Der Name Jehova wurde durch die Religionsgemeinschaft bekannt gemacht, die diesen Namen trägt. Darum denken alle, wenn sie diesen Namen hören, an die Zeugen Jehovas.

Der Gottesname Jehova hat aber eine ganz bestimmte Bedeutung. Er ist ein Gedenkname. Woran soll man denken, wenn man den Namen hört? An einen Gott, der es werden lässt, der seine Vorhaben ankündigt und sie dann mit absoluter Zuverlässigkeit umsetzt.

Er ließ seine Propheten die Bibel schreiben, um sein Vorhaben anzukündigen und zu erklären. Dieses Projekt umfasste eine ganze Bibliothek von Büchern, die über 1500 Jahre lang verfasst und zusammengestellt wurde und nun bereits seit fast 2000 Jahren abgeschlossen ist. Seitdem kam nichts Neues mehr hinzu, während die aufgeschriebenen Prophezeiungen fortlaufend in Erfüllung gehen.

Eine Glaubensgemeinschaft, die für den Gott, der es werden lässt, gegründet wurde.

Menschen, die die Bibel lesen, besonders wenn sie sich Christen nennen, wissen, dass die Rückkehr des Christus in der Bibel vorausgesagt wird. In der Bibel wird auch über die Weltverhältnisse vor diesem Ereignis gesprochen, damit man erkennt, wann es soweit ist. Aber nur manche fragen sich, wann es soweit sein müsste.

Ein Geheimnis, das Zeugen Jehovas öffentlich bekannt gemacht haben.

Ein YouTuber hat über diese Frage einmal folgende Bemerkung gemacht:
Weil in Matthäus 24:14 steht, dass die gute Botschaft vorher überall bekanntgemacht wird, müssen wir überall predigen, auch in Ländern, in denen das Christentum noch nicht Fuß gefasst hat. Wenn wir das getan haben, kann der Christus wiederkommen.

Er hat übersehen, dass Jehovas Zeugen genau das schon seit über 100 Jahren tun. Jehovas Zeugen sagen schon seit so vielen Jahren, dass wir seit 1914 in den letzten Tagen vor der Wiederkunft des Christus leben. Dazu gehen wir von Haus zu Haus, sprechen die Leute auch auf der Straße an oder stehen an der Straße, um Gespräche mit ihnen zu beginnen und Lesestoff zur Verfügung zu stellen.

Das Merkwürdige: Die Lehre, dass wir seit 1914 in den letzten Tagen vor der Wiederkunft Christi leben, kennen die Menschen nicht. Es war auch für mich ein Geheimnis, als sie mir dies vor über 30 Jahren gesagt haben. Das hat mir bis dahin noch niemand erklärt.

Können wir uns sicher sein?

Manche haben den ernsten Bibelforschern und späteren Zeugen Jehovas auch vorgeworfen, falsche Propheten zu sein, weil sie Dinge vorausgesagt haben, die so nicht eingetreten sind. So hat Charles Taze Russell, der Gründungsvater der ernsten Bibelforscherbewegung, aus der die Zeugen Jehovas hervorgegangen sind, geglaubt, dass die letzten Tage mit 1914 enden würden. Dann hat man geglaubt, dass das Ende der letzten Tage vielleicht 1925 und schließlich 1975 kommen würde.

Manche von den Kritikern wenden sich ab, glauben nicht mehr an diese Dinge und glauben vielleicht wieder an einen dreieinigen Gott. Sie vergessen eines: Auch wenn jemand etwas vorherzuwissen hofft, was dann nicht genau so eintritt, hat er sich der Überprüfbarkeit unterzogen. Er muss damit rechnen, dass es für ihn peinlich werden könnte, wenn seine Voraussagen nicht eintreten.

Die Dreieinigkeitslehre hat sich nur deshalb so lange gehalten, weil man sie überhaupt nicht prüfen kann. Wer kann herausfinden, wie Gott aussieht? Man soll sich aber kein Bildnis machen, wie schon das erste der 10 Gebote lautet. Schon deshalb sind solche Lehren abzulehnen, weil sie diesem Gebot widersprechen.

Wenn aber jemand die Bibeltexte ignoriert, die eindeutig gegen die Dreieinigkeitslehre sprechen, dann kann er an dieser Lehre festhalten, ohne je durch den Verlauf der Geschichte korrigiert zu werden. Das sieht mit den Voraussagen ganz anders aus. Hier werden sie durch den Zeitverlauf widerlegt oder bestätigt.

Darum habe ich Gefallen an solchen Voraussagen, weil man durch sie weiterkommt, wie in der Wissenschaft. Denn sie sind keine falschen Propheten, weil sie keine Propheten sind, sondern Wissenschaftler. Sie haben sich doch selbst als ernste Bibelforscher bezeichnet. Und in der Wissenschaft kommt man gerade dann voran, wenn Irrtümer auffliegen (siehe die Abhandlung „Prophetie oder Wissenschaft?“).

Wenn etwa ein Physiker ein Experiment durchführt und Messdaten gewinnt, hat er eine bestimmte Erwartung, was das Ergebnis betrifft. Er hat das Ergebnis durch eine vorhandene Theorie vorausgesagt. Wenn nun ein ganz anderes Ergebnis herauskommt, obwohl er bei der Durchführung des Experimentes alles richtig gemacht hat, soll er dann enttäuscht sein? Nein, ganz im Gegenteil. Jetzt hat er die Möglichkeit, seine Erkenntnis zu vergrößern, indem er eine Erklärung, vielleicht etwas ganz Neues findet. Und die neue Theorie findet dann vielfach Bestätigung und man versteht die Naturgesetze besser als je zuvor. Viele, die das erlebt haben, sind dann auch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden (wie Rudolf Mößbauer: Mößbauer-Effekt, Klitzing: Quanten-Hall-Effekt).

Wenn man nur im Trüben fischen würde und alles, was man aufgrund einer vermeintlichen Erkenntnis gesagt hat, würde sich als haltlos erweisen, dann würde auch keine Erkenntnis übrig bleiben. Aber wie ist es mit der Aussage, dass wir seit 1914 in den letzten Tagen leben?

Wir müssen aufmerksam die Realität beachten.

Charles Taze Russell war von den technischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts überwältigt. Noch nie haben sich die Welt und auch menschliche Errungenschaften so schnell geändert wie in diesem Jahrhundert. In den Jahrhunderten vor der Neuzeit waren die Strukturen erstarrt und die Menschen haben auch kaum Fortschritte gemacht. Darum dachte er, dass dies bereits die letzten Tage wären. Was würde er sagen, wenn er heute leben würde?

Die Schnelllebigkeit des 19. Jahrhunderts war nichts im Vergleich zu heute. Nicht innerhalb eines Jahrhunderts, sondern innerhalb von wenigen Jahren werden wir von neuen Entwicklungen geradezu überrollt. Und sie sind nicht nur Herausforderungen für den einzelnen Menschen, sondern bedrohen die ganze Menschheit existenziell. Jeder denkende Mensch weiß doch, dass es so auf Dauer nicht weitergehen kann.

Aber dass dies auch die in der Bibel vorausgesagten letzten Tage sind, haben Jehovas Zeugen im Predigtdienst schon seit Langem biblisch gut begründet. Viele dieser Argumente kannte Russell noch gar nicht (etwa die Übereinstimmung der Beschreibung in Matthäus 24 mit den Weltverhältnissen seit 1914). Aber zu den Argumenten, die man schon vor 30 oder 40 Jahren verwendet hatte, kommen immer weitere hinzu.

Weitere Zeichen der letzten Tage

Sprachverwirrung aufgehoben

Wie es kommt, dass es so viele Sprachen gibt, wird uns in 1. Mose 11:5–9 erklärt. Die Menschen hatten damals gerade einen großen Turm gebaut, um sich einen berühmten Namen zu machen. Wenn sie so weitergemacht hätten, dann würde den Menschen nichts, was sie vorhaben, für sie unerreichbar sein. Das sagte Gott voraus und unternahm etwas. Er zerstreute sie auf der Erde und sie fingen an, unterschiedliche Sprachen zu sprechen. Dadurch hörten sie auf, da die Sprachbarriere ein großes Hindernis in der Zusammenarbeit war.

In der Tat, den Menschen ist heute wirklich nichts mehr unmöglich. Sie können sogar künstliche Wesen erschaffen, die intelligenter sind, als sie selbst, und so die ganze Menschheit bedrohen. Die künstliche Intelligenz soll schon in wenigen Jahren die ganze Welt überrollen. Aber die Sprachbarriere wurde damit auch überwunden und Gott hat es zugelassen. Warum lässt er es heute zu, obwohl er es damals verhindert hat? Weil wir in den letzten Tagen leben.

Damals musste er es unterbinden, da diesem System der Menschen noch eine erhebliche Frist eingeräumt wurde. Stellen wir uns vor, sie hätten schon damals schnell Fortschritte gemacht. Denn hätte die Welt nicht bis heute durchgehalten. Die Erde wäre schon lange durch Atomkrieg, Umweltverschmutzung und Ausbeutung ruiniert. Wenn heute diese Dinge ihren Lauf nehmen, dann nur deshalb, weil die Frist abgelaufen ist und nun alles bis zur Beendigung dieses Weltsystems eskalieren kann.

