Das richtige Verständnis über den zweiten Brief des Apostel Paulus an Timotheus

Eine Vers- für Vers-Betrachtung

Der Apostel Paulus schildert im dritten Kapitel seines letzten Briefes – dem zweiten Timotheusbrief – auf prophetische Weise die Entwicklungen der letzten Tage. Um diese Aussagen richtig einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf den gesamten Brief. Dadurch wird der Zusammenhang deutlich und die Bedeutung der beschriebenen Zustände verständlicher.

Normalerweise sollten wir bei Briefen immer beachten, dass sie an eine spezielle Person oder eine spezielle Gruppe gerichtet sind und deshalb bestimmte situationsbedingte Ratschläge enthalten. Wir sollten auch die Worte aus 2. Petrus 3:16 beachten, damit wir uns bewusst bleiben, wie leicht man solche Schriften falsch verstehen könnte. Für uns ist dieser Brief des Paulus besonders interessant, weil er hier in seinem letzten inspirierten Brief, den er vor seiner Hinrichtung geschrieben hat, einen Ausblick über die späteren Entwicklungen gibt und diesen seinem Kind Timotheus anvertraut.

2. Timotheus Kapitel 1 (NWT 2018)

2. Timotheus 1:1, 2

Mit den einleitenden Worten macht Paulus klar, dass er nicht von Menschen zu einem Apostel ernannt wurde, sondern durch den unsichtbaren Gott Jehova. Er nimmt Bezug auf die Verheißung des Lebens, die vorausgesagte neue Identität, die wir in Gemeinschaft mit Christus Jesus finden können. Er schreibt nun Timotheus, einem geliebten Kind, die folgenden Worte:

2. Timotheus 1:3-5

Dem Apostel Paulus ist es wichtig, dass er wie seine Vorväter heiligen Dienst darbringe, nicht so wie die Pharisäer, die behaupteten, Söhne Abrahams zu sein, aber nicht seine Werke taten.

Paulus empfand Liebe zu Timotheus. Denn er lernte ihn als einen Menschen kennen, der die biblische Wahrheit tief verstanden hatte und deshalb tief berührt wurde. Er hatte dadurch einen ungeheuchelten Glauben und Paulus wünschte sich so sehr, dass ihm dieser Glaube erhalten bleibt.

2. Timotheus 1:6-8

Um Jehova zu dienen, braucht man wirklich Mut. So leicht kann man sich einschüchtern lassen durch die Urteile anderer, die nicht wirklich auf der Seite Jehovas stehen, auch wenn sie es behaupten. Denn echte Diener Jehovas werden oft in Verruf gebracht oder befinden sich sogar im Gefängnis, wie der Apostel Paulus zu dieser Zeit. Aber durch die genaue Erkenntnis der Wahrheit, die Gabe Gottes, können wir erkennen, wie wunderbar es ist, ein Zeuge des Schöpfers des ganzen Universums zu sein. Und welch wunderbare, zuverlässige Zukunftshoffnung er gibt:

2. Timotheus 1:9-11

Die gute Botschaft ist wirklich zuverlässig. Denn es beruht alles auf dem Vorsatz Jehovas. Propheten in alter Zeit legten Zeugnis ab, und wir können dies in der Bibel nachlesen. Und weil Jehova sein Wort zuverlässig in Erfüllung gehen lässt, darum erschien auch der Messias zu der von Jehova festgelegten Zeit. Auch wurde die Christenversammlung auf der Grundlage des prophetischen Wortes gegründet. Die Ernennung des Paulus beruhte also nicht darauf, dass er besonders geeignet oder fähig gewesen wäre, sondern darauf, dass die Zeit gekommen war, in der die Verheißungen in Erfüllung gehen sollten.

2. Timotheus 1:12

Paulus befindet sich im Gefängnis und er weiß, dass er bald hingerichtet wird und er nichts mehr tun kann. Dennoch ist er zuversichtlich. Denn er kennt seinen Gott, dem er geglaubt hat. Er hat genaue Erkenntnis und weiß darum, dass sich die verheißenen Dinge sicher erfüllen werden. Paulus hat sich sichere Schätze im Himmel aufgehäuft (Matthäus 6:20). Und so wie Christus für die vor ihm liegende Freude einen Marterpfahl erduldet hat und zur Auferstehung gebracht wurde und nun zur Rechten Gottes sitzt, kann er genauso zuversichtlich sein. Denn aus dem gleichen Grund wie Jesus wird er wie ein Verbrecher verfolgt.

