Was hat Gehorsam gegenüber Menschen mit explodierenden Gasflaschen zu tun? Das soll nun dargelegt werden. Es ist eine Erfahrung aus dem Bethel, dem Zweigbüro der Zeugen Jehovas in Selters (Taunus). Dort habe ich 19 Jahre lang gelebt.
Gehorsam führt zum Leben!
Ich komme ins Bethel und wundere mich. Dort gibt es gewisse Personen, die Zweigkomiteemitglieder genannt werden. Sie haben ihre wöchentlichen Besprechungen und übernehmen die Führung. Ihnen etwas untergeordnet sind die Abteilungsaufseher.
Nun ist es so, dass die Aufseher, besonders die Zweigkomiteemitglieder, als von Gott eingesetzt betrachtet werden. Gott selbst hat ihnen seine Autorität verliehen. Darum sind ihre Entscheidungen absolut bindend und niemand sollte ihnen je widersprechen. Denn wer ihnen widerspricht, gilt als respektlos Jehova gegenüber. Da Jehova der Schöpfer ist, der alles erschaffen hat, ist es natürlich ungeheuerlich, ihm gegenüber respektlos zu sein, indem man den von ihm eingesetzten Aufsehern widerspricht. Und da diese Aufseher Anweisungen geben, ist es die wichtigste Pflicht, die Anweisungen in völlig ergebenem Gehorsam genau zu befolgen, auch wenn man sie für falsch hält.
Ein Glaubensbruder in der Abteilung, in der ich arbeitete, sagte immer wieder: Gehorsam ist das Wichtigste, Gehorsam führt zum Leben. Ob wir also ewiges Leben von Jehova erhalten und im Paradies sein dürfen, wird am Ende hauptsächlich davon abhängen, ob wir immer den Aufsehern gehorcht haben oder nicht.
Wer vertritt die Autorität des Schöpfers wirklich?
Ich war ja in Verbindung mit Planung von technischen Anlagen beschäftigt und nutze meine Kenntnisse aus der Physik, um technische Vorgänge zu berechnen. Da bin ich oft aufgrund meiner Berechnungen zu dem Ergebnis gekommen, dass das Vorhaben so technisch nicht funktionieren kann, wenn man den Anweisungen und Entscheidungen der Aufseher folgt. Das hat mich dann sehr zum Wundern veranlasst.
Jehova ist doch der Schöpfer. Er hat die Naturgesetze gemacht, nach denen auch Maschinen funktionieren, wenn sie unter genauer Berücksichtigung dieser Gesetze korrekt konstruiert sind. Als Physiker habe ich diese Gesetze studiert, um dann durch Berechnungen voraussagen zu können, ob die technische Anlage so die gewünschte Funktion haben würde. Wenn ich zu einem Ergebnis komme, ist das nicht meine persönliche Privatmeinung, sondern ich vertrete eigentlich die Autorität Jehovas. Denn nicht ich, sondern Jehova hat die Gesetze gemacht, die ich lediglich berechne.
Wie kommt es, dass sie ihre Autorität als von Jehova kommend betrachten, die Autorität von Fachleuten aber verschmähen, wie wenn es sich nur um Privatmeinungen handeln würde? Sie haben mir keinen Beweis geliefert, dass ihre Autorität von Gott kommt. Sie verlangen aber von mir, dass ich das fest glaube. Ich kann aber beweisen, dass die Autorität, die in einem korrekten Rechenergebnis steckt, von Gott kommen muss, denn Gott hat die Gesetze gemacht und die Möglichkeit, Dinge berechnen zu können.
Aber ich stand immer vor dem Problem, dass man nur die Autorität von Aufsehern akzeptiert hat. Ich stand oft wie ein Aufmüpfiger da, wenn ich meine Ergebnisse auch nur ganz vorsichtig mit etwas Nachdruck vertreten habe.
Eine Fehlkonstruktion bringt die verkehrte Denkweise ans Licht
Ein Beispiel war eine Fehlkonstruktion an einer Absauganlage für die Papierschnitzel aus der Druckerei. Ich wusste, dass es so nicht funktionieren kann und fragte den Planer, der eigentlich viel Fachwissen hatte. Er sagte mir nur, dass es in der Besprechung unter Einbeziehung des Zweigkomitees so beschlossen worden war und er es dann so umsetzten musste. Jetzt ist die Anlage in Betrieb. Die Anwender bestätigten mir, dass es nicht funktioniert. Glücklicherweise konnten die Anwender auch ohne diese Einrichtung zurechtkommen, da es sich nur um eine alternative Möglichkeit handelte.
So waren hier Rohre und teure Weichen verbaut, die reine Attrappen waren. Das Problem war nur, dass man nicht zugeben durfte, dass es nicht funktioniert. Es wurde ja durch die von Gott eingesetzten Aufseher so beschlossen und musste einfach funktionieren. Wer hier die Tatsachen aufgezeigt hat, galt schon als sündiger Lästerer. Bei den Anwendern hat man das gerade noch verziehen. Sie sind eben unvollkommen, hat man argumentiert. Für mich war es eine installierte Lüge, denn wenn man diese Konstruktion auch nach anderen Umbauarbeiten belässt, stützt man immer wieder die Lüge, dass es seine Funktion erfüllt, obwohl das nicht der Fall ist.
