irgendetwas muss doch beim Weg vom Samen zum Menschen geschehen sein, was Ordnung schafft!

Die Art und Weise, wie man in der atheistischen Physik den Schöpfer leugnet, könnte man so veranschaulichen:

Ein außenstehender Beobachter sieht, wie in einem Wohnraum die Unordnung zunimmt, weil niemand aufräumt. Da er die Existenz von Menschen, die aufräumen könnten, leugnet, formuliert er es als Naturgesetz. Dann räumt aber jemand auf und es sieht wieder ordentlich aus. Da dieser aber in seinen Augen nicht existiert, erklärt er das Phänomen so, dass es in den anderen Räumen viel unordentlicher geworden ist, sodass auf das ganze Haus bezogen, die Unordnung gewachsen ist.

So merkwürdig wird das Denken, wenn man die Existenz eines Schöpfers leugnet.

Der Schöpfer des Universums und die Zeit

Wir haben gesehen, dass die Naturwissenschaft unvollständig ist, weil das Subjekt fehlt. Es muss ein Schöpfer existieren, der alles erschaffen hat. Er muss auch die Zeit erschaffen haben, denn sie ist nach der Relativitätstheorie einfach ein Teil des Universums und nichts, was darüber steht. Da wir gesehen haben, dass im Universum Objekte existieren, in denen auch schon die Ewigkeit enthalten ist, muss der Schöpfer über Zeit und Ewigkeit stehen.

In der Bibel heißt es (Psalm 90:2; NWT 2018): Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott.

Wir haben auch gesehen, dass durch das ordnende Wirken des Schöpfers und den Zerfall ohne sein Wirken, die Zeit eine Richtung bekommt. Gott ist ein Subjekt, doch er hat noch andere Subjekte geschaffen, wie uns Menschen, die aus einem Samen hervorgingen. Und auch sie können in eingeschränktem Maße ebenfalls Dinge schaffen.

Laut dem, was wir der Bibel entnehmen können, hat er nicht nur das materielle Leben erschaffen, sondern auch unsichtbare, nicht materielle Geschöpfe. Diese werden in der Bibel als Geistgeschöpfe oder Engel bezeichnet.

Der große Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf

Wie wir gesehen haben, entsteht ein Geschöpf aus einem Samen und einem Wachstumsvorgang. Diese Dinge laufen in der Zeit ab und geben der Zeit die Richtung. Darum lebt ein Geschöpf immer in der Zeit und nicht außerhalb. Das ist ein großer Unterschied zum Schöpfer aller Dinge.

Der Schöpfer ist zeitlos. Seine Geschöpfe nicht. Sie haben einen Anfang. Das trifft auf jedes Geschöpf zu, egal welchen Rang es hat. Es gibt nur einen Schöpfer aller Dinge, aber viele Geschöpfe.

Wer ist Jesus?

Jesus Christus kam als Mensch auf die Erde. Als Mensch wurde er durch einen Wachstumsvorgang im Leib der Maria geboren (Matthäus 1:18–23). Er hatte aber eine vormenschliche Existenz, denn er sagte:

„Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich schon da gewesen.“ (Johannes 8:58; NWT 2018).

Als die Zeit kam, in der Jesus eines gewaltsamen Todes am Marterpfahl sterben sollte, verglich er sich mit einem Weizenkorn, das zur Erde fällt. Wenn es als Korn aufhört zu existieren, dann bringt es viel Frucht (Johannes 12:24). Durch den Wachstumsvorgang wird aus einem einzigen Korn eine Pflanze, an der schließlich viele Körner heranreifen.

Schon aus der ersten Prophezeiung, die in der Bibel (1. Mose 3:15) zu finden ist, geht hervor, dass er der Same einer sinnbildlichen Frau ist. Aus dem biblischen Kontext geht hervor, dass es sich bei der Frau um die Gesamtheit der zu Jehova loyalen (Geist-)Geschöpfe handelt, die man auch als Engel bezeichnet. Der Same der Schlange hingegen sind die (Geist-)Geschöpfe, die zu der Urschlange, Satan, halten. Dies sei an dieser Stelle kurz zusammengefasst. Eine ausführliche Begründung würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen.