2. Timotheus 1:13, 14

Wegen der Loyalität Jehovas kann Paulus zuversichtlich sein. Und deshalb sollte auch Timotheus loyal an dem festhalten, was er gelernt und mit Hilfe des heiligen Geistes verstanden hat. Denn sollten wir die Lehren später abändern, um auf diese Weise den Glauben und die Liebe der früheren Märtyrer nutzlos zu machen? Was nutzt es uns, wenn wir unsere Hoffnung ändern würden? Ist es nicht die Zuversicht, dass Jehova allezeit an das festhalten würde, was er den Märtyrern in früheren Tagen durch den heiligen Geist vermittelt hat, dass ihr treuer Dienst nicht vergeblich war?

2. Timotheus 1:15-18

Wegen der Verfolgungssituation haben sich alle von ihm abgewandt, also auch all seine Mitbrüder, die doch auch dem Christus folgen wollten. Nur wenige unter den Christen hielten weiter zu ihm. Sie sollten dafür gesegnet sein.

Haben wir das auch schon erlebt oder gesehen, dass man sich in der heutigen Versammlung von bestimmten Glaubensbrüdern, die ein wenig anders sind, abwendet und sie meidet?

2. Timotheus 2:1-7

Nun ermahnt Paulus den Timotheus. Er muss sich bewusst sein, dass es viele Schwierigkeiten geben wird. Darum ist es nötig, einen Kampf für den Glauben zu führen. Außerdem erinnert ihn Paulus daran, wie es bei Wettkämpfen ist. Wir müssen unseren Kampf auch auf die richtige Art und Weise führen. Damit dies gelingt, sollte er sich stets an Jesus Christus und sein Beispiel erinnern:

2. Timotheus 2:8-10

Jesus Christus, der hingerichtet wurde, ist zur Auferstehung gebracht worden. Er ist der rechtmäßige Messias, obwohl er wie ein Übeltäter betrachtet wurde und auch Paulus ist in Fesseln wie ein Übeltäter. Darum sollte Timotheus sich im Klaren sein, dass dies auch ihm bevorstehen könnte und der Ruf als Übeltäter nicht bedeutet, dass man nicht in Gottes Gunst steht. Auch wenn ein Mensch gefesselt wird, ist doch das Wort nicht gebunden und kann viel Gutes bewirken.

2. Timotheus 2:11-13

Paulus erinnert daran, dass wahre Christen denselben Weg gehen wie der Christus. Es ist nicht ein Weg der Anerkennung durch Menschen. Denn sie haben ihn hingerichtet. Jehova kann Menschen anerkennen, ihnen ewiges Leben geben, die zu Königen machen, die von Menschen verworfen wurden. Wenn wir auch in den Augen der Menschen sterben wie Christus, dann leben wir in den Augen Gottes.

2. Timotheus 2:14, 15

Dann fordert Paulus ihn auf, auch andere daran zu erinnern. Sich um Worte zu streiten, hat keinen Sinn. Man muss das im Sinn behalten, was wirklich zählt, das Muster, das Jesus uns vorgelebt hat. Von größter Wichtigkeit ist, dass man das Wort der Wahrheit, also die inspirierten Schriften, recht handhabt.

2. Timotheus 2:16-19

Die Aussichten für die Christenversammlung sieht Paulus sehr negativ. Denn er ist sich im Klaren, dass sich die verkehrten und verdrehten Ansichten immer mehr ausbreiten. Man sollte Diskussionen mit ihnen vermeiden, da man dadurch dieser Entwicklung nur Vorschub leistet. Doch ganz gleich, wie schlau sie argumentieren und sich als echte Christen darstellen, weiß Jehova ganz genau, wer wirklich ein echter Christ und Diener Jehovas ist und nicht nur so tut.

Und wenn jemand den Namen Jehovas nennt, dann sollte er von Ungerechtigkeit ablassen, denn ein Heuchler hat keine Chance bei Jehova. Ihm kann man nichts vormachen und Jehova wird die Heuchler richten.

2. Timotheus 2:20-22

Mit den Gefäßen in einem großen Haus, der Christenversammlung, meinte Paulus Menschen, die man lobt und anerkennt, die einen entsprechenden Status haben und solche, die man verurteilt, vielleicht aus der Christenversammlung ausschließt. Paulus weist hier also nochmals darauf hin, dass die von Menschen Verurteilten durchaus bei Jehova in gutem Ruf stehen, geheiligt sind. Es lohnt sich für sie, wenn sie weiterhin das tun, was ehrlich und gerecht ist. Jehova freut sich über sie, auch wenn sie ausgeschlossen sind, und betrachtet sie als völlig brauchbar.

2. Timotheus 2:23-26

Streitgespräche sind nicht das, was einen Diener Jehovas auszeichnet. Wenn man jemanden unterweist, muss dies stets mit Milde geschehen. Paulus bringt hier auch Reue mit einer genauen Erkenntnis der Wahrheit in Verbindung. Die genaue Erkenntnis ist also ein Maß dafür, ob jemand bereut und in Jehovas Gunst ist. Es ist der Teufel, der Menschen irreführt und sie gefangen hält, sodass sie keine genaue Erkenntnis der Wahrheit haben.