Aber es sind noch andere Entwicklungen eingetreten, wegen derer schon einmal der Zorn Gottes kam.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse gleichen denen der Tage Noahs.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen und der fortschreitende Feminismus haben das Zusammenleben von Mann und Frau völlig verändert. Es gibt kaum noch stabile Ehen, fast nur noch kurzzeitige und wechselnde Partnerschaften. Frauen sind selbstständig und karrierebewusst. Sie benötigen keinen Mann mehr. Viele Männer sind Single und auch Frauen entscheiden sich, nur noch für ihre Karriere zu leben. Durch die sozialen Medien wurden diese Entwicklungen stark beschleunigt. Die Geburtenrate sinkt dramatisch und man benötigt viel Einwanderung, um das auszugleichen. Viele Kinder wachsen bei alleinerziehenden Müttern auf. Dafür hat man Kindertagesstätten. Erzogen werden sie so durch weltliche Einrichtungen und die sozialen Medien, da es kein intaktes Elternhaus gibt. Aber was bedeutet das?

Männer können nicht mehr die von Gott kommenden Aufgaben übernehmen. Früher war der Mann ein Beschützer und Rechtsanwalt für seine Ehefrau (siehe Matthäus 18:2-8; 2. Mose 21:22). Heute geht eine Frau zu einem Rechtsanwalt, um sich scheiden zu lassen und gegen ihren Mann zu klagen. Sie wird durch weltliche Institutionen und Gesetze vor den Männern beschützt. Eine Frau kann sogar ihr Kind ohne Zustimmung oder Vetorecht des Vaters abtreiben lassen. Für die Schwangerschaftsberatung sind weltliche Einrichtungen vorgesehen. Beistand und Rat durch einen Ehemann sind nicht vorgesehen. Die meisten Ehen werden durch die Frauen geschieden. Sie bekommen dann meist das Sorgerecht für die Kinder. Aber worauf läuft das hinaus?

Die Tage Noahs

Der Bibelbericht besagt, dass die Menschen in den Tagen Noahs vollkommen verdorben waren und ihre Wege allezeit nur böse waren. Darum hat Gott eine Sintflut über die Menschen gebracht. Doch was war der eigentliche Auslöser für dieses Strafgericht? Gemäß 1. Mose 6:1-17 haben die „Söhne des wahren Gottes“ Beziehungen mit den Frauen gehabt. Die Frauen haben ihnen Söhne geboren, die als Nephilim bezeichnet werden. Sie waren die starken und berühmten Männer. Das hat Gott nicht gefallen und er brachte die Flut über die Menschheit.

Mit den „Söhnen des wahren Gottes“ sind ungerechte Geistwesen gemeint, die heute immer noch als Dämonen unsichtbar leben. Und diese Dämonen sind heute sehr aktiv und herrschen über die Menschheit, obwohl sie unsichtbar sind (Epheser 6:12). Ja, es heißt in 1. Johannes 5:19, dass die ganze Welt in der Macht dessen liegt, der böse ist.

Wie ging es in den Tagen Noahs also zu? Haben sich die unsichtbaren Geistwesen in sichtbare, buchstäbliche Männer verwandelt und haben dann Frauen geheiratet? Das denken manche. Aber sie müssen keine sichtbaren Menschen werden, um Einfluss zu nehmen. Sie tun es heute als unsichtbare Gewalten gemäß Epheser 6:12. Auch damals konnten sie so handeln, wie es in der Bibel berichtet wurde, indem sie die Funktion von Ehemännern annahmen, genauso, wie es heute weltliche Institutionen sind.

Um ihnen Kinder zu gebären, hatten die Frauen die Möglichkeit, sozusagen Leihmänner zu benutzen. Das sind Männer, die nicht die Ehemänner der Frauen werden, aber Kinder zeugen. So etwas wird in der Bibel als Hurerei oder sexuelle Unmoral bezeichnet und gilt als eine schwere Sünde. Sie wird mit Götzendienst und Anbetung von Dämonen in Verbindung gebracht (siehe 4. Mose 25:1–3).

So erkennen wir, dass heute die gleichen Zustände eingetreten sind, wie sie in den Tagen Noahs waren. Und wegen dieser Dinge kam damals und sicher auch heute der Zorn Gottes (Epheser 5:3–6).

Wo befinden wir uns also im Strome der Zeit?

Jetzt haben wir weitere Argumente kennengelernt, die uns klar vor Augen führen, dass wir in den letzten Tagen leben, ja unmittelbar vor dem Strafgericht Jehovas. Durch die extreme Geschwindigkeit dieser Entwicklungen müssen wir uns im Klaren sein, dass jetzt wirklich nur noch eine sehr kurze Frist verbleibt. Wir sind in der Endphase der letzten Tage angekommen.

Darum erkennen wir, dass die ernsten Bibelforscher keinesfalls falsche Propheten sind. Sie konnten die heutigen Entwicklungen nicht voraussehen und wussten eben nicht genau, wie lange es noch dauern würde. Aber wir leben wirklich in der von ihnen vorausgesagten Zeit. Die Deutung der sieben Zeiten, die sie auf 1914 gebracht haben, war also erfolgreich, auch wenn sie manches noch nicht klar erkannt haben. Kleine Korrekturen sind immer nötig und auch zu begrüßen. Denn wie schon erwähnt, können wir gerade durch das, was nicht nach unseren Vorstellungen abläuft, an Erkenntnis wachsen (siehe dazu den Artikel »Das Jahr 1914: Beginn der letzten Tage?«).

Die Bibel enthält weitere Zeitprophezeiungen, deren Erfüllung die ernsten Bibelforscher auf die Jahre nach 1914 datiert haben. Sie waren damals stark in Erwartung und hielten Ausschau nach ihrer Erfüllung. Zu den Prophezeiungen gehören die in Daniel erwähnten 1260 und 1335 Tage und die 2300 Abende und Morgen. Dazu ähnliche Zeitangaben in Offenbarung Kapitel 11 über 1260 Tage, 42 Monate, die auch 3 ½ Jahre sind. Die bisherigen Erklärungen und auf welche Ereignisse man sie bezieht, kann man in der Wachtturmliteratur nachlesen.

Heute erscheint uns das, was die Wachturmliteratur über deren Erfüllung sagt, weit hergeholt, da es schon so lange her ist und sich mittlerweile so viel geändert hat. Damit soll nicht gesagt werden, dass sie falsch sind. Manche Prophezeiungen haben auch eine Mehrfacherfüllung. Jedenfalls bezogen sie dieses prophetische Wort auf Dinge, die innerhalb der Glaubensgemeinschaft geschehen sind.

Doch heute würden wir gerne verstehen wollen, was die ganzen Änderungen in der Glaubensgemeinschaft während der letzten 20 Jahre zu bedeuten haben. Denn es hat sich ungeheuer viel getan und das hat niemand vorausgesagt. Stattdessen hätte man den Tag Jehovas schon viel früher erwartet.

Die große Bedeutung der Wachsamkeit

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal für die letzten Tage ist die Ignoranz der Menschen. Denn Jesus sagte: Genauso, wie in jenen Tagen, den Tagen Noahs, wird es in den letzten Tagen sein (Matthäus 24:38, 39). Damals baute Noah zur Rettung seiner Hausgemeinschaft eine riesige Arche. Er erklärte den Menschen auch, warum er dies tat. Die Arche war doch unübersehbar. Aber die Menschen nahmen keine Notiz davon. Und heute ist es genauso.

Jehovas Zeugen erklären schon seit über hundert Jahren, dass wir in den letzten Tagen leben. Die Menschen tun so, als ob sie nie etwas davon gehört hätten. Auch mir kam das damals wie eine Geheimlehre vor, wie schon erwähnt. Denn zuvor hatte ich das noch nie gehört. Aber sie wird doch öffentlich verkündet.

Diejenigen, die sich Zeugen Jehovas nennen, sind doch anders, oder? Sie nehmen Notiz. Es gibt aber eine Botschaft, von der sie auch keine Notiz nehmen wollen, obwohl sie sie eigentlich kennen müssten. Denn sie haben öffentlich erklärt, wer Babylon die Große ist und dass sie von Gott gerichtet wird.

Von dieser Botschaft handelt diese öffentliche Website. Nun möchte ich weiter berichten, welche Antworten ich von Jehova erhalten habe und was es mit den erwähnten Zeitprophezeiungen noch auf sich hat.

Lies zuerst den Artikel „Wer wird Jehova ehren?“. Hier berichtete ich schon, welche besonderen Erfahrungen ich mit Jehova gemacht und zu welchem Zweck ich für die Pionierschwester Rosa ein Fotoalbum angefertigt habe. Am Ende des Artikels wird die Frage gestellt, was wohl aus dieser bescheidenen Aktion werden sollte. Und darum geht es nun.