Jesus wird als der Anfang der Schöpfung Gottes bezeichnet (Offenbarung 3:14). Außerdem kam durch ihn „die Welt“ (der Menschen) ins Dasein (Johannes .1:10). Er ist auch der Erstgeborene von den Toten gemäß Offenbarung 1:5. Denn er kam nach seinem Tod am Marterpfahl zur Auferstehung und ging wieder zu seinem himmlischen Vater (als Geistgeschöpf) zurück (Johannes 8:21–23; 14:28; 20:17).

Wer ist also Jesus Christus? Er ist eindeutig ein Geschöpf. Da wir schon gesehen haben, worin der Unterschied zwischen dem Schöpfer und einem Geschöpf besteht, kann er unmöglich mit dem Schöpfer gleichgemacht werden. Er hat einen Anfang, ist aber das erste Geschöpf, das Gott erschaffen hat. Er stellt dann aber auch den Samen aller übrigen Geschöpfe dar, die loyal zu dem Schöpfer stehen. Somit kann er unmöglich ein Teil eines dreieinigen Gottes sein.

Als Geschöpf steht Jesus prinzipiell auf gleicher Ebene wie alle anderen Geschöpfe, auch wenn er eine herausragende Rolle einnimmt. Er steht als Same für alle Engel und kann daher als Erzengel bezeichnet werden. „Erz“ leitet sich vom Griechischen archē, ab, was Anfang oder Führung bedeuten kann.

Ist der in der Bibel erwähnte Erzengel Michael mit dem Christus identisch?

Der Name Michael wird mehrfach in der Bibel erwähnt und als Anführer der Engel kenntlich gemacht. In Judas 9 wird er auch als Erzengel bezeichnet, der in Moses und Josuas Zeiten eine Auseinandersetzung mit dem Teufel hatte und offenkundig für das Volk der Verheißung eintrat. In Daniel 10:21 wird er als Engelfürst bezeichnet, der für Daniels Volk steht und gegen einen Dämonenfürsten kämpft. Aus Offenbarung 12:7 geht hervor, dass er am Ende der Zeiten, an dem der Teufel besiegt wird, gegen den Drachen, Satan, den Teufel und seine (ungerechten) Engel, kämpft.

Michael war also schon zu Moses Zeiten für das Volk der Verheißung aktiv und er ist aktiv damit beschäftigt, den Sieg über den Teufel zu erringen, also die Werke des Teufels abzubrechen. Und genau hierfür steht der Sohn Gottes, das ist Jesus Christus (1. Johannes 3:8; Lukas 1:35).

Außerdem ist in Matthäus 23:37 davon die Rede, dass er die Kinder Jerusalems schon oft zusammenbringen wollte. Er ist also derjenige, der schon in der Vergangenheit, also zu Moses oder Daniels Zeiten, aktiv für dieses Volk einstand, wie es ja in Daniel 10:13, 21 und Judas 9 über Michael gesagt wird. Hierbei ist zu beachten, dass Jesus in der Einzahl spricht. Er spricht von „ich“, nicht von „wir“. Somit gibt es keinen anderen.

Schließlich ist in Daniel 12:1 in Verbindung mit dem Auftreten Michaels von einer Zeit großer Bedrängnis die Rede. Davon ist aber auch in Matthäus 24:29, 30 die Rede und hier steht es mit dem Zeichen des Menschensohnes im Himmel, also Jesus Christus, in Verbindung.

Man kommt also zu dem Ergebnis, dass der Erzengel Michael wirklich für den Christus sowohl in seiner vormenschlichen Existenz als auch nach seiner Rückkehr in den geistigen Bereich, steht. Dies geht unmissverständlich aus dem Kontext hervor. Und wie wir durch die Betrachtung von Zeit und Ewigkeit gesehen haben, ist Christus ein Geschöpf und kann unmöglich mit dem Schöpfer auf eine Stufe gestellt werden. Darum ist der Begriff „führender Engel“ oder der erste von Gott erschaffene Engel, der als Same für die Erschaffung aller weiterer Engel diente, keine Erniedrigung, sondern entspricht der biblischen Beschreibung.

Ist alles vorherbestimmt?