Zustände in den letzten Tagen der Christenversammlung

2. Timotheus 3:1

Die Gedanken aus Kapitel 3 haben Zeugen Jehovas oft auf die Menschheit im Allgemeinen angewendet. Alle Menschen in der Welt würden in den heutigen letzten Tagen solche Eigenschaften aufweisen. Doch wie wir aus dem Kontext entnehmen können, bezieht sich Paulus auf Verhältnisse, wie sie unter denen vorherrschen, die vorgeben, Gott zu dienen. Denn Paulus redete ja zuvor von den „Männern, die von der Wahrheit abgewichen sind“ (2. Timotheus 2:18) und bringt dann seine kritische Einschätzung über die Zukunft der Christenversammlung zum Ausdruck. Und jetzt wird es konkret:

2. Timotheus 3:2-4

So sind die Verhältnisse in der Christenversammlung in den letzten Tagen. Mit „letzte Tage“ ist nicht die Zeit seit 1914 gemeint, die Zeugen Jehovas als „letzte Tage“ bezeichnen, denn zu Beginn gab es ja noch oder wieder eine intakte Christenversammlung. Die wahre Anbetung wurde nach knapp 2000 Jahren abtrünniger Christenheit wiederhergestellt. Vielmehr meinte Paulus sozusagen nach der Zeugen Jehovas Definition die letzten Tage der letzten Tage, wenn die Christenversammlung wieder so verdorben wird, dass sie von Jehova gerichtet werden muss.

Dass hier nicht von Glaubensbrüdern der Christenversammlung, sondern von Menschen die Rede ist, hat damit zu tun, dass jeder Einzelne erst noch beweisen muss, ob er echten Glauben hat und die Bezeichnung „Bruder“ so überhaupt verdient hat. Wenn die genannten Eigenschaften auf ihn zutreffen, hat er es gar nicht verdient, Bruder genannt zu werden, obwohl er ja ein Teil der (abtrünnigen) Christenversammlung ist. Er hat aber als Teil der Christenversammlung eine Form der Gottergebenheit oder Gottesfurcht.

Über die einzelnen hier genannten Eigenschaften darf jeder selbst nachdenken und prüfen, ob er solche Dinge in der heutigen Christenversammlung erfährt. Mit „nicht auf die Eltern hören“ kann auch gemeint sein, dass man nicht auf das hört, was die früheren Lehrer gelehrt haben, sondern alles abändert. Diejenigen, die alles ändern, sind auch nicht loyal.

Vielleicht bist du auch von jemandem in der Christenversammlung verraten worden. Das habe ich erlebt. Vielleicht hast du dich auch schon über das stolze Auftreten der Ältesten gewundert. Du hattest ein Anliegen, aber keine Chance. Denn dein Gegenüber war einfach nicht kompromissbereit. Vielleicht hat man gegen dich in verleumderischer Art und Weise schwere Anklagen hervorgebracht. Und du wunderst dich darüber, dass man kein Mitgefühl hat gegenüber einem Menschen, der es schwer hat und deshalb vielleicht auch was falsch gemacht hat.

Man strebt das Gute gar nicht an, gibt sich gar keine Mühe, jemandem zu helfen. Stattdessen verurteilt man gleich und zerstört Familien. Und wenn man dann entsetzt ist, müssen wir uns anhören, dass es Gottes Wille war. So ist am Ende also Gott schuld. Auf diese Weise lästert man Gott und den Menschen.

2. Timotheus 3:5

Er fürchtet etwa die Ältesten, die die Macht haben, ihn auszuschließen. Aber hat sein Glaube wirklich Kraft? Würde er für seine Mitbrüder sterben? Würde er sich in einer Diktatur lieber hinrichten lassen, statt Gottes Gebote zu beachten? Glaubt er daran, für seinen treuen Glauben von Gott anerkannt zu werden, auch wenn Menschen ihn als Abtrünnigen betrachten?

Nun erhalten wir noch einen wichtigen Rat: Wir sollten uns von solchen Menschen abwenden!

2. Timotheus 3:6, 7

Mit schwachen Frauen sind nicht nur buchstäbliche Frauen gemeint, sondern auch Personen, die in die Christenversammlung eingesammelt werden, obwohl sie keine geistige Gesinnung haben. Sie sind dann nur den Menschen ergeben, die die Führung übernehmen und verderben so die Christenversammlung, weil sie Menschenherrschaft, nicht Gottesherrschaft unterstützen. Sie besuchen alle Versammlungszusammenkünfte und scheinen ständig zu lernen und das Woche für Woche, jahrzehntelang. Und dennoch kommen sie nie zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit.