Wie ich die 1335 Tage erreicht habe

Glücklich ist, wer in Erwartung bleibt, und wer die 1335 Tage erreicht“, heißt es in Daniel 12:12 (NWT 2018). Hier beschreibe ich, wie Jehova mir geholfen hat, in Erwartung zu bleiben, und wie ich hierbei die 1335 Tage erreicht habe.

Wie in dem Artikel „Wer wird Jehova ehren?“ besprochen, machte ich für die angegriffene Pionierschwester Rosa ein Fotoalbum, das ich am 22.01.2010 der Versammlung vorlegte und die Glaubensbrüder unterschreiben ließ. Der Titel lautete: „Wer wird Jehova ehren?“ Alle Einzelheiten stehen in dem Artikel. Hier nur kurz die wesentlichen Punkte:

  • Der Gedanke, den das Fotoalbum vermitteln soll: Auch wenn wir weniger von außen verfolgt werden, trifft trotzdem 2. Timotheus 3:12 zu. Denn wir werden von innen verfolgt. Die Angriffe und Anfechtungen innerhalb der Glaubensgemeinschaft und auch von Ältesten, mit denen jemand konfrontiert wird, obwohl er Jehova aufopferungsvoll dient, kommen nicht von Jehova, sondern stellen Verfolgung dar.
  • Bei der Anfertigung und Einführung des Fotoalbums habe ich so sehr Jehovas Führung gespürt, dass ich überzeugt war, dass Jehova etwas ganz Besonderes vorhat. Auch das Datum schien mir von großer Bedeutung zu sein. Also war ich die darauffolgenden Monate sehr in Erwartung. Ich wartete, dachte nach und betete.
  • Ich hatte im Sommer 2009 folgenden Eindruck: Der Kongress „Wacht beständig“ war der letzte Kongress, der Jehovas uneingeschränkten Segen hatte.

Der Killesbergturm

Ich überlegte also, was Jehova schließlich damit anfangen wird. Von meiner Arbeit im Bethel wusste ich, dass sie, wenn auch unscheinbar, doch ziemlich wirkungsvoll sein konnte, da ich alles sehr sorgfältig und genau berechnet hatte. Und die ganze Aktion mit dem Fotoalbum habe ich auch sehr sorgfältig unter Gebet und mit vielen gebetsvollen Überlegungen und mit einer Furcht einflößenden Unterstützung durch den, der mir wie ein schrecklich Mächtiger war, durchgeführt (Jeremia 20:11). Und dann machte ich folgende interessante Erfahrung:

In Stuttgart Killesberg gibt es auf einem Höhenpark einen Aussichtsturm, der etwa 40 m hoch ist und den man zu Fuß über Treppen besteigen kann. Er ist eine reine Stahlkonstruktion mit einem Mast, der auf einer Kugel steht und somit keine horizontalen Kräfte aufnehmen kann. Ringsherum angebrachte Stahlseile spannen den Turm auf und übernehmen die horizontalen Kräfte.

Es war am 17.8.2010. Ich hatte Urlaub in Stuttgart und bin mit zwei Jungs, den Söhnen meiner leiblichen Schwester, auf den Aussichtsturm gestiegen.
Als ich oben stand, fing ich einfach zum Spaß an, nach dem zentralen Rohr zu greifen und mich dann hin und her zu bewegen. Ich wusste, dass dieser hochelastische Turm eine scharfe Resonanzfrequenz haben musste. So versuchte ich, diese Frequenz genau zu erwischen und den Turm so zum Schwanken zu bringen. Sollte ich einen großen Turm als Einzelperson mit ein wenig Gewichtsverlagerung zum Schwanken bringen (laut Angaben 43 m hoch, 21 m Basisdurchmesser, 185 Tonnen Tragfähigkeit)?

Ich dachte, das ist genauso, wie wenn ich mit dem Fotoalbum für eine Person, das ich nur einer Versammlung vorgezeigt hatte, viel bewirken möchte. Aber mit Genauigkeit? Wenn ich die Resonanzfrequenz genau treffe? Genauso, wie Jehova mich geführt hat? Jetzt dachte ich, dass ich es schaffen könnte. Was Krafteinwirkung betrifft, habe ich mich nicht besonders verausgabt, nur die Resonanzfrequenz habe ich genau zu erwischen versucht. Als es nach einer gewissen Zeit dann schon erheblich schwankte, hielt ich inne und drehte mich um.

Ich war total erschrocken. Die Leute, die außen auf der Plattform standen, sind geschätzt einen Meter nach oben und unten geschwankt! Meine spontane Bemerkung war: „Jetzt rütteln alle am Turm!“ Ich konnte mir das Phänomen nur erklären, wenn alle nach mir gleichzeitig auf die Idee gekommen wären, mitzumachen. Es sah so aus, als ob der Turm immer stärker hin und her schwanken würde, obwohl ich doch schon aufgehört hatte. Dass man eine gewisse Wirkung durch die Resonanz erreichen konnte, wusste ich. Aber eine so große Wirkung schien mir völlig übertrieben zu sein.

Natürlich haben die anderen nicht mitgemacht, das war mir dann später klar. Die beiden Jungs jedenfalls haben mir viele Fragen gestellt, wie das kommt und wie man die größte Wirkung erzielt. Als wir unten waren, sprach uns eine Frau an und erzählte mir, dass es bei Wind manchmal auch ganz schön und noch stärker schaukelt, und brachte eine gewisse Skepsis zum Ausdruck, ob dieser Turm wirklich sicher konstruiert wurde.

Durch die Reaktion der beiden Jungs und der Frau konnte ich mir sicher sein, dass ich mir das nicht einbilde, sondern dass es Wirklichkeit war. Und es musste die Antwort auf meine Fragen sein, die ich Jehova gestellt hatte. Welche Wirkung werde ich durch meine Aktionen unter Jehovas Führung erzielen? Diese Antwort würde bedeuten, dass sie alle Erwartungen noch weit übertreffen würde.

Die sinnbildliche Bedeutung des Turmes

Eine weitere Besonderheit zeichnet den Turm aus. Er ist aus Spendengeldern durch freiwillige Spenden errichtet worden. Aber diese Spender waren doch nicht ganz selbstlos. Sie sind dafür geehrt worden, indem ihre Namen auf den Stufen stehen!

Bild der Treppen mit Namensschildern

Auch die Organisation der Zeugen Jehovas wird durch den freiwilligen Dienst und durch Spendengelder unterstützt. Mit dem Titel „Wer wird Jehova ehren?“ soll die Frage aufgeworfen werden, ob alle durch ihren freiwilligen Dienst und ihre Spenden wirklich Jehova ehren wollen. Oder ob sie nicht Ehre für sich selbst suchen. Wenn man als Zeuge Jehovas ein sogenanntes Dienstvorrecht haben möchte, sucht man dann nicht Ehre für sich selbst? Oder wenn wir den Leuten im Predigtdienst sagen möchten, dass wir auf der Siegerseite stehen, sie aber die Verlierer werden, weil sie Jehova nicht dienen, suchen wir dann nicht Ehre für uns selbst?

Das Fazit: Die Organisation soll zum Wanken gebracht werden, weil man nicht Jehova die Ehre gibt.

Bei der Tagestextbesprechung

Man hatte ein starkes Sündenbewusstsein. Und man sah die Notwendigkeit, dass man seine Sünden bekennen und bereuen muss. Das Bewusstsein, dass auch die Organisation sündigen kann und es notwendig ist, dass die Organisation ihre Sünden bekennt und bereut, war allgemein nicht vorhanden. Man sah die Organisation immer als Vertreterin Gottes und dass man sich von ihr zurechtweisen lassen muss, nie umgekehrt. Aber ich wusste, dass sich Jehova durch vollkommene Unparteilichkeit auszeichnet. Das erkannte ich schon als Physiker (siehe den Artikel »Unparteilichkeit«). Deshalb müssen seine Grundsätze für alle gelten, auch für die Vertreter der Organisation. Darum beobachtete ich genau, wie sie weiterhin mit Rosa umgehen und ob sie ihre verurteilende Haltung ihr gegenüber bereuen.

Im September 2010 wurden dann zwar die Strafauflagen aufgehoben. Deshalb kam sie aber noch lange nicht wirklich in gutem Ruf. Und daraus kam ich zu dem Schluss, dass Jehova ihnen auch nicht vergeben wird. Er wird die Organisation zu Fall bringen (siehe Jesaja 22:14 mit Erklärung).
Das wurde mir durch die Tagestextbesprechung im Bethel noch klarer.

Am Morgen des 06.09.2010 war ich tief beunruhigt wegen der Frage, ob Jehova wirklich „seine“ Organisation verurteilt. Dann kam die Tagestextbesprechung. Aus ihr konnte ich Folgendes mitnehmen: Wer Brüder anklagt, die die Gebote halten und das Werk tun, ist Handlanger Satans. Das bedeutet, dass Jehova sie so betrachtet.