Manche Menschen glauben, dass alles, was geschieht, vorherbestimmt ist. Was können wir dazu sagen, nachdem wir nun die Bedeutung von Zeit und Ewigkeit untersucht haben? Zunächst gibt es das Kausalitätsprinzip, nach dem es für jede Wirkung eine Ursache gibt. Wenn man die Anfangsbedingungen eines physikalischen Systems genau kennt, kann man berechnen, wie es sich weiterentwickelt. Auf dieser Ebene sind auch alle Prozesse umkehrbar. Es gibt keinen Zeitpfeil.

Werden die Systeme komplexer, ist es wie bei der Veranschaulichung mit den Fußbällen (siehe Artikel „Wie ist der Mensch ins Dasein gekommen?“). Man kann die langfristige Entwicklung nicht mehr voraussagen, da ähnliche Ursachen nicht mehr zu ähnlichen Wirkungen führen. Wenn diese kausale Voraussagefähigkeit verschwindet, bekommt die Zeit eine Richtung. Dann steht die Vergangenheit fest, während die Zukunft offen ist. Aber was geschieht jetzt?

Zum einen wächst die Unordnung im Laufe der Zeit. Das ist auf energetischer Ebene immer so und ist nicht umkehrbar. Zudem haben wir in Verbindung mit dem Wachstumsprozess auch gesehen, dass die funktionelle Ordnung auf ganz unerklärliche Weise offenkundig wachsen kann. Das ist nicht Gegenstand einer rein physikalischen Betrachtungsweise, und doch völlig offenkundig. Man benötigt dazu ein Subjekt, das dies ermöglicht. Ein Subjekt ist ein Wesen mit einem freien Willen, das sich etwas vornehmen, planen und für die Umsetzung sorgen kann. Das geschieht zum Beispiel beim Bau eines Hauses. Hier ist einfach der Mensch das Subjekt.

Der freie Wille ist aber das Wesensmerkmal eines Subjekts, denn nur Objekte sind dem Gang der Dinge vollständig unterworfen. Ein Subjekt ist bis zu einem gewissen Grad Herr der Dinge. Das kann man in vollem Umfang über den allmächtigen Gott sagen. Er kann tun, was ihm gefällt. Dennoch hält er sich an seine Prinzipien. Er handelt nicht gesetzlos (Psalm 37:28).

Eines seiner Prinzipien ist Loyalität

Mit dem Thema „Göttliche Loyalität“ haben wir uns schon befasst. Zu diesem Thema haben wir uns auch eine physikalische Entsprechung aus der Quantenphysik, das „EPR-Paradoxon“, angeschaut. Zwei Teilchen, die einmal zusammen waren, bleiben zu einem späteren Zeitpunkt miteinander verbunden, egal, wie weit sie sich voneinander entfernt haben. Auch hier hat die Zeit eine Richtung. Das Verhalten des zweiten Teilchens hängt davon ab, was das erste Teilchen tut. Doch was das erste Teilchen tut, ist nicht vorherbestimmt. Es bleibt nur die Verbindung beider Teilchen.

Somit haben wir auch mit diesem Prinzip keine Vorherbestimmtheit. Durch das Festhalten an den göttlichen Prinzipien ist aber die Zukunft auch nicht dem Zufall überlassen. Das ist genauso, wie wenn wir uns etwas vornehmen und planen (1. Mose 1:27). Wir geben vielleicht sogar ein Datum an, wann wir mit der Umsetzung fertig sein wollen. Wenn alles perfekt läuft und nichts dazwischenkommt, dann wird es genau so, wie wir es uns vorgenommen haben. Aber vorherbestimmt ist es dennoch nicht.

Dem allmächtigen Gott gelingt alles, was er sich vorgenommen hat. So, wie er es vorausgesagt hat, wird es werden. Dafür steht der Gedenkname Jehova. Dennoch bedeutet das nicht, dass alles vorherbestimmt ist, denn nicht nur Jehova hat einen freien Willen, sondern auch seine vernunftbegabten Geschöpfe.

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Die inspirierte Geschichte "Ein Landarzt" von Franz Kafka beschreibt in Symbolsprache, wie ich ein Zeuge Jehovas wurde und was ich dann erlebte!