Ungehorsam!
Ich wollte deshalb unbedingt, dass man die Sache abbaut. Ich wollte dem Gott der Wahrheit dienen und keine Lüge unterstützen.
Als wir gerade mit Umbauarbeiten beschäftigt waren und der Aufseher in Urlaub war, hörten sie auf mich und bauten die Fehlkonstruktion ab. Das war natürlich ein ungeheuerlicher Akt des Ungehorsams, da die Fehlkonstruktion mit dem Beschluss des Zweigkomitees zustande kam und deshalb bestimmt Jehovas Wille war.
Später gab es deshalb noch einigen Wirbel. Die Herren waren wohl sehr irritiert über das freche Vorgehen, die Sache einfach abzubauen. Ich hielt mich allerdings im Hintergrund und bekam es kaum mit.
Als dann zufällig einige Wochen oder Monate später ein Zweigkomiteemitglied neben mir stand, wünschte er mir „alles Gute“. Ich merkte natürlich gleich, dass es ironisch gemeint war. Er wollte damit sagen: So wie ich eingestellt bin, die heiligen Entscheidungen der Aufseher so infrage zu stellen, wäre ich auf dem besten Weg, ein Abtrünniger zu werden. Man kann mir nur noch alles Gute wünschen, dass Jehova mir vergibt, ich vielleicht doch noch die Kurve kriege und wieder ein anständiger Zeuge Jehovas bin, der die große Autorität der Aufseher und des Zweigkomitees voll und ganz respektiert. Aber wahrscheinlich ist bei mir schon alles zu spät.
Der Unfall
Nicht viele Monate später hörte ich plötzlich lautes Knallen, während ich im großen Saal saß, in der gerade eine Versammlungszusammenkunft stattfand. Am Anfang hörte es sich an wie lautes Zuknallen von Türen. Doch dann sah ich, wie die Fensterscheiben zitterten und es knallte immer wieder und hörte nicht auf. Schließlich bemerkte ich hektisches Treiben draußen. Die Feuerwehr rückte mit vielen Wagen an. Was war geschehen?
Neben der Druckerei befand sich im Freien eine überdachte Lagerfläche, in der auch Gasflaschen mit Flüssiggas, Acetylen zum Schweißen und auch Stickstoff- und Sauerstoffflaschen gelagert wurden. Dann hatten die Leute von der KFZ-Abteilung eine glorreiche Idee. Ein Rapsöltank soll aufgestellt werden, damit die Dieselfahrer billigeres Rapsöl tanken könnten. Und der sollte an diesem Ort untergebracht werden, da man sonst keinen besseren Platz gefunden hatte. Schließlich wurde die Sache vom Zweigkomitee genehmigt und beauftragt. So musste die zuständige Fachabteilung ihn installieren.
Ein mutiges Schreiben
Doch es gab große Sicherheitsbedenken. Selbst nachdem der Tank schon installiert war, schrieb ein Bruder der Fachabteilung Installation eine E-Mail an den Aufseher der Kfz-Werkstatt, der sich für den Rapsöltank eingesetzt hatte, Folgendes:
Ein Vertreter der Firma, die uns die Gasflaschen liefert, war hier … . Dabei hat er sich unser „Gaslager“ angesehen. Es machte keinen guten Eindruck, daß der Boden mit Öl verschmiert ist. Er betonte auch, daß es eigentlich nicht statthaft ist, Gas und Öl zusammen zu lagern.
Daher müssen wir überlegen, wie wir die Sache trennen können.
Gibt es einen anderen Lagerort für das Öl?
Am Montag können wir gerne uns darüber unterhalten.
Darunter standen folgende Sprüche:
„Klug zu reden ist oft schwer, Klug zu schweigen meist noch mehr „
(Friedrich von Bodenstadt)
„Hättest du geschwiegen, wärst du weise geblieben.“
Es hat sicher einiges an Überwindung gekostet, diese Dinge zu schreiben, denn es war ja vom Zweigkomitee genehmigt worden. Wie konnte er hier einen Standpunkt vertreten, der im Widerspruch zur heiligen Zweigkomiteeentscheidung stand?
Das Datum des Briefes war 24. Juni 2005. Die Gasflaschen explodierten am 29. September 2005! Es geschah also auch auf die Mail hin nichts! Aber was war konkret geschehen?
Lehre aus dem Unfall
Nach dem, was mir erzählt wurde (ohne Gewähr), lief die Sache folgendermaßen ab: Man hatte noch eine elektrische Heizung installiert, um das Öl dünnflüssig zu halten. Die elektrische Steckverbindung hatte offensichtlich Funken geschlagen, sodass das mit Öl getränkte Stroh, das die Öltropfen auffangen sollte, Feuer fing. Dann floss das Öl aus dem geschmolzenen Kunststofftank aus und das Feuer breitete sich aus, bis die Gasflasche heiß wurden und explodierten. Das Feuer war kilometerweit zu sehen. Eine explodierte Stickstoffflasche flog ungefähr hundert Meter weit. Sie landete in einem Wiesenstück und war völlig aufgerissen, dass die Innenseite der dicken Stahlwand teilweise nach außen gebogen war.