Vor der Tagestextbesprechung am 07.09.2010 fragte ich mich, ob Rosa noch für ihren treuen Dienst für Jehova belohnt wird. Ein Kommentator gab zur Antwort: Eine kleine Hilfe kann man heute schon bekommen, aber die wirkliche Lösung gibt es erst in der neuen Welt.
Auch in den nächsten Tagen machte mir Jehova immer deutlicher klar, dass er die Organisation richten möchte (siehe auch Jesaja 22:14 mit Erklärung).

Meine Fragen an Jehova und seine Antworten

Ich fragte Jehova, warum er dann so lange mit dieser ungerechten Organisation zusammengearbeitet hat. Er gab mir die Antwort durch das, was ich gerade selbst erlebte. Ich arbeitete mit einer Glaubensschwester im Predigtdienst zusammen. Daraus wurde ein Bibelstudium mit einem Interessierten (einer interessierten Person). Wir wollen ja mit Menschen die Bibel studieren, damit sie die Gelegenheit haben, Jehova und seinen Vorsatz kennenzulernen. Dazu war mir meine Dienstpartnerin nützlich. Doch als der Interessierte erfreulicherweise Fortschritte machte, war meine Dienstpartnerin plötzlich gegen ihn. Sie verleumdete ihn.

Als die Sache richtig schlimm wurde und sie sich auch mit Rosa befreundet hatte, so dass eine Art Dreiecksverhältnis entstand, wurde es mir richtig gruselig und ich zog mich schlagartig von ihr zurück (siehe auch in meinem Bericht hier ). Und es schien mir, als ob Jehova mir sagen wollte, dass ihm die Organisation genauso nützlich war wie mir diese Dienstpartnerin. Wenn Menschen auch mit Hilfe einer ungerechten Organisation die Möglichkeit erhalten, Gottes Vorsatz kennenzulernen, ist das etwas sehr Gutes, und Jehova gibt Segen und achtet nicht auf das, was schlecht ist. Aber genauso, wie ich mich schließlich veranlasst gesehen habe, mich schlagartig von meiner Dienstpartnerin zurückzuziehen, so wird es Jehova auch mit dieser Organisation tun.

In dieser Zeit saß mir der Schreck in den Gliedern. Dann besuchte ich meine Eltern in Stuttgart und sah mit ihnen „Wetten, dass …?“ an. Es war der 04.12.2010.

Wetten, dass …?

Als bei „Wetten, dass …?“ der Wettkandidat Samuel Koch dran war und seine Wette vorstellte, hatte ich plötzlich ein beklemmendes Gefühl. „Wenn das schiefgeht, dann hat er nicht eine Wette verloren, sondern auch seine Gesundheit oder sogar sein Leben“, dachte ich sofort. Die Wette bestand darin, mit Sprungfedern über fahrende Autos zu springen. Beim dritten Auto kam es dann zu dem Unfall.

In mir verband sich diese Sache sofort mit meinen Erlebnissen. Es passte so gut zusammen und ich war in der entsprechenden Stimmung.

Bei seiner schwierigen Genesung dachte ich auch an die Worte über Rosa: Sie hätte um das Überleben gekämpft. Manche treue Glaubensbrüder und Glaubensschwestern machen durch das, was sie mit Ältesten erleben, oft sehr Schlimmes durch. Das ist besonders der Fall, wenn sie zurechtgewiesen oder gar ausgeschlossen werden, obwohl sie schon viele Jahre mit echter Gottesfurcht für ihren Glauben tätig waren. Denn es scheint in einer solchen Situation, dass man trotz aufopferungsvoller Glaubenswerke ein vernichtendes Urteil von Gott erhält, da Älteste als Vertreter Gottes betrachtet werden. Gerade deshalb habe ich ja das Fotoalbum für Rosa gemacht.

Aber was hat das mit dem Unfall von Samuel Koch zu tun?

Ursachen

Ich habe darüber nachgedacht, was die Ursache für die Probleme mit dem Glauben in einer Glaubensgemeinschaft ist. Und hierfür diente mir dieser Unfall als Veranschaulichung.

Samuel Koch hat so viel geübt. Warum stürze er in der Live-Sendung? Er unterhielt sich doch zuvor mit Thomas Gottschalk und dann setzte er sich den Helm auf. Was war mit den Ohren? Man kann jedenfalls nicht sehen, dass er sich Ohrstöpsel ins Ohr tat. Also musste er doch alle Geräusche im Saal während des Anlaufnehmens vernommen haben. Das war zum Teil eine rhythmische Geräuschkulisse: rhythmisches Beifallklatschen und sogar eine rhythmische Untermalung im Takt seiner Schritte war dabei.

Und das ist wirklich ein Problem, denn er musste sich an seinen einstudierten und lange geübten Rhythmus halten, damit alles geling. Jetzt kommt aber plötzlich auch ein Rhythmus von außen. Der eingeübte Rhythmus kommt aber von innen. Wenn wir tanzen, dann bewegen wir uns nach der Musik. Der Rhythmus kommt von außen. Der Körper möchte sich nach dem Bewegen, was von außen kommt. Und das ist ihm hier höchstwahrscheinlich (das soll keine Behauptung sein) zum Verhängnis geworden. Beim ersten Auto hatte er wohl noch genügend Konzentration, um die Geräusche auszublenden. Dann aber brachten sie ihn wohl mutmaßlich aus dem Takt.

Genauso ist es, wenn wir innerhalb einer Glaubensgemeinschaft unseren Glauben leben wollen. Unser Glaube und unser Gewissen gehören uns. Wir haben ein ganz persönliches Verhältnis zu Gott. Wir bemühen uns, durch unser Studium der Bibel und durch Gebet, Gott immer näher zu kommen.

Aber dann kommt die Religionsorganisation ins Spiel. Sie vertritt ein kollektives Gewissen. Das kommt von außen. Wenn wir Anweisungen einer Organisation befolgen müssen, ist das nicht unser Gewissen. Es stimmt nicht mit unserer Erkenntnis überein. Natürlich entsteht das kollektive Gewissen durch den Glauben vieler, ob er echt ist oder nicht. Es hat dadurch Ähnlichkeiten mit unserem Gewissen, gleicht diesem aber nicht. Genauso, wie jemand im Saal, der für die Untermalung sorgte, den Takt der Schritte Samuels nachahmen konnte. Das ist dann besonders gefährlich, da dieser Takt eben nicht genau stimmt. Außerdem ist er wegen der Schallgeschwindigkeit phasenverschoben. Das passt nicht. Und so kommt man zu Fall.

Die Rolle von Thomas Gottschalk in der Veranschaulichung

Aber diese Veranschaulichung ging weiter. In der nächsten Sendung am 12.02.2011 kündigte Gottschalk an, dass er aufhören möchte, da aufgrund des Unfalls nun ein Schatten auf der Sendung liege. Er wolle sich aber nicht sofort im Schock aus dem Staub machen, sondern die Staffel abschließen. Auch das hatte ich sofort mit dem Gedanken verbunden, dass auch Jehova „aufhört“, „seine“ Organisation zu unterstützen. Jedoch ging ich davon aus, dass ich weiter Geduld haben muss, da die Dinge nicht ganz so plötzlich laufen, wie ich es mir hätte vorstellen können. Ich beobachtete weiterhin alles sehr genau und verlor nicht die Geduld.

Im Bethel gab es in dieser Zeit zahlreiche Änderungen. Viele Glaubensbrüder aus der Schweiz und Österreich kamen zu uns, da ihre Zweigbüros bald aufgelöst werden sollen. Abteilungen wurden umstrukturiert und ich hatte eine neue vorübergehende Arbeitszuteilung. Aber ich wusste, dass dies mit dem Gericht Jehovas zusammenhängt. Und ich schrieb entsprechende Briefe an Rosa.

Götzendienst auf den Inseln

Am 21.06.2011 war dann eine Besprechung wegen der großen Abteilungsänderungen gewesen. Ich schrieb den Termin in meinen Kalender. „Vorbesprechung erste große Explosion“ habe ich diesen Termin genannt. Das war wegen einer weiteren Veranschaulichung (Chemieunfall bei PEPCON), die mir Jehova gegeben hat, um wach zu bleiben. Ich wusste, dass diese von allen als überwältigend empfundenen Veränderungen etwas mit dem feurigen und explosiven Gericht Jehovas zu tun haben. Die Änderungen waren gewaltig. Alle bisherigen Aufseher der Werkstätten wurden abgesetzt und neue Aufseher mit einer ganz neuen Abteilungsstruktur eingesetzt. Die Besprechung leitete Manfred Steffensdorfer.

Interessant war der Bibeltext, den Manfred Steffensdorfer als Motivation für die Zusammenarbeit mit den neuen Strukturen verwendet hat. Es war Jesaja 41:6, 7. In diesem Bibeltext geht es um Götzendienst auf den Inseln (siehe den Kontext und Vers 5). Sie machten sich Mut, weil sie sich vor dem herannahenden Cyrus fürchteten. Jehova gebrauchte Cyrus, um sein Urteil gegen Babylon zu vollstrecken. Und das wandte Manfred Steffensdorfer ernsthaft für die Arbeit im Bethel an! Damit war mir wieder klar, dass dies wirklich die Vorbesprechung vor dem herannahenden Unheil aufgrund des Gerichts an der Organisation war. Und die Arbeit im Bethel wurde zum Götzendienst erklärt!