2. Timotheus 3:8, 9

Der Wahnsinn besteht zum Beispiel darin, dass man sogar die eigenen Kinder oder die eigenen Eltern meidet, weil Älteste das so wollen, da sie von ihnen ausgeschlossen wurden. Manchmal treibt man so die eigene Familienangehörige ins Unglück oder in den Selbstmord, obwohl man sie doch eigentlich lieb hat und noch nicht mal versteht, was diese angeblich Böses getan hätten. Für Außenstehende wird der Wahnsinn durch Aussteigerberichte oder als Mitbetroffene/r klar ersichtlich.

2. Timotheus 3:10-13

Nun aber sind nicht alle so. Es gibt auch echte Zeugen Jehovas, die so sind wie Timotheus. Man muss bedenken, dass echte Christen und Zeugen Jehovas verfolgt werden. Sie stehen in der Christenversammlung nicht unbedingt in gutem Ruf, so wie ja auch Paulus in jeder Hinsicht mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Aber Paulus war in Glauben, Langmut, Liebe und Ausharren vorbildlich. Ungeachtet dessen werden die anderen in der Christenversammlung immer schlimmer, da sie zum einen selbst irregeführt werden, aber dann auch andere irreführen.

2. Timotheus 3:14, 15

Timotheus und damit die echten Christen und Zeugen Jehovas sollten sorgfältig darüber wachen, dass sie alles bewahren, was sie wirklich gelernt haben. Man sollte sich immer in Erinnerung rufen, welch wertvolle Erkenntnis wir in der Vergangenheit erhalten hatten, als die Zeiten noch günstiger gewesen sind und wir mit Glauben erfüllt wurden. Denn wir lernten die Bibel kennen.

2. Timotheus 3:16, 17

Darum betont Paulus den Wert der Bibel. Aus diesem Buch haben wir alle Erkenntnis. Das persönliche Studium der Bibel hat uns den Glauben vermittelt. Damit wir sie richtig verstehen und so für jedes gute Werk ausgerüstet werden, müssen wir die ganze Bibel betrachten und nicht nur Teile davon. Wir brauchen keine Menschen, die uns sagen, was wir zu tun haben, denn wir haben die Bibel.

2. Timotheus 4:1, 2

Nun soll Timotheus und sollen wir unsere Zeit gut nutzen, um aktiv zu sein und zu predigen und zu lehren, damit wir, solange es Gelegenheit dazu gibt, vielen helfen können. Denn Christus wird die Menschen richten und sein Urteil hängt davon ab, ob sie die Dinge verstehen oder so werden, wie oben beschrieben. Denn eine Zeit kommt, wo es vergebliche Mühe ist, da sie nicht mehr zuhören:

2. Timotheus 4:3, 4

Sie hören auf Kongressen und durch viele Videos zwar einen Vortrag nach dem anderen. Aber die gesunde Lehre des Christus wollen sie nicht mehr hören. Sie lassen sich lieber die Ohren kitzeln durch das Gebotene, als selbst die Bibel zu studieren und nachzudenken und den Sinn zu erfassen.

2. Timotheus 4:5

Wir sollten anders sein, indem wir in allem bei klarem Verstand bleiben. Dazu gehört es auch, Schwierigkeiten zu ertragen und die Aufgaben zu erfüllen, die Christus uns aufgetragen hat.

2. Timotheus 4:6-8

Hier zeigt Paulus seine tiefe Glaubensüberzeugung, dass er ganz sicher seinen Lohn für seine Treue erhalten wird, auch wenn er jetzt wie ein Übeltäter dasteht und in einem schwachen Zustand ist. Denn sein Richter ist gerecht. Davon ist er überzeugt. Und er weiß, dass er einen vortrefflichen Kampf für den Glauben geführt hat.

2. Timotheus 4:9-13

Er hat erlebt, dass Glaubensbrüder ihn verlassen haben. Das erschüttert aber nicht seinen Glauben. Einige wenige wertvolle Glaubensbrüder standen auch auf seiner Seite.

2. Timotheus 4:14, 15

Auch wenn Menschen ihm Schaden zugefügt haben, ist er überzeugt, dass Jehova die Dinge richtigstellen wird.

2. Timotheus 4:16-18

Welch tiefer, unerschütterlicher Glaube Paulus doch hatte! Stell dir vor, du wirst angeklagt und alle Freunde verlassen dich aus Menschenfurcht. Aber du weißt, dass man dir keinen wirklichen Schaden zufügen kann, weil dein Schöpfer und Lebengeber auf deiner Seite steht. Und das allein zählt!

2. Timotheus 4:19-22

Dann folgen noch abschließende Bitten und segenreiche Worte für Timotheus.