Der Aufseher der Installation hatte mir noch erzählt, dass sie die Sauerstoffflaschen vorher woanders hingetan hatten wegen der Gefahr. Man kann froh sein, dass die nicht weit entfernte Gasleitung nicht von einer herumfliegenden Gasflasche getroffen wurde. Der Unfall hätte noch viel schlimmer enden können.
Mit diesem Unfall war mir völlig klar, wie verheerend sich der absolute Gehorsamsanspruch des Zweigkomitees auswirken kann. Kein noch so gravierender Einwand konnte dieses vom Zweigkomitee genehmigte Projekt stoppen.
Reuelosigkeit
Aber hat dann dieser Unfall wenigstens bewirkt, dass sie zum Nachdenken kamen oder sogar bereuten? Nein!
Man hat die Drucker, die das Feuer entdeckt und gemeldet hatten, kritisiert, nicht heruntergelaufen zu sein (die Druckerei befindet sich im 1. Stock) und mit den vorhandenen Feuerlöschern zu löschen. Dabei waren diejenigen, die für so einen Einsatz geschult waren, nicht weit weg gewesen und sie wurden sofort gerufen.
Das Zweigkomitee hat zwar dafür gesorgt, dass danach alle in regelmäßigen Abständen Feuerlöschübungen machen durften. Das lenkte aber am Ende nur von der eigentlichen Ursache des Unfalls ab, sich göttliche Autorität anzumaßen.
Auch danach war man nicht bereit, auf Fachleute zu hören. Die Vorstellungen über die von Gott eingesetzten Aufseher blieben unverändert. Das wurde mir nochmals deutlich, als das Zweigbüro ein Planungsprojekt ins Leben rief, das eine neue Kommissionieranlage für die Literatur vorsah.
Das Beispiel der Planung einer neuen Kommisionieranlage
Es gab ein Ernennungsschreiben, durch das man Laien, die an der bisherigen Anlage arbeiteten, zu Planern berief. Von den jeweiligen Fachabteilungen wurden zwar auch Personen genannt. Sie durften aber nur tätig werden, wenn sie um Rat gefragt werden. Man wollte einfach nicht, dass Fachleute sich zu viel beteiligen.
Ich wusste schon, dass da nicht viel Gutes herauskommen kann und dass hier nur Unsinn geplant werden kann. Und so war es dann auch. Eine riesige Anlage, über drei Stockwerke verteilt, hatten sie geplant. Als ich die Pläne angesehen hatte, ist mir übel geworden. Doch dann hatte ein Vertreter einer Firma sein Konzept vorgestellt und sie nahmen dieses System nach langem hin und her, weil sie ja tief im Chaos steckten, an. So plante nun diese Firma für sie. Dadurch kam nach vielen Jahren etwas zustande. Die Anlage passte auf eine verhältnismäßig kleine Fläche in einem Stockwerk. Was sie vorher geplant hatten, konnten sie natürlich in den Müll werfen.
Fazit
Bis zum heutigen Tag hat von ihnen keiner bereut. Sie ignorieren Tatsachen, um ihre Theorie, dass sie von Gott ernannt wurden, aufrechtzuerhalten. Jesus hatte es auch mit solchen Leuten zu tun. Wenn man erwiesene Tatsachen ignoriert und ganz absichtlich und bewusst verdreht und verleugnet, um Recht zu behalten, dann lästert man gegen den Geist der Wahrheit. Und wer gegen den Geist sündigt, erklärt Jesus, begeht sogar eine Sünde, die nicht vergeben werden kann!
Als das Zweigkomiteemitglied mir ironisch „alles Gute“ gewünscht hatte, diente ich ihm wohl nur als Spiegel. Er musste sich selbst gemeint haben!
Ich bin heute völlig überzeugt, dass sie schon lange von Jehova verurteilt wurden, denn sie sind Selbsterhöhte von der schlimmsten Art, wie es kein Atheist zustande bringen könnte. Äußerlich geben sie sich immer freundlich, wie wenn sie die besten Kumpel wären. Doch sie stellen sich geradezu als Götter dar und stiften ständig Schaden, weil sie keine Götter sind. Man sollte sich von ihnen abwenden, ihnen nicht mehr zuhören, wenn sie ihre Vorträge halten. Sie sind wie lebendige Leichen! Keiner braucht Angst haben, dass sie in der von Gott verheißenen neuen Welt wieder ihr Unwesen treiben könnten. Denn sie werden einfach nicht da sein. Man wird sich umsehen nach ihrer Stätte, weil sie doch so prominente Glaubensbrüder waren, aber sie werden einfach nicht da sein (Psalm 37:10).