Meine erste Vers-für-Vers-Betrachtung

Im Sommer 2011 merkte ich plötzlich, dass ich die Prophezeiung über Gog von Magog, die in Heskiel 38 und 39 aufgezeichnet ist, so gut verstand, dass ich jeden Bibelvers erklären konnte. Das brachte mich dann dazu, eine Vers-für-Vers-Betrachtung von Hesekiel Kapitel 38 und 39 anzufertigen. Ich schrieb sie für Rosa und habe sie ihr zugesandt. Das war im Oktober 2011 (siehe die Vers-für-Vers-Betrachtung).

Es geht in diesem Teil der Prophezeiungen Hesekiels um einen großen Angriff, den Jehovas Zeugen am Ende der letzten Tage, also der heutigen Zeit, erwarten. Ich erkannte, dass es ein dämonischer Angriff ist. Die Dämonen dringen in die Glaubensgemeinschaft ein, um sie zu verderben. Dies führt zu all den Problemen, wie man sie in diesen Tagen in der Glaubensgemeinschaft erleben konnte. Auch stehen die vielen Veränderungen mit einem Generationenwechsel in der leitenden Körperschaft in Verbindung (siehe im Artikel »Unser neuer Rechtsanwalt«). Als Bruder Barr sein irdisches Leben am 04.12.2010 beendete, war dieser Generationenwechsel abgeschlossen. Es war genau der Tag, als Samuel Koch verunglückte.

In dieser Zeit schaute ich oft in der Bibliothek im Bethel nach älterer Wachtturmliteratur. Dann entdeckte ich einen Wachtturmartikel aus dem Jahr 1926 mit demselben Titel, den ich dem Fotoalbum gegeben habe: „Wer wird Jehova ehren?“. In diesem Artikel ging es darum, dass das Werk von Gott und nicht von Menschen ist. Wir neigen dazu, Menschen und besonders Ältesten die Ehre zu geben, die nur Gott zusteht. Davor warnte der Artikel. Das ist im Wesentlichen der gleiche Grundgedanke, dem auch meiner Aktion zugrunde lag. Ich kannte diesen Artikel nicht, als ich den Titel festlegte. Jehova musste mich auch hier geführt haben.

Ich war weiter in Erwartung und kam zum Ergebnis, dass im Frühjahr 2012 etwas Bedeutsames geschehen sollte. Jehova hielt mich wach. Dann wurde in diesem Frühjahr angekündigt, dass es nur noch 16-seitige Zeitschriften geben werde und stattdessen die Website jw.org stärker in den Fokus rücken solle.

Warum können wir dem treuen und verständigen Sklaven vertrauen?

Im Frühjahr 2012 hatte ich auch die Einladung zur Königreichsdienstschule, in der Dienstamtgehilfen und Älteste geschult wurden. Ich war Dienstamtgehilfe. Ein besonderer Programmpunkt in dieser Schulung war das Kapitel „Dem treuen und verständigen Sklaven vertrauen“.

Gemäß unserem Verständnis von Matthäus 24:45–46 stellte Jesus bei seiner Ankunft im Jahr 1914 die Frage: „Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave …?“ Das Erkennungsmerkmal soll nach diesem Bibeltext darin bestehen, dass er bei seiner Ankunft geistige Speise zur rechten Zeit austeilt. Und genau das taten die ernsten Bibelforscher. Sie wiesen auf das Jahr 1914 hin und erklärten den „Plan der Zeitalter“. Sie erklärten, in welcher besonderen Zeit wir heute leben. Das taten nur sie, während die Kirchen der Christenheit schliefen.

Und deshalb waren Jehovas Zeugen so überzeugt, dass Jehova sie, diese kleine Gruppe von Bibelforschern, über die ganze Habe Jesu gesetzt hat. Das soll 1919 geschehen sein, als Joseph Rutherford nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis das Werk wieder neu anfachte. Das bedeutet, dass der in Matthäus 24:14 erteilte Predigtauftrag allein an sie erging. Und darauf sollten wir weiter vertrauen. Jehova leitet dieses Werk durch diesen treuen und verständigen Sklaven. Dieser Lehrpunkt hatte auch mich von Anfang an überzeugt. Wenn wir im Predigtdienst den Leuten erklären mussten, warum wir denken, dass Gott gerade mit uns und nicht mit anderen Religionsgemeinschaften zusammenarbeitet, war dieser Punkt das wichtigste Argument. Welche andere Religionsgemeinschaft lehrt und predigt weltweit, dass wir seit 1914 in den letzten Tagen leben?

Im Sommer hatten wir Dienstwoche. Der Kreisaufseher erinnerte uns nochmals an diesen wichtigen Punkt.

Lehränderung

Dann erfuhr ich zuerst von einem Mitbruder im Bethel, dass in der Jahresversammlung im Oktober 2012 eine Lehränderung besprochen wurde. Der treue und verständige Sklave würde erst in der Zukunft über die „ganze Habe Christi“ gesetzt werden. Und er kam erst nach 1914 ins Dasein. Er würde aus einer kleinen Gruppe Geistgesalbter bestehen, die die Führung übernimmt.

Ich erkannte sofort die Tragweite dieser Lehränderung. Denn das bedeutet nichts anderes, als dass man das zuvor erwähnte Argument nicht mehr verwenden konnte. Was man noch im Frühjahr in der Königreichsdienstschule gelehrt hat und auf das unser Vertrauen beruhen sollte, wäre mit dieser neuen Lehre Makulatur.

Noch wurde sie nicht offiziell eingeführt. Sie wurde nur in der Jahresversammlung 2012 besprochen und man brauchte besondere Informationsquellen, um davon zu erfahren. Aber ich merkte schon, dass dies der Tod der Organisation bedeuten würde. Mit dem Thema Tod hatte ich es gerade zu tun, da im Sommer mein Vater verstorben war. Und selbst dieses Ereignis schien mir zur Veranschaulichung zu gereichen. Wie wird es weitergehen?

In dieser Zeit dachte ich sehr intensiv über alles nach. Die Abhandlungen über Jesaja 29, 30 und »Die Generation, von der Jesus sprach« sind im Herbst 2012 entstanden. Außerdem die Vers-für-Vers-Betrachtung des Kapitels 10 aus Offenbarung, da hierüber kaum etwas in der Literatur steht. Ich hatte bis dahin eine Scheu, vorhandene Lehren anzutasten, da ich großen Respekt vor der offiziellen Lehrmeinung hatte und mich nicht befugt fühlte, selbst ein neues Bibelverständnis einzuführen. Darum war ich beim Anfertigen weiterer Bibelbetrachtungen sehr gehemmt.

Doch im Januar 2013 änderte sich das schlagartig. Jehovas Geist hat mir klargemacht, dass die Organisation die Befugnisse verloren hat und ich auf sie nicht mehr Rücksicht nehmen müsste. Dann konnte ich frei schreiben. Es musste die Zeit gewesen sein, in der der Wachtturm vom 15.07.2013 geschrieben wurde. Dieser war dann schon ab März 2013 erhältlich. In dieser Zeitschrift wurden in mehreren Studienartikeln die neuen Lehren erklärt und bestätigt.
Die Studienartikel sollten im September in den Versammlungen studiert werden. Eine Woche später war die Jahresversammlung 2013 vorgesehen.

Erstaunliches über Zeitabläufe

Ich schrieb im Januar 2013 die Vers-für-Vers-Betrachtung von Offenbarung Kapitel 11 und fing an, die Prophezeiungen im Bibelbuch Daniel zu verstehen. In Verbindung damit machte ich mir jetzt viele Gedanken über die dort erwähnten Zeitprophezeiungen. Dann entdeckte ich Erstaunliches.

Die 2300 Abende und Morgen

Ich las nochmals einen Brief, den Rosa mir geschrieben hatte, um mir ihre Situation in der Dominikanischen Republik mit den Ältesten zu schildern. Sie schrieb, dass ein halbes Jahr, nachdem die Ältesten sie zurechtgewiesen hatten, ein weiteres Gespräch stattfand. Das war ziemlich bösartig und unversöhnlich. Danach hat sie dann das Land fluchtartig verlassen. Sie fügte hinzu, dass zwei Tage vor diesem Gespräch das Gedächtnismahl war.

Dann überlegte ich: Das erwähnte Gedächtnismahl fand am 04.04.2004 statt. Also war das Gespräch am 06.04.2004. Ein halbes Jahr vorher fingen die Probleme an. Das war dann der 06.10.2003, wenn man es genau nimmt. Das Fotoalbum hatte ich am 22.01.2010 in der Versammlung gezeigt und die Unterschriften gesammelt. Nur so zum Spaß rechnete ich die Zeitdifferenz zwischen dem 06.10.2003 und dem 22.01.2010 aus. Ich war verblüfft. Es sind genau 2300 Tage.

Dazu gibt es im Bibelbuch Daniel einen Bibeltext. Und zwar Daniel 8:14. In Vers 13 ist davon die Rede, dass sowohl die heilige Stätte als auch das Heer zu Dingen der Zertretung gemacht werden. Und dann soll eben nach 2300 Abenden und Morgen die heilige Stätte in ihren rechten Zustand gebracht werden.

Daniel konnte diese Prophezeiung nicht verstehen und fragte den Engel. Er bekam einfach zur Antwort: „Es ist wahr“ (Daniel 8:26, NWÜ 1986).

Ich fragte mich natürlich, ob das nicht Zufall sein könnte. Den Tag, an dem die Verfolgungssituation begann, hatte ich ja durch die einfache Aussage, es war ein halbes Jahr vorher, bestimmt. Man könnte sagen, dass dies ja nur eine ungefähre Angabe war. Aber von dem, was sich Älteste nach einer Zurechtweisung vornehmen, war es zumindest vom Plan her genau ein halbes Jahr. Man könnte dieses erwähnte Gespräch auch als das Schlüsselerlebnis betrachten, das eben formal ein halbes Jahr später stattfand. Und so ist es gerechtfertigt, von diesem Datum auszugehen. Und dann passt es bis auf den Tag genau. Das ist schon höchst erstaunlich.

Was soll ich also denken? Ist es Zufall oder prophetische Realität? Der Engel sagt: „Es ist wahr.“ Also habe ich es als prophetische Realität betrachtet, so unglaublich dies auch erscheinen mag.

Und es ist ja so: Durch Verfolgung versucht der Widersacher, Satan der Teufel, die heilige Stätte zu zertreten. Das versteht man gut, wenn es um äußere Verfolgung geht. Wenn die Glaubensbrüder verhaftet werden, weil sie predigen gingen, den Kriegsdienst verweigern oder sich nur zum Glauben bekennen. Wenn sie nicht einem menschlichen Führer gehorchen, den Hitlergruß verweigern und vieles mehr. Sie werden verhaftet, voneinander getrennt, vielleicht sogar gefoltert. Man bemüht sich, sie an der weiteren Ausübung ihres Glaubens zu hindern. Sie werden auch aufgefordert, ein Dokument zu unterschreiben, in dem sie ihrem Glauben abschwören sollen.

Die Verfolgung kann sehr hart sein. Aber dann kommen Friedenszeiten. Dann kann man seinen Glauben ungehindert ausüben. Gibt es in solchen Zeiten keine Verfolgung mehr? Diesen Eindruck könnte man haben. Ältere Glaubensbrüder, die Verfolgung erlebt haben, sagen, die junge Generation sei verweichlicht. Sie hat nie Verfolgung erlebt. Aber warum heißt es dann in 2. Timotheus 3:12, dass alle verfolgt werden? Das versteht man nur, wenn man begreift, dass Verfolgung auch von innen kommt, also zum Beispiel durch Älteste in der Versammlung.

Und das war doch das Thema, wofür ich das Fotoalbum gemacht habe. Es ging darum, klarzumachen, dass Älteste nicht als Vertreter Gottes gesehen werden sollen, sondern als potenzielle Verfolger. Wenn man Verfolgung als solche erkennt, dann ist alles in Ordnung und man kann wegen Matthäus 5:10, 11 glücklich sein. Nur wenn man dies nicht erkennt, weil man die Vertreter der Organisation als Gottesvertreter sieht, ist die heilige Stätte nicht im rechten Zustand. Das Fotoalbum diente also dazu, die heilige Stätte in ihren rechten Zustand zu bringen. Diese Lehre kann man hieraus entnehmen.

Die 1335 Tage

Was bedeuten nun die Worte aus Daniel 12:12?

Hier ist davon die Rede, dass jemand, der in Erwartung bleibt und dabei diese Zeitspanne erreicht, glücklich ist. Und ich bin permanent, seit dem Datum 22.01.2010, in Erwartung geblieben. Ich war durch all die Erlebnisse ständig in Erwartung, dass Jehova handeln würde. Betrachten wir die Zeitspanne. Bei der vorherigen Angabe konnte man die Tage buchstäblich verstehen, da von Abenden und Morgen die Rede war. Jetzt muss man beachten, dass das prophetische Jahr nicht 365 Tage, sondern 360 Tage hat und aus 12 Monaten zu je 30 Tagen besteht. Wenn von 1260 Tagen die Rede ist, sind damit 42 Monate oder 3 1/2 Jahre (auch oft mit „Zeiten“ widergegeben) gemeint. Demnach bedeuten 1335 Tage, dass es 3 Jahre und 8 1/2 Monate sind.

Ich zählte also zu dem Datum 22.01.2010 drei Jahre und achteinhalb Monate hinzu und kam so auf den 06.10.2013. Das sind dann auch genau 10 Jahre nach dem oben erwähnten Datum 06.10.2003. Am 06.10.2013 fand die Jahresversammlung statt, in der die neue Lehre nochmals bestätigt wurde, die in den Wochen zuvor im Wachturmstudium durchgenommen worden war. Mit diesem Schlüsseldatum konnte ich die Zeitangaben in Offenbarung Kapitel 11 einordnen und voraussagen, wie es weitergehen müsste, laut Prophezeiung. Daran kann ich dann prüfen, ob ich richtig liege (siehe dazu die Vers-für-Vers-Betrachtung von Offenbarung Kapitel 11).

Ergebnis: prophetische Zeitabschnitte

Aufgrund der Worte aus Offenbarung 11:3–10 war ich in Erwartung, was am Ende der 1260 Tage geschehen soll. Diese stimmen mit den 3 1/2 Zeiten aus Daniel überein und sind 3 1/2 Jahre. Sie sollten am 06.10.2013 beginnen und am 06.04.2017 enden. Wird im April 2017 etwas geschehen, was dem Wort aus Offenbarung 11:7–10 entspricht? Wenn das der Fall sein sollte, dann ist das eine Bestätigung, dass das prophetische Wort wirklich so in Erfüllung geht. Denn kein Mensch kann wissen, was in Zukunft geschieht. Das weiß nur Gott.

Was geschah im April 2017? Die Zeugen Jehovas wurden in Russland als extremistisch eingestuft und die Organisation wurde verboten. Damit erfüllte sich tatsächlich zu vorgegebener Zeit diese Prophezeiung (zur Erläuterung siehe die Vers-für-Vers-Betrachtung)!

Man könnte einwenden, dass das Verbot ein paar Tage später kam. Aber die Gerichtsverhandlung war im vollen Gang und Jehova hatte ihre Gebete erhört, sodass sie gerade noch das Gedächtnismahl am 11.04.2017 feiern konnten.

In Offenbarung 11:2 ist von 42 Monaten die Rede. Das sind wieder 3 1/2 Jahre und umfassen die vor dieser liegende Zeitspanne vom 06.04.2010 bis 06.10.2013. Von dieser Zeit an konnte man deutlich eine Änderung der Geisteshaltung erkennen. Man hatte die Aufmerksamkeit vom freudigen Dienen auf unsere sündige Natur gelenkt. In den Dienerbesprechungen wurde das Thema Pornografie angesprochen. Auf dem Kongress 2010 kamen ehemalige Ausgeschlossene zu Wort. Mir hatte der Geist Jehovas im Sommer 2009 mitgeteilt, dass der Kongress „Wacht Beständig“ der letzte Kongress gewesen sein wird, der Jehovas uneingeschränkten Segen hatte (siehe in dem Artikel »Wer wird Jehova ehren?«).

In der ganzen Zeit habe ich außer den Briefen an Rosa alles für mich behalten. Ich wollte diese Dinge aber bald veröffentlichen. Wann sollte das sein? Wann ist für Jehova die Zeit gekommen, dass ich meine Erkenntnisse veröffentlichen darf? Die Antwort ist in Offenbarung 11:11. Hier ist von einer weiteren prophetischen Zeitspanne von 3 ½ Tagen die Rede. Da es sich um eine Sühnezeit handelt, gilt hier die Regel „Ein Tag für ein Jahr“. Also sind es wieder 3 ½ Jahre. Und so verstand ich, dass ich meine Erkenntnisse 3 ½ Jahre später, also ab dem 06.10.2020, veröffentlichen darf.

Ich schrieb dann zuerst drei Briefe an die Brüder der Versammlung (siehe in der Abhandlung »Wann immer sie sagen«). Danach richtete ich diese Website ein.

Soll man wetten, dass auch diese Briefe Jehovas Führung hatten?

Eine weitere Bestätigung: Die letzte „Wetten, dass …?“-Sendung

In allen drei Briefen, die ich an die Brüder der Versammlung schrieb, wiederholte ich eine Metapher, die sie sich einprägen sollten:

Wenn doch Jehova die Macht hat, alle Dinge zu tun, warum dann nicht ihm die Ehre geben?
Wer bereut und Jehova bei Sonnenuntergang die Ehre gibt, dem wird die Sonne aufgehen und sie wird ihm siebenmal heller leuchten als früher. Denn Jehovas prophetisches Wort muss ja in Erfüllung gehen!

Mit Sonnenuntergang ist das Gericht an der Organisation gemeint und dass Jehova sie nicht mehr unterstützt, sondern sich zurückzieht (vergleiche mit Jesaja 60:20). Als Thomas Gottschalk am 12.02.2010 nach dem Unfall angekündigt hatte, aufzuhören, da war es mir ein Teil der Veranschaulichung von Jehova. Genauso wie Thomas Gottschalk aufhört, wird Jehova „aufhören“. Er wollte sich dann nicht im Schock aus dem Staub machen und hörte dann gegen Ende des Jahres erst mal vorübergehend auf. Doch seine wirklich letzte Sendung war am 25. November 2023. Am Ende fuhr er dann gemeinsam mit Mike Krüger auf einem Bagger hinaus. Er rief dazu wiederholt Folgendes:

Mike, wir fahren gemeinsam in den Sonnenuntergang!

Siehe zum Beispiel auf YouTube: https://youtu.be/d3r2Z6AfhBE?si=NhiU3LY1nM8jg9b5

Warum er das gesagt hat und wie er auf „Sonnenuntergang“ kam, weiß ich zwar nicht. Aber es ist die gleiche Metapher, die ich verwendet habe. Natürlich wusste er nicht, dass er das Ende der glanzvollen Organisation der Zeugen Jehovas veranschaulicht, die für die Glaubensbrüder wie ihre Sonne war.

Interessant war auch, wie Thomas Gottschalk sein Aufhören begründet hat. Er nannte zwei Gründe. Und auch hier passt die Veranschaulichung. Jehova hört auf, weil sich die Organisation verändert hat (vorangetrieben durch einen Generationenwechsel). Man kann in den Versammlungen nicht frei seine Glaubensüberzeugung vertreten, sondern muss immer aufpassen, dass sie mit dem übereinstimmt, was momentan gelehrt wird. Sonst könnten wir Probleme bekommen und als abtrünnig angesehen werden. Viele Glaubensbrüder sagen darum in der Versammlung nicht dasselbe wie bei sich zu Hause.

Was wir unbedingt zur Kenntnis nehmen sollten

Wachsamkeit und Aufmerksamkeit sind wichtige Eigenschaften, die leider selten zu finden sind. Die meisten Menschen nehmen keine Notiz. Jesus warnte, dass die Zeit vor seiner Wiederkunft genauso sein wird, wie die Tage Noahs. Noah baute eine riesige Arche. Noah erklärte ihnen, warum er sie baute. Aber die Menschen ignorierten das einfach. In den Tagen, als Jesus auf der Erde war, musste er den Israeliten Unheil ankündigen. Und warum? Weil sie die Zeit ihrer Begutachtung nicht erkannt hatten (Lukas 19:41–44). Das Wetter konnten sie deuten, aber die Zeichen der Zeit, in der sie lebten, konnten sie nicht deuten (Matthäus 16:2–3).

Heute ignorieren die meisten Menschen immer noch die Tatsache, dass wir in den letzten Tagen vor der Wiederkunft Christi und vor dem Tag Jehovas leben. Und dass dies bedeutet, dass dieses politische, wirtschaftliche und religiöse Weltsystem vergeht. Der Mensch hat über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht, und Gott richtet die Menschenherrschaft. Jehovas Zeugen versuchen schon seit über 100 Jahren, diese Botschaft bekanntzumachen, doch wer achtet darauf?

Aber auch Jehovas Zeugen ignorieren die Zeichen der Zeit. Sie schlafen und nehmen nicht zur Kenntnis, was die Entwicklungen, die sie innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft erleben, zu bedeuten haben. Lehränderungen werden einfach ignoriert oder ohne Prüfung übernommen und gutgeheißen. Man denkt, es wäre alles noch so wie früher.

Aber ich habe anders reagiert und habe mir das Erlebte zu Herzen genommen. Dann bin ich mit Jehovas Hilfe in Erwartung geblieben und habe die 1335 Tage erreicht. Dadurch habe ich viel weitere Erkenntnis gewonnen. Der vielleicht wichtigste Merksatz lautet:

Von diesem Tag an betrachtete Jehova die Organisation wie jede andere Kirchenorganisation. Sie gehört zu Babylon der Großen und ihr weiteres Geschick unterscheidet sich nicht von dem anderer Kirchenorganisationen. Es wird in Offenbarung Kapitel 17 und 18 beschrieben.

Und was hat es mit den vielen strukturellen und organisatorischen Änderungen innerhalb der Organisation auf sich? Auch diesem wird keine Bedeutung beigemessen. Was sie aber bedeuten, wird in dem Artikel »Harmagedon verschlafen! Wie kann das sein?« erklärt.

Was wird in naher Zukunft geschehen und was sollten Zeugen Jehovas jetzt tun?

Eine Glaubensgemeinschaft kann nicht die Botschaft ausgeben, dass alle Glaubensgemeinschaften zu Babylon der Großen gehören und von Gott gerichtet werden, ohne dass diese Glaubensgemeinschaft das gleiche Urteil erhält. Sie kann zwar eine Zeit lang gebraucht werden, um diese Botschaft öffentlich zu verkünden. Dann muss sie dieses Urteil auch für sich selbst akzeptieren und sich in diesem Sinne selbst begraben. Dies gebietet der Grundsatz der Unparteilichkeit. Erst damit werden Vollkommenheit oder Vollständigkeit erreicht.

Darum trägt unsere bisherige Tätigkeit als Verkündiger die Zahl sechs. Wir sind dem sechsten Engel gefolgt, der seine Trompete bläst. Die Welt hat von uns erfahren, dass das System der Menschenherrschaft von Gott gerichtet ist und bald vergehen wird. Dazu gehört auch die falsche Religion. Ihr Ende ist nahe. Unsere Tätigkeit wird in Offenbarung 9:13 bis 11:14 beschrieben. Sie bedeutet das zweite Wehe, weil das Gericht Jehovas über alle Elemente der heutigen Welt angekündigt wird. Es ist ein Wehe für die Menschen, die weiterhin auf dieses System setzen (siehe auch die Abhandlung zu Offenbarung). Das erste Wehe war das Zeugnis einer kleinen Gruppe ernster Bibelforscher (siehe Offenbarung 9:1–9:12).

Nun sind wir bei Offenbarung 11:14. Wir warten darauf, dass der siebte Engel seine Trompete bläst. Dies verändert auch die „Welt“ der Zeugen Jehovas (Offenbarung 11:15). Unter Welt kann man den äußeren Rahmen der Verhältnisse verstehen, nach denen man sein Leben ausrichten oder die man berücksichtigen muss. In dieser Welt bemühte man sich, die Gunst der Ältesten zu bewahren, indem man all ihre Regeln befolgte. Man musste stets Regeln und Bedingungen beachten.

Jetzt aber müssen wir selbstständig werden und das tun, was unser eigenes biblisch geschultes Gewissen sagt. Wir werden uns selbst mit unseren Fragen an Jehova wenden und nicht an die Vertreter einer Organisation. So habe ich es ja gemacht. Meine Fragen hat mir Jehova direkt beantwortet. Dann soll das Königreich unserer Welt zum Königreich unseres Herrn und seines Christus werden. Wir werden nicht mehr durch das kollektive Gewissen, das eine Organisation verwaltet, zum Stolpern gebracht.

Aber viele Glaubensbrüder möchten gerne von einer Organisation geführt werden. Sie möchten nicht selbst nachdenken, sondern andere für sich nachdenken lassen. Denn Denken scheint für die meisten Menschen die anstrengendste Arbeit zu sein, die es gibt. Für sie bedeutet das neue Zeugnis ein Wehe. Sie bekommen keine Führung mehr, denn die Gerechten, die Führung bieten könnten, sind sozusagen auf dem Weg zur Hochzeit des Lammes (siehe das Gleichnis von den Jungfrauen).

Die Space-Shuttle als Veranschaulichung

Wir erfahren in der Bibel, dass alle Menschen in Sünde und Tod verkauft worden sind. Durch die Erbsünde ist auch eine Welt entstanden, in der der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht hat. Aber wir erfahren auch, dass es Rettung gibt. Wir können unserem Schöpfer und Lebengeber immer näher kommen. Dank des Opfertodes Jesu Christi können wir von unserer sündigen Natur erlöst werden, denn unser himmlischer Vater hat für eine Rettungsvorkehrung gesorgt (siehe auch die Bibelbetrachtung »Die Himmelsleiter«).

Man könnte unseren sündigen Zustand mit dem Haften auf der Erde vergleichen. Die Erdanziehungskraft verhindert, dass wir sie verlassen können. Der Mensch hat aber Raketen gebaut, mit deren Hilfe man die Gravitation überwinden kann. Wird man durch eine solche Rakete außerhalb der Erdatmosphäre auf eine Geschwindigkeit von etwa 8 km pro Sekunde beschleunigt, dann braucht man keinen Antrieb mehr. Man fällt nicht mehr auf die Erde zurück, sondern befindet sich in der Erdumlaufbahn. Das könnte man mit dem Zustand vergleichen, den wir anstreben, nämlich der Erlösung. Das wird laut Bibelbericht erst am Ende der Tausendjahrherrschaft Christi so weit sein.

Jehovas Zeugen glauben, dass es wichtig ist, in der Organisation zu bleiben, in der sie organisiert sind. Sie wird auch als „Jehovas Organisation“ bezeichnet. Und laut zahlreicher Wachtturmartikel gehört sie zur Rettungsvorkehrung Jehovas. Darum schauen wir uns einmal die Space-Shuttle als Veranschaulichung an, mit der Astronauten in die Erdumlaufbahn transportiert worden sind.

Die Vers-für-Vers-Betrachtung von Hesekiel 38 und 39, die ich Rosa im Oktober 2011 zusandte, schloss ich mit folgender Veranschaulichung ab:

Menschen haben Raketen gebaut, die sie auf eine stabile Bahn um die Erde, die Umlaufbahn, bringen können, von wo aus ein endloses Kreisen um die Erde möglich ist, ohne wieder auf die Erde zurückzufallen. Eine solche Rakete ist die Space Shuttle. Sie benützt am Anfang zum Abheben von der Erde und für den Weg durch die Erdatmosphäre, sogenannte Starthilferaketen. Nach zwei Minuten sind diese ausgebrannt und werden einfach abgeworfen, während die Haupttriebwerke, die von Anfang an Schub lieferten, weiterbrennen. Doch erst nach weiteren fünf Minuten erreicht sie mit Hilfe der Haupttriebwerke und einem großen Treibstofftank die Erdumlaufbahn. Die Starthilferaketen waren zu Beginn notwendig, doch dann war es genauso notwendig, dass sie abgeworfen wurden.

Und genauso wird Jehova die Organisation abwerfen und sie wird zur Erde zurückkehren. Ihr Teil wird bei den sündigen Menschen mit ihrer Menschenherrschaft sein (Mat 54:51). Aber mit Hilfe der tausendjährigen Königreichsregierung können wir dann für alle Ewigkeit von Sünde und Tod freigemacht werden.

Die Organisation stellt also die Booster der Space-Shuttle dar, die nur zu Beginn Schub liefern und dann abgeworfen werden. Dass sie abgeworfen werden, heißt nicht, dass sie nicht benötigt werden. Aber trotzdem liefern sie nur für zwei Minuten Schub und werden dann zwei Minuten und drei oder vier Sekunden nach dem Start abgetrennt. Die Astronauten müssen sich von ihnen verabschieden. Ihre Reise geht ohne diese Booster weiter.

Wir müssen uns entscheiden

Wir müssten uns jetzt die Frage stellen: Wo möchte ich in dieser Veranschaulichung meinen Astronautenplatz haben? Möchte ich im Space-Shuttle sein? Dann muss ich mich von den Boostern verabschieden. Oder möchte ich auf dem Booster meine Kabine haben, weil ich mich nicht von ihm trennen möchte? Was erlebt der, der auf dem Booster bleiben würde, und der, der seinen Sitz im Space-Shuttle hat?

Auf dem Booster erlebt man erst einmal fast Schwerelosigkeit. Vielleicht denkt man dann, man hätte das Ziel schon erreicht und wäre bereits erlöst. Doch dann werden wir bei Eintritt in die Atmosphäre jäh abgebremst und landen schließlich im Meer der sündigen Menschheit.

Im Space-Shuttle ist es unmittelbar nach dem Abtrennen der Booster sehr still und wir spüren weder Geschwindigkeit noch Beschleunigung, als ob wir auf der Erde sitzen würden. Denn sie beschleunigt mit Fallbeschleunigung. Sie vermittelt dieselbe Kraft wie die Erdanziehungskraft. Das könnte ein beunruhigendes Gefühl verursachen. „Sind wir überhaupt gestartet?“ Aber keine Sorge. Sie beschleunigt und nimmt laufend an Geschwindigkeit zu. Im Laufe der Zeit wird die Beschleunigung auch größer. Am Ende haben wir das Ziel erreicht.

Die Astronauten haben während des Fluges mit den Boostern ihren Helm geschlossen. Aber einige Sekunden nach dem Abtrennen öffnen sie ihren Helm. Dann fangen einige an zu jubeln. Sie haben die kritischste Phase hinter sich. Die Mutigsten öffnen ihren Helm 12 Sekunden nach dem Abtrennen der Booster. So musste man sich vor dem Urteil der Ältesten fürchten und sich vor verleumderischen Anklagen schützen. Wir sollten auch hier keine Angst mehr haben.

120 Sekunden lang haben die Booster Schub geliefert. Ungefähr 120 Jahre lang hat die Organisation Menschen ermuntert, Jehova näherzukommen. Abgetrennt wurde sie am 06.10.2013! Das war also vor über 12 Jahren. Und wir müssen uns entscheiden, wo wir stehen wollen. Wir brauchen keine Angst mehr zu haben. Wenn wir uns von der Organisation distanzieren, müssen wir nicht unseren Glauben verlieren. Ganz im Gegenteil! Wir können das Gelernte mitnehmen und weiter im Glauben wachsen, indem wir jetzt erst erwachsen werden. Wir betreten kein Neuland, denn die ernsten Bibelforscher hatten bereits ihre Kirchenorganisationen verlassen, denen sie zuvor angehört hatten.

Die Organisation kehrt zur Erde zurück.

Bleiben wir auf der Organisation, kehren wir mit ihr zur Erde zurück. Ihre Belehrung wird immer oberflächlicher. Laufend geht bereits erworbene Erkenntnis verloren. Die Organisationsstrukturen gleichen einer Kirche. Der Glaube wird immer schwächer. Er beruht nicht mehr auf genauer Erkenntnis der Wahrheit, sondern wird wie der eines Kirchgängers. Die vielen Lockerungen, die es zu verzeichnen gibt, sind zwar angenehm, führen aber nicht zu mehr Glauben.

Ich denke an die Zeit zurück, in der ich noch nicht den Glauben hatte, den ich heute habe. Ich hatte auch einen Vollbart. Weil das aber in der Glaubensgemeinschaft als Sinnbild für Unglauben und die sündige Welt gesehen wurde, habe ich ihn abrasiert und nur meinen Oberlippenbart behalten, um nicht zu übertreiben. Ich wunderte mich zwar, warum man Jesus mit Vollbart abbildete, aber ich habe meine Änderung der äußeren Erscheinung als Zeichen meiner Hingabe und meines Neuanfangs gesehen.

Heute sehe ich wegen der Änderung der Lehrmeinung so viele Glaubensbrüder mit Vollbart. Mittlerweile scheint der Anteil an Bartträgern unter Glaubensbrüdern schon größer zu sein, als außerhalb der Glaubensgemeinschaft. Aber für mich kommt es nicht infrage, mir wieder einen Vollbart wachsen zu lassen. Warum nicht? Weil sich an der symbolischen Bedeutung nichts geändert hat. Jehova, der Gott, dem ich ergeben sein möchte, ändert sich nicht. Er ist vollkommen loyal und seine echten Diener sind vollkommen loyal. Genauso symbolisiert jetzt die Kehrtwende der Organisation zum Tragen eines Vollbartes hin, die Rückkehr zur Erde!

Interessiert es Jehova, ob wir einen Bart tragen, oder ist das eine besser als das andere? Jehova hat in der Vergangenheit den Haarwuchs als Symbol gebraucht. So durften sich die Nasiräer ihre Haare nicht schneiden. Das war einfach ein Symbol für ihre Hingabe und ihr Amt. Jehova hat den Nasiräern ein besonderes Maß seines Geistes gegeben. Der Nasiräer Simson hatte außergewöhnlich viel Kraft. Aber als man ihm die Haare stutzte, verlor er seine Kraft – mit verheerenden Folgen für ihn. Er erlangte sie erst wieder, nachdem seine Haare nachgewachsen waren. Aber heißt das, Jehova hält viel von langen Haaren? Nein. Er gab Elisa seinen Geist, der offenkundig kaum Haare hatte (2. Könige 2:23). Jehova kann also zeitweilig solche Dinge als Symbol benutzen. Wenn er das tut, nimmt er es aber sehr ernst. Überhaupt sollten wir Jehova ernst nehmen und Respekt vor ihm haben. Er ist würdig.

Wie geht es mit der Organisation weiter? In der Veranschaulichung wird sie jäh durch den Widereintritt in die Erdatmosphäre abgebremst. Konkret heißt das, dass die Organisation angegriffen wird und schädliche Dinge, die in ihr abgelaufen sind, entlarvt und verurteilt werden. Viele wenden sich mit ihren schlimmen Erlebnissen an die Gerichte und es werden immer mehr Prozesse geführt. Kurz gesagt, geht an ihr das in Erfüllung, was in Offenbarung 17:16, 17 gesagt wird, denn Jehova rechnet sie zu Babylon der Großen! Darum werden alle, die weiterhin zu der Organisation halten, von Jehova als Volk mit geringem Verständnis betrachtet, wie es Jesaja 27:11 (siehe die Vers-für-Vers-Betrachtung) ausdrückt.

Darum sollten wir lieber zu denen gehören, die Verständnis haben!